Kanzleiwesen aktuell: Anwälte wechseln wie Fußballprofis

rd | 18. Mai 2016, 23:56 | 6 Kommentare

Retter sie sind, wenn die Not ist groß
– Erstberatung sogar kostenlos!

Sie können noch im tiefsten Schlafen
zitiern aus tausend Paragraphen.

Wo wir mit Worten arg uns zieren,
da lassen sie Gesetzes’ Keule spüren.

Vorm Landgericht mit sich’rer Stimm’
und treuen Blicks sie biegen’s hin.

Umnachtet, strohdoof, hackedicht,
nur bis der Richter frei uns spricht.

Waren in der Liebe wir naiv,
hängt im ganzen Haus der Segen schief,

tun sie ganz ohne Eitelkeiten
ums Haus, um Hof und Auto streiten.

Ach, was müssten wir uns plagen,
gäb’s Anwälte nicht und Klagen!

Dieses sozialkritische Gedicht aus eigener Feder macht deutlich, welch wichtige Rolle Anwälte in unserem gesellschaftlichen Zusammenleben spielen. Doch das Berufsbild des Anwaltes hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert, was offenbar einhergeht mit einer Wechselfreudigkeit, wie man sie sonst nur aus dem Profifußball kennt und die einen leicht den Überblick verlieren lässt, welcher Jurist nun gerade zu welcher Kanzlei gehört. Deshalb hier exklusiv im kleveblog der aktuelle Wechselbericht aus dem Kanzleiwesen.

Am Anfang der Kette von Veränderungen steht die Kanzlei Schloesser Kerschka Dr. Haas & Partner an der Tiergartenstraße, die es in dieser Form seit Jahresanfang nicht mehr gibt. Der Kern der Kanzlei, Dr. Haas und Partnerin Andrea Westermann-Haas, firmiert seitdem als Kanzlei am Prinzenhof in unmittelbarer Nähe der Schwanenburg – eine praktische Ortswahl zweifelsohne. Partner Nummer drei, Ulrich Kerschka, ist ins ehemalige Organchemie-Verwaltungsgebäude an der Kalkarer Straße eingezogen, mit einer Kanzlei, deren Namen das Herz eines jeden Altsprachlers höher schlagen lässt: cleverum. Kerschka nahm aus der alten Kanzlei Daniel Iwand mit und kann einen in Kleve recht bekannten Neuzugang vermelden: Joris Ernst, als Rechtsbeistand des 1. FC Kleve lange Zeit in schwieriger Mission unterwegs, hat seiner bisherigen Kanzlei Will (†) & Dr. Ketelaer, Waldstraße, den Rücken gekehrt und ist Partner bei cleverum geworden. Doch es ist nicht so, dass an der Tiergartenstraße keine Paragraphen mehr geritten werden: Der Anwalt Jan Baumann (Baumann & Kollegen, Nassauerallee) hat dort gemeinsam mit Schloesser eine Dependance eröffnet. Eine Veränderung auch bei den mbk Rechtsanwälten im Kolpinghaus: Das „m“ steht bekanntlich für Mühlenbäumer, das „b“ für Bieberstein, das „k“ für Kehren. Dieser Name aber kann nur bestehen bleiben, wenn sich ein neuer Jurist findet, dessen Nachname mit einem „b“ beginnt, denn Michael Bieberstein hat sich an der Stechbahn selbstständig gemacht. Michael Kehren war übrigens mal Anwalt in der Gocher Kanzlei von Peter Lukassen, die an der Schlosstorstraße eine Filiale unterhielt. Doch das Gebäude wird seit einiger Zeit zum Verkauf angeboten.

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6 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 6. K. Brückenbauer

    @5. Andreas Bulkens

    Interessant, wie sie Ihre Sicht auf den Rechtsbeistand hier vor Ort wiedergeben.

    Noch interessanter ist es doch, wenn die Dinge so komplex/verstrickt werden, dass die Verwaltung mit Ihrer eigenen Rechtsabteilung um Rechtsbeistand fragt; Geht die Verwaltung dann auf der Suche nach Anwälten nach Kleve/Kreis Kleve oder sucht die sich dann Beistand aus Düsseldorf, Münster oder Köln? Wäre doch mal eine gute Frage an den Landrat (ist ja Mann vom Fach). Am Montag, den 23.05.2016 ist um 16:00Uhr Rastsitzung. Hierzu ist ein Jeder herzlich eingeladen.

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  2. 5. Andreas Bulkens

    Klever Anwaltsklüngel 😉
    Sorry, aber die Damen und Herren kennen sich hinlänglich und arbeiten Hand in Hand.

    Wer im Kreis Kleve Rechtsbeistand benötigt, dem ist angeraten, sich einen Rechtsbeistand ohne Bezug zu Kleve zu suchen …

     
  3. 4. HP.Lecker

    Ohne Ausgleich meiner KostenVORSCHUSSnote sag ich gar nichts 😉

     
  4. 3. rd

    @Sven Timmermann O je, mal eben – husch husch – was gedichtet, und schon Verwirrung angerichtet!

     
  5. 2. Sven Timmermann

    Wer glaubt, die Erstberatung sei kostenlos,
    befindet sich in einem Irrtum recht groß

     
  6. 1. K. Brückenbauer

    Wechselfreudigkeit – Spezialisierung

    Seit vielen Jahren ist eine „Spezialisierung“ von Anwälten zu den verschiedenen Fachrichtung zu beobachten. Das macht das Leben der Anwaltskanzleien in Kleve nicht gerade einfacher. Diese stehen unter Umständen in Konkurrenz mit großen Kanzleien aus z.B. Düsseldorf, Köln und Münster. Was folgt, ist ein Spagat zwischen breit aufgestellt sein, um die Mitarbeiter mit genügend Arbeit zu versorgen und um doch so spezialisiert zu sein, um den Mandanten „erfolgreich“ zur Seite stehen zu können.
    Die Spezialisierung ist z.B. Notwendig um sich ein solides Netzwerk aufbauen zu können von z.B. Fachleuten/Spezialisten und Gutachtern, die den Anwälten unterstützend zur Seite stehen.
    Benötigt ein Klever Fachanwalt wiederum einen „spezialisierten“ Gutachter, dann muss er in den meisten Fällen schon bis nach Münster oder Krefeld gehen, weil diese hier in Kleve und Umgebung nicht zu finden sind.
    Vergrößert sich eine Anwaltskanzlei, ist natürlich auch die interne Organisation entscheidend. Verfahren können sich über viele Jahre hinweg ziehen. Die Unterlagen können viele Ordner füllen. Wie behalte ich da den Überblick wenn ich „wechselfreudige“ Mitarbeiter habe? Selbst ein „formaler Fehler“ kann in einem Verfahren kriegsentscheidend sein.
    Natürlich sind Schulungen und Weiterbildung für einen Spezialisten sehr wichtig. Und dies über das Pflichtmaß der Fachanwälte hinaus. Diese sorgen natürlich auch für einen „Motivationsschub“ und hoffentlich nicht für einen „Wechselschub“.

    All dies muss am Markt erwirtschaftet werden.

    Keine leichte Aufgabe für Kleve.

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