Landgericht: „Ein schlichter und ordinärer Betrug“

rd | 14. März 2014, 15:39 | 3 Kommentare

Wenn es um Anlagebetrug geht, heißt es oft, das Geld der Anleger sei „weg“. Aber Geld ist nie einfach so weg, es haben halt einfach nur andere. Fünf dieser anderen sitzen am Freitag Mittag auf der Anklagebank des Saals A110 im Klever Landgericht, um ihr Urteil entgegenzunehmen.

Es handelt sich um einen Bergtechniker, zwei Bauschlosser, einen Bankkaufmann und einem Versicherungsmakler, die in Dutzenden von Fällen gutgläubige Menschen um ihre Ersparnisse brachten – und die dafür jetzt von der Wirtschaftsstrafkammer wegen Betrugs und Beihilfe dazu zu Haftstrafen zwischen einem und viereinhalb Jahren verurteilt wurden.

Vor Gericht präsentierten sich mehrere der Angeklagten als graue Mäuse, unauffällig gekleidet, so, wie man sich vielleicht einen Berater im Baumarkt vorstellt. Ganz anders sahen sie aus, als sie in niederrheinischen Hotels Werbeabende für ihre angeblich bahnbrechende Geschäftsidee abhielten. Da trugen sie teure Anzüge, und zur Krönung des ganzen Events fuhr der „Gewinnmessias“ Robert H. (so der Vorsitzende Richter Christian Henckel) in Nobelkarossen vor und schwadronierte von Millionensummen – ein sorgsam inszenierter Auftritt, der belegen sollte, dass die versprochenen, so genannten „Hochertragsgeschäfte“ auch tatsächlich Substanz hatten.

Kein Wort davon war wahr, alles nur Show.

Es war das Verdienst der wochenlangen Verhandlungen und der Urteilsbegründung, das der verquaste Wortnebel, der das Treiben der Angeklagten verschleierte, weggerissen wurde. Es gab kein „Trading“, keine „Hebelwirkung“ und eben auch keine „Hochertragsgeschäfte“. Stattdessen, so Henckel, sei es ganz einfach: „Meine Herren, Sie sind alle Betrüger, es handelt sich um einen schlichten und ordinären Betrug. Das war recht skrupellos.“

Wie aber funktionierte die Masche der Männer aus Kamp-Lintfort, Mönchengladbach, Amriswil (Schweiz), Krefeld und Kempen?

Sie präsentierten den Opfern ein schillerndes Unternehmen, die Nato Gold Capital Finance Group Inc. aus Carson City (Nevada) – nicht mehr als eine Briefkastenfirma, wie die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergaben. Diese Nato Group warb Kunden mit dem Versprechen, das fehlende Eigenkapital zu einer Immobilienfinanzierung mit Hilfe der ominösen Hebelwirkung aus anderen Geschäften zu beschaffen. Dazu mussten die Opfer nur ein wenig vorfinanzieren und eine so genannte „Zinsvorauszahlung“ leisten. Mal sollten binnen weniger Monate aus 16.000 Euro 400.000 werden, mal aus 50.000 Euro 1,2 Millionen. „Das erinnert ein wenig an Monopoly“, so Henckel.

Mehr als 30 solcher „Geschäfte“ kamen ab Juni 2008 zustande, die meisten bis zum Frühjahr 2009, ein letztes sogar noch über ein Jahr später, als die Ermittlungen schon längst liefen. Die Opfer kamen aus dem gesamten Bundesgebiet, die meisten allerdings aus dem Rheinland. „Die Anleger zu berauschen, diese Klaviatur beherrschten sie offensichtlich perfekt“, so das Gericht – unter anderem, indem ein angeblicher Termindruck aufgebaut und die Opfer zur Verschwiegenheit verpflichtet wurden.

Gemeinsam war diesen Geschäften, so das Gericht, nur eines: „Um ernst gemeinte Kapitalbeschaffung für die Anleger ging es nicht.“ Denen sei zwar das Blaue vom Himmel versprochen worden, das eingenommene Geld sei jedoch sofort anderweitig verbraucht worden – unter anderem für Möbeleinkäufe. Insgesamt stellte das Gericht einen Schaden von 650.000 Euro fest. Der größte Einzelfall belief sich auf 150.000 Euro.

Für den Haupttäter Robert H. (49) hatte Staatsanwältin Melchers-Pavlovic eine sechsjährige Freiheitsstrafe gefordert, sein Verteidiger Dr. Karl Haas plädierte hingegen für eine Bewährungsstrafe. Haas sah auch eine Mitschuld bei den Opfern, die allzu leichtgläubig den hochtrabenden Versprechungen getraut hätten.

Dem mochte das Gericht nicht folgen. Es verurteilte die Angeklagten zu Haftstrafen, die in zwei Fällen zur Bewährung ausgesetzt wurden. Die Opfer, die teilweise ihre gesamten Ersparnisse verloren, werden trotz des eindeutigen Urteils mit einem betrüblichen Umstand leben müsse: Für sie ist ihr Geld tatsächlich und tragischerweise – weg.

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3 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 3. Konfuzius a. D.

    Herr “Dr.” Robert H.: https://www.youtube.com/watch?v=2QHGw5tbzlc&feature=player_embedded

    Offenbar, ich scherze natürlich, stand Europa abgesehen von der Krim vor weitaus größeren “Veränderungen”. Trotzdem: Mir macht die geballte Intelligenz der Anleger/innen alias vermutlich Geschädigten etwas Angst. Nicht das ich irgendwann auch wie mein Großvater mit einem Helm auf dem Kopf in die Region muss. Ihr habt doch nur Kies und kein Oel, Moment mal – das Bernsteinzimmer. Bergbau?

     
  2. 2. Thomas G

    Ein Gewinnfaktor von 25 oder 24 wird innerhalb weniger Monate versprochen und da fallen echt noch Menschen drauf herein? Selbst eine Wahrsagerin auf einem Kirmes-platz ist seriöser.

     
  3. 1. Auditor

    „Mal sollten binnen weniger Monate aus 16.000 Euro 400.000 werden, mal aus 50.000 Euro 1,2 Millionen.“ Ha ha, klingt tatsächlich seriös. Aber Gier frisst bekannterweise Hirn, daher haben die nächsten Täter sicher schon die Anzüge gebügelt und die zukünftigen Opfer schlachten bereits fleissig Sparschweine.