Haus des Erinnerns und Gedenkens: Plötzlich kommt Bewegung in die Sache

Lichtdurchflutete Stätte der Begegnung

Es ist eines dieser Projekt, das gefühlt nie zu Potte zu kommen scheint – das Haus des Gedenkens und Erinnern, das der vor drei Jahren gegründete Verein gleichen Namens auf dem Synagogenplatz an der Schwanenburg errichten möchte. Drei Millionen Euro soll das Gebäude kosten, das dann zwei Zwecken dienen soll. Zum einen soll darin die Klever Geschichte in Bezug auf Rassismus und Antisemitismus aufgearbeitet werden, zum anderen aber soll mit verschiedenen Formaten aufgearbeitet werden, wie Ausgrenzung entsteht und wie eine Gesellschaft sich gegen diese Tendenzen zur Wehr setzen kann.

„Wissen mit Identitätsbezug“, so nennt Verbeet das Konzept. Beispielsweise soll ein Raum der Holocaust-Überlebenden Eva Weyl gewidmet werden, die in der Nazizeit als Kind mit ihren Eltern aus Kleve vor der Verfolgung flüchtete. „Das Haus vermittelt die Geschichte von Verfolgung, Unterdrückung, Besatzung sowie Befreiung und wird zu einem lebendigen Ort grenzüberschreitenden Nachdenkens über Gegenwart und Zukunft unseres Zusammenlebens“, so heißt es in dem Flyer des Vereins.

Förderer, Freunde, Macher: Sylvia Löhrmann (Antisemitismusbeauftragte NRW), Dr. Martin Hamburger (Bethe-Stiftung), Hedwig Meyer-Wilmes, Wolfgang Gebing, Edmund Verbeet (alle drei vom Verein HdEuG)

Am Dienstag lud nun Edmund Verbeet, der Vorsitzende des Vereins Haus des Erinnerns und Gedenkens (HdEuG), zu einer Pressekonferenz, denn gleich zwei Meilensteine auf dem Weg zur Errichtung des Gebäudes konnten vermeldet werden. Die Finanzierung der planerischen Voraussetzungen steht. Dazu reichten bisher eingeworbenen Spenden aus, zudem gab es einiges an Pro-bono-Leistungen, etwa der beteiligten Architekten Hülsmann Thieme Minor, die die Idee zu der markanten Faserverbundfassade hatten. Nun muss nur noch die Stadt Kleve den Bebauungsplan ändern, doch da wurde bereits Entgegenkommen signalisiert. Die Liegenschaft selbst, der Standort der Synagoge, die in der Progromnacht 1938 von den Nazi abgebrannt wurde, soll von der Stadt Kleve in eine (noch zu gründende) Stiftung eingebracht werden.

Für den zweiten Abschnitt gelang es dem Verein nun, einen starken Partner für die Sache zu begeistern – die Bethe-Stiftung, von den Unternehmern Roswitha und Erich Bethe 1996 ins Leben gerufen, erklärte sich bereit, das Projekt mit der „Aktion 1 = 2“ zu unterstützen. Das heißt: Für jeden Euro, den der Verein als Spende eintreibt, legt die Stiftung einen weiteren dazu. Das gilt bis zu einer Summe von 25.000 Euro, sodass maximal 25.000 Euro gefördert werden. Die maximale Höhe der Einzelspenden beträgt 2000 Euro. Die Aktion läuft vom 1. September bis zum 30. November.

Die Rechnung des Vereins geht wie folgt: Ziel ist es, insgesamt etwa 300.000 Euro zusammenzubekommen – der Rest soll dann wiederum durch existierende Förderprogramme aufgebracht werden (diese sehen üblicherweise einen Eigenanteil von zehn Prozent vor). Einen konkreten Zeitrahmen konnte der Verein noch nicht benennen, allerdings ist geplant, bis zur Landesgartenschau schon die Fundamente der Synagoge freigelegt und mit Glasplatten abgedeckt zu haben. Auf diese Weise sollen sie für die Besucher des Ortes bereits begehbar sein. Bis zur Fertigstellung des Hauses des Erinnerns und Gedenkens können aber noch zehn Jahre vergehen, „aber wenn man nicht anfängt, passiert gar nichts“, so Edmund Verbeet.

Rückendeckung erhielt das Projekt von Sylvia Löhrmann, der Antisemitismusbeauftragten in Nordrhein-Westfalen, die das Konzept ausdrücklich lobte. Sie kannte das Projekt aus Kleve und vermittelte den Kontakt zu der Stiftung, in dessen Beirat sie ebenfalls vertreten ist. Schon gestern vermeldete der Verein den Eingang einer ersten Spende in Höhe von 450 Euro.

Wer Spenden möchte, überweise seinen Betrag bitte an:

Haus des Erinnerns und Gedenkens e.V.

Kontonummer: DE24 3245 0000 0030 0941 71

Stichwort: Verdoppelung Bethe-Stiftung

Synagogenplatz aktuell

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1 Kommentar

  1. 1

    Da sehe ich leider innerhalb kürzester Zeit -dauerhaft- Sachbeschädigung und Vandalismus im Bereich des EG, was die filigrane Außenfassade angeht.