Der zum Kritteln neigende Klever könnte angesichts der Nachricht, dass am Spoyufer ein weiteres Café eröffnet hat, spöttisch ausrufen: „Das hat Kleve gerade noch gefehlt!“
Seit Anfang August bietet das Happy Chocolate Kaffee und Kuchen, und schon nach diesen wenigen Wochen lässt sich sagen: Dieses Café hat Kleve tatsächlich gefehlt.
Geleitet wird es von Isabel Wibe, und sie hat lange auf die Eröffnung hingearbeitet. Genau gesagt: ein Jahr länger als geplant, denn die Baustelle barg jede Woche eine neue Überraschung. Die größte war vielleicht, als sich herausstellte, dass der Boden komplett mit Sand aufgefüllt war, um den Niveauunterschied zur Eingangsstufe auszugleichen. Der hinzugezogene Statiker war konsterniert – der Sand musste raus, und nun sorgen Polyesterplatten unter dem Laminatboden dafür, dass das Café barrierefrei betreten werden kann.
Doch aller Baustellenärger ist nun Vergangenheit, und Isabel Wibe darf nun für sich in Anspruch nehmen, das vermutlich am liebevollsten eingerichtete Kaffee in der Stadt zu führen. Im Treppenhaus wimmelt es nur so vor dekorativ aufgeschlagenen Büchern, deren zusammengeklebten Seiten mitunter kleine Vasen formen, in denen Blumen stecken. Im Obergeschoss ziert eine Wand ein Ensemble aus Dutzenden verschiedener Kaffeetassen, die an Kordeln herabhängen. Der Blickfang im Erdgeschoss ist ein kreisförmiges Kunstwerk aus verschiedensten Kaffeekannen, die an der Wand hängen – alles auf Trödelmärkten zusammengekauft oder aus dem Bekanntenkreis erhalten.

„Die Gäste sollen sich auf Anhieb Zuhause fühlen“, umschreibt Isabel Wibe ihren Dekorationsansatz. Sie ist 24 Jahre alt, studiert in Düsseldorf Modedesign und ist aber auch Gastronomin durch und durch, seit sie im Alter von 14 Jahren anfing, in der Eisdiele Panciera an der Münze zu kellnern. Zwei Inhaberwechsel machte sie mit, beim zweiten war sie es schon, wie den „Neuen“ zeigte, wie es ging.

Gastronomie liegt aber auch in der Familie: Wises Mutter betreibt das Happy Chocolate an der Kalkarer Straße in Hasselt. Sie ist gelernte Konditorin und blickt auf viele Jahre Erfahrung in der Bäckerei in Rindern (mittlerweile geschlossen) und bei Reffeling zurück. Sie wurde unter anderem dadurch bekannt, dass sie in Nordrhein-Westfalen der erste weibliche Schokoladen-Somnelier war. Diese Expertise kommt natürlich auch dem Café im Spoy-Center zugute, wo allerlei ebenso vielschichtige wie vielfarbige Köstlichkeiten auf die Besucher warten.

Den ersten Monat hatte Isabel Wibe für sich als Probemonat verbucht, um herauszufinden, welche Öffnungszeiten optimal sind und wie das Angebot am besten gestaltet werden kann. Das steht nun fest: wochentags hat das Café von 9 Uhr bis 18:30 Uhr geöffnet, samstags und sonntags von 10 Uhr bis 20 Uhr, montags ist Ruhetag. Das Angebot, so verspricht die Chefin, wird ab September erweitert – mit Frühstück und Brunch.

