Schulausschuss: Erhebliche Montessoriressentiments

Gut besucht: Sitzung des Schulausschusses in der Stadthalle

Erheblichen Vorwürfen sah sie sich die Schulleiterin der Montessori-Schule, Betül Durmaz, in der Sitzung des Schulausschusses ausgesetzt. Nein, sie sei nicht aus Essen strafversetzt worden, sagte sie an einer Stelle in dem Gremium, „in der Wirtschaft heißt das heute Headhunting“. Seit die Schulkonferenz den jahrgangsübergreifenden Unterricht, eine zentrale Säule der Montessori-Pädagogik, abgeschafft hat, hagelte es Kritik. Damit beschäftigte sich nun auch die Politik, da die Schule an der Spyckstraße eine städtische ist. Die Zahl der Zuschauer in der Stadthalle zeigte, wie sehr das Thema Montessori die Eltern bewegt.

Was an Äußerungen fiel, belegte aber vor allem, dass es offenbar eine beträchtliche Kluft zwischen dem gibt, was die Befürworter der reformpädagogischen Ausrichtung sich wünschen und erträumen, und der Realität im Bildungsalltag. Nur acht der 14 Kollegen an der Schule haben überhaupt ein Montessori-Diplom. Die Schulleiterin auch nicht, dies könne an einer staatlichen Schule auch keine Voraussetzung sein, so die Schulleiterin. Ernüchternd ihr Satz: „80 Prozent der Eltern wissen nicht, dass eine besondere Pädagogik gefahren wird.“

Maria Montessori, über Büchern gebeugt (1913)

Die Schülerschaft habe sich komplett verändert, so Durmaz. Die Ergebnisse in einer Lernstandsüberprüfung seien desaströs ausgefallen. Der Antrag, den jahrgangsübergreifenden Unterricht abzuschaffen, sei bereits 2020 aus der Elternschaft gestellt worden. Nach der Aufhebung, so die Schulleiterin, sei sie in allen Klassen gewesen. Der Tenor bei den älteren Schülern: „Endlich lernen ohne die nervigen Kleinen“.

Unzufrieden mit der aktuellen Entwicklung war beispielsweise Hedwig Meyer-Wilmes (Grüne). Sie sei davon ausgegangen, dass die Schulleitung eine Vision entwickele. Und das Argument des Lehrermangels ließ sie nicht gelten: „Alle Schulen haben Probleme, Lehrer zu finden.“ Das Projekt müsse gelingen, die Klever Politik habe nicht umsonst 6,9 Millionen Euro in das Projekt gesteckt. Und, an Durmaz gewandt, Montessori habe mit ihrer Pädagogik eben wegen der Heterogenität der Klassen begonnen. Sie erwarte, dass der Beschluss zurückgenommen werde.

Auch Daniel Rütter (FDP) äußerte Zweifel, ob die heterogene Schülerschaft (das sagt, wenn man einen hohen Anteil von Migranten umschreiben will) tatsächlich den jahrgangsübergreifenden Unterricht unmöglich macht. Niklas Lichtenberger meinte, viele Eltern hätten sich bewusst für Montessori entschieden und seinen nun von den Entwicklungen überrascht worden.

Ein anderer Teilnehmer sagte, Montessori sei eine Marke wie Coca-Cola. Wenn man eine Zutat herausnehme, stimme das Rezept nicht mehr. Andererseits müsse sich die Schule, obwohl sie vielleicht im Augenblick eher weniger montessorig ist, wohl keine Sorgen darum machen, dass der Name aberkannt werde. Der Montessori-Bundesverband sei nicht berechtigt, diese Bezeichnungen abzuerkennen, so Joachim Cuypers, der Vorsitzende der Vereinigung, der als Gast zugegen war.

Wolfgang Gebing (CDU), Bürgermeister, erinnerte daran, dass es eine einmütige Entscheidung des Schulträgers sei, eine der sieben Klever Grundschulen im Sinne der Montessori-Pädagogik zu betreiben. Montessori ohne Montessori-Inhalte sei eine Mogelpackung. Er regte an, eine Weiterbildung für Montessori-Lehrer in Kleve bei der Volkshochschule zu organisieren.

Sitzungspause, gleich wird weiter geredet

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16 Kommentare

  1. 14

    Es gab da mal eine Hauptschule in Bedburg-Hau … da herrschte auch eine Diktatur der Schulleiterin und die Elternvertreter:innen wurden sehr rasch auf den Boden der Tatsachen einge

     
  2. 12

    @9. Montessori-Original: Aus der Person der Schulleiterin spricht das reine Desinteresse an der Montessori-P

     
  3. 3

    Hat irgendwie was von billig-Hackfleisch beim Discounter, wo auf die Verpackung „Bio“ geklatscht wurde, weil 60% vom Produkt vom zertifizierten Bio-Betrieb stammt. Ich w

     
  4. 2

    Hm – die Stadt Kleve hat 6,9 Mio Euro in das Projekt gesteckt und ist von „wahrem Montessori“ ausgegangen…

    Frage: Wenn man 6,9 Mio in etwas steckt – wo man Erwartungen hat – sichert man das nicht irgendwie ab, oder was..? So A gegen B…?
    Also – ich weiss nicht: Wenn ich f