Sternstunden und Schwanengesänge: Stadtgeschichte als Spektakel – und das für 0,02€/Jahr

rd | 07. November 2017, 13:16 | 5 Kommentare
Historische Kostüme links, gute Laune rechts, ein Medienarbeiter in der Mitte: die Schauspieler  Harald  Kleinecke, Laura van Meurs, Yvonne Campell Körner, Heinz Rogosch, Severin Roth und Marie Richter, die Verwaltungsmitarbeiter Stefan Derks und Anne Wier sowie NRZ-Reporter Andreas Dahms beim Versuch, ein schönes Foto zu schießen

Historische Kostüme links, gute Laune rechts, ein Medienarbeiter in der Mitte: die Schauspieler Harald Kleinecke, Laura van Meurs, Yvonne Campbell Körner, Heinz Rogosch, Severin Roth und Marie Richter, die Verwaltungsmitarbeiter Stefan Derks und Anne Wier sowie NRZ-Reporter Andreas Dahms beim Versuch, ein schönes Foto zu schießen

„Es wird ein Spektakel“, verspricht Theaterchef Harald Kleinecke. Ein Spektakel, dessen Ausmaße sich genau beziffern lassen: 29 Schauspieler übernehmen 95 Rollen, das heißt exakt 3,2758 Rollen pro Darsteller. Sie stellen 775 Jahre Klever Stadtgeschichte in 150 Minuten nach, das heißt 5,17 Jahre pro Minute. Und das ganze kostet die Besucher, die am 15. November in die Stadthalle kommen sollen, exakt 18 Euro, was einem absoluten Schnäppchen gleichkommt, ist doch ein Jahr Stadtgeschichte somit schon für 0,023 Euro zu bekommen!

Was aber genau ist dieses Spektakel? Es ist, zum Abschluss der Feiern zum 775. Jubiläum der Stadtrechte, die Geschichte der Stadt, in derben, lustigen, tragischen und erhabenen Szenen nachgestellt – unter dem passenden Titel „Sternstunden und Schwanengesänge“. Da natürlich nicht alles historisch dokumentiert ist, haben sich die Macher einige Freiheiten genommen (aber ist nicht auch die Historie selbst Fiktion? Siehe dazu auch: Hayden White: The Historical Imagination in Nineteenth-Century Europe (1973/2014)). Harald Kleinecke, vom „Theater im Fluss“ und für die Inszenierung verantwortlich, sagt: „Entstanden ist eine Collage höchst unterschiedlicher Momente: bedeutungsvolle, freudige, humorvolle wie auch betrübliche. Gemäß der jeweiligen Stimmung wechselt das Horror vom frivolen Volkstheater über das Thema auf juristische) Bildungstheater hin zu den tragischen Dramen der Zeitgeschichte.“ Fast alles, was die Stadtgeschichte ausmacht, wird zumindest gestreift. Und am Ende wagen die Macher sogar einen Blick in die Zukunft: „Die Aufführung endet mit einer kleinen positiven und negativen Utopie“, so Kleinecke. Die Schauspieltruppe ist eigenen Angaben zufolge eine „bunt gewürfelte“ mit einem Kern aus der Mannschaft des „Theaters im Fluss“. Dazu gehören Maren Evers, Yvonne Campbell Körner, Marie Richterr, Ella Lichtenberger, Jan Schumacher, Heinz Rogosch, Severin Roth, Andreas Giese, Jan Teunissen, Malcolm Lichtenberger, Birgit van den Boom, Thomas Brokamp, Ron Manheim, Jessica Fischer, Laura van Meurs, Marina Buens, Alina Krebbers, Janis Krebbers, Yannis van der Soenst, Sophie Blasig, Insa Hoeing, Selina Koenen, Lennart Osterkamp, Hendrik Rübo, Claartje van Ginneken, Wolfgang Paterok und Max Frische. Das sind bisher 27 Namen, die anderen beiden werden unter „u. a.“ geführt, was womöglich damit zusammenhängt, dass noch nicht alles so fix ist, wie es sein sollte – und das acht Tage vor der ersten (und einzigen) Aufführung! Jedenfalls sagt Kleinecke: „Wir freuen uns darauf, wie vor jeder Premiere – aber diesmal ist das Chaos doppelt so groß.“

Für die Musik sind Thomas Geisselbrecht, Friedhelm Körner, Cornelia Burgers und Jan Schumacher verantwortlich. Neben einem Bühnenbild wird es auch reichlich Projektionen alter Gemälde und Filme geben, für diesen Teil der Aufführung zeichnet Björn Nienhuys verantwortlich. Die schönen Plakate mit dem Schwan hat Tilman Jäckle gestaltet.

Karten für die Vorstellung am 15.11. um 20 Uhr in der Stadthalle sind zum Preis von 18 Euro (Vollzahler) bzw. 14 Euro (ermäßigt) an der Information des Rathauses erhältlich. Noch sind sie zu haben, von den 422 zur Verfügung stehenden sind bisher erst 150 verkauft.

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5 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 5. Martin Fingerhut

    um Daute’s ErbsenDividiererei zu aktualisieren :
    mehr als 180 Minuten, also weniger als 4,3 Jahre pro Minute

    und nun zu etwas von Relevanz :
    über 3 Stunden fantastisches Teater !
    intelligent erdacht !
    interessant zusammenGestellt !
    professionell gespielt !
    einfach begeisternd !!

    Allen, die zu dieser GlanzLeistung beigetragen haben meinen Dank und aufrichtiges Lob !!!

    So hat „775“ doch noch einen würdeVollen Beitrag bekommen.

    mal nachDenklich, mal beschwingt.
    mal ernst, mal lustig.
    Viele bekamen ihre FettEcke weg.
    Alle bekamen einiges zum NachDenken.

    HochAchtung vor dieser Leistung !

     
  2. 4. Andre Gerritzen

    Habe schon eine paar Minuten aus der Aufführung bei der Verleihung des Klever Kulturpreises gesehen und das war ganz eindeutig zweideutig.

    Die Haupt-Figur in dem Ausschnitt sollte der Kurfürst sein, aber eigentlich habe sie dabei nur über den Ex-Bürgermeister gelästert. War sehr witzig und ich denke das ganze wird sehr sehenswert.

     
  3. 3. ???

    Wo ist der Schwan? 😉

     
  4. 2. rd

    Naja, das ist ja wohl eher noch Christian Schmidt II!

     
  5. 1. Wolfgang Look

    Diese Einschübe „das heißt exakt 3,2758 Rollen pro Darsteller“ und „das heißt 5,17 Jahre pro Minute“ sind wohl noch eine (ggf. unbewuste) Langzeitfolge des Mathe-Leistungskurses!