Lindenhof-Erlebnisgastronomie (43 Minuten für einen Eiskaffee)

rd | 19. Juli 2010, 13:03 | 2 Kommentare

Slow Food

“Zwischen Donsbrüggen und Mehr hat ein neues Café aufgemacht, sehr groß, mit schönem Garten.” So oder ähnlich hörte ich es seit zwei Wochen von Freunden, und auch eine kritische Stimme war dabei: “Lausiger Service.” Aber der Kritiker hatte unrecht – gar kein Service trifft die Sache eher.

Gäste, die an dem an der Mehrer Straße linkerhand gelegenen Café Lindenhof am Sonntag gegen 15 Uhr eintrafen, erfreuten sich zunächst an einem großzügig und mit Geschmack gestalteten Bauernhofgelände mit altem Baumbestand, in dem hier da verteilt Tische mit Stühlen oder Bierzeltgarnituren standen. Die schönsten Sitzgelegenheiten gab es unter einer Schatten spendenden Sauerkirsche mit Blick auf einen idyllisch angelegten Teich, um den Frösche hüpften.

Nach dem ersten Rundgang kamen die Gäste auf die Idee, etwas zu trinken. Und das Desaster begann. Besucher mussten sich in eine Schlange von DDR-Ausmaßen vor der einzigen, recht knapp dimensionierten Ausgabetheke einreihen. Die Frau an meinem Tisch sagte, sie warte bereits seit einer halben Stunde auf ihren Mann. Als der wenige Minuten später zurückkam, berichtete er, ihm sei von verzweifelten Wartenden am Ende der Schlange “das Doppelte” für seine beiden Heißgetränke geboten worden. Andere kapitulierten. Wieder andere bekamen statt zwei Tassen Kaffee nur eineinhalb – weil der gerade aufgebraucht war.

Immerhin reichlich Gesprächsstoff: “Da braucht man ja Thrombosestrümpfe, wenn man sich anstellt.” – “Das nächste Mal bringe ich mir meinen Kaffee selber in einer Thermoskanne mit.” – “Hoffentlich erkennt man seine Begleiter noch, wenn man wieder zurückkehrt.” Usw. Da wird der Niederrheiner sehr kreativ, wenn es darum geht, aus einem solchen Fiasko noch sarkastische Funken zu schlagen.

Mein Eiskaffee kam nach handgestoppten 43 Minuten (Cappucino: 2,00 Euro; Eiskaffee: 3,20 Euro, montags Ruhetag).

Ich glaube, wenn jemand gewagt hätte, den auf Hinweistafeln offerierten Flamkuchen zu bestellen, wäre eine Revolution ausgebrochen.

Da es sich um eine Neueröffnung handelte und man überdies dem aus Düsseldorf stammenden (branchenfremden?) Gastronom zugute halten sollte, dass er vermutlich von seinem eigenen Erfolg überrannt wurde, scheint mir allerdings, dass das Café Lindenhof eine zweite Chance verdient hat. Es ist allerdings auch im schlimmsten Stress nicht verboten, mit ein bisschen menschelnder Ansprache die brodelnden Massen für sich einzunehmen und zu besänftigen.

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  1. 2. Michael Loock

    Hatte heute das Vergnügen mit meiner Frau an der Lindenhof-Valentinstag-Aktion teilzunehmen !

    Nächstes Jahr gibt´s wieder Blumen….

     
  2. 1. klevesehrgern

    Na, da bin ich mal gespannt: Werde im September als Gast einer Hochzeitsfeierlichkeit den Service dieser Lokalität erleben dürfen. Hoffe doch, dass es dann “fluppt”!