Flughafen Weeze, ein neues, vernichtendes Urteil (CDU, bitte lesen!)

rd | 19. August 2020, 19:17 | 28 Kommentare
Airport auf Bauzaun der HSRW (2011, Foto Kleinendonk)

Heute veröffentlichte der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) ein Gutachten zur Bewertung der Regionalflughäfen, das zu dem für die in Treue fest erstarrten CDU-Mitglieder im Kreistag überraschenden, für erfahrene kleveblog-Leser jedoch nicht besonders neuen Ergebnis kam, dass es am besten sei, den Flughafen Weeze sofort zu schließen. Oder, um es in der Expertensprache der Verfasser auszudrücken: „Der Beitrag des Passagierverkehrs zur Konnektivität ist mit null zu
bewerten.“ (S. 21) NULL!

Nun könnte man einwenden, der BUND sei irgendeine radikale Ökoorganisation, die sich natürlich niemals mit einem Flughafen anfreunden könne und uns alle am liebsten in die Steinzeit zurückbefördern würde. Allein: Es ist ganz anders. Die drei Verfasser der Studie, Werner Reh, Matthias Runkel und Lea Paoli, haben – wie kleveblog gerne auch – auf die Zahlen des Unternehmens geschaut. Ergebnis: Katastrophe.

Hier ein kleiner Auszug aus der Studie:

Einige Fördertatbestände, die bei genauer Betrachtung als Beihilfen des Betriebs zu werten sind, tauchen weder in den Geschäftsberichten, noch in den Notifizierungen der EU-Kommission auf. Sie können als verdeckte Betriebsbeihilfen gewertet werden. So wandelte z. B. der Kreis Kleve im Dezember 2016 sein Darlehen an den Flughafen Weeze in Höhe von
26,835 Mio. Euro in eine stille Beteiligung um. Damit erspart er dem Flughafen Rückzahlungen, die bis dahin sich auf 1,393 Mio. Euro plus Zinsen von bis dahin 7,5 Mio. Euro. Dass der Kreis dafür Gewinnanteile in Höhe von 24,8 % vom Jahresergebnis erhält, die diesen Einnahmen entsprechen ist bei den Jahresergebnissen des Flughafens reine Fiktion oder anders ausgedrückt: Augenwischerei. Ferner stimmte der Kreistag stimmt einer Reduzierung des Stammkapitals am Airport Weeze zu von 13,025 Mio. auf 8 Mio. Euro zu, um die „Ausschüttungsfähigkeit“ des Airports sicherzustellen. Der Investor könnte somit Geld entnehmen, obwohl parallel Gewinnwarnungen ausgegeben wurden. Weil der Flughafen Weeze-Laarbruch frisches Geld benötigte, erhielt er per Kreistagsbeschluss im Dezember 2019 1,9 Mio. Euro als Betriebsbeihilfe, finanziert zu 48 % von der Gemeinde Weeze und zu 52 %
vom Kreis Kleve. Diese Betriebsbeihilfe wurde nicht in Brüssel angemeldet. Der Geschäftsführer des Niederrhein Airport, van Bebber, fordert derzeit, Corona bedingt, 6 Mio. Euro. Der Kreistag müsste das dann über eine Erhöhung der Kreisumlage gegenfinanzieren. Auch hier handelt es sich um Beihilfetatbestände. (S.13)

Die Wortwahl „Beihilfetatbestände“ sollte die Verantwortlichen aufhorchen lassen, auch ein Wort wie „Augenwischerei“ mitten in einem Gutachten lässt nichts Gutes hoffen. Dr. Sebastian Papst, der designierte Flughafenchef, dürfte vor einer Herkulesaufgabe stehen – oder aber ganz schnell fertig sein. (Der Bericht über Dr. Papst ist noch in Vorbereitung.)

Hier der Link zu der Studie (PDF): Regionalflughäfen. Ökonomisch und klimapolitisch unverantwortliche Subventionen.

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28 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 1. Markus van Appeldorn

    Zumindest das frühere Insolvenzrecht sah es nicht vor, wertige Forderungen (etwa Kredite) in wertlose Beteiligungen umzuwandeln. Aber wenn man natürlich wie der Kreis Kleve unbedingt einen Flughafen besitzen möchte…

     
  2. 2. Rainer

    Jetz ma gefragt. Wat macht man danach mit hektarweise, möglicherweise kontaminiertem Land (wir erinnern uns “Militärstandort”) ? Wer baut die Landebahn zurück und warum? OK, man könnte eine Reihensiedlung drauf bauen, der statische Nachweis zur Fundamentierung könnte entfallen. Wo tonnenschwere Flieger landen dürfte ein EFH kein Problem sein, Keller geht natürlich nicht. WEEZER GEBT NICHT AUF. Ihr seid mehr, als da wo fast kein Zug mehr hält

     
  3. 3. Lohengräm

    Der Flughafen ist ein Jobmotor.

    Und Christus ist auferstanden.

    Und Maria ist Jungfrau.

     
  4. 4. Rüdiger Weizenkeim

    @3:

    Den letzten beiden Aussagen stimme ich zu…

     
  5. 5. Holga Teerwurst

    Egal ob man die Landratspiste schließt oder weiterbetreibt….es wird , ist und war sauteuer. In Paderborn ist man weiter und plant einen Weiterbetrieb auf Sparflamme. Die 6mio vom Kreis und Onkel ulli werden nicht lange ausreichen, dann muss nachgebuttert werden. Die Gemeinden freuen sich sowieso schon auf weniger Einnahmen durch Corona und steigende Ausgaben durch Flüchtlinge und soziale Aufgaben. Da ist man gerne bereit noch über die Kreisumlage den Wember Flughafen zu finanzieren. Ob Weeze sich das ewig leisten kann? Trotzdem wünsche ich den Flughafen Mitarbeitern alles Gute.

     
  6. 6. Lohengräm

    @4

    Alle 3 Aussagen stimmen.

    Man muss halt nur dran glauben.

    🙂

     
  7. 7. rd

    In der RP von heute weist Ludger van Bebber, scheidendender Flughafen-Geschäftsführer, die Studie als „unseriös“ zurück. Dem ist absolut zuzustimmen, denn sie beruht im Wesentlichen auf den in den Geschäftsberichten des Flughafens veröffentlichten Zahlen und Angaben!

     
  8. 8. Benno

    @ 6 rd: wie begründet er denn die Aussage als “unseriös”? Weil die Berechnungen des BUND auf unseriöse Zahlen des Geschäftsberichtes beruhen? Oder weil beim BUND keiner richtig rechnen kann? Ich habe den Artikel noch nicht gelesen.
    Ich finde es für einen Geschäftsführer beschämend, dass er etwas als unseriös zurückweist und nicht begründet.

    Könnte es sein, dass für gewisse Postionen die Qualifikation “Dreistigkeit & Dummheit” nachgewiesen werden muss, aber keine fachliche Qualifikation?

    Benno

     
  9. 9. DF

    Teilweise interessanter Bericht, teilweise m.E. aber auch etwas fragwürdig. Die Konnektivität ist ein positives Kriterium? Würde von Weeze aus alle Urlauber erst nach Frankfurt fliegen, um von dort nach Mallorca zu fliegen, wäre dieses Kriterium also erfüllt. Wäre das wirklich besser? Oder erst mit dem Auto oder Zug nach Düsseldorf um von dort aus zu verreisen? Gewinnt man m.E. auch nichts durch. Und die Forderung, auf Urlaubsflüge zu verzichten und stattdessen den Urlaub in der Heimat zu verbringen ist umweltpolitisch vielleicht verständlich, aber ansonsten nicht wirklich sozial. Auslandsurlaub nur noch für Besser-Verdienende?

    M.E. hängt das Überleben des Flughafens nicht von strengeren Regularien ab, sondern einzig und allein von der Frage, ob es gelingt, neben Ryan Air weitere Fluggesellschaften anzulocken. Wenn kein Geld durch den Flugverkehr verdient werden kann, dann hat ein Flughafen auch keine Zukunft.

     
  10. 10. rd

    @Benno Hinter Bezahlschranke. Besorge mir gleich mal eine gedruckte Ausgabe. Aber so viel ist klar: Da in dem Bericht auch so justiziabel klingende Wörter wie „Beihilfetatbestand“ auftauchen, sind bei den Verantwortlichen alle Alarmglocken sofort losgegangen.

     
  11. 11. rd

    Zitat aus dem Bericht: „Van Bebber nennt die Studie sogar ,moralisch bedenklich‘.“ Und auch da würde ich sagen: mit „moralisch bedenklich“ kennt der sich aus!

     
  12. 12. Martin Fingerhut persönlich

    ähnlich RP, aber allgemein lesbar :
    https://www.nrz.de/region/umweltverband-haelt-viele-flughaefen-fuer-ueberfluessig-id230210950.html
    Das scheint mir sogar ausführlicher zu sein als in der RP.

    auch hörensWert :
    https://wdrmedien-a.akamaihd.net/medp/podcast/weltweit/fsk0/223/2233785/wdr5profitaktuell_2020-08-19_umweltschuetzerkritisierenregionalflughaefen_wdr5.mp3

    die Original Gegen”Argumentation” :
    https://news.airport-weeze.com/de/airport_weeze_widerspricht_bund-papier.html

     
  13. 13. rd

    Auch schön (ebenfalls aus dem Artikel): „Im Klartext: ,Weeze ist eigentlich überflüssig, weil man auch von Düsseldorf aus fliegen kann‘, sagt Reh. Der Flughafen dort sei 76 Kilometer entfernt und in 50 Minuten per Auto zu erreichen. Noch besser sei, gute Zuganbindungen zu schaffen.“ Damit ist im Grunde alles gesagt: Man stelle sich einfach mal vor, wie die Mobilität der Menschen im Kreis hätte verbessert werden können, wenn das ganze schöne Geld in den Bahnverkehr investiert worden wäre. Nur hätten Friends & Family dann nichts abbekommen.

     
  14. 14. Rüdiger Weizenkeim

    Immerhin: Von “1.000 Arbeitsplätzen” sagt LvB diesmal nichts.

    Dafür: Der Steuerzahlerbund muss wieder herhalten. Mit der Studie aus März 2020(jawohl!)…: Blendgranaten und Tischfeuerwerk

     
  15. 15. Benno

    @12 MF:

    ab 1:32 Minute geht es um die Wirtschaftskraft: https://wdrmedien-a.akamaihd.net/medp/podcast/weltweit/fsk0/223/2233785/wdr5profitaktuell_2020-08-19_umweltschuetzerkritisierenregionalflughaefen_wdr5.mp3

    Die einzige Wirtschaftskraft, die mir einfällt und vom Flughafen abhängig ist die Agello Service GmbH…. mhh, da war doch was…..

    Benno

     
  16. 16. Meiner Einer

    @rd
    “Zitat aus dem Bericht: „Van Bebber nennt die Studie sogar ,moralisch bedenklich‘.“ Und auch da würde ich sagen: mit „moralisch bedenklich“ kennt der sich aus!”

    Nein, kennt er sich nicht. Dazu fehlt solchen Narzissten Empathie für ihre Mitmenschen. Denn die braucht man um Moral zu haben oder zu entwickeln.

    Solche Menschen kennen nur Ellenbogen, Ich-Mentalität und das eigene Portemonnaie. Moral, Freundschaft usw. hören da auf, wo die eigene Machtgeilheit anfängt.

     
  17. 17. Holga Teerwurst

    Wenn man probiert bei ryanair einen Flug ab weeze für Die Zeit nach Oktober zu buchen, sieht das ziemlich schlecht aus.es wird so gut wie gar nix angeboten. Frage ich mich, wie es weitergeht, wenn die Passagierzahlen weiter rückläufig sind. Es sind noch wenige Wochen bis dahin…eigentlich muss mehr buchbar sein. Weiß jmd mehr?

     
  18. 18. Rüdiger Weizenkeim

    @17:

    Abisserlwoasgötimmer (Monaco Franze)

    Ja, ich wundere mich auch jeden Tag auf’s neue. In drei Monaten wissen wir mehr. Göll..

     
  19. 19. rd

    „Wenn es um den Flughafen Weeze geht, sind sich Befürworter und Widersacher nur in einem einig: dass er Arbeitsplätze geschaffen hat“, schreibt die RP heute. Nein.

     
  20. 20. Holga Teerwurst

    https://www.airliners.de/kabine-krisen-verhandlungen-ryanair/57134

    Das kann ja eiter werden…..mal gucken ob Michael o Leary ernst macht….drohen tut er ja bereits die basen in Deutschland zu schließen.

     
  21. 21. rd

    https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/regionalflughaefen-in-der-corona-krise-es-geht-kein-flug-im-nirgendwo-a-b97797bb-09a1-4961-8c70-fe1f0b359ba2

    Auch in diesem Artikel die Bemerkung, dass das (Steuer-)Geld, mit dem die Landratspisten subventioniert werden, volkswirtschaftlich sinnvoller in lokale Infrastruktur investiert werden kann.

     
  22. 22. Stefan Schuster

    Sogar Mario Barth ‘lobt’ jetzt schon den Flughafen Niederrhein-Weeze. (Im Abendprogramm von RTL, Sendung: “Mario Barth deckt auf” vom 01,09.2020.
    Das Thema ist im Mainstream angekommen.

     
  23. 23. rd

    Verkehrminister Andi Scheuer, auch an anderer Stelle schon durch völlige Inkompetenz ausgefallen, sieht nun auch das Gesamtsystem Fliegen in Gefahr und bereitet laut Tagesschau Hilfen vor: „Scheuer verwies bei der bereits genehmigten Unterstützung unter anderem auf das milliardenschwere staatliche Hilfspaket für die Lufthansa. “Aber wir denken natürlich auch an die Flughäfen. Wir bereiten gerade ein Konzept für die Regionalflughäfen vor und thematisieren die großen Verkehrsflughäfen.” Wenn man an dieser Stelle wichtige Infrastruktur verliere, könne man sie nicht mehr reaktivieren. Das Ziel sei es, Struktur zu erhalten. ,Alles, was schließt, was nicht mehr am Netz ist, wird nicht mehr aufmachen.‘“

    https://www.tagesschau.de/inland/scheuer-hilfe-flugbranche-101.html

     
  24. 24. jean-baptiste

    @23 rd. “Wenn man an dieser Stelle wichtige Infrastruktur verliere, könne man sie nicht mehr reaktivieren. Das Ziel sei es, Struktur zu erhalten. ,Alles, was schließt, was nicht mehr am Netz ist, wird nicht mehr aufmachen”

    Diese Satz war vielleicht ein simpler Computerfehler und ist noch aus den Zeiten der Reduzierung des Eisenbahn- Streckennetzes im Cache hängen geblieben und hat sich jetzt versehentlich passend in den neuen Text eingefügt 🙂 .
    Nachdem schon viele Schulungsfelder in der Luftfahrt von anderen Flughäfen belegt wurden, wäre vielleicht eine neue Flugschule für Grossflugzeuge noch ein lohendes Aktivitätsfeld, um genügend Betrieb und Umsatz in Weeze zu generieren.
    Genügend Slots für Starts und Landungen sind ja eh noch vorhanden.

     
  25. 25. Niederrheinstier

    Mmuuuh, der Fluchhafen Paderborn/Lippstadt hat nun eine kontrollierte Absturzprozedur eingeleitet, mmuuuhInsolvenzanmeldung. 60 der zur Zeit noch 170 Mitarbeiter sollen dabei auf der Strecke bleiben, mmuuuheenemeenemmuuuhundraussinddie. Der Betrieb sei in seiner bisherigen Größe nicht mehr aufrecht zu erhalten und müsse (auf ein paar hundertausend Fluchgäste im Jahr) gesundgeschrumpft werden, mmuuuhdenGürtelengerschnallen. Übertragen auf den internationalen Mega-Fluchhafen in WC (wo vermmuuuhtlich auch längst ein Gesundschrumpfen überfällig ist) würde das einen Abbau von 353 der zur Zeit angeblich noch 1000 Mitarbeiter bedeuten, mmuuuhMassenarbeitslosigkeit. Und eine Kürzung der täglichen drei Flüche auf nur noch zwei Flüche, mmuuuhRotstift. Den Rest kann sich ja hoffentlich jede(r) selbst ausrechnen, mmuuuhMathefüralle!

     
  26. 26. Info

    Bundesmittel für Regionalflughäfen geplant

    https://www.tagesschau.de/inland/scheuer-hilfe-flugbranche-101.html

     
  27. 27. jean-baptiste

    Ryanair verlässt ab Oktober den Standort Düsseldorf, weil die Gebühren zu hoch sind.
    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/billigflieger-ryanair-schliesst-basis-in-duesseldorf-ende-oktober-16946749.html
    Ich wüsste da noch einen feinen kleinen Flughafen der die Fuhren gerne übernehmen würde 🙂

     
  28. 28. Rüdiger Weizenkeim

    Wenn der Scheuer-Andy sich drum kümmern will, hört sich das für mich mittlerweile wie eine Drohung an. Der Garant für peinliche Pleiten aller Art…