Die Tage des Austernfischers (leider im Falle vierer Küken gezählt)

rd | 10. Juni 2014, 13:59 | 7 Kommentare

Das Rätsel der Austernfischer in Kleve – so viele Informationen, so betrübliche Nachrichten!

Austernfischer auf Kaufhofdach (Foto © Udo Kleinendonk)

Austernfischer auf Kaufhofdach (Foto © Udo Kleinendonk)

Mindestes eines dieser beiden Küken überlebte die Pfingstunwetter nicht (Foto © Udo Kleinendonk)

Mindestes eines dieser beiden Küken überlebte die Pfingstunwetter nicht (Foto © Udo Kleinendonk)

An zwei Stellen in Kleve war in diesen Tagen Nachwuchs des Austernfischers zu sehen, eines Vogels, der sich durch seinen langen, roten Schnabel deutlich von der hiesigen Fauna abhebt und dessen Heimischwerdung am Niederrhein womöglich ein Vorbote des klimakatastrophisch bedingten Verschwindens der Niederlande ist. Ein Vogel ist bei der Anwaltskanzlei Strick (Industriegebiet) zu Hause, ein zweiter, das zeigte mir unlängst der Kaufhof-Chef Johannes Hülsmann, hegt seine Küken auf dem Flachdach des Kaufhauses, das der Großen Straße zugewandt ist. die Mitarbeiter des Kaufhofs unternahmen alles erdenkliche, um den Vögeln das Überleben zu ermöglichen, unter anderem wässerten sie vor den Pfingsttagen das Dach, damit die drei dort umherwatschelnden, noch nicht flüggen Küken nicht verdursteten. Doch mit einem solchen Unwetter hatten auch sie nicht rechnen können, so dass heute Morgen die Bestürzung groß war, als die Mitarbeiter feststellen mussten, dass es offenbar zwei Küken hinweggerafft hatte. Eines ist noch übrig. Auch die beiden Küken in der Kanzlei Strick sind verschwunden.

Was aber bleibt, ist die Frage ob nun drei oder vier fortpflanzungsfähige Austernfischer in der Stadt leben. Zwei Weibchen, das ist klar. Aber ein Männchen – oder zwei? kleveblog hat Fachliteratur zurate gezogen und kann dir, lieber Leser, erstaunliche Erkenntnisse vermitteln. Denn, wie so oft in der Natur, beides ist möglich.

Die meisten Austernfischer brüten zum ersten Mal im vierten Lebensjahr und können sogar in einem Alter von 36 Jahren noch sexuell aktiv sein. Austernfischer sind meist monogam, doch kommt Bigynie vor, also ein Männchen, zwei Weibchen. Die Gattentreue ist sehr ausgeprägt, allerdings nur, solange der Partner noch lebt. Nach dessen Tod wird nicht lange gefackelt, innerhalb weniger Tage geht der überlebende Partner eine neue Beziehung ein.

In einer holländischen Studie wurden bigynistische Brutgruppen beobachtet. Das Verhältnis von monogamen Paaren zu solchen bigynistisches Gruppen beträgt etwa 1.000 zu 25. Die bigynistischen Gruppen bestehen aus einem Männchen und zwei Weibchen. Auffällig ist, dass es sowohl aggressive Brutgruppen gibt, bei denen die Weibchen miteinander konkurrieren als auch solche, bei denen sie zusammenarbeiten. Bei den aggressiven Gruppen verteidigt jeweils ein Weibchen ihr eigenes Nest und das Männchen verteidigt ein kleines Revier, das die Nester der beiden Weibchen umfasst. Bei den kooperierenden Gruppen legen die beiden Weibchen ihre Eier in ein Nest, das von allen drei Vögeln verteidigt wird.

Etwa sechzig Prozent der Brutgruppen zeigen aggressives Verhalten. Ihr Bruterfolg ist nicht sehr hoch und liegt unter denen monogamer Paare. Das liegt daran, dass es während der Brut ungefähr alle zwei Minuten zu aggressiven Handlungen zwischen den beiden Weibchen kommt und keines der beiden Nester ausreichend bebrütet wird.

Bei den kooperativen Gruppen ist der Bruterfolg höher. Das etwas dominantere Weibchen paart sich alle drei Stunden mit den Männchen, das unterlegenere Weibchen etwa alle fünf Stunden. Gleichzeitig kommt es zu Paarungsverhalten zwischen den beiden Weibchen. Trotz des kooperativen Verhaltens ist allerdings auch bei ihnen der Bruterfolg geringer als bei monogamen Paaren. Ihre Körpergröße ist nicht ausreichend, um mehr als vier Eier zu bebrüten, so dass drei bis vier Eier des gemeinsamen Geleges nicht ausgebrütet werden. Der Grund für dieses Verhalten ist bislang noch umstritten. Eine Ursache ist möglicherweise, dass die verfügbaren Brutplätze nicht ausreichen. Weibchen, die Mitglied einer solchen Brutgruppe waren, haben im Vergleich zu unverpaart gebliebenen Weibchen eine höhere Chance nächstes Jahr eine monogame Partnerschaft einzugehen.

Die Entwicklung der Jungtiere verläuft bei Brutvögeln des Binnenlands schneller als bei denen, die in Küstenregionen erbrütet werden. Die Jungvögel, die nicht an der Küste, sondern auf Äckern im Binnenland geschlüpft sind, lösen sich bis zu sechs Wochen früher von den Altvögeln, da sie schneller lernen, die Nahrung selbstständig aufzunehmen. Dies liegt sicherlich in erster Linie am unterschiedlichen Nahrungsspektrum. Hauptnahrung der jungen Austernfischer an der Küste sind Muscheln, Schnecken und Krebse, die erst „geknackt“ werden müssen, bevor sie durch das Tier verzehrt werden können, wozu ein vollentwickelter und ausgehärteter Schnabel benötigt wird. Die Jungvögel im Binnenland haben es dabei wesentlich einfacher. Ihre Hauptnahrung, der Regenwurm, kann ohne Aufwand gleich verschlungen werden.

Einen Monat nach dem Flüggewerden leben noch 16 Prozent der geschlüpften Jungen. Das Durchschnittsalter der Austernfischer beträgt 14 bis 15 Jahre. In Gefangenschaft können die Austernfischer über 30 Jahre alt werden. Den Rekord bisher hält jedoch ein Tier, das 1993 tot aufgefunden wurde. Dessen Beringung aus dem Jahr 1949 in den Niederlanden zeigt ein stolzes Alter von 44 Jahren.

(Quelle der allgemeinen Informationen: Wikipedia)

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7 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 7. Karl-Heinz Purcel

    Es gibt noch mindestens ein Austernfischer Paar mehr in Kleve.
    In meiner Nachbarschaft auf den Flachdachhäusern der Gemeinnützigen in der Lüdeckestrasse lebt auch ein Paar.

     
  2. 6. zzz

    IRONIE AN: ja, Echte Kriminalpolizei! Und wenn dann demnächst auch noch die Schwalben nisten… nicht wundern! Im Rinder und auch Bullenstall fühlen sich auch Vögel wohl und nutzen das großzügige Nahrungsangebot an Käfern, Würmern etc.

    Und den Bezug zu Recht und Gesetz sehe ich hier nicht – ist sind halt auch nur Vögel

     
  3. 5. Echte Kriminalpolizei

    Da das Flachdach des „Neubaus“ der Klever Polizei begrünt ist, hat es den Rotschnabel auch schon mehrfach dahin gezogen, auch dort wurde gebrütet und meines Wissens hats auch geklappt mit der Aufzucht. Bei „uns“ scheinen die Vögel sich wohl zu fühlen. Offenbar haben sei einen Hang zu Recht und Gesetz 😉

     
  4. 4. otto

    @3 HP.lecker,

    er hatte einen Termin, Störche und Kormorane, diese Asylanten stehlen was das Zeug hält. Die Nabu verdächtigt
    die Bauern, Stadt- und Politikspitze halten sie für Spatzen.

    Ohne einen Anwalt ist hier nichts zu machen.

     
  5. 3. HP.lecker

    Was macht ein Austernfischer im Industriegebiet bei einer namhaften Anwalts-, Steuerberater- und Wirtschaftsprüfungskanzlei in Kleve?

    Ein solcher Piepmatz wird sich wohl kaum wegen deren Kernkompetenzen nach dorthin verirren.

    Vermutlich wird das Anliegen des Tierchens eher darin zu suchen sein, dass dort – in dem Gebäude der rechthabenen Zunft – auch der Arbeitsplatz des Honorarkonsuls der Niederlande beheimatet ist. Geht es vielleicht um die banale Frage, wie „Oranje“ vor dem klimakatastrophalen Untergang geschützt wird?

    Eins ist jedenfalls sicher: Um Fußball geht es ganz gewiss nicht! In diesem Sinne Euch/Ihnen eine spannende Fussi-WM gewünscht… 🙂

     
  6. 2. Rainer Karl Hermanns

    Hallo, ich entdecke ähnliches. Die Tegenaria atrica Population ist in meinem Keller rückläufig. Ich habe den Verdacht,es liegt an der nordwärtswanderung der Pholcus phalangioides, ursprünglich beheimatet im südeurpäischen Raum

     
  7. 1. G.M.

    eine ähnliche Situation hatten wir im vergangenen Jahr auch. Mutter A- fischer mit einem Jungvogel. Tagelanges lautes gefiepe.
    Lockt natürlich alle Katzentiere aus der Nachbarschaft an.
    Konnte den Jungvogel gerade noch vor einer Katerattake retten.
    Die kleinen Austernfischer kennen aufgrund ihrer Herkunft nicht das Problem mit den Hauskatzen.
    Zum Glück rettete sich das Tierchen auf höhergelegenes Terrain .