Bericht aus dem nichtöffentlichen Teil

rd | 27. März 2009, 11:35 | 191 Kommentare
In seiner reinsten Form: Kies

In seiner reinsten Form: Kies

Seit einigen Monaten schmückt sich dieser Blog mit dem Motto “Kies ist unser Öl”, angebracht etwa in der Zeit, als Barbara Hendricks die legendären Worte sprach:

Wir Sozialdemokraten wollen nicht zulassen, dass man uns unseren schönen Niederrhein unter den Füßen weggräbt und nach Holland abtransportiert.

Du, lieber Leser, glaubst nicht, dass es solche Sätze gibt? Oh doch!

Zu unserer Überraschung sind wir damit erneut in –– Bedburg-Hau. Leser Willi H. berichtete unlängst von ominösen Versammlungen unter der Hauer Bauernschaft, bei denen auch der stellvertretende Bürgermeister Jürgen Bongers zugegen gewesen und es um Grundstücksverkäufe und Auskiesungspläne in der schönen Gemeinde gegangen sei. Leser Bernd D. wiederum versorgte uns aus dem öffentlichen Teil der gestrigen Ratssitzung mit detaillierten Informationen zum Mienenspiel des Protatgonisten, als das Thema zur Sprache kam. Jedoch, und das hat in Bedburg-Hau offenbar Tradition, wichtige Informationen werden lieber im nichtöffentlichen Teil abgehandelt.

Dort gab dann, so flüsterten es Informationen, die auf wundersame Weise in meinem E-Mail-Postfach landeten, der stellvertretende Bürgermeister Jürgen Bongers (CDU) zu, dass er die Gespräche mit den Bauern im Auftrag der Fa. Boll Kiesbaggerei geführt habe. Diese Firma (Stammkapital: 3.067.751,29 Euro) hat ihren Sitz in Weeze und gehört einem Unternehmer aus den Niederlanden. Interessanterweise gibt es in Bedburg-Hau offenbar auch einen einstimmigen Ratsbeschluss (also auch und gerade mit den Stimmen der CDU!), der besagt, dass die vorgesehenen Auskiesungsflächen aus dem Gebietsentwicklungsplan der Düsseldorfer Bezirksregierung herausgenommen werden sollen.

So sieht der Stoff aus, aus dem Interessenkonflikte wie aus dem Lehrbuch gebastelt werden: Als stellvertretender Bürgermeister müsste Jürgen Bongers die Politik der Gemeinde vertreten, als Lobbyist der Kiesindustrie macht er genau das Gegenteil. Es kommt einem vor wie der klassische Spagat, bei man sich… (bitte hier ein anatomisches Detail ergänzen)

***

kleveblog-Dokumentation (aus dem Ratsbeschluss der Gemeinde Bedburg-Hau vom 13. 9. 2007):

Die vorgesehene Sondierungsfläche im Bereich der B9/Querallee in einer Größe von 92 Hektar ist nicht hinnehmbar. Die Fläche grenzt unmittelbar an die Siedlungsbereiche der Gemeinde Bedburg-Hau und der Stadt Kleve und würde das Landschaftsbild vor den Toren der beiden Kommunen zerstören.