Barbaradé! Wie Kleve aus der Bundesregierung verschwand

rd | 09. März 2018, 16:57 | 21 Kommentare
Amaryllis, Hendricks, Europa: Minister-Abschied

Amaryllis, Hendricks, Europa: Minister-Abschied

Während der Amtszeit der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit ist kein einziger der sieben verbliebenen Atommeiler in Deutschland in die Luft geflogen, was zweifellos ein Erfolg ist. Unzählige Häuser in Deutschland erhielten ein Kleid aus Styropor, was das Aussehen unserer Städte für immer verändern wird. Immerhin kann man jetzt mit der Faust gegen die meisten Wände schlagen, ohne sich zu verletzen. Und außerdem hat sich das Weltklima in Paris vertraglich dazu verpflichtet, künftig die Jahreszeiten wieder einzuhalten.

Mit dieser Bilanz, hier zugegebenermaßen etwas holzschnittartig wiedergegeben, war Dr. Barbara Hendricks, 65, sicherlich eine erfolgreiche Ministerin im Kabinett Merkel III, welches am 17. Dezember 2013 ins Amt gewählt wurde und sich dort, geschäftsführend, noch sechs Monate nach der jüngsten Bundestagswahl hielt. Doch ein erfolgreiches Wirken im Amt ist noch lange keine Garantie dafür, dass man auch weitermachen darf. Wer aufmerksam die Zeichensprache der Bilder las, die das Führungspersonal der SPD nach der Bundestagswahl zeigten, sah, dass die aus Kleve stammende Ministerin eher etwas hinten oder etwas abseits stand, so, als werde sie ein wenig zur Seite gedrängt.

Auf einem Dokument, das die mögliche Besetzung der Ministerposten umriss, hieß es in Sachen Umweltressort nur noch: „ggf. Barbara Hendricks“. Das war im Grunde schon der halbe Abschied, der gestern am späten Vormittag offiziell wurde. Auf ihrer Facebook-Seite postete die Ministerin gestern ein Bild, das sie in ihrem Amtszimmer auf halber Strecke zwischen üppig aufgeblühten Amaryllis (Blume der Freundschaft) und einer Europafahne zeigte. Dazu schrieb sie die folgenden Zeilen:

„Ich werde der neuen Bundesregierung nicht angehören. Ich bin dankbar, die letzten vier Jahre als Bundesumwelt- und Bauministerin unserem Land, seinen Menschen und meiner Partei gedient zu haben.

Ich gehe mit einem guten Gefühl aus diesem Amt, weil ich glaube, dass ich dazu beitragen konnte, Positives für unser Land und für die Umwelt bewegt zu haben. Der Wohnungsbau boomt, die Welt hat einen Plan, um die Klimakatastrophe doch noch abzuwenden und wir haben endlich einen Prozess, um mit den Sünden des atomaren Zeitalters umzugehen.

Meiner Nachfolgerin bzw. meinem Nachfolger wünsche ich Glück und vor allem Kraft, diese Entwicklungen weiter voranzubringen. Meiner Partei wünsche ich, dass sie nun zu alter Stärke zurückfindet. Dieses Land braucht die Sozialdemokratie. In diesen Zeiten vielleicht mehr als je zuvor.“

Nachfolgerin wird Svenja Schulze, die von 2010 bis 2017 mal Wissenschafts- und Innovationsministerin in Nordrhein-Westfalen war. Sie hat mindestens zweimal Kleve besucht, einmal zur Eröffnung der Hochschule Rhein-Waal und ein zweites Mal, um die Firma Colt zu besuchen. Ansonsten dürften die Berührungspunkte zum Niederrhein gegen Null gehen. Kein Vergleich also mehr mit jenen Zeiten, als mit Ronald Pofalla und Barbara Hendricks gleich zwei Politiker aus Kleve am Kabinettstisch saßen – und die Kanzlerin sich auf den Kabinettssitzungen dauernd kryptische Begriffe wie „Schleuse Brienen“ und „Ortsumgehung Kellen“ anhören musste. Kleve hat die Bühne der Weltpolitik geräumt.

Macht macht Spaß: Neue SPD-Minister beim Selfie-Fun, unten in der Mitte Hendricks-Nachfolgerin Svenja Schulze

Macht macht Spaß: Neue SPD-Minister beim Selfie-Fun, unten in der Mitte Hendricks-Nachfolgerin Svenja Schulze



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21 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 21. Chewgum

    @20 CO2 war die falsche Angabe, ich meinte Stickoxide durch Dieselfahrzeuge.

     
  2. 20. Wacker

    @Chewgum

    Der von Ihnen verlinkte Artikel thematisiert die schädlichen Auswirkungen von Stickoxiden.

    Mit CO2 hat das nichts zu tun.
    Im übrigen stoßen Dieselfahrzeuge signifikant weniger CO2 aus als Fahrzeuge mit Benzinmotoren

     
  3. 19. Chewgum

    @Wacker https://www1.wdr.de/wissen/natur/dieselabgase-studie-100.html

    Aber brauchen wir wirklich eine Studie für so was? Mein Bruder und ich haben als acht-, neunjährige Kinder unseren Eltern schon Totenköpfe auf die Zigarettenschachteln gemalt – was Nikotin ist, wussten wir damals nicht.

    Dass Diesel-Autos Dreckschleudern sind, wissen wir doch alle schon lange.

    Und dass wir saubere Luft zum Leben brauchen, auch.

     
  4. 18. Wacker

    @6. Chewgum
    „Danke auch für den Hinweis auf Todesopfer durch C02, also durch Diesel.“

    Der Zusammenhang wäre überraschend und noch zu belegen.

     
  5. 17. ???

    @11. Dietmar Shields

    Ich denke, der Europa-Radschnellweg wird zumindest hier fertiggestellt. Allerdings bleibt die Frage der Be- oder Ausleuchtung und der Sicherheit…..

     
  6. 16. R K H

    Ich sehe unter keinem Umweltminister eine Verbesserung. Diese Romantisierung von Konsum ist unerträglich, dieses regionale Produkte Gedöns… Wer hat denn die Zeit dafür? Das Mann oder Der Frau von Gutverdienern mit Zeit und Geld inne Tasche

     
  7. 15. Alfons A.Tönnissen

    Günter Hoffmann:Anna von Cleve war der Name, kam nicht aus Cleve—

     
  8. 14. Günter Hoffmann

    13.) Otto, gut so. Warum dieser billige,primitive Neid und die Missgunst ? Ihre Präsens und Einsatz in diesem Irrenhaus „Da oben“, verdient Respekt, sie war auch eine Repräsentantin meiner „Heimat“ (Vorsicht ?) KLEVE,für mich… Chapeau.

     
  9. 13. otto

    @9 Husky,

    das halte ich für eine Beleidigung. Wenn Frau Barbara H. nicht allen gefällt, das ist hinzunehmen. Sie
    jedoch mit Donni-Pro zu vergleichen, das darf man einfach nicht.

     
  10. 12. otto

    @8.F.Stoltze,

    Neid der anderen, wegen’s dem seine hübsche Frau!

     
  11. 11. Dietmar Shields

    Oh Schreck, der goldene Schimmel aus Berlin ist nun weg.

    Der Schreck dürfte der Stadt Kleve nun in die Glieder gefahren sein!
    Was ist den jetzt mit den Geldern für die Schleuse in Brienen, kommen noch die Gelder für diesen E-Radschnellweg 😉

     
  12. 10. jean baptiste

    @7. Friedrich Stoltze

    bestimmt ein sehr weiser Post.
    Schade, daß mir das Hirn fehlt, diesen auch nur ansatzweise zu verstehen.

     
  13. 9. Husky

    Vielleicht hat die Bahn ja noch ein Pöstchen für die Barbara frei, schlimmer werden kann es ja kaum mehr nach Pofalla..

    Uh ne moment, schlimmer geht immer

     
  14. 8. Friedrich Stoltze

    Trauriger Tropos oder men/innen at work

    Die SPD hat verstanden, sich erneuert. Lasst uns mal was ganz, ganz toll Originelles machen. So wie
    der Özdemir mit dem Wassereimer, nur ohne Planzen. So geht Öffentlichkeit und Politik soll ja auch
    Spass machen.
    Als wenn der Neheimer VHS Seniorenkurs `Erste Schritte mit dem iPhone` die Abschlussarbeit vorlegt.

    Der Recipient geht ab. HaHaHaHaHa…………

    An die Deuter. Warum steht Heiko Mass so isoliert?

     
  15. 7. Mario Draghi

    Aus den Augen, aus dem Sinn
    Viele werden sie nicht vermissen! Sie hätte sich ja auch weiterhin
    beim Heimatminister eingemischt, es hätte halt gedauert bis man im Umweltministerium merkt dass man nicht mehr zuständig ist.
    Da die Ost- SPD Verbände jetzt auch noch zur Problemwolfsjagd aufrufen, was bleibt da noch als politischeches Vermächtnis….
    Wem fällt was ein ? Die Frau hat nie zum Kreis Kleve gepasst und hat auch zum Niedergang der SPD beigetragen.
    Schlimm nur das die Nales jetzt mit der Babara auch noch den
    Siggi entsorgt hat- Neuanfang ohne Zugang zu den Industriearbeitsplätzen- wie soll das gehen. Schaut Mal nach USA
    Trump hatte die Tage bei den Stahlzöllen echte Stahlarbeiter dabei, viele wollen es nicht wahrhaben, aber der bleibt uns noch lange erhalten

     
  16. 6. Chewgum

    Saß Barbara Hendricks gestern gegen Abend schon bei Pias in Kleve, draußen? Ich glaube, sie war es, aber festlegen möchte ich mich nicht. Sie wirkt ja eher unauffällig, vielleicht auch in der ehemaligen Kabinettsriege. Obwohl sie einiges geschafft und den Rücken bisweilen sehr gerade gemacht hat. Danke auch für den Hinweis auf Todesopfer durch C02, also durch Diesel. Da können andere, die ihren gesunden Menschenverstand offensichtlich schon an der Garderobe abgegeben haben, ruhig sagen, da ist nichts bewiesen. Ja, schade, dass die unaufgeregte Barbara Hendricks nicht mehr BMU ist.

    Als ich gestern Svenja Schulze betonen hörte, dass Arbeit und Umwelt vereinbart werden müssten, hat mich das nicht überzeugt. Sie hätte genauso gut sagen können, dass die Anliegen der Wirtschaft/Industrie und Umweltbelange vereinbart werden müssen. Sollte es nicht in erster Linie um die Gesundheit von Menschen gehen? Schauen wir mal.

    Begeistert bin ich von Franziska Giffey, schon länger. Aber in Berlin-Neukölln fehlt sie nun. Eigentlich schade.

     
  17. 5. Ge.Org

    Mit der Wahl von Svenja Schulze, u.a. Mitglied der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, auch gern beim RWE gesehen, setzt die SPD mutig weiter Signale, dass sie es nicht wirklich ernst nimmt.

     
  18. 4. jean baptiste

    Die Völker zittern – beben, zagen! Erbleichen itzt bei dieser Kund‘, Die weit in Edom’s Land getragen, Gepflanzet sich von Mund zu Mund. Und Moabs Fürsten Furcht verscheuchet, O sieh‘! der Muth, wie itzt er sinkt, Wie Alles zittert, Alles weichet, Bis Gott zur heil’gen Stätt‘ es bringt!

    Will sagen, solange wir (parteiübergreifend Alle Klever) uns von Barbara in Berlin, ganz nahe an der Spitze der Macht, repräsentiert wussten, überwog in CDU-Land die Skepsis,

    Jetzt wo wir diesen „Link“ wegfallen sehen, sieht auf einmal Jeder, was uns fehlen wird.

     
  19. 3. Günter Hoffmann

    Klever Frauen auf der Weltbühne ? Anna von Kleve 1540, Barbara Hendricks 2013. da hoffe ich mal das in etwa 500 Jahren wieder eine Klever Frau zu solchem Ruhm und solcher Ehre gelangt. Schaun wir mal.

     
  20. 2. Andreas Bulkens

    Frau Dr. Hendricks war mal auf einer „Tour“ bei meinem seinerzeitigen Arbeitgeber zu Gast – in der Vorministerialperiode. Okay, sie hat sich damals halt die Herstellung von altpapierbasierten Paletten angeschaut. Erklärt hat ihr das ein Geschäftsführer, der wahrscheinlich nicht mal den Zusammenhang zwischen Leim und Druck kannte … war für die Gute sicherlich nicht leicht, dabei verständnisvoll zu lächeln.
    Als Ministerin war sie zumindest mit wichtigen Grundlagen vertraut, welche ihr Ressort betrafen.
    Aktuell wird wieder bunt gemischt und am Ende haben wir wieder tolle Marionetten, welche ihren jeweiligen Einflüsterern mehr oder weniger vertrauen und uns Bürgern das Eingeflüsterte als Eigenproduktion zu verkaufen suchen.
    Frau Dr. Hendricks hat sich nicht sichtlich profiliert, hat keine abgehobenen Versprechen nicht erfüllt und hat den Niederrheiner in jeder Hinsicht adäquat repräsentiert.
    Von Politik (also dieses Schmierentheater hierzulande) halte ich nichts, Frau Dr. Hendricks selber mochte ich als Person ab dem Moment nicht, da sie mir gegenüber recht voreingenommen vorkam.
    Trotzdem bin ich der Meinung, dass sie im Politzirkus ihren Mann gestanden hat und mit gradem Rücken die Bühne verlässt.

     
  21. 1. Jens-Uwe Habedank

    Obwohl meiner Einer ein aus Erfahrung gelernter UmWähler der Spezialdemokraten ( bin halt ein Willi Brandt-Generationär) seit Gazprom-Schröder ist, bedaure ich den Abgang von Dr. Hendricks aus der Bundesregierung sehr.
    Sie hatte ein Statement, trat dafür an und lebte es auch – selten genug in dieser Republik. Allein, angesichts der Parameter gerade im „Klever-Landrecht“, dass sie sich mit den Bauern/ Landwirten aus Überzeugung und in Sachthemen „anlegte“ ringt mir jeden Respekt ab.
    Vielleicht ist/ war sie so weil – sie jahrelang mit Oskar Lafontaine zu tun hatte..?

    Ich find’s persönlich schade – Dr. Hendricks hat vieles auf den Weg gebracht/ eingeleitet was sie hätte vollenden sollen/können; nun kommen…die SEEHEIMER, Spezialfraktion der CDU in SPD-Gewand. Schade!