Der Unfall vom Dienstag Mittag an der Kreuzung Emmericher Straße/Postdeich wird aus Sicht der Behörden vermutlich als das tragische Augenblicksversagen eines 24 Jahre alten Kraftfahrers aus Spanien behandelt werden, der beim Rechtsabbiegen auf die Straße Postdeich einen 59 Jahre alten Radfahrer übersah, der die Emmericher Straße geradeaus weiter befahren wollte, und diesen Mann tödlich verletzte.
Auf dem Asphalt ist noch die Silhouette des Fahrrades an der Unfallstelle in Orange aufgesprüht. Am Tag nach dem Unfall suchte die Polizei mit einem neuen Aufruf nach weiteren Zeugen, um das Geschehen aufzuklären.
Aber zwei Tage nach dem Unfall lässt sich auch schon sagen, dass das tragische Geschehen auf jeden Fall begünstigt wurde durch eine Kreuzung, die seit Jahren eine Gefahrenstelle ist und den Erfordernissen zunehmenden Radverkehrs überhaupt nicht mehr entspricht.

Was ist an der Kreuzung im einzelnen zu bemängeln? Es gibt drei Lichtzeichen – eines für den Kraftfahrzeugverkehr, eines für die Radfahrer und eines für die Fußgänger. Alle drei Signale springen gleichzeitig auf Grün, aber das für die Fußgänger wird einige Sekunden vor den anderen wieder Rot. Die Signale für Radfahrer hängen unmittelbar nebeneinander, das für die Fußgänger am Überweg. Die Radfahrer werden aber gemeinsam mit den Fußgängern über die Straße geführt.
Das ist schon seit Jahren so, und Kommentare auf Facebook zu dem Unfall zeigen, dass Nutzer dieser Kreuzung sich genauso lange auch schon darüber aufregen. Gut möglich also, dass der Lkw-Fahrer nur die rote Fußgängerampel gesehen hat, keinen querenden Radfahrer mehr vermutete und den 59 Jahre alten Mann in seinem toten Winkel gar nicht mehr wahrnehmen konnte.
Es ist an dieser Kreuzung auch nicht so, dass die Radfahrer ein paar Sekunden eher Grün signalisiert bekommen (wie zum Beispiel an der Kreuzung am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium), ein kleiner, aber cleverer Kniff, der Radfahrern genau den Vorsprung gibt, nicht von einem nach rechts abbiegenden Autofahrer übersehen zu werden. Und, wie schon beschrieben, für eine klar erkennbare Fahrradspur (neuerdings beispielsweise an der Einmündung Arntzstraße) hat das Geld wohl auch nicht mehr gereicht.
Dass Radfahrer durch nach rechts abbiegende Lastkraftwagen und Busse getötet werden, ist in Deutschland nach wie vor nicht ungewöhnlich. Zwischen 20 und 30 Radfahrer kommen auf diese Weise pro Jahr ums Leben. Seit 2024 ist immerhin ein Abbiegeassistent vorgeschrieben, allerdings nur für neu zugelassene Lastwagen. In Europa sind aber noch Millionen älterer Lkw unterwegs, für die die Nachrüstung freiwillig ist. Wenig überraschend scheuen die Spediteure Ausgaben, zu denen sie nicht gezwungen sind. Sie belaufen sich auf 1500 bis 2500 Euro pro Gerät.
Gut möglich aber, dass am Ende der Ermittlungen nur bleibt, dass der Vorwurf der „fahrlässigen Tötung“ gegen den Lkw-Fahrer erhoben wird – die viel größeren strukturellen Unzulänglichkeiten aber einmal mehr komplett ausgeklammert werden.
Hier die Originalmeldung der Polizei vom Dienstag:
Am Dienstag (22. September 2026) ereignete sich auf der Emmericher Straße (B220) ein Verkehrsunfall, bei dem ein 59-jähriger Radfahrer tödlich verletzt wurde. Ein 24 Jahre alter LKW-Fahrer aus Spanien befuhr gegen 13:20 Uhr die Emmericher Straße in Richtung Kleve. An der Ampelanlage an der Kreuzung zum Postdeich wollte er mit seiner Zugmaschine nebst Anhänger nach rechts in den Postdeich abbiegen. Dabei kam es aus bislang noch unklarer Ursache zum Zusammenstoß mit einem in gleicher Richtung fahrenden 59-jährigen Radfahrer, der in diesem Moment die Einmündung zum Postdeich querte. Der Mann aus Kleve wurde von dem LKW erfasst und erlitt schwerste Verletzungen. Er verstarb noch an der Unfallstelle. Das Verkehrsunfallaufnahme-Team der Kreispolizeibehörde Kleve ergriff die Maßnahmen zur Unfallaufnahme. Beamte vom Opferschutz der Polizei Kleve wurden hinzugerufen, um die Angehörigen des 59-Jährigen zu benachrichtigen. Zudem waren Notfallseelsorger und ein Opferschutz-Team der Bundespolizei vor Ort, um sich um den körperlich unverletzten LKW-Fahrer und Augenzeugen des Unfalls zu kümmern.
Der LKW wurde auf Anordnung der Staatsanwaltschaft sichergestellt.


“ Tragischer Tod“ ! Sich täglich widerholende Entschuldigung für jede , JEDES menschlich + behördliches Versagen, nicht nur auf deutschen Straßen. 😢 😠