Eine unspektakuläre und unsexy Geschichte

rd | 14. Dezember 2010, 17:23 | 13 Kommentare

Um es vorweg gleich zu sagen: Diese Geschichte ist unspektakulär und unsexy, und sie kommt nicht ohne sperrige Wortungetüme wie “Richtwerte für angemessene Unterkunftskosten” aus. Wer sie aber liest, wird belohnt mit bedenkenswerten Innenansichten aus der Kreisverwaltung, deren Chef Landrat Spreen sich gerne sonnt im Glanze von Projekten wie dem Flughafen Weeze, bei dem einem mehr oder weniger klammen Investor aus dem Nachbarland die Millionen nur so hinterhergeworfen werden.

Nun kann aber auch der Landrat jeden Euro nur einmal ausgeben, und deshalb wird an anderer Stelle gekürzt. Aber wo? Dazu verlassen wir kurz die angenehme Reiseflughöhe der Prestigeprojekte und schauen uns an, wie der Kreis Kleve mit Menschen verfährt, die von Hartz IV leben müssen. Denen hatte der Bundestag eine Erhöhung des Regelsatzes um 5 Euro zugesagt, wobei der Bundesrat diesen bescheidenen Zuschlag vermutlich am Freitag noch blockieren wird. Kreis Klever Sozialhilfeempfänger werden aber sogar weniger Geld bekommen. Den Grund enthüllte die von Herbert Looschelders geführte Organisation Selbsthilfe e.V. heute in einer Pressekonferenz: Demnach hat der Kreis seit Oktober die Richtwerte für angemessene Unterkunftskosten um Beträge zwischen 7,62 und 11,34 Euro reduziert. Im Klartext: Die Erhöhung um 5 Euro ist noch nicht einmal sicher – und bei den Mietzuschüssen gibt es ca. 10 Euro weniger. Das unchristliche, wenn nicht gar zynische Kalkül der Verantwortlichen sieht dagegen so aus: Die Erhöhung (wenn sie denn kommt) zahlt komplett der Bund, während das eingesparte Geld jeweils zu einem Drittel Kreis und Kommunen zugute kommt.

Was die Kürzung für einen Haushalt bedeutet, mögen sich Bezieher von Beamtengehältern nicht vorstellen können. Die Selbsthilfe e.V. findet dafür nur ein Wort: rechtswidrig. Es ist zum Beispiel nicht zulässig, “bei Haushalten, die aufgrund des gesenkten Richtwerts nun zu hohe Mieten haben, regelmäßig die übernahmefähige Miete zu kürzen. Vielmehr müssten die Betroffenen zur Kostensenkung aufgefordert werden, etwa durch Suche nach einer günstigeren Wohnung. Sei diese nicht zu bekommen, müsse die “zu hohe” Miete weiter übernommen werden.

Dieser Hinweis ist vor allem für Kleve interessant, wo wegen der erwarteten Studenten derzeit die Mieten für preisgünstigen Wohnraum stark anziehen und günstige Wohnungen knapp werden.

Weitere Infos unter www.kleve-sozial.de.

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13 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 13. Suchend

    @pd,
    Sie erwähnen in Ihrem Beitrag, dass Sie z.Zt. auf der Suche nach Aushilfen sind. Wenn das noch aktuell ist, würde ich mich freuen, wenn Sie mir unter soundso2010@gmx.de Ihre Kontaktdaten zukommen lassen würden. Danke!

     
  2. 12. Killerplautze

    @DerLaie

    Genau so gut kann man sagen, dass die zusätzlichen Fallmanager dazu eingestellt werden, um das teure H4 Volk zu selbstständigen Rikschaunternehmern zu nötig.. pardon umzuschulen, damit sie den Etat der Stadt gefälligst entlasten. Die Verweigerer wrrden zu SAR Trupps zusammen gefasst, damit sie verzweifelten Autofahrer retten, welche sich auf der Suche nach dem Ausgang rettungslos verfahren haben und völlig entnervt auf dem Dienstparkplatz des Bürgermeisters patken.

     
  3. 11. Der Laie

    @ Killerplautze
    das ist wie mit der Schnee- Räumpflicht am Forum auf der Briener Str. oder der van den Bergh Strasse, für Großgrundbesitzer gelten in Kleve andere Gesetze.
    Bei der heutigen Strassenführung der Bahnhofstr. bietet sich doch eine Viaker Flotte oder eine neue Fahrradwache mit Verleih am Bahnhof an.
    Passend zum neuen Image der freien und großen Kur und Hochschulstadt Kleve.
    Der Hokovit Parkplatz wird in Beltermann Festwiese umgetauft
    das Warsteiner Festzelt wird in der Karnevals freien Zeit als wettersichere Campus Fahrradgarage mit angeschlossener Reparatur
    Werkstatt genutzt. ( Achtung; Gebrauchsmuster liegt bei der Stadt Münster).

    Im übrigen ist hier mal positives Denken angesagt!

    Die Probleme lösen wir zu dem Zeitpunkt wo sie anstehen.
    Das ist wie mit der alternativlosen Insolvenz des 1. FC Kleve,
    wenns darauf ankommt, findet noch einer ein vergeßenes Sparbuch unter der Matratze.
    Ein ständiger Hol- und Bringdienst ala Bürgerbus für die in den Ortschaften verstreut liegenden WG`s, mit angeschlossenem Hausmeister Service wäre auch noch ein Geschäftsmodell, da sich die
    Studenten ja auf das wesentliche konzentrieren müssen.
    Bei Wahl des Haus zu Haus Abos, werden auch die In – Kneipen im
    20 Minuten Takt angefahren. Unsere geschulten Fahrer sprechen fließend englisch und französich , auch langsames niederländisch wird verstanden. Spezielle Fahrer können sich auch mit Händen und Füßen verständlich machen.
    In der Rush Hour können wir unsere Kapazität kurzfristig durch Nutzung von Wassertaxis erhöhen.
    Als besondere Event Veranstaltung stehen in den Semester Ferien
    bei Beginn der Dämmerung auf der Spoygracht und den angrenzenden
    Klinkerflächen Highlights, wie Kuschelrock mit Star Drummer Theo auf dem Programm.
    Für Sushi Fans gibts Karaoke im Ute Pavillion.
    Im übrigen, Kleve ist schön, wenn man es aus der Ferne
    betrachten kann, erst recht.

     
  4. 10. dickschaedel

    Die fetten Jahre
    http://www.bilderhoster.net/img.php?id=ltj596xd.png

     
  5. 9. Andreas

    Mit Verlaub:
    KIK und Co sind nicht von ohne, werden aber staatlich gefördert durch die geringen Regelleistungen für Bedürftige.
    Klar, ich kaufe Kleidung nicht clever oder unterstütze den Werbeetat aus dem die selbsternannte Werbeikone nebst Insofranjo finanziert wird.
    Soweit es geht meide ich Ketten, aber auch mein Etat ist begrenzt.
    Unterm Strich sieht es aber doch so aus, dass man Arbeit suchen soll und mit dem selbst verdienten Geld über die Runden kommen möchte.
    Hey, ich bekomme bspw. absolut keine Arbeit mehr.
    Mit Arbeit meine ich eine stinknormale Festanstellung, keine Zeitarbeit.
    Zeitarbeit würde in meinem Fall bedeuten, dass der Staat der ZA Zuschüsse in nicht unerheblicher Höhe in den Allerwertesten jubelt und die ZA mich zu einem Kampfpreis einem AG zur Verfügung stellen würde.
    Unterm Strich müsste ich ergänzendes HIV beantragen, die ZA würde gleichfalls durch BA/Gemeinde und Kunde finanziert und würde fettesten Reibach einstreichen und für den Kunden der ZA wäre ich menschliches Material, jederzeit kurzfristig entsorgbar.
    Das kann es doch wirklich nicht sein.
    Okay, ich für meinen Teil nutze die Zeit um mich sozial zu engagieren in Form ehrenamtlicher Tätigkeit, zahle also soweit es geht meinen Obolus an die Gemeinschaft zurück – aber auch das ist nicht im Sinne des Erfinders.
    Ein Anfang wäre gemacht, wenn es Mindestlöhne gäbe, welche dem Arbeitnehmer ein Einkommen zum Auskommen bescheren würden.
    Schwarzarbeit mit langjährigen Haftstrafen bedroht, vernünftige Importzölle auf Produkte aus Billiglohnländern, Maximalgehälter für die Führungsriege etc.pp. .
    Das System ist nicht krank, es ist dem Untergang geweiht.

     
  6. 8. Killerplautze

    @Günter

    Rege Dich wiedrr ab! Inzwischen dürfte doch bekannt sein, dass die Union, insbesondere der Kreis Klever Ableger sich unter dem Begriff
    Christlich etwas völlig anderes vorstellt als der Normalbürger. Zudem sollte das Wirtschaftsunternehmen Caritas ebenso wie ihre evangelische Schwester schön den Ball flach halten.

    Was Theo und die Blümkes (“Wolle Rose?”) betrifft, frage ich mich, weshalb die Hofnarrenpresse diese Nicht-Nachricht überhaipt gebracht hat. Ich halte es ohnhin so, diese Sorte Artikel dezent zu ignorieren.

    Viel spannender wäre ohnehin ein Bericht über das absehbare Verkehrs-Chaos nach Fertigstellung der Hochschule.

    Mal gucken ob dem ersten Blumenverteiler und seinem Chefzerplaner noch bis 2012 auffällt, dass die Infrastruktur nicht ausreicht, um die Erreichbarkeit zu gewährleisten.

     
  7. 7. pd

    umgekehrt wird ein schuh draus. solange der normalbürger meint er müsse seine schlüpfer beim kik kaufen solange wirds geschäftsmodelle ala kik, schlecker etc. auch geben.

    was aushilfskräfte, sogar spülkräfte, angeht: die sind im moment schon nicht einfach zu bekommen. ich suche derzeit und könnte da geschichten erzählen…

    höhere anforderungen mögen den normalbürger erwarten, niedrigere löhne nicht. in unserem kleinbetrieb werden wir wohl ab januar mehr zahlen, auch der ungelernten spülkraft.

    was ich übrigens für den richtigen weg halte! leider sieht der überwiegende teil der kundschaft das anders, die würden noch meckern wenns den kaffee für 50cent gibt, “war ja mal ne ganze D-Mark…”

    wo ich dann auch mal mit in die kerbe haue: es sind überwiegend klever die meckern, leute die auch preise von außerhalb der kreigrenzen kennen sind da schmerzfreier. auch unsere niederländischen nachbarn/eingemeindeten sind da deutlich verständinsvoller..

     
  8. 6. Günter

    Unfaßbar diese politische Arroganz der christlichen Partei. Was sagen denn Frau und Herr Schmidt von der Caritas dazu? Auch sie sind in den Gremien der CDU vertreten! Aber viel wichtiger ist ja wohl, das Bürgermeister Theo Brauer die Erweiterung des Pelzladens mit großem Strauß Blumen der Presse vorstellt. Heute in der Rheinischen Post zu lesen. Mein Gott Theo Brauer, wie wichtig für die Bürger das doch ist. Demnächst schließen und öffnen einige Friseurläden. Bekommen die auch Blumen?

     
  9. 5. Konfuzius. a. D.

    @ AllesKlever

    Genau so ist das. Die Hochschule wird viele Arbeitsplätze, die von den Normalbürgern besetzt werden könnten, schlichweg vernichten. Es fängt wie immer unten an. Aushilfskräfte, die als Tellerschubser in der Tapas Bar oder im Hotel arbeiten, ja sogar eine Spülkraft, sollte wenn möglich englisch sprechen. Wenn nicht, dann ist es ein Grund dafür, auf Halbwissen zu verweisen und die Löhne zu senken. Darum geht es!

    Und selbst die Textilschubse mit Berufserfahrung, 37 und Mutter von 2 Kindern, wird demnächst aus dem Discounter ge”kik”t, weil doch die jungen Mädels von der Hochschule näher an der Mode sind, englisch sprechen und neue Kundschaft bringen. Vielleicht verkaufen ja dann die Bangalen das, was deren Mütter günstig produziert haben. Gut so, nur hilft es dem Normalbürger in der Stadt eigentlich nicht, oder?

    Was die Normalbürger der Kleinstadt erwartet? Einfach nur höhere Anforderungen bei niedrigerem Lohn und geringeren Chancen auf Arbeit. Mehr darf man sich von der Hochschule kaum erhoffen. Man darf aber noch von dem Wirtschaftsmagneten Hochschule träumen. An der ehemaligen Wirkngstätte der Frau Klotz´n hat man das auch lange gemacht. Ob Fußball oder Wirtschaft – dort ist man zur Zeit auf Abstiegsplätzen! Arbeitslosenquote sowieso!

    Neid? Nörglerei? Ich habe nicht vor mir eine Hochschule ins Bad zu stellen. Warum also Neid? Genörgelt wird nicht genug. Und gemacht werden kann nichts, es sei denn, man stellt sich auf einen langen Weg ein, der einen im Klüngel unter falschen Freunden irgendwann mal in die Position bringt, gleichen Mist zu bauen. Man kann schließlich auch verlernen. Nein, helfen kann man kaum

     
  10. 4. ralf.daute

    @Alleskleve Aber es ist so. Z.B. preisgünstige WG-taugliche Wohnung am Fischmarkt, Zeitungsanzeige, am ersten Tag 30 Interessenten. Da hat natürlich ein Hartz-IVler am Ende der Verwertungskette keine Chance mehr…

     
  11. 3. Allesklever

    Den geschilderten Sachverhalt finde ich schlimm, aber symptomatisch für Stadt und Kreis Kleve.

    Den Satz:
    “…. wo wegen der erwarteten Studenten derzeit die Mieten für preisgünstigen Wohnraum stark anziehen und günstige Wohnungen knapp werden. ”

    kann ich nicht so ganz glauben.
    Kleve hat genug Wohnraum und die FH hat bis jetzt auch keine tausende neue Studenten angezogen. Im Gegensatz halte ich die FH bei den bisher vorliegenden Fakten (irgendwas um die 90 Studenten?) für eine Totgeburt, die die Mietsituation in Kleve nicht beeinträchtigen. Dafür sind ja auch Arbeitnehmer von Union, Fuji, elefanten, Bause NationalStorch und Ipsen freigesetzt und verlassen (zahlemnmässig höher als die Studenten) Kleve vielleicht.

    Desweiteren war doch das Mega-Argument für die FH das “Hotel Mama”. Weiter wohnen zu Hause bei Mami und Papi.
    Wie sich das negativ auf die Mietsituation auswirken soll, ist mir nicht klar.

    Und die meisten Studenten durchlaufen doch eh grad ihre Gundausbildung in Emmerich.

    Und mal ehrlich…: Wer will schon in Kleve wohnen??

    😀

     
  12. 2. Killerplautze

    Ralf, ich wette mit Dir um zwei Glühwein vom Klever CDU Stand (Die Erlöse gehen an die Klever Tafel) dass sich exakt niemand von der Kreistagsfraktion der demokratischen Union zu diesem Sachverhalt äussern wird.
    Übrigens ist das wieder einmal ein schönes Beispiel wie man sich auf Kosten der Schwachen profiliert und sich für höhere Amtsweihen empfiehlt.

     
  13. 1. dickschaedel

    Wieviele Studenten werden erwartet? Hat man da irgendwo Zahlen