Guten Flug!

rd | 30. Juni 2011, 11:55 | 14 Kommentare

Blaue Zahlen, rote Zahlen, was soll's? (Plumpe Fälschung)

Unser Sorgenkind, der Flughafen Niederrhein. Der Hauptprofiteur der Betonpiste, die irische Fluggesellschaft Ryanair, in Realitätsverleugnung schon immer eine Größe, besaß am Dienstag die Chuzpe, auf dem Rollfeld den zehnmillionsten Fluggast der Linie in Weeze zu zelebrieren. Mit dabei natürlich Ludger van Bebber, Geschäftsführer der Flughafen Niederrhein GmbH, der pflichtschuldigst sagte, was er bei solchen Gelegenheiten aufzusagen hat: »Wir freuen uns sehr… diese beeindruckende Zahl… zunehmende Beliebtheit.«

Gleiche Person, neue Gesellschaft: Unternehmerfrühstück der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Kleve in Weeze. Da sagte van Bebber, dass er in diesem Jahr mit einem Einbruch der Passagierzahlen um 20 % rechne, also so ungefähr eine halbe Million Menschen weniger, die in Weeze ankommen oder von dort abfliegen. Gebetsmühlenartig wiederholte Bürgermeister Ulrich Francken anschließend die Mär von den Arbeitsplätzen, wobei er zur Überraschung aller Beteiligten diesmal den Anfangswert aus 1985 nahm, also acht Jahre vor Aufnahme des zivilen Flugbetriebs (1414), der 15 Jahre später um 1041 Arbeitsplätze gestiegen sei (2455).

Damit sind wir dann geradewegs beim gestern hier vorgestellten Video, indem ebenfalls munter drauflos schwadroniert wurde, wie bedeutsam der Flughafen für den Kreis und die Region sei: »Der Airport Weeze garantiert damit Wertschöpfung und Beschäftigung im wirtschaftlich bedeutsamen Grenzgebiet zwischen den Niederlanden und Deutschland.«

Wertschöpfung, ja – aber für wen genau? Nur noch einmal zur Klarstellung: Selbst wenn 1000 Arbeitsplätze am Flughafen Weeze entstanden sind, entspricht dies beim gegenwärtigen Stand der Verbindlichkeiten (34 Millionen €) einer Förderung von 34.000 € pro Arbeitnehmer. Gehen wir nun weiter davon aus, dass die meisten dieser Menschen im Niedriglohnsektor arbeiten, würde diese Summe ausreichen, eine solche Hilfskraft (400-Euro-Job) länger als sieben Jahre zu bezahlen. Das heißt, im Augenblick ist das Weezer Wirtschaftswunder vor allem eines, das durch Glaube, Liebe und Hoffnung befeuert wird. Und ausgerechnet jetzt, da man zeigen könnte, dass man Eier hat, fängt das Gejammer an.

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14 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 14. ralf.daute

    @flachlandbiker Dazu kommt noch was, fand ich auch ein starkes Stück…

     
  2. 13. flachlandbiker

    RD (die Redaktion empfiehlt), bitte siehe rechts:

    FAZ.NET : Den Billigflughäfen…

    …und was müssen wir da lesen vom kritischen Autor Hr. Scherff:

    “Weeze macht es besser. Der Airport arbeitet mit Gewinn, hat ein wohlhabendes Einzugsgebiet, gehört nicht dem Staat, sondern einem niederländischen Immobilienunternehmer und bekam nur eine kleine Anschubfinanzierung. Ein Drittel des Ergebnisses stammt aus der Verpachtung und Vermietung von Teilen des riesigen ehemaligen britischen Flugplatzes. Und die Investitionen blieben anders als in Hahn in kleinem Rahmen.”

    Wunderbar. Wer hat denn hier etwas zu nörgeln? Das läuft doch super. Wir sind die Vorzeigeregion und die Erde ist eine Scheibe…

     
  3. 12. Messerjocke

    Übrigens, nicht, dass man mich falsch versteht! Ich bin weiterhin fest davon überzeugt, dass unser Kreis in den letzten Jahren gewiss nicht nur 100% sondern vielleicht sogar 110% seiner Befähigung einsetzte, um die Partie ausgeglichen uns möglichst lange den Gen(i)us[s] vorzumachen.

    Das ist wie mit jedem Geldspielautomaten, der rechts neben dem Toiletteneingang, in fast jeder Kneipe hängt: Desto mehr Geld man nach und nach einwirft, desto länger hält das Spielvergnügen an.

     
  4. 11. Messerjocke

    @willi winzig, genau so ist das. Ich verstehe gar nicht, wie immer wieder versucht wird, diesen Mann (und es ist nur einer) zu denunzieren.

    Er macht seinen Job ziemlich gut und andere eben ziemlich schlecht.

     
  5. 10. willi winzig

    O`Leary ist einfach ne coole Sau!

    Leute wie der Lübecker OB und Landrat Spreen sind halt Beamte, die glauben sie könnten doch auch mal Wirtschaft spielen. Für solche Opfer wäre doch jeder von uns dankbar! Man kann Ryanair eigentlich nichts vorwerfen, die Ansagen von O´Leary sind für jeden mit klarem Verstand eindeutig.

     
  6. 9. Geier Sturzflug

    Den von flipper verlinkten Panoramabeitrag sollten sich die Verantwortlichen im Kreistag anschauen. Bezeichnend ist das Verhalten des Bürgermeisters von Lübeck – ab 05:20.
    Einfach nur noch peinlich.

     
  7. 8. flipper

    Ryanair: Heuschrecke grast Subventionen ab

    http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=7952504

     
  8. 7. Kopetsch

    Sehr schöner Kommentar, der vom 23.7., es trifft nämlich tatsächlich zu, daß dieses Unternehmen “Jobmaschine” exakt an seinem Zenith nicht in der Lage war, den versprochenen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen.

    Von da ab ging es mit Passagierzahlen und Flugzielen erstmal abwärts, eine Umkehr ist nicht in Sicht, es wird möglicherweise so bleiben.

    Warum der Kreis ein Bedürfnis hat, sich an einem mutmaßlichen Pleiteunternehmen unbedingt beteiligen zu wollen bleibt mir rätselhaft.

    Es sei denn, der Kreis hätte Chancen lediglich die Parkplatzbewirtschaftung übernehmen: da ließe sich etwas erwirtschaften. Zumindest momentan noch.

    Kleines Rechenbeispiel: 7000 bereitgestellte Parkplätze zu zwei Dritteln ausgelastet (so scheint es sowohl im Sommer wie im Winter zu sein) macht 4.500 x zurückhaltend geschätzte 10.- Euro pro Tag, also 45.000 Euro, pro Monat etwa 1,35 Millionen Euro, jährlich 16,2 Millionen.

    Selbst angenommene 30% weniger blieben Brutto 11,3 Millionen aus Parkgebühren übrig, bei 20% Mehreinnahmen, die auch nicht ganz unrealistisch sein dürften, wären es aber fast 20 Millionen, die von Parkplatzbenutzern eingenommen werden.

    Bei wem bleibt dieses Geld? Festangestellte der APCOA, die als Parkplatzbetreiber fungiert, dürften keine 5 Personen sein. Und wären es 10, die jährlich 1 Million kosteten, blieben nach der günstigen Modellrechnung 19 Millionen über).

    Ich kann mich ich an eine Äußerung des ehemaligen Flugplatzgeschäftsführers van Elk erinnern, in der er erwähnte, daß sein Flughafen, wenn schon nicht am Fliegen, so doch am Parken verdienen könnte.

    Warum können dann die Kredite und Zinsen -zumindest jene, welche aus Steuermitteln finanziert wurden- nicht bedient werden?

    Mich würde eine Diskussion dazu oder die Meinung von Fachleuten sehr interessieren.

     
  9. 6. Konfuzius a. D.

    Kinder-Überraschuuuuunnnng jetzt mit 20% weniger Inhalt:

    Im Lokalteil “Emmerich” zu lesen: http://bit.ly/oLBohK Der Sturzflug geht weiter. Und oh Wunder, der Jammermeister hat die Flugdingssteuer für sich entdeckt. Diese war jedoch vor Beschluss über die weitere Kreditvergabe durch den Kreis in Kleve bekannt. Droht jetzt die Megapleite? Setzt vielleicht noch vor Nachtflugverbot der Pleitegeier zur Landung an? So darf es weitergehen. Der Bürger hat sich das doch verdient!?

     
  10. 5. Kopetsch

    Pleitegeier Sturzflug

     
  11. 4. Meiner Einer

    @ RD

    Wenn Du schon Bilder bearbeitest, dann bitte so, dass das ganze Ausmaß der Katastrophe auch auf den ersten Blick zu erkennen ist. Bitte die 34Mio ROT einfärben und mit einem
    “-” versehen. Sonst glaubt noch nachher jemand, der Flughafen würde Gewinn abwerfen und die eingeflogenen Steuergelder zurückgeben. Danke.

     
  12. 3. Bernd Derksen

    @Jens-Uwe
    Warum sollte er?

    Die überwältigende Mehrheit des Kreistags glaubt (oder hat zu lieben, glauben und hoffen 😉 ), das Investitions-Abenteuer Flughafen durchziehen zu müssen. Realistische Alternativen sehen sie nicht. Es wird gehofft, dass es gut geht bzw. das mögliche böse Ende erst nach ihrer Zeit kommt.

    Öffentliche Debatten gilt es aus Verantwortungsbewusstsein dringend zu vermeiden. Denn öffentliche Diskussionen gefährden den Erfolg des Flughafens noch mehr. Es ist wichtig, überregional zu vermitteln, dass die Region “geschlossen” hinter dem Flughafen steht.

    Solange der Kreistag nichts einfordert, wird Herr Spreen nichts nachweisen. Ich finde dies nachvollziehbar, denn es würde nur “unnötige” Debatten initiieren und vermutlich den Gegnern Möglichkeiten eröffnen.

     
  13. 2. Jens-Uwe Habedank

    Wann belegt denn der Herr Landvogt nun denn mal seine jobmaschinierten 1.200 Arbeitsplätze am FN glaubwürdig und nachvollziehbar?

     
  14. 1. rainer

    Hallo, tja, solang sich unsere gewählten Verwalter in Poserrollen mit Bergmannsanzug oder Bauhelm selbstgefallen,nach gutdünken irgendwas an- oder ausschalten, Päpste anpöbeln oder Kriege anfangen und sich selber satte Gehälter dafür zahlen wird sich nichts ändern. (http://kimjongillookingatthings.tumblr.com)