Wahlkampf ’25: Die aktuell größten Plakatpannen in Kleve

Liberale Orthografie, Tacker-Kommando

Noch 53 Tgae!

Der Wahlkampf ist gerade einmal zwei oder drei Wochen alt, und schon gibt es allerlei skurrile Plakatpannen – am schönsten vielleicht der Fauxpas der FDP, der sich allerdings auch als Versuch deuten lässt, die Regeln des freien Marktes auch auf die Standardrechtschreibung des Hochdeutschen auszudehnen. Dort jedenfalls agieren bisher immer noch „Fachärzte“, doch der Klever Kandidat Luca Welles fordert von den Laternenpfählen der Stadt herab: „Gesundheit vor Ort braucht Fachärtze vor Ort“, also mit vertauschten Konsonanten. Liberale Orthografie, befreit von den Fesseln staatlicher Bevormundung!

Fehler passieren überall, auch auf dieser Seite passieren mitunter der kuriosesten Pannen, die jedoch recht schnell von aufmerksamen Lesern entdeckt und dann sofort korrigiert werden. Bei der FDP indes vermutet man doch eine vielköpfige Organisation mit vielerlei Talenten, die jedweden Text doppelt und dreifach prüfen und final freigeben, ehe etwas auf die Plakate gedruckt wird. Aber vielleicht ist der Fehler aber eben auch der (unfreiwillige) Ausdruck einer von der FDP erstrebten hyperindividualisierten Gesellschaft, in der es keine echte Kooperation mehr gibt, sondern nur noch rat races. (Ohnehin verdienen die beiden inhaltlichen Wahlkampfbeiträge der FDP in Kleve noch eine ausführliche Würdigung, da sowohl der Ärztemangel wie auch die Kinderbetreuung streng genommen zentrale Projekte staatlicher Daseinsvorsorge sind, in der erwiesenermaßen das freie Spiel der Marktkräfte versagt hat. Was jedoch hat die FDP bei diesen Themen zu suchen?)

Womit wir bei der CDU sind, die, wenn hier über sie geschrieben wird, gerne von mir an dem eigenen Anspruch gemessen wird, als einzige Partei über die Expertise zu verfügen, die erforderlich ist „um Deutschland zu managen“. Vor diesem Hintergrund erstaunte es über Jahre, dass die Christdemokraten über Jahre nicht einmal in der Lage waren, den kleinen, aus einer Doppelglasscheibe bestehenden Plakathalter vor ihrer Parteizentrale an der Lindenallee wasserdicht zu halten. Mittlerweile ist das Teil einfach demontiert, und sogar die Fassade des Gebäudes wurde einmal neu gestrichen – allerdings nicht in der neuen Parteifarbe Türkis, sondern in einem matten Schwarz.

Doch bei den aktuellen Plakaten haben die Christdemokraten offenbar auch niemanden mehr in ihren Reihen, der über etwas Expertise verfügt. Jedenfalls müssen Druckerzeugnisse einen klaren Absender haben – wohin soll sich sonst jemand wenden, der mit einem Inhalt nicht einverstanden ist? Das heißt Impressumspflicht. Sogar der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat sich schon mit der Frage beschäftigt, inwieweit diese auch für Wahlplakate gilt. Die Einschätzung der Juristen: „Hinweise auf die Handhabung der Regelungen zur Impressumspflicht im Hinblick auf Wahlplakate und -flyer in den Bundesländern lassen sich aus allgemein zugänglichen Quellen nicht erschließen.“

Doch die CDU in Kleve wollte wohl auf gar keinen Fall auch nur ansatzweise in die Nähe möglicher Bußgelder kommen, die für Verstöße gegen die Impressumspflicht vorgesehen ist. Deshalb mussten die CDU-Wahlkämpfer, mit einem Tacker ausgerüstet, zu jedem Wahlplakat in der Stadt fahren und dort mit dem Gerät einen kleinen Zettel anbringen: „CDU Kleve Lindenallee 49 47533 Kleve“. Das sieht ein wenig amateurhafter Frickelei aus, aber auf keinen Fall nach Deutschlandmanager. (Oder eben doch?)

Der Tippfehler am Anfang ist natürlich Absicht!

Deine Meinung zählt:

25 Kommentare

  1. 24

    Man könnte evtl. sagen, dass es ein fundamentales Prinzip des Journalismus ist, sich den Fehlern anderer zu widmen.

     
  2. 23

    @22

    Das auch Kleveblog.de Fehler macht, darum geht es im meinem Kommentar gar nicht. Auch ich mache Fehler und ich unterstelle, dass jede Kommentierende auf dieser Plattform nicht fehlerfrei ist.

    Und eben weil keiner fehlerfrei ist, empfinde ich es als befremdlich, einen ganzen kleveblog-Artikel Fehlern anderer zu widmen. Und um dieses befremdliche Empfinden ging es in meinem Kommentar und nicht um mehr und auch nicht um weniger…

     
  3. 21

    @20

    ‚kleine Nachlässigkeit“

    So so, aha…Das habe ich in der Schule ganz anders gelernt.

    Aber gut. Es gibt Menschen, die sind alle gleich und wenige, die sind eben gleicher, weil NUR nachlässig.

    Es ist schon interessant, wie hier mit zweierlei Maß gemessen wird.

     
  4. 20

    Ein Wort aus Versehen zu viel ist eine kleine Nachlässigkeit (und geschieht manchmal beim Umformulieren von Sätzen), aber kein grammatikalischer oder orthografischer Fehler.

    Ein Wahlplakat soll werben – für die Übertragung politischer Verantwortung. Ein Wort doppelt hätte man noch lustig gefunden, aber wer will schon von Leuten regiert werden, die die Rechtschreibung bei gängigen Wörtern nicht beherrschen oder sie nicht prüfen lassen? Wo niemandem ein Fehler wie „Ärtze“ auf einem Wahlplakat (nicht in irgendeinem eilig verfassten Post) auffällt, ist mein Vertrauen jedenfalls begrenzt.

    Zumindest steht die Ernsthaftigkeit des Wahlkampfs aus meiner Sicht hier in Frage. Falls die Motivation bei der FDP nicht im Höhenflug ist, würde das aber nicht verwundern.

    Bei jeder Bewerbung ist die Rechtschreibung übrigens das erste Kriterium.

     
  5. 19

    Werter Herr Daute,

    eine Redewendung sagt: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen schmeißen.

    Ich glaube nicht, dass ich Ihnen und den anderen Mitlesenden bzw. Kommentatoren die Bedeutung der Aussage erklären muss.

    Es ist schon als befremdlich wahrzunehmen, wie Sie hier einen ganzen Artikel den grammatischen Verfehlungen anderer widmen und einige Tage später selbst mit grammatischer Verfehlung „glänzen“.

    Im jüngsten Artikel zum Brüx-Kreuz schreiben Sie das hier:

    „…Laut Bürgermeister Wolfgang Gebing ist bereits ein Steinmetz beauftragt worden ist, den bröckeligen Sockel zu erneuern bzw. zu reparieren. …)

    In einer früher beliebten Fernsehunterhaltungsshow mit Hans Rosenthal hätte es für so eine Verfehlung glatt Punktabzug gegeben. Die Jury war da damals schon gnadenlos. „Ein „ist“ müssen wir leider abziehen – das war doppelt!“, so lautete dann der Hinweis einer der Juroren.

    Nix für ungut, werter Herr Daute. Kleveblog bleibt weiterhin eines meiner Lieblingsspielzeuge…

     
  6. 18

    @17:
    Als Metapher nutzen Sie den Ausdruck „Dampf machen“. Aber wieviel Dampf haben die Grünen bisher zu diesem Thema RE10 als Umweltpartei gemacht? Heiße Luft ist noch kein Dampf, sorry.
    Aber immerhin haben Sie die Probleme beim RE10 erkannt. Die anderen Parteien ducken sich bei diesem Thema ganz geschickt weg oder ich muss es übersehen haben.

    Benno

     
  7. 17

    Wenn man vom Klever Bahnhof kommend zum Kreisverkehr an der Hafen Straße/am Elaya-Hotel fährt, sieht man dort jetzt rechts im Grünen eine große Plakatwand der Grünen stehen (29.07.25). Zu sehen ist auf dieser Plakatwand die Silhouette eines Triebwagens mit Stromabnehmer, aber keine Oberleitung, über die dem Triebwagen Strom zugeführt werden könnte. Vermutlich soll die Silhouette also die neuen, batterie-elektrischen Triebwagen ankündigen, mit denen die RE 10-Strecke ab Dezember 2028 betrieben werden soll. Also so, wie das inzwischen landauf landab an fast allen Bahnübergängen mittels des Verkehrszeichens 151 (neue Version, also nicht die alte Version dieses Zeichens mit der vierrädrigen Dampflok) getan wird. Auf der Plakatwand fordern die Grünen jedoch dennoch in großen Buchstaben: „Macht dem Niersexpress endlich Dampf!“
    Dampf? Ja, Dampf! Einem (batterie-) elektrischen Triebwagen Dampf machen oder gar mit Dampf fahren? Klar, das geht! Zumindest, wenn man den Dampf wie bisher und ganz konventionell mittels freigesetzter Wärme bei der Kohle- oder Gasverbrennung oder gar Kernspaltung erzeugt (und dann mit Hilfe von Turbinen und Generatoren in Strom wandelt)! Nur sollten nicht gerade die Grünen statt implizit für konventionelle oder gar nukleare Kraftwerke zu werben besser für grünen Strom aus Windkraft und Sonnenstrahlung werben? Oder ist das nun wegen der drohenden Verschandelung des Reichswalds mit Windrädern selbst bei den Grünen verpönt?

     
  8. 16

    Die AfD im Klever Stadtrat fordert den Beitritt zu einer Organisation, die die deutsche Sprache als Kulturgut schützen will.
    Ironie des Abends: Im zweiten Antrag der AfD, der in derselben Sitzung behandelt wurde, wimmelte es nur so von Rechtschreibfehlern – offenbar verfasst von Tim Görtz, dem aktuellen Platz 1 der AfD-Liste.
    Da lag der augenzwinkernde Hinweis nahe: Vielleicht erst selbst beitreten, bevor man anderen Sprachkultur beibringen möchte.

    Peinlichkeiten sind im Rat also nicht neu und gute Bildung fordern bekanntlich alle.

     
  9. 15

    Es hat sich was getan an dem FdP Plakat. Alltours hat offensichtlich einen Werbestaender davor gestellt, damit diese Peinlichkeit nicht mehr so auffällt.

    Unten in der Fussgängerzone hängt übrigens noch ein Plakat von der FdP, wo man sich für mehr Bildung einsetzt.

     
  10. 14

    Die FDP-Plakate entwickeln sich zur echten Plage und zur Gefahr. Diese überdimensionierten Radfahrer- und Fußgänger-Stopper hängen viel zu tief!
    Beim Porsche würde man sagen: Wie klein muss er sein, dass man so etwas nötig hat.
    Ich hoffe, die Verantwortlichen greifen schnell ein, bevor wirklich etwas passiert.

     
  11. 13

    Das ist aber schon mehr als lächerlich. In der Fussgängerzone hängt heute immer noch dieses
    Plakat von der FDP mit “ Fachärtze“.

     
  12. 12

    Von Ehrenamtlichen – Respekt vor ihrem Engagement – darf man aber auch erwarten, dass sie den Wahlkampf nicht durch Plakate konterkarieren, die für Belustigung sorgen.

    Und so ein Plakat wird doch von den Verantwortlichen abgesegnet, oder?

     
  13. 11

    Ja, das ist zwar lustig, aber man sollte nicht vergessen, dass hier ausschließlich ehrenamtlich Engagierte am Werk sind. Gerade bei kleineren Parteien stemmen den Wahlkampf oft nur zwei oder drei Personen – und selbst bei den großen sieht es nicht viel anders aus.

    Insofern: Danke an die FDP für euren Einsatz. Politisch zwar im Bund eine absolute Verbotszone, für deren Wohl ich mich sicher nicht aufopfern würde – aber immer noch deutlich besser, als bei diesem demokratiefeindlichen AfD-Laden Anstand und Reputation vollständig zu verbrennen. Einer Partei, die Wahlen nach meiner Einschätzung nur dazu nutzt, um sie letztendlich abzuschaffen.

     
  14. 10

    @8 „Seit den 2010er Jahren verwenden auch Teile der Neuen Rechten den Begriff Biodeutsche. Als politischer Kampfbegriff behauptet er dort eine angeblich existierende gemeinsame genetisch-biologische Herkunft aller „echten“ Deutschen. Er wurde zum Unwort des Jahres 2024 gewählt.“

    Zu Recht.

    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Biodeutsch

     
  15. 9

    @???

    Wussten Sie nicht, dass der Begriff „biodeutsch“ das Unwort des Jahres 2024 ist, da er eine rassistische Vorstellung von Abstammung und Zugehörigkeit impliziert?

    Übrigens …… manche Menschen, deren ursprüngliche Sprache nicht deutsch ist, haben ein besseres Sprachenverständnis, als viele Menschen mit der ursprünglichen deutschen Sprache.

     
  16. 8

    Stellt euch mal vor, so ein Tippfehler würde einem Migranten passieren, da würden manche Bio-Deutschen direkt die Stirn runzeln:
    „Die sollen erstmal richtig Deutsch lernen, bevor sie in die Politik gehen!“

    Schon verrückt, wie schnell mit zweierlei Maß gemessen wird.
    Fehler machen wir alle aber offenbar kommt es drauf an, wer sie macht. 😉

     
  17. 7

    Kommt doch heute eh nicht mehr auf gute Rechtschreibung an.

    Die FDP hätte vielleicht Ä/Artz_*Inn(e)n schreiben sollen, um sich als liberal-inklusiv-progressiv darzustellen. 😉

     
  18. 5

    „Das sieht ein wenig amateurhafter Frickelei aus, aber auf keinen nach Deutschlandmanager.“ – hier fehlt wohl ein „nach“ und ein „Fall“

     
  19. 4

    Deutsche Sprache …….. schwere Sprache …… 😉

    Warten bis der „Arzt“ kommt ……

     
  20. 3

    Büdchen ? 😂 Da mögen die ☝🏼 aufzeigen die Jonny Jansens Büdchen, ( Ecke Kodi ) noch kannten. Da gab es z.B .Comics mit Ritter Akim + Sigurd … Namen mit denen sich die Unterstadt Blagen mit 🤏🏼 Knüppeln kloppten .🙄 Diese rustikale Welt, denke ich, war auch Therapie 🤔 für eine Welt die uns nicht mit offenen Armen empfing ,die wir aber gemeistert haben .🤔 😁….🍻🥳

     
  21. 2

    ..also ,🙄 ich z.B, freue mich da auf Gesichter+🤏🏼 Hoffnung auf bessere Zeiten , ( ☝🏼…ich habe sie nicht mehr nötig 😎.. 🍻 🥳 ) ,die mit Lebenserfahrung + den „Ups +Downs “ vertraut, meinen Kindern eine Goldene Zukunft versprechen .🙄 😳 ….😂 🤣 🤣

     
  22. 1

    Tja, was sagt man dazu? Und das im Zeitalter der allgegenwärtigen KI / AI. Mir passiert das auch immer mal und ich ärgere mich, wenn ich meine Schlampigkeit zu spät bemerke. Der große Unterschied ist aber, ich bin für mein Geschreibsel allein verantwortlich und werde nicht dafür bezahlt.