Das Geheimnis hinter der „Stellwerkstörung“ in Geldern: Sportübertragungen spätabends

rd | 30. Januar 2020, 15:03 | 4 Kommentare
Verspätungen kommen vor, aber was passiert da eigentlich in Geldern?

Das Besondere am heutigen Tag war, dass gestern Abend der FC Liverpool durch Tore von Salah (35., Elfmeter) und Oxlade-Chamberlain (52.) mit 2:0 Toren gegen West Ham United gewonnen hat. Erfahrene Bahnfahrer wie Benno wissen, dass solche Sportereignisse bis zum Niederrhein durchschlagen.

Das Spiel war um kurz vor elf Uhr zu Ende, und falls man sich die Partie auf einem der Sportsender live angeschaut haben sollte, wird die Nachtruhe danach sehr kurz – zumindest, wenn am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe wichtige infrastrukturelle Aufgaben zu bewältigen sind. Zum Beispiel der Betrieb eines Stellwerks, das für den reibungslosen Ablauf des regionalen Zugverkehrs zuständig ist. Oder aber: Man dreht sich noch mal auf die andere Seite und schläft ein bisschen länger. Heute morgen musste Benno dann mal wieder einen Kommentar schreiben: „Gestern Abend spielte Liverpool, heute, 30.1.2020 war mal wieder morgens das Stellwerk in Geldern nicht besetzt. Verspätung hielt sich in Grenzen… “

Es ist nicht das erste Mal, dass derlei gepostet wurde. Deshalb fragte kleveblog bei der DB (fürs Schienennetz zuständig) nach, ob das wirklich sein kann. Die Antwort eines Bahnsprechers, der namentlich nicht genannt werden möchte: „Neben den durch das Eisenbahnverkehrsunternehmen Nordwestbahn verursachten Störungen kommt es auch zu Störungen, die durch die Infrastruktur, also z.B. die Stellwerke verursacht werden. In ganz wenigen Einzelfällen ist es auch dazu gekommen, dass ein Mitarbeiter verspätet zum Dienst erschienen ist. Die Gründe hierfür können vielfältig sein. Wir gehen dem natürlich in jedem Einzelfall nach. Ein Zusammenhang mit Sportübertragungen am Abend vorher ist hier keinesfalls zu sehen.

Außer man führt, wie Benno, Buch, und kann den Zusammenhang sehr wohl herstellen.

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4 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 4. Tom Stein

    Nun ja, früher konnte der Mitarbeiter der ersten Schicht einfach ein paar Stunden dranhängen, bis die Ablösung da war. Heute ist ihm das nur noch in Grenzen erlaubt (EU- und deutsches Recht zu max. Arbeitszeit und zu Pausen bis zur nächsten Schicht). Wenn heute jemand gegen diese Regeln verstößt und dann passiert etwas – dann ist er auf einmal gezwungen, seine Aufmerksamkeit und damit seine Unschuld zu beweisen. Das kehrt mal eben die Beweislast um. Also kann man heute weniger ausgleichen als früher. Ob es außerdem früher mehr aushilfsbereite (also willige und befähigte) Kollegen gab, weiß ich nicht.

     
  2. 3. Lohengräm

    Das stimmt schon, das dachte ich zuerst auch.

    Aber: Interessante internationale Fussballspiele mit anschliessendem Besäufnis gab es auch schon in den 70er-Jahren, und ich kann mich nicht erinnern, dass deswegen an der Strecke mal ein Stellwerk ausgefallen wäre.

    Folglich nehme ich an, dass die Personaldecke zu Bundesbahneiten besser organisiert oder stärker war, – vielleicht war damals das Stellwerk immer mit 2 Mann besetzt.

    Schliesslich kann man ja auch aus anderen Gründen zu spät kommen, Unfall oder Autopanne oder sonstwas, oder was ist wenn man kurzfristig krank wird.

    Das scheint zu Bundesbahnzeiten weniger ein Problem gewesen zu sein.

    Aber Personal kostet ja nur unnötig Geld. Und Kapauttspar-für-Profit-Mehdorn war super.

    Nun bekommen wir die Quittung dafür.

     
  3. 2. Benno

    @ Lohengräm: wenn ich Dienst habe, habe ich einen gewissenhaft Dienst zu verrichten. Das Ereignis mit dem Mainzer Stellwerk ist mir durchaus bewusst.
    Sollte der Dienstplan auf Kante genäht sein, müsste eine Schicht, wie damals in Mainz, komplett wegfallen, tut es aber nicht!

    Die NWB gibt auch jedesmal an, wenn das Stellwerk nicht besetzt ist. Und das war am 11., 17., 22. und 23. Oktober 2019 sowie am 17., 23. und 30. Januar 2020.

    Benno

     
  4. 1. Lohengräm

    Die Schuld sehe ich trotzdem eher weniger beim Stellwerksmann (sofern sich diese Konstellationen wirklich als zutreffend erweisen sollten), sondern in der auf Kante genähten Personalpolitik der DB Netz, wahrscheinlich noch aus Mehdorns Zeiten.

    Mainz scheint schon lange wieder vergessen.