Wer zur Zeit mit seinem Auto oder Fahrrad auf der städtischen Hauptschlagader Gruftstraße/Ringstraße unterwegs ist, dürfte einige Mühe haben, sich auf andere Verkehrsteilnehmer oder Signalanlagen zu konzentrieren, denn auf der Grünfläche vor der Ampelkreuzung mit der Römerstraße/Stechbahn buhlen mittlerweile 14 Bauzaunplakate um die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer und lenken den Blick vom Geschehen auf der Fahrbahn ab.
Der Klever an sich weiß, dass die Fläche gern für Werbung genutzt wird. Insbesondere zu Wahlkampfzeiten pflanzen die Parteien dort Wesselmänner, wie die freistehenden Plakate im Fachjargon heißen, in Serie, und dann kann da auch schon mal ein Dutzend politischer Botschaften auf den Verkehrsteilnehmer einprasseln. Aber 14 Plakate für zumeist Volksfeste, ohne jede Parteienwerbung, das ist für Kleve ein neuer Rekord! Die Grünfläche mit dem Wildblumenbeet ist kaum noch zu sehen.














- Wer von der Stechbahn kommt und Richtung Akropolis läuft, erblickt der Reihe nach
- die Einladung zum Tag der offenen Tür bei den Umweltbetrieben der Stadt Kleve (26. September)
- den Hinweis auf den Brocante-Markt in der Klever Innenstadt (27. September)
- ein Werbebanner der Strandbar 4190 (kann eigentlich mittlerweile weg, da geräumt)
- die Ankündigung für das „Verrückte Kneipen-Quiz“ (6. September in der Schwanenburg), verbunden mit einem Hinweis auf die Häusliche Pflege GmbH von Gabriele Janssen
- die Werbung für die Veranstaltung Rindern Beatz („Elektro Dance Hardstyle) am 19. September in der Begegnungsstätte Rindern
- die Ankündigung der Veranstaltung Donsbrügger Feuerzauber (4. September))
- das Plakat des Museums Kurhaus für seine Ausstellung des Malers Eberhard Havekost (noch bis zum 18. Oktober)
- eine Werbung für zwei Partys anlässlich der Kellener Kirmes (war schon, kann deswegen eigentlich auch weg)
- ein Banner für die Beachparty im Warbeyen (2. Oktober, oder wie es auf dem Plakat in lässiger Internationalität heißt: „Oct.02 Friday 8PM“)
- ein Banner „Zurück in die Zeit“, für eine Veranstaltung auf dem Kirmesplatz in Warbeyen am 3. Oktober
- eine großflächige Reklame für das Schützenfest in Keeken (25. bis 28. September)
- ein Plakat zum Nachhaltigkeitswettbewerb Klever Birne, dessen Gewinner am 10. September bekannt gegeben werden
- sowie die Werbung für das Oktoberfest in Donsbrüggen, das am 26. September stattfinden wird (das Plakat ziert ein bajuwarisch gekleidetes Pärchen, Mann und Frau halten jeweils eine Maß Bier in der Hand, die Frau trägt ein züchtig bis übers Dekolleté geschnürtes Dirndl).
Das ist eine beachtliche Menge an Informationen für eine Straßenkreuzung.. Klassifiziert man die beworbenen Veranstaltungen, ergeben sich interessante Schwerpunkte, deren Interpretation dem Leser selbst anheimgestellt werden mag. Zehn der 14 Veranstaltungen haben entweder Volksfest- oder Party-Charakter, dreimal geht es im weitesten Sinne um Teilhabe am öffentlichen Leben (Umweltbetriebe, Nachhaltigkeitspreis, Brocante-Markt) und einmal um Kultur im klassischen Sinne. Allerdings ist mir kürzlich ein Zitat des Malers Jonathan Meese untergekommen, der in einem Podcast folgendes von sich gab: „Mein Professor hat damals zu mir gesagt, das fand ich so liebevoll: Jonathan wenn du einfach hier nur Bier trinkt, jeden Tag mit Liebe und das einfach sagen kannst und aus Streits, dann ist das Kunst.“ So gesehen, sind elf der 14 Veranstaltungen kulturell, vorausgesetzt, das Bier wird mit Liebe getrunken.
Interessant ist auch die wirtschaftliche Betrachtung. Die Reichweite von Werbung wird im Tausender-Kontaktpreis (TKP) gemessen. Die Zahl besagt, wieviel es kostet, 1000 Konsumenten zu erreichen. Im Radio und in den sozialen Netzwerken liegen die Preise dafür sehr niedrig, unter anderem wegen der hohen Streuverluste. Zwischen drei und fünf Euro gelten offenbar als Standard. Das gute, alte Bauzaunplakat schlägt diese Werte mit links: Ein Plakat, das nur eine Woche an der Gruftstraße steht, erreicht mindestens 100.000 Autofahrer (mindestens 15.000 pro Tag, alle anderen Verkehrsteilnehmer nicht einmal eingerechnet). Die Kosten für ein Bauzaunplakat betragen rund 70 Euro. Der TKP beläuft sich also auf 70/100 Euro, also exakt 70 Cent. Effizienter geht es wohl kaum.
Die unheimliche Invasion der Bauzaunplakate an der Gruftstraße
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Wenn der Kassenwart der Stadt Kleve das liest und dann noch mit etwas Recherche feststellt, dass der TKP für Großwerbungen an Hauptstraßen durchaus bei 10-15 € liegt, dann wird bestimmt die Gebührenordnung ordentlich angepasst. Scherz beiseite: Mir sind die billigen Bauzaun-Konstruktionen auch schon negativ aufgefallen, zumindest die sollten verboten werden. Auch die Anzahl sollte reduziert werden. Man kann soviel beim Vorbeifahren garnicht erfassen.