Vom besonderen Glück, ein Uedemer Gutmensch zu sein

rd | 26. März 2012, 23:11 | 2 Kommentare

Erster Akt: Mitte vergangenen Jahres berichtet kleveblog über den merkwürdigen Zufall, dass der Uedemer Platzhirschunternehmer Peter Horlemann ein Grundstück im Uedemer Gewerbegebiet für eine ihm »nahestehende« Firma günstiger angeboten bekam als ein auswärtiger Interessent. Es handelt sich um 5 Euro je Quadratmeter, was für den Geschäftsmann bei einem 10.000 Quadratmeter großen Grundstück zu einer Ersparnis von 50.000 Euro führt – und für den Verkäufer, die Gemeinde Uedem, zu einer Mindereinnahme in gleicher Höhe.

Zweiter Akt: Am 10. Januar 2012 schreibt die Rheinische Post, dass »mehrere Uedemer Bürger« eine Stiftung gegründet haben, eine »Bürgerstiftung« also. Das Projekt sei mehrere Jahre alt, habe lange auf Eis gelegen, Krise usw., doch justament im Sommer 2011 hätten die Initiatoren der Uedemer CDU, Walter Kanders und Michael Lehmann, »zwei Firmen und eine Privatperson« überzeugen können, sich doch für das Projekt zu engagieren. Originalzitat Kanders: »Gerade in Zeiten immer knapper werdender Kassen ist bürgerschaftliches Engagement gefragt.«

Dritter Akt: »Zum 50. Geburtstag hat Unternehmer Josef Horlemann seine Geschenke weitergereicht«, deklamiert die Rheinische Post am 25. Februar 2012. »Ich wollte etwas tun«, wird der Jubilar zitiert – und anerkennend vermerkt, dass der er den Vorsitz des Kuratoriums der Bürgerstiftung übernommen hat. Eine Stiftung, die nun stehend freihändig, natürlich im Rahmen ihrer Satzung, darüber entscheiden kann, wem sie Gutes tun will. Das Gründungskapital der Stiftung: 60.000 Euro – also ziemlich genau die Summe, auf die die Gemeinde beim Grundstücksverkauf zu Sonderkonditionen zu verzichten bereit war.

Zukünftiger Epilog: Man kann sich das Pressefoto zur ersten Ausschüttung der Stiftung im Januar 2013 gut vorstellen – der Gutmensch von der Stiftung im Beisein der dankbaren Almosenempfänger, denen geholfen werden konnte, wo die Gemeinde nicht mehr helfen konnte…

(Mit Dank an den unbekannten Einsender, der diese kleine Presseschau für mich zusammengestellt hat.)

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2 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 1. Andreas

    Und was wenn …?

    Diese Stiftung könnte doch tatsächlich den Menschen helfen, denen die Gemeinde nicht zu helfen vermag, oder?
    Das die Grundstücksgeschichte nicht nett war, okay. Stammkundenrabatt? Was tun denn wirklich große Industriestandorte, um den lokalen Hauptarbeitgeber bei Laune zu halten? Zahlt Mercedes Benz bspw. denn mehr als nur die minimal notwendigen Steuern?
    Die Kosten-Nutzen-Rechnung ist bestimmt nicht immer einfach, Verflechtungen von Wirtschaft und Politik sollen auch streng beobachtet und wo möglich scharf reglementiert werden, aber aus eher läppischen 50k€ (für die Horlemänner) können fix mal einige langfristige Arbeitsverhältnisse erwachsen.
    Vielleicht haben die Uedemer da einfach progressiver gepokert als bspw. die Kalkarer?
    Okay, man hätte Mitbewerbern gleiche Konditionen einräumen müssen. Gleiches Recht für ALLE.
    Nur, wenn zwei Interessenten am Start sind, der eine der beiden ein recht ansehnliches Einkommen zuverlässig Monat für Monat in die Kasse spült, der andere eher weniger für die Gemeinde und deren Haushalt getan hat … wem mag man sich dann eher verpflichtet fühlen?
    Klar, das ist ungerecht. Der Platzhirsch hat den besseren Stand und genießt Vorteile … vielleicht ja auch deshalb, weil er treu und stetig am Standort festhält?
    Wie hat Kleve Fuji hofiert? Wie hat Kalkar Campina hofiert?
    Ich denke schon, dass die Uedemer recht froh sind, die Horlemänner als zuverlässigen und standorttreuen Partner an ihrer Seite zu wissen.
    Jeder Mensch ist gleich, manche Menschen sind gleicher.
    In diesem Sinne,
    sonnige Woche,
    Andreas

     
  2. 2. Pfalzdorferin

    Horlemann ist standorttreu. Das ist aber noch lange kein Grund, der Firma finanziell entgegen zu kommen. Oder steckt Horlemann in der Krise? Was dem einen belohnenswert erscheint, sind für den anderen Wettbewerbsverzerrung und unerwünscht enge Verbindungen zwischen Verwaltung und Wirtschaft.
    Auch Firmen wie Horlemann sollten den Wettbewerb nicht scheuen bzw. die Gemeinde sollte keine Angst haben, Firmen wie Horlemann dem Wettbewerb auszusetzen (wenn das Unternehmen gut wirtschaftet, sollte Konkurrenz ja kein großes Problem sein, oder?). Natürlich kann man Horlemann für die Standorttreue dankbar sein. Man kann und muss sich aber auch fragen, wie weit diese Dankbarkeit gehen darf.