Millionen in die Systeme? Das durchschnittliche Lohnniveau am Flughafen Weeze

rd | 08. April 2010, 09:16 | 12 Kommentare
2,4 Kilometer – und mit Sicherheit keine zehn

2,4 Kilometer – und mit Sicherheit keine zehn

Nehmen wir mal an, der Flughafen-Geschäftsführer Ludger van Bebber hätte in der interessanten Pressekonferenz vom 24. März gesagt, die Startbahn in Weeze sei zehn Kilometer lang. Da hätte jeder der anwesenden Journalisten, mal abgesehen von einem, wieder zurück in der Redaktion als erstes Google Earth aufgerufen, die Linealfunktion gestartet und wäre zu der Erkenntnis gekommen: Stimmt nicht, es sind in Wahrheit nur 2440 Meter! Und es hätte einen der Gedanke beschlichen, dass der Flughafenfrontmann vielleicht ein bisschen dick aufgetragen hätte.

Kommen wir nun zu den folgenden 34 Sekunden:

[audio:https://www.kleveblog.de/wp-content/millionenindiesysteme.mp3|titles=millionenindiesysteme]

Das Gute ist: Auch hier lässt sich rechnen, sogar ganz ohne Google, sondern einfach in Kenntnis des deutschen Sozialversicherungswesens. Das Ergebnis lässt einen staunen – denn es führt zu einem durchschnittlichen Verdienst der Mitarbeiter der Flughafen Niederrhein GmbH, der weit jenseits der 400-Euro-Agello-Kollegen liegt. Hier Schritt für Schritt, damit jeder mitrechnen kann:

  • 1. Schritt: “1,5 Millionen (Euro) in die Sozialversicherungssysteme”
  • 2. Schritt: Die aktuelle Information von Wikipedia: “Der vom Arbeitgeber zu tragende Gesamtbeitrag liegt damit bei knapp 23 % des Bruttolohns des Arbeitnehmers bis zur Höhe von zwei jährlich neu bestimmten Beitragsbemessungsgrenzen.”
  • 3. Schritt: Daraus folgt: 1,5 Millionen Euro sind 23 Prozent der Bruttolohnsumme des Flughafens Niederrhein.
  • 4. Schritt: Die eigentliche Rechnung: 1.500.000 Euro geteilt durch 23 mal 100 gleich: 6.521.700 Euro.
  • 5. Schritt: 6.521.700 Euro geteilt durch 54 (Zahl der Mitarbeiter; 48 gewerbliche, 6 angestellte, Stand 2008) ergibt die durchschnittliche Lohnsumme:
  • 6. Schritt: 120.772 Euro
  • 7. Schritt: Glauben wir das?
2b spricht eine andere Sprache

2b spricht eine andere Sprache

Nun ist es so, dass wir zumindest die Bilanz des Jahres 2008 zur freien Verfügung haben. Angenommen, die Zahlen sind – halbwegs – vergleichbar, findet sich dort auf Seite 4 unter Punkt 2b der Eintrag “Sozialabgaben”, die demnach exakt 504.409,83 Euro betrugen. Fazit: Es ist zu hoffen, dass nicht alles, was Ludger van Bebber sagt, durch drei geteilt werden muss, um bis zur Wahrheit vorzudringen.

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12 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 1. Genios

    Bei den fürstlichen Gehältern werde ich sofort die Bewerbung fertig machen. Das sind ja alles Spitzenverdiener dort am Flughafen.

     
  2. 2. Bernd Derksen

    @ralf.daute
    Interessant.
    Weil van Bebber von 3 Millionen insgesamt spricht, sollte es ja auch kein Versprecher gewesen sein. (Der jedem mal passieren kann.)
    Er spricht ja von einer halben Million, die man als Lohn- und Einkommenssteuer abführe. Dies sind sicherlich (vor allem) die vom Lohn der Mitarbeiter einbehaltenen Einkommenssteuern. Daher liegt es nahe, dass er auch bei den Sozialabgaben die Arbeitnehmerbeiträge miteinbezieht und als Leistung der Flughafengesellschaft bezeichnet. Wenn ich nun von einem gegenüber 2008 gesteigerten Lohnvolumen ausgehe, scheinen mir die genannten 1.5 Millionen nicht mehr allzu abwegig.

    Aber:
    Bitte bleibe kritisch und selbstdenkend, Ralf. Ich “verachte” weite Teile der Medienwelt gerade wegen ihrer “Selbstgleichschaltung” im Konfliktfall. Da scheinen mir kritische Journalisten, auch wenn sie schon mal übers Ziel hinausschießen, umso unverzichtbarer.

    (Gerade lese bzw. höre ich “Eva Herman: Die Wahrheit und ihr Preis: Meinung, Macht und Medien”. Nach dem Kerner-Tribunal habe ich damals die Medienberichterstattung intensiv verfolgt, u.a.. Und letztlich meinen Glauben an ein funktionierendes Mediensystem verloren, z.B. an die Seriösität von dpa.)

     
  3. 3. Luke,ichBinDeinVater

    Herr Daute, können Sie mal rausfinden, ob im Flughafen-Marketing noch ne Stelle frei ist…

    Und: Wenn 120tsd per Anno der Durchschnitt ist… ich bin über´m Durchschnitt… boh, ich werd reich… neues Auto … Haus renovieren… geile Möbel…

    Flughafen Niederrhein/Airport Weeze or whatever – Arbeitgeber der unbegrenzten Möglichkeiten … ich kommmmmmeeeeeeee……..

    😉

     
  4. 4. GWD

    Das gesamte Zahlenwerk gehört wohl eher in die Kiste “rhetorische Kriegsführung” und ist letztlich nicht nachvollziehbar. Es wird wohl stimmen, daß Zahlen in der von van Bebber angegebenen Größenordnung sich irgendwie errechnen und im Buchwerk des Flughafen-Konzerns darstellen lassen. Nur daraus allgemeinverbindliche Schlüsse zu ziehen, halte ich für sehr gewagt. Es gibt vermutlich eine ganze Reihe von Zusammenhängen und Zusatzinformationen, die sich einem Externen nicht so ohne weiteres erschliessen lassen und doch zu Ergebnissen führen, die letztlich zum großen Betriebs- oder Geschäftsgeheimnis gehören. Also: Bitte ein wenig vorsichtiger im Umgang mit “logischen” Zahlenspielereien und daraus gezogenen Schlüssen!
    Die Berichterstattung ist jedoch absolut in Ordnung, auch wenn gewisse Leute dadurch genervt werden. Aber dann wissen die wenigstens, wofür sie monatlich im Voraus soviel Geld auf das Konto überwiesen bekommen.

     
  5. 5. Wim Heuvens

    Ich denke man kann hier schreiben was man möchte, dem L.v.B. ist es egal, nimmt kaum Notiz …. würde ich auch tun.

     
  6. 6. Killerplautze

    @WH

    Wenn es doch egal und kaum einer Notiz wert ist, weshalb postest Du zu diesem Thema?

     
  7. 7. Kiste

    Bei 120.000 Euro Jahreseinkommen dürfte der Benefit für die Sozialversicherungen relativ gering sein, denn mit diesem Einkommen ist man von der Kranken- und Rentenversicherungspflicht befreit (bzw. man kann sich eben privat kranken- und rentenversichern).

    Vermutlich werden nur Arbeitlosenversicherungsbeiträge fällig.

    Irgendwie muss der selbstlos-karikative Beitrag des IPod, äh..Ärpod Weeze woanders her kommen.

    Vielleicht werden die Flugzeuge ja sozialversichert..:-)

     
  8. 8. Pete

    Und ausserdem sind dies alles Durchschnittsgehaelter. sagen also gar nichts ueber die Gaussverteilung aus… Ob dies alles normalverteilt ist, koennte man ja mal an die grosse Glocke haengen, in dem man einen Einzelfall (anonym?) analysiert…

    Wie auch immer, dies findest du wahrscheinlich in 90% der Gewerbe in D’land. Es ist viel “Erfolg versprechender” gesetzliche Misstaende aufzudecken. Ist auch viel spannender als die ewige Neidtur.

     
  9. 9. obi

    Da leider die Steuereinnahmen des Staates zwischenzeitlich auch massiv zur Sicherung der Sozialversicherungssystme herangezogen werden, hat Herr Generaldirektor van Bebber direkt diesen Umstand in seine Berechnung mit einbezogen und die an die Finanzämter abgeführte Lohn-/Einkommenssteuer alles Flughafen-Mitarbeiter (insbs. auch seine eigene) direkt in diese Summe eingerechnet.

    @W.H.
    Dem Generaldirektor van Bebber ist es bestimmt egal sonst hätte er solche Schritte nicht getan (er ist ja nicht doof und riskiert seine Lebenschance), aber vielleicht wachen einige Politiker auf und fordern die zum Jahresende vertraglich vereinbarte Rückzahlung des ZINS-losen Kredites. Mit dieser Hoffnung kann ich Herrn Daute nur Dank aussprechen und ermutige ihn dieses Thema weiter zu verfolgen.

     
  10. 10. klausi

    @wim

    im Prinzip teile ich Deine Meinung. Der vB ist in einer privatwirtschaftlichen Firma aktiv und will seine Chance nutzen halt auch ein bisschen reich zu werden. Da spielt die Moral sicherlich eine untergeordnete Rolle. Wenn das “Schlecker-Prinzip” bemüht werden muss geht es aber zu weit.

    Die Diskussion hier im Blog dreht sich meistens um die Person vB. Das finde ich schade. Der grössere Misstand liegt m.E. in der Tatsache, dass der Sohn des ehem. Wirtschaftsförderers mit lukerativen Aufträgen bedacht und bevorzugt wird (Arbeitnehmerüberlassung). Hier sind wohl noch alte Gefälligkeiten wieder gut zu machen. Darum sollten sich Kreispolitiker sicherlich kümmern. Da wäre die Installation eines Korruptionsbeauftragten auch nicht schlecht.

     
  11. 11. watnepub

    @ Kiste

    nun, es gibt auch freiwillig Versicherte in der gKV. Bei einem angenommenen Jahresverdienst von 120.000 € werden so 7,9 % von max. 45.000 € (Werte 2010) für einen angestellten Flughafenmanager, seiner Frau und seine Kinder an SV-Beiträge abgeführt + 7 % AG-Anteil. 75.000 € sind beitragsfrei gestellt. Den Status des Privatversicherten kann er sich dann durch Zusatzversicherungen erkaufen. Die gRV ist unabhängig vom Einkommen eine Zwangsversicherung, d.h., dass auch bei einem Jahreseinkommen von 120.000 € RV-Beiträge zu zahlen sind, allerdings nur max. von 66.000 € bei einem AN-Satz von 9,95 % + AG-Anteil 9,95 %.
    Höherversicherung durch private RV dürfte bei diesem Gehalt auch kein Problem sein.

     
  12. 12. Kiste

    @watnepub

    Ja, das mit der RV ist richtig, wollte nur darauf hinweisen, dass die Rechnung von rd dann nicht hinkommt weil ja bei66K die Beiträge gedeckelt sind.

    Als Single-Manager mit 120K lohnt sich die GKV aber wahrscheinlich nicht… 🙂