Das beredte Schweigen der Ulrike U.

rd | 10. Oktober 2009, 13:50 | 11 Kommentare

Nochmal CDU-Kreisvorstand, Bürgerhaus Uedem, Mittwoch Abend. Gleich zu Beginn der Versammlung wurde klar, dass der unbotmäßige Kandidat Paul Düllings Unterstützer aus dem Südkreis mobilisiert hatte. Nach ca. drei Minuten relativ offener Aussprache ergriff deshalb Ronald Pofalla das Wort: “Wenn die Diskussion hier so verläuft, dann möchte ich auch etwas dazu sagen…” So ganz spontan war das, was folgte aber nicht – denn er zog einen Zettel aus der Tasche und hielt einen zwanzigminütigen Vortrag, warum Frau Ulrich und warum nicht Paul Düllings. Es folgten weitere zehn- bis 15-minütige Einlassungen der Herren Palmen, Linssen, Spreen, an deren Ende Düllings mit den Nerven am Ende war.

Die zentrale Passage aus Pofallas Litanei war die, als er auf die besondere Chance der CDU im Kreis hinwies, eine Frau ins Rennen zu schicken: “Damit ist die CDU eine der seltenen, aber guten Ausnahmen innerhalb der CDU in Nordrhein-Westfalen.” Die entscheidende Frage aber lautet: Welchen Wert hat es, eine Frau ins Rennen zu schicken, wenn diese sich hinter vier Männern verstecken muss? Denn in der Diskussion schwieg Ulrike Ulrich eisern und ließ die vier Männer ihren Job machen. Erst als die Entscheidung gefallen war und der geschockte Düllings seinen Rückzug verkündet hatte, sagte sie ein paar Sätze. Souverän geht anders.

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11 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 11. stefank.

    @KlePeter

    Doch der Satz ist genau richtig.
    Denn auch hier wird es dann nur einen Kandidaten geben.
    Und im Zweifel werden PofallaLinsenPalmenSpreen auch in der Fraktion auftreten.
    Alles natürlich zum Wohle der CDU.
    Aber nur kurzfristig.
    Denn welche Folgen eine Partei”dikatur” hat, kann man gerade bei der Bundes-SPD erleben.

     
  2. 10. KlePeter

    @obi: “Und Paul Düllings wird dann einfach” in freier Wahl demokratisch aus dem Kreis der Fraktionsmitglieder “mit dem Kreis-Fraktionsvorsitz belohnt.”

    *grübel* irgend was stimmt an dem Satz nicht? *grübel*

     
  3. 9. Der Laie

    @ obi
    Schade das ausgerechnet die Politiker selbst von Wahlen im Sinne von auswählen nichts halten. Wer soll denen denn noch abnehmen, das der Urnengang wichtig ist,wenn wie vor der Bundestagswahl in den Klever Gazetten zu lesen war, das durch die sicheren Listenplätze bereits alle Kreis Klever Kanditaten von FDP ,SPD und CDU sicher im Bundestag vertreten sind.

    Wenn meine Stimmabgabe nur noch dazu dient, zu ermitteln wieviel Geld die Partei als Wahlkampfhilfe ausgezahlt bekommt.
    Etwas mager als Argument um zur Wahl zu gehen!

     
  4. 8. obi

    Seid gnädig mit Frau Ulrich. Wer hätte nicht ebenso gehandelt wenn man damit die fast 100%-ige Sicherheit erhält auf eine Vervierfachung der Bezüge auf 9979 € per Monat ab Juni 2010.

    @KlePeter
    Und Paul Düllings wird dann einfach mit dem Kreis-Fraktionsvorsitz belohnt.

    @Wim Heuvens
    Erstaunlich wie gut Sie Frau Ulrich und ihre Arbeitsweise kennen oder hat Ihnen das Theo Brauer in die Tastatur diktiert?

     
  5. 7. rainer

    Hallo,@der laie, ich dachte bisher (Ich zitiere dich mal STR C – STR V): das Monopol der Parteien basiert auf Erhaltung des Eigennutzes einiger weniger, und der Versorgung mit lukrativen Jobs derer die das zulassen. Aus dem darauffolgenden Kommentar von KlePeter (ein Kenner der hiesigen Polit-Szene, glaub ich)schlussfolgere ich die Richtigkeit dieser These. Dann bleibt ja nur noch ein Fazit aus der Schlussfolgerung: warum kreuzt man eine Erststimme an, wenn nachher sowieso nur in Bürgerhäusern von irgendeinem Kaff rumklüngelt wird. Kriegen die da Geld für? Aufwandsentschädigung. Reisegeld, Zuschuss für verzweifelte Parteibasisarbeit, Wochenendzuschlag? Krieg ich zusätzliche Rentenpunkte wenn ich dahin gehn?

     
  6. 6. KlePeter

    Warum regt ihr Euch so auf? So läuft Basisdemokratie. Möglichst regelmäßig den Beitrag zahlen und die Klappe halten. Wer aufmuckt wird kalt gestellt und zukünftig nicht mehr berücksichtigt. Die politische Karriere von Herrn Düllings dürfte bereits mit der Ankündigung seiner Kandidatur beendet gewesen sein.
    Das ist nicht nur in der CDU so.

     
  7. 5. Der Laie

    Farbe bekennen
    .. und wann werden Sie Mitglied?
    Super Slogan auf der Homepage der Kreis Klever CDU.
    Für was benötigt die CDU neue Mitglieder? Stirbt die Generation der stummen Beitragszahler aus,oder brauchen da einige Alt Vorderen den Anschein frei und unabhängig gewählte Interessenvertreter zu sein.

    Der nächste Schritt dürfte dann die Einführung der Wahlpflicht in dieser Republik sein, damit dann wie in der Ex DDR der einzige Kandidat mit überzeugender Mehrheit ins Amt gewählt wurde.

    Bisher war ich der Meinung Demokratie heißt, mit Argumenten Mehrheiten für die eigenen Interessen zu gewinnen, falsch gedacht
    das Monopol der Parteien basiert auf Erhaltung des Eigennutzes einiger weniger, und der Versorgung mit lukrativen Job`s derer die das zulassen.

     
  8. 4. Wim Heuvens

    Frau Ulrich sollte die Dinge auf sich zukommen lassen.
    Für mich ist sie seit Jahren allein mit dem Kreisvorsitz unterfordert, sie kann mehr und soll mehr machen, sie ist zuverlässig, nicht käuflich, hat Visionen und ist absolut bürgernah – nicht nur für CDU-Wähler. (…)

     
  9. 3. L.Seerden

    @Bernd Derksen

    Die “südliche” CDU, insbesondere der Stadtverband Geldern, hat sich ohnehin nicht gerade mit Ruhm bekleckert, indem sie heimlich E-Mails an die Ratsherren mitgelesen hat.

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Fraktionsspitze-kassiert-private-E-Mails-ein-754893.html

    http://www.rp-online.de/public/article/geldern/757193/Kritik-an-CDU-Kreisspitze.html

    http://www.rp-online.de/public/article/geldern/760255/Ratsherren-fordern-Ruecktritt.html

    http://www.rp-online.de/public/article/geldern/765538/CDU-Mitglieder-sollen-nichts-zu-Mail-Affaere-sagen.html

    Was soll man dazu noch sagen?

     
  10. 2. V-Max

    Spätestens jetzt würde ich mich als CDU-Mitglied bodenlos schämen und mich in dieser ach so christlichen Partei abmelden. Aber diese Leute haben den Kopf wahrscheinlich nur zum Haare schneiden und nicken.

     
  11. 1. Bernd Derksen

    Taktisch war es von Frau Ulrich sicher “geschickter”, “Großkopferte” den Konkurrenten “wegbeißen” zu lassen und nicht selbst offen zu agieren. So läuft halt “Politik”, wenn man sie vorrangig machtpolitisch versteht. (Daher war auch das Verhindern einer Wahl notwendig. Offenbar war das Risiko für Ulrich recht hoch, Düllings bei dieser zu unterliegen.)
    _____
    Wenn Pofalla als entscheidendes Argument das Geschlecht anführt, so kann man das als indirekte Aussage über andere Qualitäten verstehen.

    (Selbstbewusste Politikerinnen lehnen daher die Berücksichtigung ihres Geschlechts bei Nominierungen etc. ab, denn sie wollen sich aufgrund ihrer Fähigkeiten durchsetzen.)

    Nebenbei: Kann man nun Pofalla als Sexist bezeichnen? 😉 (Sexismus=Ungleichbehandlung aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit)
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    Für mich als Außenstehenden ein sehr interessanter Einblick ins Innenleben der hiesigen CDU. Danke, Ralf!
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    Es bleibt für mich ein Armutszeugnis für die CDU und Ohrfeige für die örtlichen CDU-Mitglieder keinen Kandidaten aus dem Wahlkreis zu benennen. Aber Pofalla überträgt halt das Merkel-Modell (folgsame Untergebene muss ich mit Posten versorgen, z.B. den Noch-Generalsekretär) auf den Kreis Kleve.

    Mit Demokratie, wie ich sie verstehe, hat das wenig zu tun. Aber das sieht die CDU-Basis offenkundig anders… Abnicken des von “oben” Verkündeten und Beschlossenen scheint erste Mitgliederpflicht zu sein …