Schmuck-Design Schmidthausen: Nach 38 Jahren ist am 30. Juni Schluss!

rd | 18. März 2016, 18:37 | 1 Kommentar
Elsa und Josef Schmidthausen

Elsa und Josef Schmidthausen

Zu wissen, es ist… bald Schluss

Die treuen Kunden des Hauses erhielten einen Brief, der sie über das Unabänderliche in Kenntnis setzte, und seitdem reißt der Strom der Menschen in dem Ladenlokal an der Kavarinerstraße nicht ab. Die Bandbreite der Reaktionen, berichtet Elsa Schmidthausen, reiche von „Wir sind entsetzt!“ bis „Das darf doch nicht wahr sein!“

Wahr ist: Schmidthausen Schmuck-Design, eine Instanz im Klever Geschäftsleben, schließt zum 30. Juni. Zu den Gründen befragt, zitiert Josef Schmidthausen, der den Betrieb gemeinsam mit seiner Frau Elsa führt, den Schlagersänger Udo Jürgens: „Mit 66 Jahren fängt das Leben an…“

Schmidthausen ist 66 Jahre alt, demnächst wird er 67, und exakt ein halbes Jahrhundert hat er in seinem Beruf verbracht. Unmittelbar nach Abschluss der Realschule beginnt er in Kevelaer beim renommierten Goldschmied Wilhelm Polders eine Lehre, die er 1969 als Jahresbester abschließt.

Doch das reicht ihm nicht, 1971 fängt er ein Studium an der Fachhochschule für Gestaltung in Pforzheim an, und parallel zum Studium legt er noch die Prüfung zum Diamantgutachter, die Meisterprüfung sowie die Prüfung zum Gemmologen (Edelsteinfachmann) ab. Das Studium beendet er 1974 als Diplom-Designer.

Nach ersten Jahren im Beruf fernab des Niederrheins fällt Ende der siebziger Jahre der Entschluss, ein eigenes Geschäft zu gründen: Am 28. Oktober 1978 eröffnet Josef Schmidthausen am Brücktor 6 sein „Atelier für Schmuck-Design“. Zwei Jahre später erfolgt der Umzug in die Kavarinerstraße, wo das Geschäft wesentlich dazu beiträgt, dass die Klever diese Straße als „Handwerkerstraße“ mit eigenem Charme wahrnehmen.

So kannten ihn die Kunden der frühen Jahre: Josef Schmidthausen bei der Arbeit

So kannten ihn die Kunden der frühen Jahre: Josef Schmidthausen bei der Arbeit

Stets sah Schmidthausen sich dem Besonderen verpflichtet und präsentierte in seinem Geschäft beispielsweise Skulpturen aus Zimbabwe. Immer wieder stellten Künstler ihre ausgefallenen Kollektionen in dem Ladenlokal an der Kavarinerstraße aus. In einer Aktion ließ Schmidthausen seine Kunden Schmuckstücke entwerfen, die er dann realisierte. Zum 750-jährigen Bestehen der Stadt Kleve holte der Goldschmied ein aus Platinfäden gewebtes Brautkleid in die Stadt. Die Braut musste von Leibwächtern begleitet werden.

Ohnehin: Platin, das grau-weiße, dezente Edelmetall gehörte zu den bevorzugten Werkstoffen des Designers, was in einem Kriminalitätsfall sich als vorteilhaft herausstellen sollte. Einbrecher warfen einen erbeuteten Ring, den sie offenbar für Modeschmuck hielten, achtlos weg, ein Besucher der Klosterpforte entdeckte das Schmuckstück in einer Pflasterritze und brachte es zurück zum Geschäft. „Der Ring hatte einen Wert von rund 4000 Euro“, so Elsa Schmidthausen. Der ehrliche Finder bekam einen fürstlichen Finderlohn.

38 Jahre war die Werkstatt von Josef Schmidthausen im hinteren Bereich des Geschäfts der Mittelpunkt der Welt – für ihn und seine Weggefährten. „Es war ein wunderbare Zeit mit sehr vielen außergewöhnlichen Erfahrungen und Begegnungen, und ich möchte mich bei allen dafür bedanken, insbesondere bei meiner Frau, meinen Mitarbeitern und unseren Kunden“, so Josef Schmidthausen. Und nun? „Wir möchten noch etwas von der Welt sehen“, sagt Elsa Schmidthausen. Städtereisen sind angedacht. Für das Geschäft werde ein Nachfolger gesucht, doch spruchreif sei noch nichts.

Einen Kommentar schreiben





Eine Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 1. K. Brückenbauer

    „Klever Ikone des Einzelhandels“ – Schmuck-Design Schmidthausen

    Sollte der Autor diese Blogs über die „Klever Ikonen des Einzelhandels“ schreiben, so wäre Schmidthausen Schmuck-Design sicherlich mit dabei. Nun steht Schmidthausen Schmuck-Design auf der Kaverinerstraße in Kleve und bringt doch Großstadtflair zu uns. Die Fassade, oben dunkler Backstein der Nachkriegszeit und unten der rote Marmor mit mit Edelstahl und natürlich den wichtigen Schaufenstern hinter denen sich die Auslage mit dem Schmuck einfügt. Ein Musterbeispiel für guten Geschmack, der sich schon seit vielen Jahrzehnten in das Stadtbild einfügt und dieses auch prägt. Jeder der die Kaverinerstraße lang geht bemerkt, dass eigentlich ständig Besucher am Schaufenster stehen bleiben und sich die Schmuckstücke genaustens betrachten. Während der Öffnungszeiten ist das Geschäft stets besucht.
    Geht man ins Geschäft hinein, bekommt man direkt die angenehme Atmosphäre zu spüren; Im Hintergrund die Möbel in feinem Birnbaum mit Ebenholzeinlage, die wohldosierte Beleuchtung und dann die „Schmuckstücke“ die mit der richtigen Beleuchtung in Szene gesetzt werden. Benötigt man Beratung, so kann man sich auf den guten Geschmack von Frau Schmidthausen verlassen, die mit Ihrer ruhigen und ehrlichen Art zur Seite steht.

    Das Geschäft „Schmuck-Design Schmidthausen“ ist ein Musterbeispiel dafür, was die Klever Innenstadt ausmacht, und warum Kunden auch von weiter her nach Kleve kommen. Oft sind es die leisen, ehrlichen, authentischen Geschäfte, in denen der Kunde noch mehr bekommt aus nur „billig“. Sicherlich ist dies nur eine kleine Nische, die hier bedient wird, aber sie strahlt um sich herum und hebt das Niveau. Drum sind sie mehr als nur sie selbst alleine. Schmuck-Design Schmidthausen ist ein lebendes Beispiel dafür, dass die Stadt Kleve nicht nur aus toten Einzelteilen besteht, sondern ein lebendiger Organismus Stadt im Ganzen ist.
    Wer hier einkaufen geht, der geht auch einen guten Kaffee im „Cafe Lust“ trinken. Der wird sich auch noch ein neues Kleidungsstück bei Mensing kaufen gehen, was er eigentlich gar nicht geplant hatte.

    Als Klever kann man nur hoffen, das die Strahlkraft von Schmuck-Design Schmidthausen bis in den Ratssaal der Stadt Kleve scheint, damit für „Kleve Stadt“ auf dem Minoritenplatz die richtigen Entscheidungen getroffen werden.

    ****