Dr. Krittel und kein Papst in Kleve

rd | 21. September 2009, 14:39 | 10 Kommentare

Zu den wenigen Konstanten in meinem Leben gehört, dass ich Zeitung lese. Besser gesagt: dass ich der Ansicht bin, Zeitung zu lesen. Viele Mitmenschen beobachten mich dabei, denn das Ganze findet zumeist öffentlich statt. Eine der Zeitungen ist die alte Tante FAZ, und üblicherweise höre ich am Abend dann eine Frage wie: „Hast du den Artikel über die Buchmesse in Kabul gelesen?“ Ich entgegne: „Den was? Wo?“ – „Buchmesse Kabul, in der FAZ natürlich!“

Umso mehr muss ich einen freundlich gesinnten kleveblog-Leser loben, der mich unlängst nach seiner Rückkehr aus Frankfurt am Fischmarkt abfing und gleich eine ganze Serie von Kopien aus der FAZ für mich vorbereitet hatte – und in allen Artikeln ging es um Kleve. Und keinen einzigen davon hatte ich vorher entdeckt!

Da ich solche Lesefrüchte schlecht für mich behalten kann, hier also der Überblick:

Der Frankfurter Arzt Dr. Christian Golusda („Dr. Krittel“), ein von Flugangst befallener und trotzdem vielreisender Mann, tauscht sich seit Jahren per Ansichtskarte (neuerdings wohl auch elektronisch) mit der Reiseteil-Autorin Elsemarie Maletzke in Gedichtform über seine Reisen aus. Da hat es ihn wohl auch nach Kleve verschlagen. Hier das kurze Gedicht:


Kleve und Kleve lassen

Man hört nichts Gutes, ja es soll Gerüchte geben,
wer hier lebt, nimmt sich vor der Zeit das Leben.
Trostlosigkeit und grauer Regen trüben mir die Sicht.
Kennst du denn Kleve wohl? Ich nicht.
Ich bin hier nur am Bahnhof, um rasch umzusteigen,
um fortzufahren und zu schweigen.

Lyrisch sehr schön, aber wie wollte der Mann umsteigen? Vom Niers-Express in den Niers-Express?

Der nächste Fall: Das gesamte Feuilleton wurde freigeräumt, um FAZ-Redakteure Aufsätze über ihre Schullehrer schreiben zu lassen. Da durfte natürlich einer nicht fehlen: Paul Ingendaay, der Spanienkorrespondent und exzellente Fußballkenner, der seine Jugend im Internat auf der Gaesdonck verbrachte (darüber hat er auch ein Buch geschrieben („Warum du mich verlassen hast“, lesenswert)). Seinem kleinen Stück entnahm ich die Erkenntnis, dass 1976 Schüler aus der Gaesdonck im Bus zum Marktplatz in Goch gekarrt wurden, um dort dem Wahlkämpfer Helmut Kohl anzufeuern. Katholische Jubelperser, sozusagen.

Ob auf dem Flughafen in Weeze auch Internatszöglinge „Angie, Angie!“ skandierten, als kürzlich die Kanzlerin dort war? Schwer vorstellbar. The times they are a-changin‘…

Drittens: Im Teil „Beruf & Chance“ (warum ich den links liegen lasse, kann sich wohl jeder vorstellen…) kam Pfarrer Bernhard Weskamp aus Donsbrüggen zu Wort, ein ansonsten eher ein fleißiger Leserbriefschreiber für die hiesigen Blätter, der die überregionale Bühne nutzte, um seinen Werdegang zum Seelenhirten zu schildern (hier in Auszügen wiedergegeben):

… Ab in die Bundesliga der Seelsorge: Duisburg! Nach sieben Jahren sollte dann eine Pfarreileitung kommen, der unabdingbare Schritt auf dem Weg zum Traumberuf: Papst! Daraus wurde nichts, stattdessen wurde ich Pfarrer in einem kleinen Dorf am Niederrhein… Bis heute darf ich Wunden verbinden, Liebende zum Altar begleiten; ich werde zu Sterbenden geholt und auch beim Jubiläum freut man sich über meinen Musikbeitrag… Auch die Wunder der Geldvermehrung beherrsche ich inzwischen. Zum Papst hat es nicht gereicht, zum einigermaßen passablen Hirten wohl schon. Inzwischen habe ich Josef Ratzinger den Vortritt gelassen. In manchen Punkten sind wir sowieso anderer Meinung.

Was es nicht alles gibt!



Da war doch mal was…

rd | 20. September 2009, 19:54 | 8 Kommentare

Lieber Leser, die Rätselleidenschaft des Herausgebers zwingt mich, ein weiteres Suchbild in den Blog zu hieven. Ich bin absolut dagegen, aber der klickfixierte Oberguru meint, rein damit, zählt alles bei den „journalistischen Inhalten“ mit. Na denn: Finden Sie die 319 Unterschiede!

Das rechte Bild unterscheidet sich vom linken durch ca. 319 Unterschiede

Das rechte Bild unterscheidet sich vom linken durch ca. 319 Unterschiede

Interessanterweise ist dieses Rätsel eine Wiederholung (hier die erste Variante). Doch diesmal haben die federführenden Unternehmen sich nicht mehr mit halben Sachen zufrieden gegeben…





Politikeroptimierung

rd | 18. September 2009, 14:33 | 29 Kommentare

Dieses sibyllinische Lächeln des Nebenmannes von Angela Merkel, es hat mir keine Ruhe gelassen. Und es ist auf keinen Fall so, dass ich Menschen zu kosmetischen Operationen rate. Aber: Sähe Ronald Pofalla nicht aus wie von Leonardo gemalt, wenn er sich die Lippen aufspritzen ließe? Und wirkte dies nicht in der politischen Diskussion nicht noch rätselhafter, hermaphroditischer? Mach et, Ronald!

Ein bisschen Silikon muss sein…

Ein bisschen Silikon muss sein…


Noch ein faszinierender Plattenbau

rd | 18. September 2009, 10:53 | 8 Kommentare

Weil hier sogar mit der simplen Ablichtung von Tischtennisplatten der politische Diskurs größere Tiefe erreicht als am vergangenen Sonntag im Fernsehen, hier nun der nächste Diskussionsbeitrag:

Lässt viele Deutungen zu

Lässt viele Deutungen zu

Mich hat es ein wenig an das dreidimensionale Schachspiel aus Raumschiff Enterprise erinnert. Interessant ist die Frage, ob man an dieser Platte eventuell auch Doppel spielen kann, also insgesamt acht Kinder beschäftigen wären. Und wie sieht der berühmte Rundlauf, an den ich auch nur die schlechtesten Erinnerungen hege (Ferienlager Südtirol), an so einer Platte aus? Darf man in alle drei Felder spielen? Und wo steht dieses Objekt denn?