Impfzentrum: Senioren bekommen auch Info-Impfung

Falscher Polizist am Telefon (Originalfoto der Polizei, aber es ist auch nicht ganz einfach, das Thema zu illustrieren. Es darf jedoch davon ausgegangen werden, dass die echten Täter beim Telefonieren weder Uniform noch Maske tragen)

Eine Sache, die mich im Bereich des Verbrechens wirklich aufregt, ist das Ausplündern überforderter und gutgläubiger Senioren, denen Unbekannte per Anruf mit einem Bedrohungsszenario solche Angst einjagen, dass diese gleich zur Bank rennen und Schließfächer und Konten leeren und das Geld und die Wertgegenstände dann irgendwelchen Verbrechern aushändigen. Manchmal warnen die Bankangestellten die hochbetagten Kunden noch, doch die Angst hat sich als fixe Idee im Kopf so festgesetzt, dass sie auf nichts und niemanden mehr hören. Und man denkt sich: Das müsste doch in den Griff zu bekommen sein.

Beispielsweise, indem die Sparkasse solche Verfügungen nur mit zwei Unterschriften (Kunde und Vertrauensperson) möglich macht. (Ist natürlich ein Eingriff, aber immer noch besser, als die gesamten Ersparnisse zu verlieren.) Warum aber ändern die Banken an dieser Stelle nicht die Geschäftsbedingungen, das geht doch sonst auch bei allen möglichen Gebührenerhöhungen?

Vor diesem unbefriedigenden Hintergrund hat nun die Polizei einen strategisch cleveren Zug gemacht: Die Überlegung, wo eine zielgerichtete Ansprache der möglichen Opfer erfolgen kann, führte natürlich – geradewegs ins Impfzentrum! Im Wunderland Kalkar werden also ab sofort die über 80 Jahren alten Impflinge, die derzeit an der Reihe sind, nicht nur eine Dosis des Vakzins bekommen, sondern auch eine Info-Impfung zu den Fallstricken des Telefonbetrugs, die hoffentlich genauso wirksam ist wie die gegen das Virus.

„Dieser Personenkreis gehört ganz klar zu unserer Zielgruppe“, sagt Kriminalhauptkommissarin Stefanie Bodden-Bergau von der Kriminalprävention der Polizei im Kreis Kleve. Auf zwei großen Bildschirmflächen in den Wartebereichen des Impfzentrums wird daher wiederkehrend eine aufklärende Präsentation zum Thema Telefonbetrug mit entsprechenden Verhaltenstipps gezeigt. „Vorsicht: Falsche Polizisten“ oder „Seien Sie misstrauisch, wenn jemand Sie am Telefon nach Geld fragt!“ heißt es in dem Clip, der über die gängigen Betrugsmaschen informiert.

„Jeder lebensältere Mensch, den wir auf diesem Weg erreichen und der anschließend bei einem Betrugsversuch richtig handelt, schmälert die Erfolgsaussichten der Täter“, meint Stefanie Bodden-Bergau. Und selbst wenn die Seniorinnen und Senioren der Präsentation, den Plakaten und Handzetteln im Impfzentrum zunächst keine Aufmerksamkeit schenken, dann hofft die Kriminalhauptkommissarin immer noch auf die jüngeren Angehörigen, die die Älteren begleiten: „Wenn sie als Multiplikatoren die Informationen weitergeben und mit ihren Eltern oder Großeltern über das Thema sprechen, dann sind wir auch einen Schritt weiter“, sagt sie.

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