Schwanenritter, neu interpretiert…

rd | 02. Juni 2013, 13:57 | 8 Kommentare

Der Niederrheinstier

Der Niederrheinstier

Ein Leser mit dem hübschen Namen Niederrheinstier hat sich zu Wort gemeldet und eine völlig neue Lesart der Schwanenrittersage abgeliefert. kleveblog, für überraschende Erkenntnisse immer zu haben, veröffentlicht diesen Beitrag liebend gerne, nicht ohne den Hinweis des Autors mit anzuführen, dass diese neue Lesart auch auf aktuell handelndes Personal (in) der Stadt Kleve übertragen werden könne.

Viel Freude bei einem Beitrag, der – da bin ich sicher – Literaturgeschichte schreiben wird…

Im Frühjahr 2012 hat sich ein gewisser Herr van Meegen in einem Klever Käseblatt mit der für Kleve sehr bedeutenden Schwanenrittersage befaßt. Dabei hat er gleich sechs verschiedene Versionen vorgestellt, die er bei seinen Recherchen gefunden hatte. Allerdings weisen diese Versionen doch recht große Unterschiede hinsichtlich der Lokalisierung auf. Außer der Version, die sich auf Kleve bezieht, gibt es auch solche, die sich auf Nijmegen, Antwerpen, Lill-Fort und Valenciennes an der Schelde sowie Megen an der Maas beziehen. Allen Versionen ist gemein, daß sie keine Angaben enthalten, woher der jeweilige Schwanenritter stammt und wohin er verschwand.

Deshalb habe ich eine Synthese entwickelt, mit der die Sage vom Schwanenritter präzisiert und unter allen aufgeführten Orten sozialisiert werden kann. Diese Synthese trift auf alle Versionen zu. Mit ihr lassen der sich die bisherigen Widersprüche auflösen und sie wird durch die offensichtliche Duplizität der Ereignisse untermauert:

Ich gehe davon aus, daß die bekannten Versionen alle Verklärungen dessen sind, was sich vor langer Zeit wirklich (und mehrfach) ereignet hat. Tatsächlich war es in allen Fällen höchstwahrscheinlich so (das heißt, daß sich die folgenden Vorgänge durchaus mit verschiedenen Personen und an verschiedenen Orten mehrfach ereignet haben, da sie für das Mittelalter nicht ungewöhnlich waren):

Zu jener Zeit gab es in jeder größeren Stadt Bürger, die offensichtlich mehr an ihre eigenen Vorteile gedacht und so der Allgemeinheit mitunter erheblichen Schaden zugefügt haben. Flogen diese Bürger auf, so machte man mit ihnen seinerzeit oft kurzen Prozeß und knüpfte sie am nächsten Baum auf. Für etwas geringere Vergehen teerte und federte man sie einfach (sie sahen dann aus wie Schwäne) und warf sie aus der Stadt. Sofern die Stadt an einem Wasserlauf lag, setzte man sie dazu zweckmäßigerweise einfach im geteerten und gefederten Zustand in einen Nachen und ließ sie stromab treiben. Irgendwo wurden sie schon wieder ans Ufer gespült

(Die, die nicht sogleich an irgendein Ufer gespült wurden, gelangten über die Nordsee bis an die Küsten Südenglands, Wales und Irlands, ganz große Pechvögel sogar bis an das amerikanische Ostufer. Wetter, Wind und Wellen auf der Nordsee und auf dem Atlantik ausgesetzt wurde der Teer während der Überfahrt langsam abgelöst, die Federn fielen herab und die ehemaligen Schwanenritter zogen sich je länger die Fahrt dauerte, einen immer heftigeren und mitunter nicht mehr reversiblen Sonnenbrand zu. Dies ging mit einer stark geröteten Haut einher. Manche der Schwanenritter setzten dann in ihrer Not die herausgefallenen Federn zu Bündeln zusammen, mit denen sie fortan zum Schutz gegen die Sonne als Kopfschmuck herumliefen. Dies erklärt, warum die Rothäutigkeit auf dem Weg über Südengland, Wales und Irland bis nach Amerika zu den dort lebenden Redskins immer weiter zunimmt und bis heute evident ist. Als Beweis für die so begründeten ethnischen Einflüsse findet man noch heute entlang der Reiseroute Federnbündel, sogenannte Plume of Feathers, in vielen Wappen, z.B. in dem Wappen der südenglichen Stadt East Grinstead oder im Wappen des Prinzen von Wales – siehe Anhänge).

Bei den verschiedenen, an den Ufern des Rheins, der Schelde und der Maas angespülten Schwanenrittern handelt es sich daher offensichtlich um mehrere Exemplare solcher geteerten und gefederter Bürger irgendwelcher Städte den Rhein, die Maas oder die Schelde stromauf (und eben nicht um einen Ritter in einem Nachen, der von einem Schwan gezogen wurde – zum einen hat ein Schwan nicht so viel Power und zum anderen wäre das ja auch Tierquälerei). Und weil diese vermeintlichen (oder in ihrer Not selbst ernannten) Schwanenritter bereits anderswo aufgeflogen waren (wie Schwäne eben), wollten sie der Elsa von Kleve, der Beatrix von Brabant und ihren anderen flüchtigen Bekanntschaften auch nicht ihre Namen nennen – ganz klar!

Wenn sich bei den heimatnah Angespülten nach mehreren Bädern und intensivem Schrubben dann schließlich nach und nach der Teer und die Federn wieder von der Haut lösten, konnten diese vormaligen Schwanenritter sich wieder anonym in die Gesellschaft eingliedern – außer vielleicht in den Orten, aus denen sie stammten. Deshalb können auch alle Versionen der Sagen keine Angaben darüber enthalten, wohin diese ehemaligen „Schwanenritter“ entschwunden sind.

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8 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 8. Der Niederrheinstier

    Hallo Ihr aufmerksamen Blogger,
    mit Emmerich hat das nichts zu tun. Auch Salmorth, Griethausen, Brienen, Wardhausen, Düffelward, Schenkenschanz und Bimmen gehören zu Kleve. Bei Hochwasser (Einlaufen von Salmorth) können Nachen dort anlanden. Vielleicht weilte die Elsa ja gerade am (späteren) Johanna Sebus-Denkmal, als der Nachen antrieb.
    Oder die Deiche waren nicht dicht, wie 44-45 als das Wasser bis zum Kaufhof stand und man mit einem Nachen bis in die Luftschleuse am Eingang gelangen konnte. Muuuuh!

     
  2. 7. KlePeter

    Wie bringe ich jetzt den Budda aus B-H in der Geschichte unter?

     
  3. 6. Volker Racho

    Dann würden wir still und heimlich Emmerich eingemeinden, abgraben, den Rhein verlegen und uns den Ruhm zukommen lassen 😉

     
  4. 5. Martin Fingerhut

    Die Beiträge im Buch gab es mal als VortragsReihe im LandesMuseum Bonn :
    Herr Dr. Hilgers referierte jährlich über
    “ Wissenschaft zur KarnevalsZeit “
    😉

    weitere HighLights :
    die VarusSchlacht im KottenForst,
    die Bonner 200JahrFeier im Jahr 189,
    die Ausgrabung des Rheinischen Landesmuseums Bonn im Jahre 11985,
    und besonders :
    der wahrhaft föderalistische Regierungssitz — eine Rückschau aus der Zukunft

    leider vergriffen,
    aber antiquarisch noch zu bekommen.
    z.B. via http://www.zvab.com

     
  5. 4. Yang

    Noch mehr Quellen, Herr Fingerhut!? Was, wenn irgendwann heraus kommt, dass alles Leben Emmerich entsprang, sogar die echten Schwäne nebst den Außerirdischen?

     
  6. 3. Martin Fingerhut

    Die Sitte des Teerens und Federns muß sogar noch viel älter sein,
    denn die NachFahren der frühesten derArt „behandelten“
    haben bereits Rom entdeckt :
    “ die Entdeckung Roms durch die Indianer “
    in :
    Werner Hilgers : die Römer bei den Eskimos
    ISBN-13: 9783805336178
    Mainz, Philipp von Zabern, 2006

     
  7. 2. Heinz Goertz

    Es kommt für mich nur einer in Frage: „Er“

     
  8. 1. Yang

    D.h., wir müssen uns dringlichst mit den Fragen beschäftigen, wie wir das Wasser im Kermisdahl wieder zum kontinuierlichen Abfließen bringen und wie man ‚Nachen‘ baut!

    http://de.wikipedia.org/wiki/Nachen