War Prinz Tobi der Träumende der letzte Klever Karnevalsprinz, der seine Regentschaft vor der imposanten Kulisse eines Festzelts feiern konnte? Kommt die Mehrzweckhalle in Materborn wieder zu den Veranstaltungen, die vor der Ära des Festzelts stets dort stattgefunden hatten? Fragen über Fragen, mit denen sich die Klever Karnevalisten mitten im Sommer beschäftigen müssen. Denn fest steht: Der bisherige Veranstalter der Groß-Partys und -Sitzungen, das Unternehmen Kle-Event, wird nach elf Jahren (!) den Vertrag mit dem Klever Rosenmontagskomitee (KRK) auslaufen lassen und für die neue Session kein Gebot mehr abgeben – das wirtschaftliche Risiko sei zu groß, heißt es in einer Erklärung, die Kle-Event und KRK gemeinsam herausgaben.
Nach dem Aus für das Oktoberfest nun also die zweite zeltgebundene Großveranstaltung, die Kle-Event cancelt. (Stattdessen konzentriert sich das Unternehmen offenbar auf die Schwanenburg, wo man sich mit dem Möhneball sogar selbst Konkurrenz machte und auch sehr erfolgreich einen „Tanz in den Mai“ etablierte.)
Nach elf Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit endet die Tätigkeit der Kle-Event GmbH als Veranstaltungsdienstleister für den Klever Zeltkarneval.
Das Unternehmen wird sich nicht erneut um die Durchführung der Veranstaltungsreihe bewerben. Gleichzeitig betonen die Kle-Event GmbH und das Klever Rosenmontagskomitee ausdrücklich ihr gemeinsames Ziel, den traditionsreichen Klever Zeltkarneval auch künftig zu erhalten.
Grundlage der Zusammenarbeit war zunächst ein auf zehn Jahre angelegter Vertrag über die Durchführung des Klever Zeltkarnevals. In dieser Zeit hat sich die Veranstaltungsreihe zu einem festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens der Stadt entwickelt und Jahr für Jahr
tausende Besucherinnen und Besucher begeistert. In den vergangenen Jahren haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen jedoch
spürbar verändert. Die erheblichen Kostensteigerungen seit der Corona-Pandemie sowie die Auswirkungen der allgemeinen wirtschaftlichen und geopolitischen Entwicklungen haben dazu geführt, dass eine wirtschaftlich tragfähige Durchführung zunehmend schwieriger wurde.
Vor diesem Hintergrund vereinbarten Kle-Event und das KRK bereits im vergangenen Jahr eine deutlich intensivere Zusammenarbeit. Ziel war es, sämtliche organisatorischen und infrastrukturellen Möglichkeiten auszuschöpfen, um den Veranstaltungsbetrieb wirtschaftlich weiter zu optimieren. Dabei haben zahlreiche dem KRK angeschlossene Mitgliedsvereine einen außerordentlichen Beitrag geleistet. Ebenso verdient die jederzeit konstruktive Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister besondere Anerkennung. Diese Maßnahmen führten insgesamt zu einer deutlichen Verbesserung des wirtschaftlichen Ergebnisses.
Gleichwohl reichte Kle-Event diese Entwicklung letztlich nicht aus, um das mit
einer Durchführung verbundene wirtschaftliche Risiko dauerhaft verantworten zu können. Seit März dieses Jahres führten Kle-Event und das KRK intensive, transparente und von gegenseitigem Vertrauen geprägte Gespräche. Ziel war es, sämtliche Abläufe, Kostenstrukturen und Erlösmöglichkeiten detailliert zu analysieren und weitere
Optimierungspotenziale zu identifizieren.
Geschäftsführer Christian Nitsch erklärt hierzu: „Kein Deckel, keine Quittung und kein einzelner Vorgang blieb bei unserer gemeinsamen
Nachbetrachtung unberücksichtigt. Gemeinsam haben wir jede Position hinterfragt und alle denkbaren Optimierungsmöglichkeiten geprüft. Das Ergebnis reicht jedoch nicht aus, um die Durchführung auch künftig ohne verlässlich zusätzliche Ertragsquellen wirtschaftlich verantworten zu können.“
Kle-Event und das KRK sind sich darüber hinaus einig, dass eine wirtschaftliche Lösung nicht über weitere Preissteigerungen erreicht werden kann. Bereits heute bewegen sich Eintrittspreise sowie die Preise für Speisen und Getränke auf einem Niveau, das nach Einschätzung beider Partner die Belastungsgrenze vieler Besucherinnen und Besucher erreicht. Eine weitere Anhebung der Preise würde nach gemeinsamer Bewertung eher zu einer
sinkenden Nachfrage führen und das wirtschaftliche Risiko zusätzlich erhöhen.
In den vergangenen Wochen haben Kle-Event und das KRK den Bürgermeister frühzeitig und vertraulich über die wirtschaftliche Situation informiert. Alle Beteiligten verfolgen weiterhin das gemeinsame Ziel, den Klever Zeltkarneval auch in der kommenden Session sicherzustellen und arbeiten konstruktiv an möglichen Lösungen.
Abschließend erklärt Christian Nitsch: „Nach sorgfältiger Abwägung müssen wir heute mitteilen, dass Kle-Event keine Bewerbung zur Fortführung des im vergangenen Jahr ausgelaufenen Vertrages abgeben wird. Diese
Entscheidung ist uns nach elf erfolgreichen Jahren alles andere als leichtgefallen. Sie ist Ausdruck unternehmerischer Verantwortung und kein Ausdruck mangelnder Überzeugung für den Klever Karneval. Wir danken dem KRK, seinen Mitgliedsvereinen, allen Ehrenamtlichen, den vielen Partnern und Sponsoren sowie den Besucherinnen und Besuchern für das
entgegengebrachte Vertrauen in den vergangenen elf Jahren.“
Der Vorsitzende des Klever Rosenmontagskomitees, Jochen van Heek, erklärt abschließend: „Die Zusammenarbeit zwischen dem KRK und Kle-Event war so eng, vertrauensvoll und transparent wie nie zuvor. Dafür sind wir sehr dankbar. Wir respektieren die unternehmerische Entscheidung von Kle-Event ausdrücklich. Gleichzeitig werden wir gemeinsam mit allen Beteiligten alles daransetzen, den Klever Zeltkarneval auch künftig als festen Bestandteil
unseres gesellschaftlichen Lebens zu erhalten. Der Karneval in Kleve lebt – und dafür werden wir uns mit ganzer Kraft einsetzen.“

