Flughafen Weeze: Nur noch drei Tage für Parookaville öffnen?

rd | 14. November 2019, 12:11 | 7 Kommentare
Ryanair-Maschine auf dem Flugfeld Weeze: Abfertigung im Morgengrauen (Foto: Airport Weeze)

Die letzte veröffentlichte Bilanz der Flughafen Niederrhein GmbH, die im Bundesanzeiger zu finden ist, betrifft das Jahr 2017. Das Jahr war nach allgemeiner Einschätzung für den Regionalflughafen in Weeze noch ein gutes Jahr. In den 365 Geschäftstagen erwirtschafteten die etwa 90 Mitarbeiter des Airports ein Rohergebnis von 13.091.741,40 Euro.

An drei Tagen im Jahr findet auf dem Gelände des Flughafens das Parookaville-Festival für elektronische Tanzmusik statt. An jedem dieser drei Tage strömen rund 70.000 mehr oder minder junge Menschen nach Weeze, um zu feiern. Rechnet man nun der Einfachheit halber, dass alle Besucher jeweils einen 3-Tage-Pass für die Veranstaltung gekauft haben, die günstigste Variante ohne irgendwelche VIP-Konditionen, ergibt sich für die Veranstalter des Festivals ein Umsatz in Höhe von 14,36 Millionen Euro. Diese Schätzung ist die absolute Untergrenze.

13 Millionen zu 14 Millionen – diese Zahlen sollten zwingend dazu führen, den Flughafen künftig nur noch an den drei Tagen des Festivals geöffnet zu halten, damit die berühmten DJs in ihren Privatjets einfliegen können. Alles andere wäre ein Akt der Unvernunft.

Angeblich ist der Flughafen ein „Leuchtturmprojekt“, ein „Standortfaktor“, und die Befürworter des Flugbetriebs werden nicht müde zu betonen, dass im Umfeld des Airports mittlerweile rund 1000 Arbeitsplätze entstanden seien, wobei nie näher erklärt wird, wo die genau zu finden sind. Die Zeitarbeiter, die in den Wohnblocks auf dem Flughafen untergebracht sind, werden ja wohl hoffentlich nicht dazu gerechnet.

Die neuerliche Bitte um staatliche Unterstützung, nunmehr sind 1,9 Millionen Euro vonnöten, andernfalls erwäge der Eigner, den Flugbetrieb ruhen zu lassen, diese Bitte also wird im Kreishaus vermutlich in bewährter Manier erfüllt. Der schon vor Jahren auf dieser Website prognostizierte „VEB Flughafen Niederrhein“ wird scheibchenweise Realität – und das Schöne für Landrat Wolfgang Spreen wird sein, dass der vermutlich nicht zu verhindernde Zusammenbruch dieser Zukunftsvision ein Fall für seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin sein wird.

Vielleicht hätte die CDU einfach auf einen streitbaren Geist in ihrer Mitte hören sollen. In den Tiefen des Archivs findet sich ein Artikel aus der Rheinischen Post vom 5. November 2002, also noch vor der Aufnahme des kommerziellen Flugbetriebs in Weeze. Damals sprach der Redakteur Ludger Distelkamp mit Alfons A. Tönnissen, zu dieser Zeit Vorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung im Kreis Kleve sowie Präsidiumsmitglied der Kreis Klever Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Tönnissen sagte, es wäre fatal, nur auf den Markt der Billig-Flieger zu setzen. Laarbruch würde sich dann wohl nur „am untersten Rand der Rentabilität bewegen“.

Andere Fluglinien aber hatten kein Interesse an Weeze, sodass der Geschäftsführung von Anfang an nichts anderes übrig blieb, als sich auf Gedeih und Verderb der irischen Billigfluglinie Ryanair auszuliefern. Was danach geschah, hat den untersten Rand der Rentabilität noch deutlich unterschritten.

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7 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 7. Stefan Schuster

    Als ehemaliger Nutznießer des Flughafens Weeze (V-Bird zwischen Weeze und Berlin-Schönefeld) hat mich schon damals gewundert, wieso der Kreis Kleve derart massiv ein Hochrisikoprojekt unterstützt. Schon geringste Änderungen in der großpolitischen Wetterlage, auf die der Kreis keinerlei Einfluß hat, können das Ende für Weeze bedeuten. Es gab schon immer Kritik an der Steuerfreiheit für Flugbenzin, diese Kritik ist heute aktueller und lauter denn je.

    Bei Projektbewertungen denken in der Betriebswirtschaft geschulte und geübte Entscheider normalerweise in Szenarien: Es werden mindestens drei Varianten bewertet (nach PERT: best case – likely case – worst case). Am linken Niederrhein jedoch scheint bei Entscheidungen zur Wirtschaftsförderung immer nur der best case zu gelten. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal.

     
  2. 6. Andreas Bulkens

    Mit Verlaub, aber dieser Abriss ist leider sehr lückenhaft.
    Wir erinnern uns mal an die Gründungszeit, als voller Euphorie auf das große Geschäft gehofft wurde.
    Alex van Elk (???) war CEO der FN – die FN hat in der Tat rund 100 MA in Diensten.
    Anbeißen wollte keine Fluggesellschaft (konnten ja auch nur sehr kleine Passagiermaschinen abgefertigt werden – Schuld hatten die Taxiways TWY – also A320 und Boeing 737).
    Auflagen und Forderungen der Bezirksregierung DUS … fielen unter den Tisch. Damit stiegen die Kosten.
    Die BezReg läßt sich nicht gerne für dumm verkaufen 😉
    Parallel verdiente sich der Niersverband eine goldene Nase mit dem Abtransport und der Entsorgung der „kontaminierten Vorfeldabwässer“, parallel gingen Handwerker in die Insolvenz wegen unbezahlter Rechnungen und irgendwann hatte man die kongeniale Idee, eine eigene Airline zu gründen:
    V-Bird … mit drei im Wetlease angeheuerten A320 mal eben Ryanair kopieren … ging auch nicht lange gut.
    Interssanterweise wurden aber quasi nebenher die Vorgaben der BezReg Dus verwässert … Otto mit einem netten Wohnpark, die Feuerwehrschule und andere defintiv nicht „flugaffine“ Gewerbeansiedlungen/Wohnansiedlungen waren plötzlich hoffähig und geduldet.
    Als V-Bird die Segel strich und die drei A-320 an der Kette lagen war eigentlich schon der Zenit überschritten … aber nein, man buhlte um Ryanair. In Eindhoven lief es schlecht für Ryanair und so wurde mal fix eine kleine Base auf NRN geschaffen.
    Verdient hat FN (NRN) an Ryanair Null … aber die Gemeinde Weeze und der Kreis Kleve haben Ryanair fein geschmiert … das waren offiziell Abgaben für die Nennung der Orte auf der Ryanair-Website pp.
    Nebenbei sei noch die Anmerkung gestattet, dass LvB als Superluddie selbstredend auch seine Euro als Anteilseigner der Agello Sklavenbude und natürlich am externen Parken verdient.
    Wie man auch nur ansatzweise auf 1000 Arbeitsplätze kommt ist mir schleierhaft.
    Die DFS kann das Personal an anderen Standorten dringend gebrauchen, die „Ausbildung“ zur Sicherheitskraft mit Durchfallgarantie ist staatlich subventionierte Arbeitsbeschaffung, die Autovermieter sind des guten Willens wegen vor Ort, … und am Ende dürften sehr viele der dort beschäftigten Menschen entweder als 450,-€- oder Teilzeitkräfte auf 850,-€-Basis beschäftigt werden. Der Rest kommt aus Maßnahmen der Agentur für Arbeit und dem Pool der HIV´ler*innen.

     
  3. 5. Querdenker

    Immerhin war der Flughafen schon mal offen, das ist schon wesentlich mehr als die Berliner gerade schaffen. 😀

     
  4. 4. Mucki

    Wir warten auf den ersten Akt der Auskiesung — wie es schon „die Sanduhr“ beim Laden dieses Blogs erahnen lässt

     
  5. 3. jean baptiste

    @rd “… diese Zahlen sollten zwingend dazu führen, den Flughafen künftig nur noch an den drei Tagen des Festivals geöffnet zu halten, …”
    Das wird wohl nicht gehen, genauso wie jedes Unternehmen, das eine Buslinie oder ein Taxi betreibt, gilt eine Betriebspflicht, geregelt im § 45 LuftVZO – Erhaltungs- und Betriebspflicht .
    also einfach Dichtmachen geht auch nicht.

     
  6. 2. Andre Gerritzen

    Kleine Ergänzung.
    Festivals dieser Größenordnung sind in der Regel zu 70-80% durch Sponsoring vorfinanziert!

    Die Eintrittsgelder bleiben zu ein großen Teil beim Veranstalter.
    Vielleicht will da jemand den Flughafen oder einen Teil davon kaufen?

     
  7. 1. rd

    Kleine Ergänzung: Was nicht in dem RP-Artikel stand, war, dass Alfons A. Tönnissen damals auch Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des Flughafens Niederrheins war. Nach dem Erscheinen des Artikels traf sich das Gremium, Tönnissen wurde vor die Tür geschickt, dann wurde stundenlang beraten, bis schließlich Heinz Seesing vor die Tür trat und ihn mit den Worten „Alfons, du darfst das nicht mehr machen“ von dem Posten entfernte.