hybris: Die größte Klever Erfolgsgeschichte, die kein Mensch mitbekommen hat (außer SAP, SZ, kleveblog)

rd | 03. August 2013, 11:54 | 10 Kommentare

Kleiner Zusatz, große Wirkung

Kleiner Zusatz, große Wirkung

Während aus der hiesigen Welt der alten Wirtschaft wenig frohe Kunde zu uns dringt (dazu später mehr), hier nun eine Erfolgsgeschichte, wie sie unglaublicher kaum vorstellbar ist (gut, nach Kalifornien würde sie passen), eine Erfolgsgeschichte, die in München spielt und deren Hauptpersonen zu einem großen Teil gebürtige Klever sind!

Erkennbar ist dieser Erfolg an einer unscheinbaren Veränderungen in der Kopfleiste auf der Website der Softwarefirma hybris. Seit gestern steht unter dem Wort „Software“ der Zusatz: „An SAP Company“. Es ist ein Unterschied, der eine Milliarde Euro ausmacht. Keine Million, keine 10 Millionen, keine 100 Millionen.

Für – geschätzt, die genauen Zahlen sind noch nicht öffentlich – eine Milliarde Euro kaufte der deutsche Software-Gigant SAP das an der Nymphenburger Straße in München ansässige Unternehmen. Zum Vergleich: Als der amerikanische Ametek-Konzern 2005 spectro übernahm, ging das Klever Vorzeige-Technologieunternehmen für 80 Millionen Euro über den Tisch.

Wie geht eigentlich Internet? Vielleicht so… (Flowchart aus dem Jahr 2000)

Wie geht eigentlich Internet? Vielleicht so… (Flowchart aus dem Jahr 2000)

hybris begann vor 16 Jahren als eine Idee unter Freunden. Das Verblüffende: Die meisten dieser Freunde waren gebürtige Klever, sie kannten sich aus Schulzeiten in Kleve und waren zum Studium nach München gegangen. Abends, bei einigen Bieren, hatten Carsten Thoma, sein Freund Moritz Zimmermann, der Informatiker Klaas Hermanns sowie der Grafikdesigner Christian Flaccus die Idee, ein Programm zu bauen, mit dem der Internethandel richtig einfach wird.

Das klingt heute nicht nach ganz großen Kino, allerdings muss man sich, um das Potenzial dieser Idee zu verstehen, in das Jahr 1997 zurückbeamen, eine Welt ohne iPhones (2007), ohne Google (1998) und praktisch ohne eBay (1995). Und da kommen ein paar Jungs aus Kleve, die noch grün hinter den Ohren sind, und wollen ihren Teil vom Internet-Kuchen einheimsen. Trotz Silicon Valley. Es passt, dass die Gründer ihr Unternehmen hybris nannten, das kommt aus dem Griechischen und heißt Übermut, Selbstüberschätzung.

Zu den Anfängen des Unternehmens schreibt mir Christian Flaccus: „Einige der Gründer waren mit mir zusammen in Kleve schon in der Schule befreundet… und nachher sind noch ein paar Klever dazu gekommen… Unter den ersten fünf Gründern waren schon drei Klever: Klaas Hermanns, Andreas Bucksteeg und ich, relativ schnell dazu kam noch Thomas Hertz. Mittlerweile sind aus Kleve auch schon eine Weile der Marco Rutten und Jan Hübbers dabei. Alles Schulfreunde – ist schon witzig. Bevor wir 700 Mitarbeiter hatten, war’s noch witziger, weil Hybris halt nahezu Kleve-dominiert war – hier im südlichen Exil.“

Allein die Zahl von 700 Mitarbeitern zeigt schon, welch phänomenalen Aufstieg des Unternehmen in den vergangenen Jahren genommen hat. Das war nicht immer so, in den Anfängen des Start-ups gab es auch die gefürchteten, entbehrungsreichen Phasen, in denen einem nicht so richtig klar ist, wovon man das Gehalt bezahlen soll. hybris hatte das Glück, dass irgendwann ein so genannter Business Angel einstieg, also ein Investor, der Geld gab, der aber auch Ergebnisse sehen wollte. Das Team um die Firmengründer wuchs kräftig, arbeitete hart und lieferte Resultate – mit dem Ergebnis, dass heute die Hälfte des Umsatzes in Amerika erzielt wird und das zu den Kunden von hybris Konzerne wie General Electric, H&M oder Ericsson zählen.

Dass hybris jetzt unter das Dach von SAP schlüpfte, war die freie Wahl der Firmenchefs, denn es gab mehrere Kaufinteressenten. Sogar ein Börsengang stand zur Debatte, allerdings befürwortete Firmengründer Carsten Thoma die SAP-Lösung, da man so unabhängiger agieren könne als als börsennotiertes Unternehmen. Und SAP braucht frisches Blut. Firmengründer Hasso Plattner habe den hybris-Machern geraten: „Bleibt, wie ihr seid und lasst euch nicht von unserer Kultur aufsaugen.“ Davon, dass an der Nymphenburger Straße noch nicht der lähmende Geist, der so vielen Großkonzernen zu schaffen macht, regiert, zeugt eine Beobachtung, die der SZ-Reporter Max Hägler bei seinem Besuch des Unternehmens machte – er zählte in der Küche 24 Kästen Augustiner-Bier und entdeckte unter dem Tisch einen gelben Lederfußball.

kleveblog gratuliert von ganzem Herzen und sagt: Das ist doch mal eine Geschichte! Reicht für drei Unternehmerpreis-Festabende und zweimal „Made in Kleve“ – mindestens.

Die gute Idee war schon da, der Durchbruch jedoch in weiter Ferne: Klever bei hybris, 1999. Hinten, v. l. Jeanette Liebeton (aus Kleve, aber gehörte nicht zum Team), Klaas Hermanns, Andreas Bucksteeg. Vorne v. l. Thomas Hertz, Christian Flaccus

Die gute Idee war schon da, der Durchbruch jedoch in weiter Ferne: Klever bei hybris, 1999. Hinten, v. l. Jeanette Liebeton (aus Kleve, aber gehörte nicht zum Team), Klaas Hermanns, Andreas Bucksteeg. Vorne v. l. Thomas Hertz, Christian Flaccus



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  1. 10. rd

    @thomas Wenn ich mich da einmischen darf: Jens pfeift nur noch, das Team siehst du hier:

    https://www.facebook.com/photo.php?fbid=586649854687418&set=a.174717535880654.37775.100000272275549&type=1&theater

    Würde mich wundern, wenn du davon einen kennst. 2. v. r. der Spielertrainer Ralf Daute (der mit Abstand Älteste). Stefan Arntz trainiert seit kurzem wieder. Wir selbst sind in der vergangenen Saison souveräner Bezirksliga-Meister geworden und spielt nun Landesliga, erstmals in der Vereinsgeschichte.

     
  2. 9. thomas

    Jens!! Lange nichts gehört!! Bzw. wohl eher: ich hab mich nicht mehr blicken lassen 🙂
    Spielst Du noch? Wer ist noch so dabei von den Jungs damals?

    thomas
    http://gplus.to/primtom

     
  3. 8. Jens

    Thomas Hertz spielte übrigens bei Merkur Basketball. Hatte Pech innerhalb weniger Monate mehrere Bänderverletzungen an beiden Sprunggelenken zu erleiden. War richtig gut. Schade.

    Aber Glückwunsch an ihn, wenn er immer noch bei dem Laden sein sollte!

     
  4. 7. Christian

    Sehr witzig Thomas. Du siehst heut fast noch genauso aus 🙂 !!!! Aber wir waren schon üble Nerds, wenn man sich das so ansieht.

     
  5. 6. Idee!

    Vielleicht können Sie den Minoritenplatz kaufen?

     
  6. 5. Guilleaume Heuvens

    @ 2

    Den Drittgenannten können Sie weglassen, der ist Experte für Pleite-Airports, war auch ursprünglich gegen die Hochschule, ansonsten: sehr gut! setzen! …. Rudolf Dressler ist übrigens kein Neoliberaler.

     
  7. 4. thomas

    mensch war ich da jung auf dem foto…

     
  8. 3. Jeckes Moers

    Da ich inzwischen einige Zweifel hege, dass der Heiland, Außerirdische oder Moritz von Nassau endlich (wieder) erscheinen und uns helfen, weckt dieser Beitrag Hoffnungen. Hoffnungen insofern, dass diese Damen und Herren – ausreichende Pinunsen in der Portokasse vorausgesetzt – noch rechtzeitig Patriotismus für ihre Heimat entwickeln könnten (man wird ja nicht jünger und das Businessleben ist nicht alles!)…

     
  9. 2. Aufrecht gehen

    Dank an Theo Brauer, Silke Gorissen, Wolfgang Spreen und die CDU. Obwohl ich kein CDU-ler bin, muss man die Größe haben und dies würdigen. Die neoliberale SPD hätte das nicht hin bekommen!

     
  10. 1. Giuseppe Heuvens

    Herzlichen Glückwunsch an meinen ehemaligen Karate-Schüler Christian Flaccus!!!