(Aktualisiert, mit Theorie zum Unfallhergang) Die Mitarbeiter des Finanzamts Kleve stehen noch immer unter Schock, denn der 59 Jahre alte Radfahrer, der am Dienstag der vergangenen Woche an der Kreuzung Emmericher Straße/Postdeich bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, war ein Kollege von ihnen. Er war an diesem Tag wie schon seit vielen Jahren mit seinem Fahrrad von seinem Zuhause in der Nähe des Kaufland-Marktes unterwegs zu seiner Arbeitsstelle. Die Strecke kannte er aus dem Effeff, er war mit all ihren Gefahrenpunkten vertraut.
Der Tag, an dem der Unfall passierte, hätte für Ralf K. ein besonders schöner werden sollen. In der Behörde waren schon alle Vorbereitungen für eine kleine Feier getroffen worden. Der Finanzbeamte sollte ausgezeichnet werden, weil er in seinem Team vom Finanzamt bei der Aktion „Stadtradeln“ einen Bestwert erreicht hatte: Ralf K. hatte die meisten Kilometer zurückgelegt. Beim Stadtradeln notieren verschiedene Teams aus Behörden, Unternehmen und anderen Gruppen ihre auf dem Fahrrad zurückgelegten Kilometer.
Im Kreis Kleve hatten in diesem Jahr während der dreiwöchigen Aktion, die von Ende Mai bis Mitte Juni lief, 8806 Personen teilgenommen und insgesamt rund 1,6 Millionen Kilometer zurückgelegt. Ralf K. war einer von ihnen, und in seiner Behörde wurde seine Kilometerleistung von keinem anderen Mitarbeiter übertroffen. Gewonnen hatte die Mannschaft der Kreisverwaltung.
Die Länge der zurückgelegten Strecke, die Vertrautheit mit der speziellen Route – all dies macht den Unfall vom vergangenen Dienstag nur noch rätselhafter. Ralf K. war ein passionierter und routinierter Radfahrer, der wusste, was er tat. Und doch geschah es, dass er gegen 13:20 Uhr an der Kreuzung von einem Lastwagen erfasst wurde. Der Fahrer des Lastwagens, ein 24 Jahre alter Mann aus Spanien, hatte beim Rechtsabbiegen den geradeaus fahrenden Radler nicht bemerkt und mit seinem Wagen erfasst. Ralf K. war noch auf der Stelle tot, vor den Augen einiger Schulkinder, die nach Schulschluss an der Ampelkreuzung warteten.
Die Polizei sucht weiter Zeugen, um den Unfall aufzuklären. Die Kreuzung selbst gilt vielen Radfahrern wegen der versetzten Ampelschaltungen für Radfahrer und Fußgänger und der verwirrenden Montage der Lichtzeichen als gefährlich. K. war offensichtlich im toten Winkel des Lastwagens, als dieser den Abbiegevorgang startete. Allerdings war das Opfer mit der Situation an der Kreuzung so vertraut, dass er unter normalen Umständen trotz Vorfahrt den abbiegenden Lastwagen hätte passieren lassen. Zwei Möglichkeiten sind denkbar: zum einen, dass der Lkw-Fahrer vergessen hatte, den Blinker zu setzen; zum anderen, dass der Lkw-Fahrer, um mit seinem Gespann um die Kurve zu gelangen, zunächst ein Stück weit geradeaus gefahren ist und erst relativ spät das Lenkrad eingeschlagen hat – wodurch beim Radfahrer der Eindruck entstanden sein mag, der Lastwagen fährt geradeaus.


@9
Auf die Frage“Was macht die Klever Politik?
siehe z.B. die öffentl.Ratssitzung des Ausschusses für Verkehrsinfrastruktur vom 26.2.26
Ich hatte eigentlich damit gerechnet, das so „Einiges “ in nichtöffentlichen Feedbackgesprächen bei den Ratsmitgliedern nochmals hinterfragt wird.
@13 u.a.
Ein zeitversetztes, früheres Losfahren der Radfahrer ist zwar sehr sinnvoll. Aber was ist mit Radfahrern, die noch schnell – mit E-Bike oder gar Rennrad-Speed – angefahren kommen just in dem Moment, in dem die Fahrrad-Ampel auf rot springt? Diese Radfahrer können dann (und müssen auch) nicht mehr bremsen, sondern fahren zu recht in die Kreuzung ein, auf der dann – bei stockendem oder zähfließendem Autoverkehr – gerade jemand nach rechts abbiegen möchte. Rummms, der nächste Unfall.
So jetzt kommt ein Fahrradfahrer von Emmerich aus an die Kreuzung . Das ist eine normale Ampelanlage. Der Fahrradfahrer fährt auf seiner Spur durch zusammen mit den Autos. Jetzt ist aber folgendes Problem: Der Fahrradfahrer hat einen eigenen Signalgeber, fährt aber gleichzeitig mit den Autos. Mit den verschiedenen Lichtzeichen hat es dann doch etwas zu tun. Der eigene Signalgeber ist wohl schon vor längerer Zeit installiert worden, ist aber nie umprogrommiert worden, dass der Fahrradfahrer zeitversetzt früher los fährt.
In der Regel fahren die LKW hier nicht nach links, um auszuholen. Sondern die LKW fahren ein Stück weiter geradeaus als die wendigen PKW, und dann erkennt man erst sehr spät, dass sie abbiegen. Blinker vergessen zu setzen und relativ spät abbiegen, sind auch zwei verscheidene Angelegenheiten. Kann durchaus sein , dass beides passiert ist: spät abiegen und vergessen Blinker zu setzen. Die Fahrradfahrer haben eine eigene Spur . Die fahren einfach durch bei Grün. . Die Fussgänger haben eine eigene Ampel und einen eigenen Übergang. Das wird nicht das Problem an der Sache sein.
Mit der versetzten Ampel für Fussgänger und den verschiedenen Lichtzeichen hat deshalb wahrscheinlich nichts zu tun. Das ist alleine das allgemein bekannte Problem, dass ein LKW Fahrer beim Abbiegen einen Fahrradfahrer übersehen kann.
@9
Die Stadt Kleve ist für diese Kreuzung/Ampelanlage nicht zuständig. Das hat mit der Zuordnung der Straße zu tun. Die Emmericher Straße, auch B220 genannt, ist eine Bundesstraße.
Zurzeit ist auch Kleve auswärts die Signalampel für die Radfahrer defekt (abgefahren). Als Radfahrer ist man also auf sein optisches Wahrnehmen nun angewiesen, beim überqueren der Einmündung von der Wilhelmsstraße.
Was Straßen.NRW, als Verantwortliche für diese Kreuzung, heute gemacht hat ist, ein deutliches Blinklicht in Orange auf zustellen mit einem Zusatzschild, das dort auf Radfahrer geachtet werden muss.
@rd da wirst du nicht alleine sein, wenn ich sehe wie viele Radfahrer bis zur Signalampel der Fußgänger weiterfahren und nicht auf der Spur bleiben.
Vielleicht gibt es ja noch etwas rote Farbe, dass man die Spur der Radfahrer wie an anderer Stelle auch, hier deutlich einfärbt.
@9. Getrennte Ampelphasen: die Stadt Kleve ist meines Wissens nicht zuständig.
Aber eine einfache und schnelle Lösung wäre, wenn die Wartelinie für den KFZ-Verkehr um 5 bis 10 m vorgeholt würde. Dann könnten abbiegende Fahrzeuge die wartenden Radfahrer besser wahrnehmen.
@7
Ich kenne diese Kreuzung mit dem Fahrrad nicht gut.
Aber wenn es einem schon beim Lesen völlig unübersichtlich vorkommt, stimmt was nicht.
Eigentlich müssten die rechtsabbiegenden Kraftfahrzeuge umgehend eine von Fußgängern und Radfahrern völlig getrennte Ampelphase erhalten. Auch wenn dann eine längere Wartephase entsteht.
Was macht die Klever Politik?
@A. Ich hab’s mir noch mal angeschaut, und ich bin trotz jahrzehntelanger Radfahrübung und tausendfacher Nutzung der Kreuzung nicht auf die Idee gekommen, dass der linke Teil dieser Querung den Radfahrern zugedacht war.
@6
Tatsächlich hängen direkt neben den Signalzeichen für Kraftfahrzeuge die Lichtsignale für Radfahrer. Wie @2 bereits schrieb, befindet sich die Haltelinie für Radfahrer auf Höhe der Haltelinie für die Autofahrer. Die Lichtsignale für Auto- und Radfahrer sind dabei gleich geschaltet.
@RD: Der Radfahrer wird entgegen der Annahme nicht auf den Fußgängerüberweg geleitet, sondern bleibt neben der Fahrbahn in seiner eigenen Spur.
Die Fußgänger-Lichtsignale sind davon unabhängig und weiter in den Postdeich versetzt. Sie werden, nachdem die Linksabbieger der Gegenrichtung Rot erhalten haben, etwas früher grün als die Lichtsignale für Auto- und Radfahrer. In etwa dann werden sie auch wieder rot, wenn die Linksabbieger in Richtung Wilhelmsstraße Grün bekommen.
Die Situation an dieser Kreuzung ist leider wirklich undankbar und problematisch – insbesondere derzeit, wo die Lkw dort rechts in den Postdeich einfahren. Der Winkel ist für die Fahrer schlecht. Sie fahren deshalb oft zunächst (verständlicherweise) etwas nach links, um ausreichend Raum zum Rechtsabbiegen zu haben. Hinzu kommt der tote Winkel.
Genau diese Situation kann selbst bei geübten Radfahrern leider dazu führen, dass es zu Fehlentscheidungen kommt. Gleichzeitig kann der Lkw-Fahrer den Eindruck gewinnen, dass sich kein Radfahrer im Gefahrenbereich befindet. Ebenso vergessen leider viele Fahrzeugführer zu blinken. Ein Radfahrer rechnet dann möglicherweise gar nicht damit, dass ein Fahrzeug abbiegt und während seiner eigenen Grünphase den Postdeich quert.
Ich überquere diese Kreuzung täglich mit dem Rad und habe selbst schon einige gefährliche Situationen erlebt. Teilweise wurde ich dabei sogar beschimpft. Selbst defensives Fahren hilft dort leider oft nur bedingt.
Als Radfahrer würde ich mir wünschen, dass sich Straßen.NRW die gesamte Emmericher Straße einmal anschaut und prüft, wo die Situation entschärft werden kann. Auch die Ampelkreuzung bei Aldi hat ähnliche Tücken. Gleiches gilt für den Bereich an der Sparkasse, da auch dort die Lichtsignale für Kraftfahrzeuge für Radfahrer gelten – erkennbar unter anderem an der Haltelinie auf dem Radweg.
Dort habe ich schon mehrfach erlebt, dass ich für mich noch bei Grün die Haltelinie überqueren konnte, an der zu querenden Straße angekommen aber die separat stehenden Lichtsignale direkt an der Kreuzung bereits Rot zeigten. Diese sind eindeutig nur für Fußgänger vorgesehen (lediglich das Fußgängersymbol, kein Fahrradsymbol). Theoretisch dürfte man als Radfahrer in dieser Situation noch fahren, praktisch kann das jedoch schnell gefährlich werden.
Den Angehörigen, Kollegen und Freunden des Verstorbenen wünsche ich viel Kraft. Letztlich wird ihn weder eine Diskussion über die Ampelschaltung noch die Suche nach einer Schuld zurückbringen. Umso wichtiger wäre es aus meiner Sicht, aus solchen Situationen Konsequenzen zu ziehen und die Kreuzung für alle Verkehrsteilnehmer sicherer zu machen.
Mir war das auch nie klar wenn ich an der Stelle über die Straße 🚲musste 🥴was gilt denn jetzt? Autofahrerampel? Oder Fußgängersignal ?! 🤔
„Radfahrer haben an dieser stelle auf die autofahrer ampel zu achten.“ (greg)
Was wollen Sie damit sagen?
Jeder Verkehrsteilnehmer muss auf „seine“ Ampelphase achten.
Wie geschrieben. Aber die Radfahrer werden auf die Fußgängerspur geführt. Das kann zu Missverständnissen führen.
Das Führen harmloser Multitools wird Bürgern verboten, da man damit verletzen oder töten könnte.
Verpflichtende Assistenzsysteme für alle LKW, die tatsächlich Menschenleben retten könnten, da verzichtet man drauf.
… aber beim nächsten, kassenfüllenden Blitzmarathon die Verkehrssicherheit heuchelnd als Ziel benennen.
Die ampelschaltung an dieser stelle ist versetzt für fussgänger. Radfahrer haben an dieser stelle auf die autofahrer ampel zu achten. Die haltelinen der radfahrer ist auf einer Höhe mit der der autofahrer.
Mal eben ! Wenn man jetzt auch das Ziel des Unfall Opfer kennt , was ist das ein Zynismus des Schicksals , was für eine grausame Absurdität. 😠