Der blaue Planet (noch 71 Tage)

rd | 30. Juni 2015, 12:13 | 12 Kommentare
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Die Erde ist zu zwei Dritteln von Wasser bedeckt

Ein Kritiker des Kunstmagazins ART lobte das Sternbuschfreibad in den 80-er Jahren einmal als das schönste Aquarell des Niederrheins. Es handele sich fast schon um einen „Chloral“, der von oben betrachtet aussähe wie „ein Mondrian, der unter dem Einfluss landestypischer Sedativa entstanden ist“. Die dröge Kunst eines Albrecht Dürer zählte hier nichts, gefaltete Hände gab es nicht zum Gebet, sondern zum Auftakt eines Brustschwimmzugs.

Insbesondere der von Joseph Beuys entworfene Herrenduschentrakt gilt heute als Meisterwerk des Utiliarismus. Auch der (nur scheinbar) völlig sinnfrei in der südöstlichen Ecke montierte Basketballkorb war ein gestalterisches Egal-Signal an den Rest der Welt, ebenso wie die vom damaligen Stadtdirektor Manfred Palmen Beigeordneten Wilhelm Pfirrmann eigenhändig um fünf Zentimeter auf 49,95 m verkürzten Bahnen im Olympiabecken, die mit niederrheinischer Nonchalance das weltzerstörende Rekordstreben negierten, indem es sie es unmöglich machten, „echte“ Wettkämpfe auszutragen.

Die niederländische Vereinigung zur Erfassung von Binnenseen (NVOB) listet das Sternbuschbad an dritter Stelle der größten Gewässer des Landes. Denkmalschützer erkunden derzeit, ob es wenigstens möglich ist, Teilmengen des berühmten Zwanziguhrsommerwassers für die Nachwelt zu erhalten. Denn bald ist es vorbei mit der unschuldigsten aller Sommervergnügungen. Nur noch 71 Tage, dann wird der Charme der Anlage unwiderruflich dem Diktat der Erbsenzähler geopfert! (Die Saison endet am 9. September. Während der Sommerferien ist das Bad ab 6 Uhr geöffnet.)



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12 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 12. Der Laie

    @10 Otto
    Wie sind eigentlich die Bürger aus Keeken,Materborn oder Reichswalde zum Hallenbad gekommen.
    Die haben doch nicht etwa das Fahrrad oder den Bus genommen.
    @9 KlePeter
    Was passiert eigentlich wenn die Bürger den Stadtwerken die Geschäftsgrundlage entziehen.Alleine von der Belieferung mit Trinkwasser und der Abwasser Entsorgung werden die Stadtwerke wohl kaum Überschüsse erwirtschften können um diese mit den Verlusten aus dem Betrieb der Bäder verrechnen zu können.
    Für den Bürger bleibt unterm Strich eine Null übrig. Denn ob die Verluste über Steuern oder kommunale Abgaben kompensiert werden müssen,der Bürger zahlt in jedem Falle die Rechnung.
    Da sich aber auch gerne Kommunal Politiker mit fremden Federn schmücken möchten,freut man sich halt in Kleve,wenn man die Verluste auf den Landeshaushalt übertragen kann.

     
  2. 11. jean baptiste

    @9 KlePeter
    „Die notwendigen Beschlüsse werden nicht mal mehr diskutiert“
    Händchen falten , Köpfchen senken , immer an den eigenen Listenplatz denken.

     
  3. 10. otto

    @9 KlePe,

    auf deinen Post habe ich gewartet.

    Wir, d,h. du und ich und noch Einige aus Kleve denken 40 Jahre weiter, dann wird es heißen, wir haben das Freibad getrennt zu betrachten, die sommerliche Erholung ist nicht zu kombinieren mit einem Winterbad weit außerhalb der Innenstadt. Wir haben Verantwortung für unsere Bürger, die auch im Stadtzentrum schwimmen möchten, ohne PKW o. „Taxi“.

    Ihr könnt euch alle schon die Sätze vorstellen, der Bürger ist uns wichtig, seine Gesundheit liegt
    uns am Herzen etc. Tränen der Ergriffenheit über solchen Altruismus sind nicht aufzuhalten.

    So wie nun die ICE Bahnlinie nach Groesbeek als notwendig propagiert wird, ergeht es auch dem Hallenbad in
    Zukunft. Hinzu kommt, dass voraussichtlich Jahrzehnte keine durchgreifenden Wartungsarbeiten durchgeführt
    werden, so das nur ein Neubau Abhilfe schaffen kann.

    Mehr möchte ich nicht schreiben, da Ralf zurecht meine Worte streichen „müsste“.

     
  4. 9. KlePeter

    Tja, so ist das in Kleve. Eine bewährte und intakte Anlage wird platt gemacht und mit hohen Kosten durch nicht annähernd gleichwertiges ersetzt. Und da spielen sogar ein paar Millionen mehr keine Rolle.

    Und warum das alles: Das Steuersparmodel ermöglicht Kosten auf Dritte zu übertragen. Leider geht die Rechnung nicht auf, denn auch die Klever Bürger sind Steuerzahler und werden zwar nicht über die Gebühren an die Stadtwerke oder die kommunalen Abgaben an den Kosten beteiligt, sondern durch die Abgaben auf ihre Einkünfte.

    Wann wird mit diesem Subventionswahnsinn endlich Schluss gemacht? Und wann finden unsere Stadtverordneten keine Einrichtungen mehr, die sie verschlimmbessern können? So richtig habe ich von keiner Partei vernommen, dass das Sternbuschbad erhalten werden muss. Skandalös: Die notwendigen Beschlüsse werden nicht mal mehr diskutiert.

     
  5. 8. Lohengräm

    Hach, der Sternbusch!
    Ein solches Kleinod und eine der schönsten Dinge neben der Schwanenburg, die Kleve hat!!

    Ein tolles Freibad im -leider übertünchten- Stil der (heiter-tragischen) olympischen Sommerspiele ’72 mit bestem Klever Wasser – das Klever trinkwasser ist wirklich TOP!- und 1a in Schuss! Hier Lob an die Bäderbetriebe/Stadtwerke.

    Mein Tipp an Stadtverwaltung und Stadtwerke:
    Lasst den Sternbusch so wie er ist, macht vielleicht diesen unschönen Anstrich wieder rückgängig und holt den Beton mit den Otl-Aicher-Olympia-Schriftarten und den Regenbogenfarben von München 72 wieder zum Vorschein, inclusive des Schwimmer-Logos am Eingang auf der nackten Kalksandsteinwand und streicht die Geländer wieder gelb. Vergesst Rutschen, Sprudelbäder und macht den Sport im WasserSPORTzentrum wieder zur Priorität für unsere übergewichtige -(auch ich…äh) Gesellschaft.

    Ein so tolles Freibad haben nur ganz wenige Städte, insbesondere nur ganz ganz wenige Kleinstädte . Nicht kaupttmachen ob irgendwelcher „Wirtschafflichkeitsberechnungen“!

    Es wird in Deutschland und Europa so viel Geld für sinnloses Zeug rausgeschmissen. Aachen leistet sich für 15 Millionen/Jahr ein sinnloses Stadttheater für die Beamten- und Reichenschicht und hat eine bessere Pfütze für 250.000 einwohner als Freibad. Wie hauen 80 Milliarden für die Griechen raus.

    Und da soll für ein freibad keine Subvention da sein?
    Macht es besser. Wiederholt nicht diesen Unsinn. Wir haben schon genug Schwimmbäder (Kranenburg) wieder weggespart und abgerissen.

    Und vielleicht: Auch ein 1972er-Schwimmbad kann man vielleicht als Denkmal durchbringen und dafür Fördergelder bekommen. Warum nicht? Einfach mal das scheinbar Unmögliche denken.

    Und lasst das Hallenbad in der Stadt, wo alle Bürger und Studenten es erreichen können. Auch sonntags. Ein Hallenbad so idyllisch am Fusse der Burg im Herzen der Stadt, -auch das würde ich nicht aufgeben, das ist auch ein Markenzeichen von Kleve.

    P.S.: Das einzige was mir auf dem Foto Angst macht ist das dunkle Rechteck im Springerbecken unten in der Ecke.
    Was ist das ??

    http://www.1972municholympics.co.uk/Flags/Flags_Section.php

     
  6. 7. Husky

    Hauptproblem ist halt das aktuell Spassbäder total in sind, und daher man in Kleve dachte „hui, da brauchen wir eines“ blöd nur das sowohl Gochness und Embricana in Reichweite liegen.

    Ich zweifle stark an das das „neue Sternbusch“ da irgendwie einen Besucher mehr zieht. Im Gegenteil, viele „Bahnschwimmer“ werden sagen „och.. nö..“ und auch der Schwimmverein kann mit dem nicht Wettkampftauglichen Areal nix anfangen.

    Das „Konzept“ (Welches eigentlich) ist überhaupt nicht sinnvoll oder gar durchdacht, eher ein typischer Kleve schnellschuss

     
  7. 6. rd

    @JR Ich sag nur: 50-er Karte! Das mit dem (an weniger guten Tagen) mangelnden Publikumsinteresse ist natürlich nicht von der Hand zu weisen. Schade ist es trotzdem.

     
  8. 5. JR

    Tja Ralf, hättest etwas öfter gehen müssen, damit die Zahlen stimmen. Als sehr regelmäßiger Schwimmer ( 3-4 mal / woche ) bedauere ich das Ende des Bades mit dem 50 m Becken sehr. In den letzten Jahren hat es vorgezogene Schließungen bei Schlechtwetter nicht mehr gegeben. Die Wärmehalle und der Kanal lassen ein Schwimmvergnügen auch bei kaltem und nassem Wetter zu. Aber: wenn ich bei schlechtem Wetter gehe, sind max. 5-10 Leute im Wasser. Ich habe auch schon mehrfach ganz allein 1000 qm Wasserfläche zur Verfügung gehabt. Die großen Nichtschwimmerareale werden an sicher 70% der Tage ganz umsonst geheizt. Bei heutigen Ernergiekosten und im Sinne des Klimaschutzes ist dieses wúnderschöne Bad ein Fossil und muß wohl auch aufgrund des mangelnden Publikumsintereese einer modernen Variante weichen. Ein kombiniertes Hallen/Freibad mit Außenbereich auch im Winter hat auch etwas.
    Sehr schade ist nur, daß jetzt 2 Jahre gar kein Freibad zur Verfügung steht – also ab in die Baggerseen!

     
  9. 4. rd

    @Auditor 100% Zustimmung! Die Pläne für das neue Bad hängen jetzt an einem Bauzaun im Freibad aus. Es lässt für einen warmen Sommertag Schlimmstes befürchten, da von den acht Bahnen im 50-Meter-Becken lediglich drei bleiben, die auch noch durch ein merkwürdiges Spaßbadelement beeinträchtigt werden.

     
  10. 3. Auditor

    Ich gehe gerne mit meinen Kindern hier schwimmen. Wenn man am Wochenende früh dran ist oder einige Wolken die Sonne verdecken, ist noch ein Badevergnügen fernab von einer Massenveranstaltung möglich. Wo gibt es so etwas sonst noch?

    Nur mit den Öffnungszeiten habe ich so meine Probleme. Am Wochenende gehen wir gerne früh schwimmen, da öffnet das Bad erst um 10 Uhr, in der Woche, vorzeitig Feierabend gemacht, stand ich wiederholt vor verschlossener Tür (Wetter zu schlecht oder zu wenige Gäste, daher einige Stunden verfrüht geschlossen?). Dafür finde ich die Eintrittspreise extrem günstig.

    Mein Wunsch für das Bad: Sanierung der vorhandenen Substanz und verlässliche verlängerte Öffnungszeiten. Dafür gerne erhebliche Erhöhung der Eintrittspreise (Verdoppelung halte ich für angemessen unter Berücksichtigung von Sonderregelungen für Schüler, Studenten, Rentner, Behinderte u.s.w.).

    Aber das Thema ist ja erledigt, im Vorfeld habe ich auch nirgendwo etwas von Bestrebungen zum Erhalt der Anlage im derzeitigen Umfang gelesen. Da bin ich wohl mit meiner Begeisterung für das bestehende Sternbuschbad ziemlich alleine.

    Meiner Meinung nach verliert Kleve hiermit, nach Schleuse und Fähre, wieder einen, sicherlich kostspieligen und nicht lebenswichtigen, Anteil, der unsere Stadt einzigartig und besonders lebenswert macht. Wofür die vorhandenen Mittel stattdessen verwendet werden, kann man hier im Blog nachlesen (kommunale Ebene) oder täglich in der Tagesschau sehen (Bundesebene).

    Sonnige Grüße

     
  11. 2. Rainer K H

    Hallo Herr Look, „blau machen“ usw. hat einen anderen Ursprung. Vieleicht mal eine Stadtführung mit Frau Schnügten mitmachen

     
  12. 1. wolfgang Look

    Blau ist keineswegs nur die Farbe des Himmels und der Ewigkeit, sondern stand vielmehr früher für die „verkehrte Welt“, für das, was (nach damaliger Ansicht) eigentlich nicht sein soll. Sie wurde daher auch gerne im Karneval genutzt. Darauf verweisen auch noch informelle Redewendungen wie „blau machen“, „ins Blaue hinein reden“, blau sein (für betrunken), oder im russischen etwa bedeute „blau sein“ homosexuell sein. Insofern ist der Sternbusch ein schönes Experimentierfeld für Avantgardisten, „Antinormalisten“ und unbürgerliche Existenzen aller Art.