Die 18 Stunden des Ronald P.

rd | 09. Januar 2011, 12:59 | 17 Kommentare

Es ist zum Haareraufen – was geht hinter dieser Stirn vor

(Aktualisiert, jetzt noch mit einer Stunde Joggen) Es ist nicht grundsätzlich so, dass es Menschen übel zu nehmen ist, wenn sie viel arbeiten. Manchmal lohnt es sich allerdings, den Aufwand zu prüfen und mit dem Ertrag zu vergleichen. Nehmen wir zum Beispiel Ronald Pofalla, Kanzleramtsminister mit Weezer Wurzeln, der zu Jahresbeginn mit seiner CDU-Entourage durch die hiesigen Redaktionen tingelte (kleveblog wurde (noch?) ausgelassen) und dabei als zentrale Botschaft ausstreute, wie unermüdlich er fürs Wählervolk tätig sei. Aktuell im Klever Wochenblatt: »Über seinen 18-Stunden-Arbeitstag beklagt er sich nicht.« Vorher in der Rheinischen Post:

»Ich habe den fantastischsten Job in der Bundesregierung – aber auch den belastendsten.« Bei ihm liefen alle Drähte zusammen – nahezu rund um die Uhr, an sieben Tagen in der Woche. Mit »drei, vier Stunden Schlaf« müsse er jede Nacht auskommen. Das funktioniere, sagt Pofalla. Sein Ausgleich: Regelmäßiges Joggen.

18 Stunden?! Tagtäglich, zum Wohle Deutschlands? Frühstück, An- und Auskleiden, Fahrten zum und vom Arbeitsplatz, Sex, Mittagspausen, gelegentlicher Fernsehkonsum (Tages-, Sportschau), Feierabendbiere sowie der Besuch von Echo-der-Stars-Galas und das »regelmäßige Joggen« dürften auch bei Politikern nicht zur Arbeitszeit zählen.

Das aber würde – rein rechnerisch – beispielsweise dazu führen, dass ein Tag von Ronald Pofalla um 4 Uhr morgens beginnt. Er steht auf, streift sich hurtig den Jogginganzug über, hechelt eine Stunde durch den Tiergarten, kehrt schweißdurchnässt heim, duscht, putzt sich die Zähne, rasiert sich, steckt zwei Scheiben Brot in den Toaster, brüht sich eine Kanne Kaffee auf (läuft das Frühstücksfernsehen? Oder Deutschlandradio?), wirft sich in Schale und lässt sich um Punkt 5:30 Uhr zu seinem Arbeitsplatz chauffieren (das zählt jetzt schon als Arbeitszeit, weil er auf dem Weg zum Büro schon Akten liest. Er spricht nicht mit dem Fahrer). Von 5:30 Uhr an ist er mit seinen Gedanken also bei Deutschland.

  • 5:30 Uhr: Deutschland
  • 6:30 Uhr: Deutschland
  • 7:30 Uhr: Deutschland
  • 8:30 Uhr: Deutschland
  • 9:30 Uhr: Deutschland
  • 10:30 Uhr: Deutschland
  • 11:30 Uhr: Deutschland
  • 12:30 Uhr: Deutschland

Um 13:30 Uhr, nach acht Stunden ununterbrochenen Wirkens zum Wohle von uns allen, hätte ein normaler Mensch seine Schicht beendet, ein, zwei Stunden später wäre er in Gedanken schon bei einer Gewerkschaftshotline. Doch Ronald Pofalla macht weiter, immer weiter. Mittagessen gleich Arbeitsessen, mit Angela.

  • 13:30 Uhr: Deutschland
  • 14:30 Uhr: Deutschland
  • 15:30 Uhr: Deutschland
  • 16:30 Uhr: Deutschland
  • 17:30 Uhr: Deutschland
  • 18:30 Uhr: Deutschland
  • 19:30 Uhr: Deutschland
  • 20:30 Uhr: Deutschland

Zwei normale Menschen hätten jetzt schon Feierabend. Nicht so Ronald Pofalla. Der hat noch Luft für zwei weitere Stunden!

  • 21:30 Uhr: Deutschland
  • 22:30 Uhr: Deutschland

Erst um 23:30 Uhr hält er seinen Dienstausweis an das elektronische Zeiterfassungssystem des Kanzleramts, dann noch schnell ein Schnitzel und ein, zwei Bier im Borchardt, um sich zu downen, 0:30 Uhr mit dem Fahrdienst nach Hause, bettfertig machen, noch schnell die Post durchgehen, ein bisschen Fernsehen, ca. 1:15 Uhr ins Bett gehen, nein!, Liebling, heute nicht – und auf keinen Fall vergessen, den Wecker auf VIER UHR zu stellen!

Und das war erst der Montag!

Wenn noch eine Erklärung dafür nötig ist, warum Politik so aussieht, wie sie aussieht, hier könnte sie liegen.

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17 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 17. Einfach ICH

    hallo zusammen,

    es gibt in Deutschland auch ein Informationsfreiheitsgesetz, geschaffen um Transparenz in gewisse Dinge zu bringen, geschaffen um das Verhältnis zwischen Bürger und Politiker zu verbessern….an sich eine gute Sache wäre da nicht wieder nen Haken. Das Gesetz war kaum geschaffen, da hat man dementsprechend eine Gebührenordnung hinterhergeschickt die es den Behörden gestattet, bei Anfragen von Bürgern den dabei anfallenden Verwaltungsaufwand in Rechnung zu stellen….wohlgemerkt: es KANN in Rechnung gestellt werden MUSS aber nicht. Stellt man im Kreis Kleve unangenehme Fragen dann bekommt man dafür eine Gebührenabrechnung…man kann sich dann an die Politik wenden und diese stellen dann manchmal die Fragen für den Bürger und brauchen das dann natürlich nicht zu bezahlen. Wofür aber muss/soll der Bürger überhaupt zahlen…sind die Steuern nicht bereits Vergütung genug? Ist eigentlich auch egal, zumindest eines wird daran deutlich: Man will den Bürger gar nicht zu schlau machen…

     
  2. 16. speedy

    Jede(r) alleinerziehende berufstätige Frau/Mann hat auch einen 18 Stundentag.

    Aber auch hier gilt Helmut Kohl:

    “Entscheidend ist, was hinten rauskommt.” –

    Bis neulich.

     
  3. 15. kleverbub

    Ich finde R.P. gut!

    Für Fans: http://www.youtube.com/watch?v=lBIvXc5GHvE

     
  4. 14. obi

    Ich kennen Herrm Pofalla nicht persönlich, glaube aber, dass er in diesem wesentlichen Job zumindestens gefühlte 18h am Tag arbeitet.
    Aber micht verunsichert vielmehr, dass ein (…) an solch einer Schaltstelle der Macht sitzt. Diese Personalauswahl habe ich bei Frau Merkel nie verstanden.

     
  5. 13. Dickschaedel

    zum Glück vermehren sich solche Leute nicht bei den Arbeitzeiten

     
  6. 12. Meier mit E

    Der arme Ronald! 18 Stunden lang setzt er sich nur und ausschliesslich für uns Bürger ein. Dabei ist immer für alle ansprechbar. Das glaubt ihr nicht? Guckt mal:

    “Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
    20.11.2009

    Von: (….)

    Sehr geehrter Herr Pofalla,

    ich möchte mich der Frage von Herrn (…) anschließen. Auch mir ist es nicht verständlich, aus welchem Grund Sie alle bisher gestellten Fragen über abgeordnetenwatch.de, ausschließlich als Standard-Antwort beantwortet haben. Öffentlichkeit ist doch auch ein Kriterium der Demokratie?

    MfG

    Standard-Antwort von Ronald Pofalla
    bisher keineEmpfehlungen

    23.11.2009

    Sehr geehrter Herr ,

    vielen Dank für Ihre E-Mail vom 20.11.2009 über abgeordnetenwatch.de.

    Gerne bin ich bereit, an mich persönlich gerichtete Anfragen zu beantworten.

    Bitte nutzen Sie hierzu meine E-Mail-Adresse: ronald.pofalla@bundestag.de
    oder schreiben Sie mir unter folgender Postanschrift:
    Ronald Pofalla MdB
    Deutscher Bundestag
    Platz der Republik
    11011 Berlin

    Mit freundlichen Grüßen
    Ronald Pofalla MdB”

    http://www.abgeordnetenwatch.de/abgeordnete-337-0—-w3866.html

    Hui, was ist denn das für eine Haltung?
    Ich stelle eine Frage an meinen Abgeordneten, die er vielleicht, eventuell beantwortet. Diese Antwort darf ich aber ohne seine Zustimmung niemanden zeigen und schon gar nicht veröffentlichen. Transparenz und Bürgenähe, und dabei geht es nicht nur bei Abgeordnetenwatch, sieht anders aus.

    Super.

     
  7. 11. RumsdieKuh4Ever

    Na ja, wer so viel an Deutschland denkt, der wird unter Schlaflosigkeit leiden. Das geht mir auch so, wenn ich an Pofalla denke.

     
  8. 10. Gallus

    Auch hier wieder: diese persönlich Selbstdarstellung kot…. doch nur noch an (wie übrigens die der gesamten CDU einschließlich T.B.) Würde doch wenigsten noch zählbares dabei herauskommen – aber so ………..
    Der Pofalla ist und bleibt ein Blindgänger.

     
  9. 9. rainer

    hallo, sei ihm gegönnt, “chef des Bundeskanzleramts und Bundesminister für besondere Aufgaben” (quelle: .ronald-pofalla.de). Seinen Einsatz für :
    “Mitglied beim Technischen Hilfswerk Geldern und bei der DLRG Weeze” (lt. ronald-pofalla.de) sollte man tribut zollen und gebührend honorieren. …meine persönliche meinung: schosshündchen der mächtigen

     
  10. 8. Otto

    Warum so skeptisch.
    Früher hat er 18 Std. am Tag gepielt;
    danach 18 Std. am Tag gelernt;
    anschließend 18 Std. am Tag studiert;
    jetzt arbeitet er 18 Std. am Tag.
    Heute allerdings benötigt er noch zusätzlich 4 Std. zur Aus-
    arbeitung seiner Selbstdarstellung.

     
  11. 7. Bernd Derksen

    Danke fürs Hinterfragen der genannten täglichen Arbeitszeit.

    Ich habe Pofallas wiederholten Hinweis darauf nicht so wörtlich genommen, eher als Appell verstanden:
    “Bitte, liebe Bürger! Erkennt meine Selbstausbeutung für Euer Wohl endlich an! Ich hätte es verdient!”

     
  12. 6. Dauernörgler

    @Der Laie:

    Zitat:

    “Der innere Kreis der Kanzlerin besteht aus wenigen Menschen: Zentrale Figur, gewissermaßen die Spinne im Netz, ist die ihr fanatisch ergebene Büroleiterin Beate Baumann, die schon aus Verehrung nicht zum kritischen Widerspruch taugt. ………Sie ist Merkels alter ego, ihre engste Vertraute. Danach kommt erst einmal lange nichts. Sie ist die Schaltstelle des Merkel-SMS-Netzwerkes und erlaubt sich gelegentlich auch, in die Politik der Partei und der Ministerpräsidenten einzugreifen. Mal mit Intrigen, mal mit unerbetenen Ratschägen.

    Neben den netten Pressemenschen der Kanzlerin ………, ist die zweite zentrale Figur Kanzleramtschef Ronald Pofalla, der schon als CDU-Generalsekretär immer nur Sekretär und nie General war. Pofalla ist Merkels größtes Problem. Er, der die Regierungspolitik koordinieren soll, ist ihr Minusmann. Ministerpräsidenten berichten, dass er völlig überfordert sei, meist nicht im Stoff. Die Koalitionsrunde der Staatssekretäre, der Pofalla vorsteht, sei zur “Laberrunde” verkommen. Einige beamtete Staatssekretäre gehen schon gar nicht mehr hin.

    http://www.sprengsatz.de/?p=3436

    Noch Fragen liebe Hofjournalisten?

     
  13. 5. Günter

    Das abendliche Geplaudere in der Berliner Kölsch Kneipe Ständige Vertetung (Stäv) ist natürlich auch in den 18 Stunden enthalten. Ebenso die lustigen Essen mit anderen Wohlgesinnten. 3 bis 4 Stunden Schlaf nur jede Nacht. Bin mal gepannt, wie seine neue Begleiterin das aushält! Kaum im Bett und schon wieder aufstehen. Auch ein bekannter Vorstand einer Bank/Sparkasse ist der Meinung, das er 18 Stunden am Tag arbeitet. Ich denke, das diese Menschen bei der Anzahl ihrer Arbeitsstunden ihre nächtlichen Träume mitzählen. Dann komme ich auch auf 18 Stunden Arbeit.
    Gestern las ich in der Süddeutsche Zeitung über die Leiden der Bankberater. U.a. steht da, das der genossenschaftliche Arbeitgeberverband (Volksbanken) durchsetzen will, das Mitarbeitern die ihre Ziele nicht erreicht haben, fast 2 Monatsgehälter gekürzt werden sollen. Wenn ich bei einer Bank Berater wäre, würde ich die nächste Woche einschließlich der Alpträume 22 Stunden arbeiten!

     
  14. 4. Der Laie

    jetzt wird mir natürlich einiges klarer.
    Wer am Tage wertvolle Arbeitszeit mit PR Auftritten in eigener Person
    vergeudet, muß die für den Bürger teuren und nachhaltigen Entscheidungen halt in die Nachtstunden verlegen.
    Und wenn Mutti sagt, das ist alternativlos dann ist das halt so, als braver Sohn widerspricht man natürlich nicht.

     
  15. 3. Heiner Peters

    Mönche in einem Kloster hatten früher auch so lange Arbeitszeiten…

     
  16. 2. Jens-Uwe Habedank

    Wenn ich das noch zweimal lese – gehe ich mit der Sammelbüchse herum. 18h-Arbeits-Tag…So ein Schmarrn. Und das soll wohl irgend jemand glauben?!

     
  17. 1. KlePeter

    Damit verstößt der Minister gleich mehrfach gegen das Arbeitszeitgesetz. Dauer der Tagesarbeitszeit, vorgeschriebene Arbeitspausen, durchschnittliche Wochenarbeitszeit, Sonntagsarbeitsverbot und Ausgleich von Mehrarbeit gelten doch auch für Minister. Arbeitswissenschaftler haben auch festgestellt, dass die Arbeitsleistung nach 10 bis 12 Stunden erheblich sinkt. Oder müssen Minister nichts leisten?
    Vielleicht wäre ja auch die Politik besser, wenn Politiker weniger arbeiten würden. Oder sehe ich das jetzt auch falsch?