Die Geschichte eines Flughafens, den keiner braucht

rd | 01. April 2013, 11:06 | 20 Kommentare

(Aktualisiert, mit einem interessanten Statement des Flughafenverbandschefs) Ganz ruhig bleiben, Herr van Bebber! kleveblog wagt einen Blick über den Gartenzaun…

Am Dienstag der vergangenen Woche erschien in der FAZ auf der Titelseite des »Technik-und-Motor«-Teils ein Bericht über den soeben fertiggestellten Regionalflughafen Kassel-Calden. Der Schwerpunkt des Beitrags war (angesichts des Fiaskos in Berlin) die termingerechte Fertigstellung des Projekts. Erst ganz am Ende war ein wenig von Zahlen die Rede. 271 Millionen Euro öffentlicher Gelder habe das Projekt gekostet (davon zahlt das Land Hessen 233 Millionen). Erst im Jahre 2020 soll die Gewinnzine erreicht werden – nach dann sieben Jahren defiztären Betriebs. Und das mit nur 600.000 Passagieren pro Jahr (Anmerkung: Weeze machte noch bei zwei Millionen Passagieren Verlust).

Das wurde eher so beiläufig erzählt – so beiläufig, dass am Mittwoch die Wirtschaftsredaktion zurückschlug und einen deutlich kritischeren Artikel ins Blatt hob: Was uns groß und wichtig erscheint. So richtig in Fahrt kam allerdings erst die Sonntagsausgabe der Zeitung, S. 24: »Die Geschichte eines Flughafens, den keiner braucht«.

((Am heutigen Donnerstag kommt die SZ zu einem beinahe gleichlautenden Resümee: Ein Flughafen, den niemand braucht. In diesem Artikel findet sich folgendes Zitat: »Ralph Beisel [Geschäftsführer des Flughafenverbands ADV] geht davon aus, dass “2013 viele Regionalflughäfen am Markt zwar noch ihre Betriebskosten, aber nicht mehr ihre Kapitalkosten verdienen können”. Dann muss der Steuerzahler einspringen.« Offenbar ist der neue Erklärungsansatz für die Vernichtung von Steuergeldern, dass sie aus der normalen Ökonomie herausgerechnet werden müssen und nur die Arbeitsplätze zählen. Am Beispiel des seit seiner Gründung defizitären Flughafens Hahn: 120 Millionen Euro Nachtragshaushalt in Rheinland-Pfalz, weil 10.000 Arbeitsplätze entstanden seien. D.h., einmal unterstellt, die Zahl der Arbeitsplätze stimmt, wird jeder dieser Arbeitsplätze mit 1000 Euro monatlich subventioniert.))

So betrachtet, ist der Flughafen Weeze, der bisher rund 30 Millionen Steuergelder verschlungen hat (3,75 Mio. € Landesmittel, 26,5 Mio. € Kredit des Kreises, dessen Rückzahlung bis zum Jahre 2016 gestundet wurde), nur ein kleines Licht. Ein Skandal bleibt er dennoch.

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  1. 20. Killerplautze

    @Messerjocke

    Da hamses Frau Ramses.

     
  2. 19. Messerjocke

    Willi!

    Müller?

     
  3. 18. Wim Heuvens

    Der Flughafen ist zum einen eine übergroße Fehlinvestition, zu der Kreis Kleves Verantwortliche nicht stehen und das Ding durchziehen, man bekommt wertlose Anteile statt fälliger ZInsen, die eigentlich dem Büger gehören. Zum anderen ist der Flughafen ein Hort unmenschlicher Arbeitsbedingungen, die wegen geduldeter und geförderter Marktradikalität und der immer stärker ausgeprägten liberalen und menschenunwürdigen Ego-Marktwirtschaft immer größere Ausmaße annehmen.

     
  4. 17. B.R.

    In der Bilanz werden nur die Fremdkapitalzinsen (Fremdkapitalkosten)berücksichtigt:
    Bruttogewinn – Fremdkapitalzinsen = Bilanzgewinn bzw. Gewinn

    Den verbleibenden Gewinn kann man dann an die Eigenkapitalgeber verteilen, oder im Unternehmen behalten.

    Gibt es nur Eigenkapital, dann hat man in der Bilanz keine kapitalkosten, und kommt natürlich schneller in die Gewinnzone.

    Das nächste sind die Abschreibungen. In 10 bis 20 jahren sind eventuell schon durch Sonderabschreibungen und degressive Abschreibungen fast alle Abschreibungskosten verbucht wurden.

    Nach der Theorie wäre es egal. ob ein Flughafen 40 Millionen kostet oder 400 Millionen;
    weil es keine Kapitalkosten gibt, und weil es keine Abschreibungskosten gibt.

    Nach der Theorie wäre es auch egal, ob ein Auto bei der Anschaffung 20.000 Euro kostet oder 40.000 euro.

     
  5. 16. Kranenburger Landei

    @rd

    Die Einzigen die einem geschlossenen Flughafen Weeze hinterher trauern dürften wohl die Düsseldorfer und Kölner Taxifahrer bzw. Busunternehmer sein.

     
  6. 15. rd

    @B.R. Gut erkannt. Weeze operiert bekanntlich auch auf einer Geschäftsbasis, die (ohne die großzügige Kreditstundung durch den Kreis Kleve) längst in die Insolvenz geführt hätte. Und natürlich wird dies verschwiegen, wenn irgendwann ein paar Gewinne präsentiert werden. Übrigens Klagen zurzeit in Norwegen Ryanair Stewardessen gegen Sklaven-Arbeitsbedingungen. link finde ich auf die svhnelle nicht.

     
  7. 14. B.R.

    Mit der Zeit gewöhnt man sich dran, die Umstellung war nur ein bisschen schwierig.

    Vielleicht dürfen die jetzt bei der Sparkasse, bei der Kreisverwaltung, bei der Volksbank und bei der Stadtverwaltung ja auch kleveblog lesen, wenn das Design nicht mehr ganz so martialisch ist.

    Das ist mir allerdings auch schon
    aufgefallen, dass die in Kassel mit 600.000 Passagieren einen Gewinn erzielen wollen; ist ja ganz einfach so eine Rechnung, wenn der Flughafen zum größten Teil aus Eigenkapital finanziert worden ist, und nach ein paar Jahren zum großen Teil abgeschrieben worden ist.

    Man muss ja auch noch bedenken, dass solche kommunalen Flughäfen subventioniert werden können, durch nicht markgerechte Verrechnungspreise der Komunen.

    Das ist so eine Milchmädchen Rechnung: der Gewinn in ein paar Jahren berücksichtigt ja nicht die ganzen Verluste, die schon angefallen sind, und deren Verzinsung; sowie die kommunalen Subventionierungen..

     
  8. 13. Martin Fingerhut

    @ 12. rd :
    Nö.
    ImmerNoch steht das “am … ” in einer extra Zeile.
    ImmerNoch ist es in AugenTestKlein.

    neu = alt mit HinterGrundFarbe=weiß wäre besser !

     
  9. 12. rd

    @B.R. Womit dann der letzte Zweifler wenn nicht überzeugt, so doch mindestens befriedet wäre, oder?

     
  10. 11. B.R.

    Also, man gewöhnt sich mit der Zeit daran.
    Ich gebe grünes Licht: Die Seite kann so im Netz bleiben.

     
  11. 10. B.R.

    @ 7 rd)

    Ich habe festgestellt, man muss sich an die neue Seite ein bisschen gewöhnen; aber die Umstellung war schon sehr sonderbar, dass ich irgendwie keinen artikel mehr geistig verarbeiten konnte, weil ich vom neuen design abgelenkt wurde

     
  12. 9. pd

    das neue design ist doch in ordnung. das motto weniger ist mehr gefällt mir sehr gut!

    paar kleine änderungen in der bedienung (neueste kommentare) und dann passt das.

     
  13. 8. Martin Fingerhut

    @ – wie schon reklamiert : die Nummer fehlt – rd :
    ### edel und elegant ###
    vom mir aus edel, von mir aus elegant,
    dafür ist es aber scheußlich unpraktisch !
    So unpraktisch, daß vor lauter Sucherei unNötig hohe ### Klickzahlen ### gerade provoziert werden.
    KompromißVorschlag :
    Das alte KleveBlog nur mit weiß als HinterGrund statt wein-rost-lila-braun-rot.
    Das wäre es doch fast schon – edel und elagant.
    Aber halt auch brauchbar.
    Und als Schrift empfehle ich Trebuchet, weil dann 1, I, i und l sicher zu unterscheiden sind.

     
  14. 7. rd

    @B.R. meine Wahrnehmung ist genau andersrum – durch die Reduzierung bzw. Fokussierung sieht die Seite eben genau nicht nach einer der „amateurhaften WordPress-Baustein-Seiten“ aus, sondern edel und elegant. In meinen Augen ist es der klassische Fehler vieler Seiten, diese mit allen möglichen Elementen zu überfrachten. Dieses marktschreierische Auftreten ist natürlich zu verstehen, denn bei vielen dieser Seiten misst sich der Erfolg anhand der Klickzahlen (bescheuerte Bildstrecken lassen grüßen). Davon grenzt sich kleveblog, bekanntlich immer ein bisschen anders, bewusst ab.

     
  15. 6. B.R.

    So ganz verstehe ich das nicht, die Seite war doch vorher top.
    Gerade dieser Haed, da fehlt jetzt einiges an farbe, oder kommt das noch ?
    So macht das ganze eher den eindruck einer dieser amteuerhaften wordpress baustein Seiten.

    Oder müssen wir jetzt sammeln gehen ?

    Aber zu Kassel, ist ja interessant, dass die da jetzt schon 240 Millionen verbuddelt haben; im Gegensatz dazu sind die in Weeze ja geradezu preiswert.

     
  16. 5. pd

    kam heute auch was übern WDR. im wesentlichen das was hier und im faz Artikel stand. auch die ebenfalls defizitären nachbarflughäfen kamen zu wort, vor allem Paderborn, der liegt nur nen paar km weiter über die Landesgrenze NRW/hessen. die haben jetzt schon nicht ausreichend Besucher und müssen dieses kleine Küchlein dann demnächst auch noch teilen.

    auch ganz interessant: die ersten flüge in kassel sind direkt mal gecancelt worden, zu wenig Passagiere.

     
  17. 4. Martin Fingerhut

    überflüssiges wegGelassen ???
    Für das ReFresh dieser Seite wurden gerade 600K runterGeladen !

     
  18. 3. Martin Fingerhut

    @ Zwotens : B.R. .
    Völlig richtig !
    Ich hoffe, es geht wie bei Dallas :
    Morgen wache ich auf und KleveBlog steht quickLebendig unter der erfrischenden Dusche
    – der Mord an der besten BlogSite war nur ein AlbTraum !

     
  19. 2. B.R.

    Wann kommt der Artikel “Die Geschichte einer Webseite, die so keiner braucht ” ?

     
  20. 1. Andreas

    Luddie (ich nenne ihn gern beim Kosenamen), wird keine schlaflosen Nächte haben, er handelt nämlich rechtskonform.
    Ob es nun analog “moralkonform” ist, was er da so treibt, das steht auf einem anderen Blatt.
    Das der Verkehrslandeplatz Laarbruch bei Weeze bei Kleve bei Krefeld bei Düsseldorf für einige Wenige eine Gelddruckmaschine ist, für viele Andere aber einfach nur ein Steuerverschwendungsmodell, das steht auf einem anderen Blatt … aber unsere gute alte EU mit Sitz in der Stadt ohne Kanalsystem (dafür mit zugemauertem Flusslauf) wird´s schon richten … und sowas zum 1.April … Scheixx Heiden (wie ich ja auch einer bin)