Trauer um einen großen Klever: Paul Dirmeier ist tot

rd | 29. März 2019, 01:59 | 1 Kommentar
Grandseigneur des Karnevals, Meister der Mundart: Paul Dirmeier  (Foto: privat)


Der langjährige Geschäftsleiter des Amtsgerichts, Schwanenfunker-Karnevalist, Heimatdichter und Mundartkenner ist im Alter von 89 Jahren friedlich entschlafen – ein Nachruf

Er war jemand“, sagt seine Tochter Claudia Kressin, „dessen Humor uns immer Leichtigkeit geschenkt hat.“ Als langjähriger Geschäftsleiter des Amtsgerichts Kleve, als umjubelter Karnevalist bei den Schwanenfunkern, als gefeierter Heimatsdichter und eben auch als fürsorglicher Familienvater war Paul Dirmeier ein Mensch, der stets zu vermitteln wusste, dass hinter allen Wolken die Sonne scheint.

Doch seine sonore Stimme ist jetzt verstummt. Paul Dirmeier verstarb Anfang der Woche im Alter von 89 Jahren, er ist nach einer schweren Krankheit, die die letzten zwei Jahre seines Lebens bestimmte, friedlich entschlafen. Die Bürger der Stadt trauern um einen großen Klever.

Bis auf die Jahre der Ausbildung verbrachte Dirmeier seine gesamte berufliche Laufbahn am Klever Amtsgericht. Nach dem Abitur am Freiherr-vom-Stein- Gymnasium absolvierte er in Köln eine Ausbildung zum Rechtspfleger. Zurück in Kleve, stieg er am Amtsgericht nach und nach zum Justizoberamtsrat auf, der schließlich viele Jahre die Verwaltungsgeschäfte des Amtsgerichts führte. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Ausbildung junger Menschen in der Justiz, die Dirmeier engagiert und leidenschaftlich (und manchmal mit väterlicher Strenge) durch die Lehrjahre führte.

In der Bütt der Beste: Dirmeier als wortgewaltiger Karnevalist (Foto: Hans Kersting/Archiv Klevischer Verein)

Eine Klever Ikone wurde Paul Dirmeier durch sein Engagement bei den Schwanenfunkern. Als er 1958 dem Verein beitrat, beherrschte er die Klever Mundart noch nicht. Denn, anders als man vermuten könnte, war ihm das Platt nicht in die Wiege gelegt worden. Seine Eltern stammten aus Bayern und waren Anfang der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts an den Niederrhein gezogen, als die neu errichtete Landesklinik in Bedburg-Hau Personal suchte.

Es war der Heimatdichter Karl Groenewald, der den Novizen den Gebrauch der Klever Mundart lehrte – und natürlich seine Frau Gerda. Dirmeier war ein ehrgeiziger Schüler, der die Mundart am Ende beherrschte, als wäre sie seine Muttersprache gewesen. In seinen späten Jahren galt er als eine, wenn nicht gar die Instanz in Sachen Platt.

Die geschliffenen Wortwechsel auf Platt waren das Markenzeichen des Duos „DiSchu“ – die gemeinsamen Auftritte von Paul Dirmeier und Helmut Schumacher galten über Jahre als der Höhepunkt einer jeden Schwanenfunker-Sitzung. „Paul Dirmeier war der beste Büttenredner am Niederrhein“, sagt Wilhelm Lievertz, der jahrzehntelang gemeinsam mit ihm bei den Schwanenfunkern aktiv war. „Er war in jeder Hinsicht ein Vorbild und immer hilfsbereit.“

Anders als die anderen Karnevalisten im Verein, die ihr Programm immer im Vorfeld vorstellen mussten, machte Dirmeier aus seinen Nummern allerdings ein Geheimnis. Er war selbstbewusst genug, um zu wissen, dass er mit seinen feinen Pointen zum Stadtgeschehen meistens goldrichtig lag.

Die Heimatverbundenheit war die eine Seite des Paul Dirmeier, doch sie ergänzte sich bei ihm um eine – nur einem engeren Kreise bekannte – Neugier auf die Welt, die keine Grenzen kannte. Schon mit seinem ersten VW Käfer fuhr Dirmeier mit seiner Frau, der er ein Leben lang innig verbunden blieb, an die italienische Riviera und bis nach Spanien. In späteren Jahren kamen Reisen auf fast alle Kontinente sowie Kreuzfahrten durch alle Weltmeere hinzu.

Zeit seines Lebens war Paul Dirmeier sportlich aktiv, spielte Handball und betrieb Leichtathletik. Bis vor wenigen Jahren war er auch regelmäßig an der Tischtennisplatte anzutreffen, und wenn immer er die Wahl zwischen Aufzug oder Treppe hatte, entschied er sich für die Variante, die ihn auf Trab hielt. Wohl auch deshalb war er fit genug, bis ins hohe Alter bei den Schwanenfunkern aufzutreten;  erst mit 80 Jahren trat er von der Bühne, die ihm so viel bedeutete, ab.

Erst in den letzten Jahren ließ die Gesundheit ihn im Stich, die schwere Krankheit raubte ihm nicht nur die körperliche Stärke, sondern sie ließ auch seinen Witz und seine Geistesgegenwart verstummen. Paul Dirmeier hinterlässt seine Frau Gerda, mit der er im September die Eiserne Hochzeit gefeiert hätte, sowie die Kinder Claudia und Klaus und drei Enkelkinder.

Der Gedenkgottesdienst findet statt in der Stiftskirche am Freitag, 5. April, um 10 Uhr. Anschließend ist um 11 Uhr die Urnenbeisetzung auf dem Friedhof an der Merowingerstraße (Eingang Welbershöhe).  

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  1. 1. Bernd Thiele

    Wer Ihn erleben durfte, wird ihn nicht vergessen. ich bin nur sehr wenige Menschen mit seinem Charisma begegnet.
    Wie kein anderer konnte er die Menschen mit seinen Wort Beiträgen in seinen Bann ziehen.
    Die ganze Stadthalle sahs mit “Sabinche” und “Oma” auf der Couch oder im Wohnmobil am Kreisverkehr in Moyland.
    Wie “Pogge” Wim schon sagte, er war der Beste……mit großem Abstand!!