„Die Ergebnisse nichtöffentlicher Sitzungen teilt die Stadt Kleve nicht mit“, schrieb heute Morgen Stadtsprecher Niklas Lembeck, nachdem gestern die öffentlichste nichtöffentliche Sitzung in der Geschichte des Klever Stadtrats stattgefunden hatte. Dafür klingelte heute Morgen beim Landwirt Christian Schulte Spechtel das Telefon, und am anderen Ende der Leitung war Bürgermeister Markus Dahmen. „Der Bürgermeister darf sich mit uns außergerichtlich einigen“, so der Landwirt nach dem Gespräch. Er sah den kurzen Dialog als eine „Chance“.
61 Minuten dauerte die Ratssitzung gestern, deren einziger Tagesordnungspunkt mit „Grundstückangelegenheiten – Hier: Potenzielle Gewerbeflächen“ etwas nebulös umschrieben war. Grundstücksangelegenheiten werden immer nichtöffentlich behandelt. Es ging darum, dass das amerikanische Logistikunternehmen Medline, seit 2016 im Klever Industriegebiet ansässig, sich vergrößern wollte. Dieser Wunsch besteht offenbar seit eineinhalb Jahren, ohne dass in dieser Sache viel unternommen wurde. Dann setzte das Unternehmen eine Frist bis zum 31. März, und plötzlich kam Bewegung in die Sache.
Östlich des Firmensitzes, der schon jetzt 40.000 Quadratmeter in Anspruch nimmt und damit das größte Gebäude in der Stadt ist, befindet sich freies Ackerland – ideal für eine Erweiterung. Doch es gehört faktisch Christian Schulte Spechtel, der seit gut zwanzig Jahren mit der Stadt im Clinch liegt. Hintergrund ist ein Grundstücksgeschäft, bei dem der Landwirt sich übervorteilt sah. So gelangte der vorgesehene Übergang des Areals in den Besitz der Stadt Kleve formal nie zu einem Abschluss, und die ganze Angelegenheit verschwand – sehr zum Verdruss von Schulte Spechtel, der sogar die Gerichte bemühte – in der Versenkung.
Doch man sieht sich immer zweimal im Leben, manchmal sogar dreimal. Schulte Spechtel traf die Stadt erstmals wieder, als er erlebte, dass sein Ackerland am Klever Ring als Gelände für die Landesgartenschau 2029 herhalten sollte. Das Problem: Mit ihm hatte vorher niemand gesprochen, und er hätte gern im gleichen Atemzug auch die Altlast erledigt gewusst. Es kam zu keiner Einigung, mit der Folge, dass die Landesgartenschau nun auf einem beträchtlich kleineren Gelände stattfinden muss.
Ein Jahr später musste die Verwaltung feststellen, dass ein erneuter Wunsch nach Land – diesmal vom Unternehmen Medline – schon wieder an Schulte Spechtel zu scheitern drohte. Das hätte zur Folge haben können, dass ein bedeutender Arbeitgeber mit rund 200 Beschäftigten seine Zelte in der Stadt Kleve abbricht. Und dies wiederum hätte den Ruf Kleves als verlässlicher Wirtschaftsstandort ramponiert. Deshalb nun die eilends zusammengerufene Ratssitzung, mit der sich die Verwaltung den Rücken freihalten wollte. Denn eine mögliche Einigung wird Geld kosten, das ist sicher.
Im Ergebnis soll nun Bürgermeister Markus Dahmen die Kuh vom Eis holen. Der, von den Querelen der vergangenen Jahrzehnte unbelastet, griff sofort zum Telefonhörer. Das war der Verwaltung in den anderthalb Jahren zuvor offenbar nicht möglich gewesen. Wie zu hören war, soll auch Kämmerer Klaus Keysers an der gestrigen Ratssitzung nicht teilgenommen haben.


Vermutlich war der Kämmerer deshalb nicht anwesend, weil auch er nicht weiß, woher das Geld für den Landwirt herkommen soll? Bei einem 20 Millionen Haushaltsloch, kein Wunder. Wie heißt es doch in einem Lied:
Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt, wer hat so viel Pinkepinke, wer hat so viel Geld?“…. Aber das unser Bürgermeister das Gespräch mit ihm gesucht hat, zeugt von Respekt. Da gab es schon andere Sheriffs in unsere Stadt mit anderen Ansichten….
Wenn Medline tatsächlich baut, sollte man sich das Ausmaß mal vor Ort ansehen.. Dann reicht das Grundstück bis an die ehem. Bahnlinie Kleve- Spyck heran. Unglaublich!!!
Ob unsere Stadtverordneten das so toll fänden, wenn dieses Grundstück an ihre Gärten heranreichen würde???? Wenn Medline abzieht, könnte die Metzgerei Quartier diese Halle fürs angrillen nutzen und weitere Events durch andere genutzt werden. Den Lärm an dieser Stelle stört doch niemanden… Thema Nachnutzung..
Zitat der Redaktion: „Das hätte zur Folge haben können, dass ein bedeutender Arbeitgeber mit rund 200 Beschäftigten seine Zelte in der Stadt Kleve abbricht.“
Wenn es denn so kommen würde das Medline Kleve verlassen würde, dann wäre das eben so! Will man sich in Kleve aus Angst vor Weggang nun ständig erpressen lassen?
Schöner wird das Gebiet durch Erweiterung auch nicht! Grünflächen sind mir ehrlich gesagt lieber.
Es würden sich sicherlich für die riesigen Hallen andere Interessenten finden lassen und auch da fließen dann Gewerbesteuern! Wieviel von den 200 Arbeitnehmern sind denn rein aus Kleve?
Und ganz nebenbei- ich kann Schulte Spechtel verstehen. Das sind seine Flächen, sein Eigentum und Kapital. Welcher Privatmann verkauft sein Grund und Boden unter Preis? Soweit ich weiß war Kleve da noch nie großzügig? Diese Karre zwischen den beiden Parteien liegt schon seit sehr vielen Jahren im Dreck und ob die da jemals wieder richtig raus kommt??