Villa Nova, super Nova?

rd | 23. Oktober 2011, 17:35 | 14 Kommentare

Die Villa Nova, wohl jeder motorisierte Klever ist schon einmal an dem klassizistischen Prachtbau an der Ecke Gruftstraße/Tiergartenstraße vorbeigefahren, und man müsste ein ästhetisches Herz aus Stein haben, wenn nicht mindestens ein »Ah« oder »Oh« auf tiefster Seele hervorgedrungen wäre angesichts des schier unbändigen Gestaltungswillens, der sich in dem 1843 erbauten Gebäude, das eine Zeitlang auch die Volkshochschule und das Jugendamt beherbergte, Bahn brach.

Olivenbäume im Garten, kitschige Statuen, goldlackierte Zaunzacken und ein an den Altbau angesetzter Glaswürfel, diese Gestaltungsversuche riefen schon erste Kritiker wie den Kurhauskurator Guido de Werd auf den Plan. Wie mag es da drinnen aussehen? Die Immobilienmesse der Voba Immobilien GmbH, die Premierenveranstaltung im neuen Hause, bot auch Menschen, die nicht sofort ein Haus kaufen wollten, die Möglichkeit, einen ersten Blick ins Interieur zu werfen.

Die rote Treppe am Portal gewährt dem Besucher staatspräsidentenhafte Gefühle, drinnen fällt dann der erste Blick auf einen riesigen Spiegel, der zweite auf eine steinerne Tafel mit der güldenen Inschrift: »Des Hauses Schmuck sei Reinlichkeit…« Das hat ein Bediensteter offenbar sehr genau genommen, denn noch als die Besucher durch die Räume laufen, versprüht er aus einer Plastikflasche einen recht intensiv riechenden Raumduft, warum auch immer.

Nachdem die Sinne wieder beisammen sind, wird nach und nach das Ausmaß der Renovierung sichtbar, beispielsweise bei der mit einer immensen Detailversessenheit wiederhergestellten (?) Decke in der Beletage. Vor den Fenstern schwere Vorhänge, hier und da ein Ölbild oder ein Spiegel mit opulentem Goldrahmen.

Noch nicht alles ist fertig, so fehlt beispielsweise die Wendeltreppe, die vom gläsernen Anbau in den Weinkeller führen soll – ein Podest verdeckt das kreisrunde Loch im Boden. Der Weinkeller selbst ist noch nicht zur Besichtigung freigegeben, allerdings gewährt die Geschäftsführerin, Ingrid Stevensen, eine kurze Visite.

Der Rundgang gibt einem das Gefühl, dass der Keller größer ist als das Geschoss darüber, es gibt diverse Räume und Nischen, hier und da eine Theke – sicher für größere Gesellschaften geeignet. Überall liegt schöner Klinkerboden, dagegen haben die Macher bei der Möblierung kein sicheres Händchen bewiesen. Statt Metall und Glas für Tischgestelle und Stühle wäre Holz sicherlich passender gewesen. Aber die Geschmäcker sind halt verschieden.

Nicht zu sehen waren das Paar Veronica Navarro und Ron Schutte, das noch Anfang September in der Lokalpresse als Betreiber vorgestellt wurde und das in diesem Zeitungsbericht von seinen ambitionierten Plänen erzählte: »Die Villa Nova […] soll die neue Visitenkarte Kleves werden.« Es habe hinter den Kulissen Streit gegeben, hieß es gestern. In den letzten Tagen sei es dann zum Eklat gekommen – mit der Folge, dass nun ein neuer Betreiber gesucht werde.

Einen Kommentar schreiben





14 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 14. ralf.daute

    @Hollie Und das sind wir doch alle, oder?

     
  2. 13. Hollie

    Klasse, aber nicht für Tunnelblick-Klever!

     
  3. 12. Tucci

    Gute Möglichkeiten für gehobene Anlässe.

     
  4. 11. dingdung

    “[…] soll die neue Visitenkarte Kleves werden.”

    war damit nicht die andere Supernova Villa an der Nijmegerstraße gemeint- die mit den unzähligen Badezimmern?

     
  5. 10. Nike

    Passend zu Kleve, passend zur Gruft, als logische Konsequenz muss die Akropolis folgen: Aus Gips– schneeweiß, mit Lichterkette umschlungen, die 5 mal pro Minute ihre Farbe wechselt.

    Das ist Kleve wie wir es kennen, wie es sich von innen nach außen, von außen nach innen (und wieder zurück) stetig weiter entwickeln– lässt?

     
  6. 9. Einstürzende Altbauten

    Ein tolles Haus, was äußerlich nach und nach einem Skulpturenpark gleicht(fehlt nur noch dieser riesige Adler mit den Flügelschwingen).
    Wenn man die Gruft vom Tiergarten kommend hinauf fährt, müsste einem Auswärtigen ja bald “Angst und Bange werden” bei der allmacht der dargebotenen Bildhauerischen/Gestalterischen Prachtexemplare/Gartenanlage:-)
    Hier ist deutlich zuviel “gewollt” worden…anstatt weniger getan zu – haben -…, so empfinde ich es!
    Dann, ein paar Meter aufwärts noch der “berühnte Bildstock”…was kommt danach???, ach ja, die Akropolis oben auf der Gruft -zum Glück als Lokal und nicht nachgebaut aus “Gips”…!

     
  7. 8. Rainer Hoymann

    Danke RD. Auch ich wollte am Sonntag Fotos erstellen. Der Zugang mit Hund war nicht erlaubt (siehe Foto “1”). Tja, da endet mein Besuch bereits vor dem Eingangsbereich.

     
  8. 7. Der Bayer

    Wirklich ein imposantes Gebäude, sollte der Öffentlichkeit unbedingt zugänglich gemacht. Vielleicht als Weinlokal, sodass bei einem Gläschen die Räumlichkeiten besichtigt werden können. Die ausgestellten Gegenstände und Bilder sollten mindestens 50 Jahre alt sein, oder möchte irgendwer Fotos der aktuellen Klever Promis sehen?

     
  9. 6. Kellner

    Auch wenn viel Geld investiert, um dieses Gebäude wieder herzurichten, so viel mir wieder auf, dass man Geschmack mit Geld nicht kaufen kann. Holländer-Kitsch vom Kronleuchter angefangen, bis hin zu den goldverzierten Zacken am Zaun. Der Glasanbau ist nicht harmonisch eingefügt.
    Aus meiner Sicht hätte man mehr “Originalität” – im wahrsten Sinne des Wortes – beibehalten sollen. Aber über Geschmack lässt sich ja leider nicht streiten…
    Das Nutzungskonzept ist aus meiner Sicht bisher auch nicht überzeugend.

     
  10. 5. rainer

    hallo, nach dem frischluftduft aus der plastikflasche könnte daran liegen, dass der bau feucht ist. ist aber normal bei gebäuden in hanglage, wasser fließt nun mal nach unten, nicht nur oberflächlig sondern auch unter der erde. da kann sich was zusammenstauen. ich hab mal in einem haus in einer höhenlage von kleve gewohnt, (weit entfernt von grund- und hochwasser)wo nach jedem stärkeren regen das wasser im keller stand, da hatte ich auch einen hang im “rücken”. es quoll aus der kellerwand. murks am bau, + keine ahnung von drainage mE

     
  11. 4. tucci

    Sehr inerressantes Gebäude. Die stuckdecken sind toll .Auch dieDecke im Ballsaal wunderbar.Ist sehr zu empfehlen zur besichtigung.

     
  12. 3. Der Eine

    Im Impressum der Villa Nova ist der Nachname der Besitzerin mit Stevensen-Schutte angegeben?
    Wie sind denn da die Zusammenhänge zum im RP Artikel genannten Leiter?

     
  13. 2. Jens-Uwe Habedank

    Dann könnte man da ja “Loco-loco” spielen…?

     
  14. 1. Alles Neu

    Die Villa an sich, von außen, ist ein Blickfang.Der Garten ist mir zuviel Kitsch und Nippes,(weniger ist mehr-noch nie gehört?).
    Jetzt wird`s delikat, ein neuer Betreiber wird gesucht!?
    Das Haus ist sicherlich für “Opulente Gäste und Feste/Einladungen der Stadt gedacht!?)…der “Otto Normal Bürger” wird wohl nie einen Fuss dort hinein setzen, also sollte man genau da ansetzen, beim “Otto Normalbürger”!!!
    Es sollte ähnlich der Villa Hügelin Essen ein Klever Kleinod beherbergen, ein Museum was die Klever auch wirklich interessiert! Gustav Hoffmann,Getlinger,Beuys,Anna von Cleve,XOX,etc.pp….ein Haus für wenig Geld den Menschen zugänglich machen(mit Persönlichen Dingen-Fotos,Einrichtungen,Gegenständen,Videoanimationen etc.pp)
    Also verschiedens unter einem Dach!!!
    Das würde mir mehr gefallen als irgendwelche Griechischen Statuen im Garten/Weinkellern welche ich nie betrete!