Poller am Opschlag: Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?

rd | 16. August 2017, 15:56 | 12 Kommentare
Photoshop-Profis errichten einen gut sichtbaren Poller in fünf Minuten

Photoshop-Profis errichten einen gut sichtbaren Poller in fünf Minuten

(Auch in der NRZ veröffentlicht) Zugegeben, im privaten Umfeld dürfte eine solche Situation eher selten vorkommen, aber stellen Sie sich einmal vor, Sie benötigten für Ihre Garageneinfahrt einen versenkbaren Poller. Wie würden Sie vorgehen?

Vermutlich so: Sie googeln „versenkbare Poller“, finden in Bruchteilen von Sekunden Unmengen von Treffern, scrollen sich durch die Liste, stoßen auf einen seriös wirkenden Anbieter, der das gewünschte Teil für 1800 Euro anbietet, klicken auf „Jetzt bestellen!“, bekommen es innerhalb von drei Werktagen geliefert und laden fürs Wochenende zwei Freunde, die sich in Sachen Bau auskennen, ein und starten mit einem Kasten Bier das Projekt. Wenige Stunden später findet die Einweihung statt.

Doch der Poller, um den es hier geht, soll nicht auf privatem Grund und Boden stehen, sondern im öffentlichen Raum, eingangs der Straße Opschlag. Und da wird aus einem Poller schnell eine unendliche Geschichte.

Der Opschlag hat sich – für viele überraschend – nach der Umgestaltung zu einem gastronomischen Anziehungspunkt sowie zu einer Flaniermeile entwickelt. Zu verdanken ist dies im Wesentlichen den Lokalen „Tijuana“ und „The Lounge“ sowie dem „Venga“, die allesamt abends reichlich Besucher anlocken.

Das aber macht andere neugierig, und so entwickelte sich schnell eine besondere Art des Verkehrs. Autofahrer drehten Runden, um zu überprüfen, ob in einer der Gaststätten Bekannte sitzen, die es lohnenswert erscheinen ließen, die Tour zu unterbrechen. Leidtragende waren Anwohner, aber auch Kellner, die mit vollen Tabletts über die Straße zu den entfernteren Tischen laufen mussten. Auch Eltern, deren Kinder in der Nähe des Wassers spielten, während sie bei einem Getränk in der Außengastronomie saßen, war das Unbehagen über Situation mitunter anzusehen.

Daraufhin entschied sich die Stadtverwaltung im vergangenen Jahr, die Straße im Sommer abends für den Autoverkehr zu sperren. Ein kleines Schild machte darauf aufmerksam, und ein Pappkamerad in Form eines Ordnungshüters hob mahnend den Zeigefinger. Allein: Der Klever lässt sich nur ungern vorschreiben, wo er lang zu fahren hat und wo nicht.

Selbst überraschende Kontrollen, die nach Ansicht von Augenzeugen binnen weniger Minuten Hunderte von Euro an Bußgeldern eingespielt haben dürften, änderten nichts daran, dass der Opschlag abends von Kraftfahrern benutzt wurde. „Des Aufkommen an Verkehrsverstößen übersteigt bei weitem die Möglichkeiten, diese auch zu ahnden“, so das resignierte Fazit der Polizei.

Schon 2016, als der Opschlag in der Sommersaison erstmals gesperrt wurde, stand für den Fall, dass sich diese Lösung nicht bewähren würde, zur Diskussion,
eingangs der Straße versenkbare Poller einzubauen. Reichlich Zeit, eine entsprechende Lösung vorzubereiten, sollte man meinen.

Im Frühjahr herrschte im Umwelt- und Verkehrsausschuss der Stadt Kleve Einvernehmen darüber, dass die Poller tatsächlich kommen sollten. Am 5. April beschloss der Rat, die Poller „zeitnah“ einzubauen. Allerdings bremste Bernhard Klockhaus, Fachbereichsleiter Tiefbau, die Politik schon damals aus und sprach vage von einer Umsetzung „Ende des Jahres“. Die Kosten der Maßnahme wurden mit 20.000 Euro veranschlagt.

Anders als im Privatleben geht es bei der Stadt Kleve nicht ohne Vergabeverfahren. „Dieses steht kurz vor dem Abschluss“, so Stadtsprecher Jörg Boltersdorf. „Derzeit findet noch die Abstimmung mit der Polizei und der Feuerwehr statt.“ Zu den Verzögerungen sei es gekommen, weil verschiedene Systeme auf dem Markt angeboten werden. Boltersdorf: „Diese mussten im Hinblick auf Verkehrssicherheit und Tauglichkeit geprüft werden.“

Geplant ist, einen versenkbaren Poller in der Mitte zu installieren sowie links und rechts davon zwei Pfosten, die verhindern, dass Autofahrer die Sperre einfach umkurven. Boltersdorf: „Die Installation wird voraussichtlich im Oktober erfolgen.“ Die Chancen stehen also gut, dass in der Sommersaison 2018 der Opschlag diese Form der Verkehrsberuhigung erfahren wird – zweieinhalb Jahre nach der ersten Idee.

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12 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 12. rd

    @R H Da wird kleveblog zuverlässiger Stofflieferant bleiben

     
  2. 11. R H

    Und dann? Keine Autos mehr über die man sich aufregen kann…..dann sitzt man nur noch da und muss sich ein anderes langweiliges Aufregerthema ausdenken

     
  3. 10. KleverCompliance

    Flaniermeile?? LOL und ROFL! Auf so etwas kann doch niemand wirklich kommen! War es nicht der Chef vom Tijuana, der vor einem Jahr in der Royal-Press breit seine Einlassung präsentierte, die geplante Sperrung der Strasse sei kontraproduktiv? Er befürworte diese Projekt nicht? Und jetzt fühlen sie sich „alleine“ gelassen? Aha. Da soll einer mitkommen. Auf der Flaniermeile falniert jedenfalls niemand. Täte es jemand, müsste er sich auch wirklich dämlich vorkommen. Was in aller Welt, genießt man denn dabei? Das Spoycenter? Die ewig dauernde Baustelle des „Düsseldorfer Gastronomen“? Der scheint es nicht eilig zu haben mit seinem Projekt.

    Hört sich nach einer dieser Stadtmarketing Nebelwolken an. Aus „Schei…e gute Butter machen“ und das als riesigen Erfolg verkaufen. Ist allerdings sehr selten geworden, seit die Chefin abgedankt hat. Erster riesiger Erfolg – übrigens.

     
  4. 9. jean baptiste

    @5. otto
    ich wage mich ja nicht mal mehr an gestern zu erinnern, aber kann dir versichern, daß die Vinothek nicht zu meinen Lieferanten zählt , ausserdem , die brauern, aber ohne zu brauen.

     
  5. 8. jean baptiste

    @6. kleevse jong
    ich kenn nur die Regel fahrender Verkehr -> Polizei
    stehender Verkehr (Parkvergehen) -> Ordnungsdienst.

     
  6. 7. Niederrheinstier

    Mmuuuuuhhhh, vielleicht halten solche Poller wie im Video demnächst all die Rennfahrer mit den tiefergelegten, aufgemotzten Allerweltautos tatsächlich vom Opschlag ab, mmuuuuhh. Vielleicht nehmen solche Poller durch das schonungslose Offenbaren durchgerosteter Fahrzeugunterböden auch den Hauptuntersuchern von TÜV, Dekra, GTÜ und so zukünftig die Arbeit ab, mmuuuuhh! Aber einer wird dennoch in Zukunft alle Zufahrtswächter austricksen und von oben auf alle Opschlag-Gäste herabschauen können, mmuuuuhhhh: Der Bauer mit seinem großen, neuen, eindruckbegehrenden und hochbereiften Traktor mit mehr als 300 Pferden unter Haube, mmuuuuhhh! Entweder kann der Bauer damit einfach über die Poller hinwegfahren oder sie, wenn sie Widerstand leisten, an den Haken nehmen und samt Verankerung herausziehen und irgendwo verstecken, mmuuuuh. Also, hütet Euch vor dem Bauer mit seinem großen Traktor, mmuuuuhh!

     
  7. 6. kleevse jong

    Samstag Abend vor 3 Wochen, in der Zeit wo wir im Außenbereich des Tijuana gegessen haben haben wir in 1,5 Stunden nach 20.30 Uhr nur so zum Spaß 49 Autos gezählt, die den Opschlag wiederrechtlich befuhren. Die fuhren teilweise mit 50 km/h und mehr den Opschlag entlang, erst recht die Fahrer von getunten oder aufgemotzten Fahrzeugen! So schnell das die Kellner beim Überqueren des Opschlag mit den Speisen teilweise rennen mussten. Wenn die Stadt eine dauerhafte Einnahmequelle sucht, dann sollte sie mal am unteren Ende des Opschlag ihren Ordnungsdienst jeden Abend hinstellen. Der macht sich bezahlt garantiert, din Einsatzkosten für den ODS der Stadt hat man innerhalb von 3 Stunden locker an Bußgeldern wieder raus. Die Kellner sagten uns das Sie sich von der Stadt im Stich gelassen fühlen und die Beschilderung oben am Opschlag Null Wirkung bringe, da von solchen Fahrzeugführern ja überhaupt nicht beachtet wird. Gespräche mit der Stadt hätten bisher keine Wirkung gezeigt und man würde die Gastronomen mit dem Problem alleine lassen.

     
  8. 5. otto

    @1 jean,

    in Kleve werden zwei Poller benötigt, dir sind die seltsamen Vorstellungen von Auswärtigen für Kleve’s Wohlergehen Berufene gewiss bekannt.

    Scheinbar ist der kommunale Treffpukt der städtischen Koryphäen, Rondel mit Pinkelbäumchen, in der Erinnerung einiger Personen
    nicht mehr präsent. In der Vinothek einer Klever Bank kann dir ein Außer-Dienst-Mitarbeiter vielleicht Auskunft geben.

     
  9. 4. otto

    Lassen wir mal das Venga unberücksichtigt, dann machen also zwei bescheidene Gaststätten und das großartige Spoycenter
    schon ein schützenwertes Flaniercentrum?

    Schrittgeschwindigkeit und zwei sanfte Bodenwellen werden dem lebensgefährlichen „Verkehr“ schon Einhalt gebieten.

    Man stelle sich vor, in der Landeshauptstadt würde die Flaniermeile am Abend durch Poller gesperrt und niemand könnte mehr
    in der zweiten Reihe parken, um „wichtige“ Verabredungen zu treffen! Soviel Dä(h)mlichkeit ist von WEM hier zu verantworten?

     
  10. 3. laloba

    Ach du Sch… könnte das auch schon ein Vorgeschmack auf das autonome Fahren sein?

     
  11. 2. Andre Gerritzen

    An der HSRW gab es in den ersten 1-2 Jahren an der Einfahrt über den Sommerdeich auch zwei schöne Poller.
    Allerdings hatten die Planer nicht mit der Blindheit der deutschen Autofahrer gerechnet und regelmäßig sind Fahrzeuge teilweise mit Wucht gehen die Poller gefahren.
    Die Poller waren einfach nicht hoch genug und wurden übersehen.
    Einmal hat es ein Sprinter sogar geschafft auf dem Poller zum stehe zu kommen.
    Jetzt wird die Einfahrt immer mit rot-weißen Bändern abgesperrt. Die anscheinend nicht so leicht zu übersehen und deutlich günstiger zu ersetzen.

    Hoffen wir mal diese neuen Poller 1m oder höher sind, sonst können die Klever Abschleppunternehmen, da bald ein Schild für ihre Notfall-Hotline aufstellen.

     
  12. 1. jean baptiste

    20.000 für einen Poller ?
    für 35.000 gibt´s einen Riesenpoller, http://urilift.de/versenkbare-sanitaranlagen/urilift/