Gesamtschule: Das erwünschte Fragebogendesaster

rd | 29. November 2009, 14:30 | 5 Kommentare

O.k., es lag ein frankierter Rückumschlag bei. Es soll also niemand sagen können, es wurde alles Menschenmögliche getan, um eine Gesamtschule in Kleve zu verhindern. Nur fast alles.

Am Anfang des Verfahrens stand die Ermittlung des Bedarfs. Das heißt: Die Eltern der Kinder, die in den nächsten fünf Jahren eine weiterführende Schule besuchen werden, bekamen Anfang November einen Brief, der bis zum 27. November zu beantworten war. Das Schreiben von Schulamtsleitern Annette Wier war im Ton sachlich und neutral, vergaß aber nicht die “Das-ist-doch-alles-Bockmist”-Hinweise, die Gesamtschule könne nur als Halbtagsschule genehmigt werden und überdies: “Ich welchem Gebäude eine Gesamtschule untergebracht werden könnte, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht festgelegt werden.”

Interessanter aber ist der offensichtliche Fehler bei der Formulierung der entscheidenden Frage. Denn es wurde nicht schlicht und einfach gefragt:

“Käme eine Gesamtschule als weiterführende Schule in Kleve für Ihr Kind in Betracht? Ja/Nein.”

Statt dessen lautete die Frage sinngemäß: Welche weiterführende Schule soll Ihr Kind besuchen? Gymnasium, Realschule, Hauptschule, Gesamtschule. Das ist naturgemäß für Eltern, deren Kind gerade eingeschult wurde, schwer zu beantworten. Viele haben sich gedacht: Am liebsten natürlich Gymnasium, aber vielleicht auch Realschule oder Gesamtschule. Drei Kreuze – und leider zwei zu viel. Denn solche Anworten wurden als ungültig bewertet. Immerhin, wer den frankierten Rückumschlag mit seinem Absender versehen hat, wurde mit einem nochmaligen Brief auf den Fehler aufmerksam gemacht – aber wer macht das schon? Die anonymen Mehrfachstimmen sind auf jeden Fall unwiderruflich verloren.

So viel ist sicher: Falls die Initiative daran scheitern sollte, dass nicht die erforderliche Zahl von Interessenten erreicht wird, dürfte die schlampige Formulierung einem guten Juristen ein paar Euro fünfzig bescheren – und den Eltern einen neuen Fragebogen. kleveblog leistet gerne Formulierungshilfe, s. o.

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5 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 5. KlePeter

    Ein Abstimmung über den Neubau eines Rathausminoritenmarinaunterstadtzentrums ist besser organisiert. Da hat die Verwaltung unter der Führung von Theomeisterprinzderfeurigebürger auch mehr Interesse dran.
    🙁

     
  2. 4. Jens-Uwe Habedank

    Ich setz’ mal einen drauf – Aus persönlichen Gesprächen: Einige Eltern von Grundschülern in Kleve gaben an keinen Fragebogen bekommen zu haben. Mehrere (3-4) äußerten das bei einer Aktion vor einer Grundschule am letzten Mittwoch, 2 von 20 Angerufenen ebenfalls…2 von 20 – das wären 10%…

    Keine Ahnung was da in der Verwaltung los ist. Waren’s Einzelfälle ohne Gewicht oder x%, die ausschlaggebend sein könnten? Dass die Eltern mal einfach so behaupten keinen Fragebogen erhalten zu haben schliesse ich aus!

    Noch was – Eine Mutter hatte eine Diskussion mit einem Postbeamten ( oder-angestellten) der den Freiumschlag nicht annehmen wollte – es müsse das Wort “Rückantwort” ausdrücklich auf dem Kuvert geschreiben sein, sonst gäbe es keine Transportberechtigung nach Beförderungsrichtlinien der Post….Da hat man das dann eben kurzer Hand drauf geschrieben und gut war’s – Was ist mit den Umschlägen, die einfach eingeworfen wurden? Hängt das nun von der Laune des Zustellers ab oder was?

     
  3. 3. flachlandbiker

    Das ist ja wirklich urkomisch.

    Zusammen mit meiner Frau (übrigens Lehrerin…) habe ich beim Frühstück diskutiert, was die Dame aus der Verwaltung mit diesem Fragebogen von uns wissen möchte.

    Und ? Richtig, zwei Kreuze!

    Erst jetzt ist mir die Filmszene wieder eingefallen, “Jeder nur ein Kreuz…..”

    Das diese Stimmen ungültig sind oder sein sollen ist ein Skandal.

    Bei Rundschreiben mit einer solchen Aussenwirkung darf man wohl getrost erwarten, dass dem DDB (durchschnittlich dämlichen Bürger..) die Fragen und Handlungsalternativen so an die Hand gegeben werden, dass nichts schiefgeht.

    Sehr geehrter Herr Daute, können Sie in Erfahrung bringen, wieviel Doppel- bzw. Dreifachnominierungen es von Schulformen im Verhältnis zur absoluten Zahl der Rücksendungen gab?

     
  4. 2. Messerjocke

    Die Hauptschule ist tot !

    Was soll denn überhaupt diese heuchlerische Umfrage und dann dieser hanebüchene Hinweis auf die Unterbringung ?

    Dramatisch sinkende Schülerzahlen und nur noch 14% der Schüler wählen die Hauptschule als weiterführende Schulform aber jede Gemeinde muss gesetzlich eine Hauptschule vorhalten. Die stehen dann in Materborn, in Rindern, in Bedburg-Hau, in Kranenburg (…) so herum und keiner will wirklich hin und Zusammenlegungen stehen vor der Tür.

    Das ist grandiose Fehlplanung wie zu DDR-Zeiten.

    Wo ? Natürlich bei uns am Niederrhein !
    Wer ? Fachlich überforderte Kirchturmdenker ohne Mumm und Verantwortungsbewusstsein ?

    Also weg mit den Hauptschulen und her mit den Gesamtschulen. Wir können diesen Mumpitz nicht länger leisten.

     
  5. 1. Jens-Uwe Habedank

    Meines Erachtens ist nicht nur die Formulierung im Fragebogen zu kritisieren, sondern auch die “Begleit-Informationen” der Verwaltungsspitze mit hinweisendem Charakter ( Kein Gebäude, kein Geld, tolle Schulen in Kleve, Halbtag/ Ganztag)….
    Aus vielen persönlichen Gesprächen mit Eltern wurde mir klar, welche Verunsicherung da entstand – bis hin zu “Was soll ich Gesamtschule ankreuzen, wenn die sowieso nicht kommt…?!”

    Stichwort “schlampig”: Kann man so sehen, widerspricht aber dem Eigenanspruch der Verwaltungsspitze ” einer der besten Verwaltungen Deutschlands” zu sein….
    Somit bleibt die Möglichkeit der Absicht – und ich denke mal gerade dieses Thema ist verwaltungstechnisch “oben” angesiedelt – nicht ganz ausgeschlossen, läßt auf jeden Fall Interpretationen zu.

    Egal was denn nun – der Sache einer neutralen Erhebung dürfte dieses Frageverfahren nicht unbedingt gerecht geworden sein. Bleibt zu hoffen, dass das Engagement der Elterninitiative auf sachliche Information Früchte getragen hat und eine evtl. Anfechtung des Erhebungsverfahrens allen Beteiligten erspart bleibt – denn dann ist Unschönes zu befürchten.

    Wie BürgerInnen informiert werden läßt sich schön am Beispiel “Schulentwicklungsplan” erkennen. Dieser gilt von 2007 bis 2012 – steht aber nicht frei zur Verfügung. Nach Angaben der Verwaltung ( vom 27.11.09) geht dieser voraussichtlich “Anfang 2010” in’s Netz….Also zu einem Zeitpunkt wo er schon länger Bestand hat als noch Gültigkeit – wie überaus hilfreich und informativ für die Eltern, die sich mit dem Thema “Schule” in Kleve beschäftigen!
    Man kann allerdings auch – wie üblich – (hoffentlich) einen Termin ausmachen, reinschauen und sich eine Kopie anfertigen lassen – 40 ct pro DinA4-Seite, ist dann schnell ein (fast) dreistelliger Betrag. Tja, nicht nur Bildung auch Information ist teuer….