Morgen kann der Niederrheiner gleich zwei Himmelsspektakel erster Güte erleben, wobei wir hier den Perseidenschauer, also eine solche Menge von Sternschnuppen, dass normal veranlagte Menschen mit dem Wünschen nicht mehr hinterherkommen, dessen Maximum ab ca. 23 Uhr zu erwarten ist, einmal weglassen und uns gleich der ungleich dramatischeren Sonnenfinsternis zuwenden, bei der der Mond in unseren Breiten die Sonne zu 88 Prozent verdeckt (in Spanien komplett).

Der Punkt der maximalen Verdeckung wird gegen 20:10 Uhr erreicht, und das macht die Sache etwas tricky, denn in bebauter Umgebung ist es gut möglich, dass der Fixstern dann schon hinter der Fassade des Nachbarhauses verschwunden ist und man lediglich eine spürbare Verfinsterung wahrnimmt. Wer mehr sehen will, braucht eine freie Sicht in Richtung Nordwesten, also entweder von einer erhöhten Warte aus (Schwanenturm wäre ideal, oder auch der Klever Aussichtsturm, aber das Restaurant Pater et Filius hat bis zum 19. August Betriebsferien) oder aber in die Fläche gehen.
kleveblog hat am Sonntag in einer längeren Recherche zwei Top-Orte identifizieren können: Von Brienen bis Griethausen, von der Schleuse bis zur Althreinbrücke dürfte sich ein guter Blick auf das Himmelsschauspiel ergeben, oder aber direkt am Rheinufer (hinter Salmorth). Das Foto oben zeigt, wo die Sonne gegen 20:20 Uhr am Himmel steht – noch gut sichtbar über dem Horizont. Platz ist da genug, allerdings sollten sich Autofahrer vorher darüber im Klaren sein, dass es in Salmorth nur wenige Parkplätze gibt und von dort ein längerer Fußweg erforderlich ist, um zum Ufer zu gelangen.
Ab 19:18 Uhr schiebt sich in NRW der Mond vor die Sonne, gegen 21 Uhr ist alles wieder vorbei. Wer selbst prüfen möchte, ob er etwas sieht: Morgen um 20:10 Uhr steht die Sonne in Kleve mit einem Winkel von 7,1° über dem Horizont.
Wie wird das Wetter? Aller Voraussicht nach ideal, Stand heute verdecken keine Wolken die Sicht auf die kosmische Verdeckung:

Ganz wichtig: Wer seine Augen nicht ruinieren will, benötigt eine Sonnenfinsternis-Brille. Die Optiker in Kleve haben keine mehr. Entweder, man hat also noch eine von einer früheren Sonnenfinsternis in der Schublade liegen oder man hat einen guten Freund mit einer Brille, der einen auch mal gucken lässt. Bitte nicht, niemals!, wie Donald Trump mit offenen Augen in die Sonne gucken!
Natürlich möchte der moderne Mensch ein solches Ereignis auch für alle seine Freunde in den sozialen Netzwerken festhalten – aber wie. Das ist gar nicht so einfach, und auf gar keinen Fall mit der Handykamera einfach so in die Sonne zoomen! Das kann – kein Witz! – den Sensor verbrutzeln. Für gute Fotos mit dem Handy empfiehlt sich folgende Vorgehensweise: Folie (entweder Spezialfolie oder die aus einer Sofibrille) vor die Linse kleben, 5 x Zoom, ISO 50 oder 100, Verschlusszeit 1/1000 s, Fokus unendlich, idealerweise mit Stativ. Dann sollte das Bild so aussehen: Tiefschwarzer Hintergrund, scharf begrenzte orange-gelbe Sichel. Ist die Sonne weiß, kürzer belichten. Ist sie dunkel, länger belichten.
Wie einzigartig ist das Ereignis? Bis zu einer ähnlich intensiven partiellen Sonnenfinsternis dauert es noch lange. Ein ähnlich hoher Bedeckungsgrad wie morgen wird erst am 13. Juli 2075 wieder erreicht, so das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Eine vollständige Verdunkelung werden die jetzt in NRW lebenden Menschen hier nicht mehr bewundern können: Sie findet am 7. Oktober 2135 statt.

