Aufstellung der Nebentätigkeiten 2009

rd | 05. März 2010, 10:21 | 48 Kommentare

(Aktualisiert) Um es mal so zusagen: Von dem Geld, das Landrat Wolfgang Spreen (CDU) im Jahr 2009 noch so nebenbei verdient hat, könnten acht Verkäufer ein Jahr lang bei McPaper beschäftigt werden (Rechnung: 24.800/6 (Stundenlohn)/40 (Stunden/Monat)/12 (Monate/Jahr) = 8,6). (Wie auch schon in den Kommentaren steht, bleiben dem Landrat davon allerdings nur 6000 Euro. Alle über diesen Betrag hinausgehenden Einnahmen müssen laut Vorschrift an den Dienstherrn abgeführt werden (was auch geschehen ist, so Kreissprecher Eduard Großkämper).

Lfd. Nr. Art der Nebentätigkeit Pauschale/Vergütung (insgesamt)
1 Mitglied der Verbandsversammlung, des Verwaltungsrates sowie des Haupt- und Bilanzprüfungsausschusses der Sparkasse Kleve 10.910,00 EUR
2 Mitglied des Kommunalbeirates Geldern der Sparkasse Krefeld 400,00 EUR
3 Mitglied der Trägerversammlung sowie stellv. Mitglied des Verbandsvorstandes des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes 3.480,00 EUR
4 Mitglied des Regionalbeirates der RWE Energy AG 5.850,00 EUR
5 Mitglied des Kommunalbeirates Niederrhein der RWE Rhein-Ruhr 200,00 EUR
6 Mitglied des Aufsichtsrates sowie der Mitgliederversammlung der GVV-Kommunalversicherung und Mitglied des Regionalbeirates der GVV-Privatversicherung 3.480,00 EUR
7 Mitglied im Kommunalen Beirat der niederrheinischen Gas- und Wasserwerke 500,00 EUR


Abenteuer Jobbörse: Bachelor of Love bei der LVA

rd | 03. März 2010, 16:53 | 22 Kommentare
Der Mann von der Bundeswehr im hellblauen Hemd wollte mich nicht als embedded Reporter, rechts ein Ausschnitt der aufblasbaren Kokosnuss, in der die Mitarbeiter von jobrapido Interessenten empfingen

Der Mann von der Bundeswehr im hellblauen Hemd wollte mich nicht als embedded Reporter, rechts ein Ausschnitt der aufblasbaren Kokosnuss, in der die Mitarbeiter von jobrapido Interessenten empfingen

Die Wirtschaftskrise! Da muss man sich auch mal umsehen, wenn’s so richtig nicht läuft. Zum Beispiel auf der vierten Klever Jobbörse in der Stadthalle, an deren Eingangstür der Hinweis auf die bevorstehende Aufführung von „Kein Job für Sünder“ mich auch nicht abschrecken konnte. Ich wollte Arbeit. Hier. Jetzt.

1. Versuch: Nicole von der etablierten Klever Softwareschmiede db-central (wie sich herausstellen sollte, das einzige private Unternehmen – von Zeitarbeitsfirmen mal abgesehen) fragt mich: „Was können Sie denn?“ „Schreiben.“ „Und sonst?“ „Nichts. Aber ich könnte vielleicht Programme schreiben.“ „Beherrschen Sie denn Programmiersprachen wie PHP und C++?“ „Ja, ich kann das Datum in PHP. Und ich habe schon mal eine Website gebaut.“ „Mh, das wird schwierig. Aber ich gebe Ihnen trotzdem mal meine Visitenkarte, dann können Sie eine Initiativbewerbung schreiben.“ Danke, Nicole!

Das fängt ja gut an. Eine Minute Konversation, und schon darf ich eine Bewerbung schreiben. Aber es kommt noch besser:

2. Versuch: Die Deutsche Rentenversicherung. „Die Rente ist sicher“, heißt es ja immer. Bestimmt auch als Arbeitgeber. Aber bin ich nicht zu alt? „Nein, wenn es Ihnen nichts ausmacht, neben 20-Jährigen die Schulbank zu drücken.“ Bei der Rente gibt’s nämlich nur Ausbildungsplätze. Stimmt die Kohle denn? „Sie bekommen während der Ausbildung 870 Euro monatlich, und dazu studieren sie. Hinter sind Sie Bachelor of Love.“ Das passt ja, dachte ich noch, aber dann klärte mich meine Begleiterin auf, dass es vermutlich Bachelor of Law hieße.

Trotzdem: Eine Bewerbung und einen fast schon sicheren Ausbildungsplatz nach fünf Minuten – Jobkrise, wo bist du? Hier:

3. Versuch: Bundeswehr: „Was können Sie denn?“ „Schreiben, aber ich würde auch kämpfen.“ „Wie alt sind Sie denn?“ „44.“ „Oh, das ist leider viel zu alt, wir nehmen nur bis zum Alter von 25, in Ausnahmefällen bis 31 Jahre.“ „Aber ich könnte doch als embedded Reporter irgendwo mitfahren und schöne Kriegsberichte schreiben.“ „Nein, dafür haben wir die freie Presse.“ So schnell gebe ich natürlich nicht auf: „Die schreiben aber auch, was sie wollen. Ich würde schreiben, was SIE wollen.“ Doch die Abwehrfront steht: „Das ist doch gut, dass es die freie Presse gibt, wenn die nicht schreiben würde, dass Soldaten rohe Schweineleber essen müssten, würde sowas nicht aufgedeckt.“ Ein echter Demokrat, der Mann mit einer Raute auf der Schulter (Dienstrang? Leutnant – Danke, Marek!), aber für meine beruflichen Ambitionen allerdings eine Art MOAB. Immerhin, ich darf einen Handzettel mitnehmen.

4. Versuch: Flughafen: Die Firma AviSec, was vermutlich für Aviation Security steht, preist sich als eines der führenden deutschen Ausbildungszentren für Luftsicherheit. Luftsicherheit, das heißt in dem Fall Passagiere abtasten. Die Plätze am AviSec-Tisch sind gut besetzt, viele Männer und Frauen füllen ein Bewerbungsformular aus. Scheint ja durchaus begehrt zu sein – ich aber lande unsanft auf dem Boden der Tatsachen, denn Nebila von AviSec klärt mich darüber auf, dass die achtwöchige Ausbildung im Abtasten und Koffergucken 3390,00 Euro kostet (!), was aber evtl. vom Arbeitsamt übernommen werde. (Man erkennt das Geschäftsprinzip: Vom Arbeitsamt Geld für verlorene Seelen abgreifen. Ein Kurs mit 25 Teilnehmern bringt AviSec also 84.750 Euro. Er dauert 320 Stunden. Daraus ergibt sich ein Stundensatz von 264,84 Euro!!!) Nun wollte ich aber nicht das süße Leben der AviSec-Chefs finanzieren, sondern selbst etwas verdienen.

Deshalb der 5. Versuch: Die Herren des Verfahrens persönlich, die Agentur für Arbeit. Eine Frau hört sich meine interessante Biographie an, dann meint sie, vielleicht am besten Mal unter „Verschiedenes“ nachsehen. Klar, mache ich sofort. Im Angebot: Büchsenmacher (kann ich nicht), Helfer in der Landwirtschaft (wäre machbar, wer sagt’s denn). Leider sind zu Verdienst etc. keine weiteren Angaben erhältlich, sodass die Offerte etwas diffus bleibt.

Also weiter zum 6. Versuch: Schreiben kann ich, da sollte reden nicht viel schwieriger sein – auf zum Stand von Antenne Niederrhein, auf zur Lösung all meiner Probleme. Volker sagt mir, dass Nachwuchsjournalisten gesucht werden. Ich entgegne: „Nachwuchsjournalisten, das ist doch nur ein anderes Wort für Praktikanten!“ So sei das heute aber überall, erwidert Volker. Kann sein, aber ohne mich – ich möchte ja abends mit etwas Geld in der Tasche nach Hause kommen…

Zunehmend desillusioniert nimmt mich plözlich eine surreale Szenerie gefangen – eine aufblasbare Kokosnuss von den Ausmaßen einer Hüpfburg, in deren Inneren zwei junge Menschen ein Versprechen in einem Wort abgeben: jobrapido (es handelt sich übrigens um ein Angebot der Agentur für Arbeit). Treffer, hier bin ich richtig!

7. Versuch: „Hallo, ich suche einen Job. Sofort. Hauptsache Geld.“ Eine junge Frau, ich glaube, sie hieß Sabine, füllt die Suchmasken ihres Rechners aus. Und da kommt es auch schon, mein persönliches Angebot: Aushilfe bei McPaper! 40 Stunden im Monat, auf Abruf bereitstehen, Sabine schätzt irgendwas zwischen fünf und sieben Euro pro Stunde. Als Arbeitsgeber tritt nicht einmal McPaper auf, sondern eine Firma aus Berlin, die Workstation AG (klingt nach Methode Schlecker). 40 mal sieben, das ergäbe einen Monatsverdienst von 280 Euro! Qualifiziert bin ich auch – denn ich weiß, dass am Ende des Verkaufsgesprächs immer noch dieses erzdämliche „In dieser Woche haben wir übrigens Tesafilm im Angebot, wollen Sie nicht noch ein paar Rollen kaufen?“ kommt. Bingo! Schluss mit diesem nerv- und zeitraubenden Contentbergwerk kleveblog hier – ab jetzt wird gearbeitet!

***
ps. Materielle Bilanz: 3 Kugelschreiber, 2 Tüten Fruchtgummi, 2 Schlüsselbänder und eine Fahrradsattelhaube von der Euregio

pps. Der Fairness halber sei gesagt, dass das Angebot insgesamt informativ ist, wobei jedem Interessenten, der einfach nur einen Job sucht, schnell klar sein dürfte, dass sein Heil allein in der Zeitarbeit liegt (ca. die gesamte linke Hälfte der Stadthalle) und da vor allem in den Niederlanden (aufm Bau, mindestens fünf Anbieter).



Goch: FH Kleve nach Emmerich – Studenten werden kaserniert

rd | 02. März 2010, 18:52 | 44 Kommentare

Freut euch, Studenten der Fachhochschule Rhein-Waal, Ihr werdet bis zum Sommersemester 2012 kaserniert! Der Weg zu eurem Bachelor oder Master führt euch demnächst geradewegs in die rund einen Kilometer vom Emmericher und neun Kilometer vom Klever Stadtzentrum entfernte Prinz-Moritz-von-Nassau-Kaserne. Das WAZ-Internetportal Der Westen meldet (hier der Link zur Geschichte):

Die Hochschule Rhein-Waal wird vermutlich bereits zum kommenden Wintersemester Räume der ehemaligen Moritz-von-Nassau-Kaserne in Emmerich anmieten. Das 326 000 Quadratmeter große Gelände sei derzeit die einzige Alternative, erklärte (FH-Vizepräsident) Martin Goch. Mit der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (BIMA) werde bereits über einen entsprechenden Mietvertrag verhandelt (…) Allerdings müsse das zuständige Innovationsministerium in Düsseldorf vorab seine Zustimmung für Anmietung und vor allem die „durchaus kostspieligen“ Umbauten geben. Die würden sich nach ersten Schätzungen auf eine sechsstellige Summe belaufen. In Mannschaftsblocks und weiteren Räumen der ehemaligen Kaserne könnten zunächst zehn Hörsäle entstehen.

Mit anderen Worten: Statt süßem Stundenleben Kasernenhofton, statt WG Mannschaftsbaracke. Das rockt. Vor allem die Vermieter von Studentenwohnungen in Kleve dürften vor Freude Luftsprünge machen. Für die Studenten hier schon mal die wichtigsten Begriffe zum Umgewöhnen:

Studenten sagen üblicherweise… … aber an der FHRW heißt es künftig
BaFöG Sold
Asta-Vorsitzender Stubenältester
„Äääh.“ „Jawoll, Herr Unteroffz.!“
c.t. 5 Minuten vor der Zeit ist des Soldaten Pünktlichkeit
Hörsaal Baracke
Mensa Gulaschkanone
Vorlesung Briefing
Abschluss Abschuss
Umgekippter Kaffeebecher Kollateralschaden
Bachelor Unteroffizier
Master Brigadegeneral
Leopard Leopard II
Flyer Phantom

Eine Frage der Größe

rd | 02. März 2010, 16:42 | 26 Kommentare

Kleiner Fotoservice für alle auswärtigen und exilierten Leser, die sich nicht richtig vorstellen können, was es bedeutet, dass Kleve eine Fachhochschulstadt geworden ist: Hier der – in der Abenddämmerung aufgenommene – Blick auf die „Großbaustelle Fachhochschule“. Mitarbeiter der auswärtigen Firmen werden mit großflächigen Wegweisern „Großbaustelle Fachhochschule Tor 1-3“ und „Tor 4-6“ schon weit vor der Stadt zielsicher zum Gelände geleitet. Und so viel ist sicher: Den schönsten Bauzaun haben wir schon – da traut man sich ja nicht mal mehr, ein Cinque-Plakat dranzukleben!

Am Ufer des Spoykanals erstreckt sich das Gelände der FH-Baustelle vom Klever Ring bis zur Unterstadt – Platz für ganz schön viele Dozenten und Studenten

Am Ufer des Spoykanals erstreckt sich das Gelände der FH-Baustelle vom Klever Ring bis zur Unterstadt – Platz für ganz schön viele Dozenten und Studenten