Gute Nachricht für die Innenstadt: Kaufhof wird umgebaut und Flagship-Store für den Konzern

Während die Klever Wirtschaftsförderung in den vergangenen Wochen mit einer Plakataktion dazu aufrief, den örtlichen Einzelhandel zu stützen, deutet sich im Hintergrund eine Entwicklung an, die für das Geschäftsleben in der Innenstadt weitaus bedeutsamer ist als die freundliche Bitte an den Litfaßsäulen der Stadt: Der Klever Kaufhof wird umgebaut!

Die Renovierung des Kaufhauses, nunmehr nach einer wechselvollen Geschichte Teil des Galeria Karstadt Kaufhof-Konzerns, darf als ein eindeutiges Bekenntnis zum stationären Handel auch in kleineren Städten gewertet werden. Die letzte Renovierung ist gerade einmal sechs Jahre her, damals wanderte die Dessous-Abteilung ins erste Obergeschoss.

Nach kleveblog-Informationen nimmt der Konzern einiges an Geld in die Hand, um das Haus am Niederrhein aufzumöbeln – und der Klever Kaufhof ist nur eine von vier Filialen des Konzerns, in denen das mit dem Umbau verbundene neue Konzept getestet werden soll. Die anderen Häuser befinden sich in Frankfurt, Kassel und Aachen.

Damit wird Kleve ein Flagship-Store dafür, wie Galeria Karstadt Kaufhof sich vorstellt, die Internet-Konkurrenz in Schach halten zu können. Die bisherigen Antworten sahen eher so aus, dass auf großflächig verklebten Schaufenstern die Möglichkeit angepriesen wurde, auch das Online-Angebot des Konzerns zu nutzen.

Mit dem Vermieter, den Klever Unternehmer Bernd Zevens, hat man sich bereits auf die Modalitäten des Umbaus geeinigt. Die Maßnahmen sollen noch in diesem Jahr starten. Ob das Haus während der Umbauphase komplett geschlossen sein wird, ist der Redaktion nicht bekannt. Das Beste aber ist: Zum neuen Konzept gehört offenbar auch die Rückkehr der Gastronomie. Damit würde an alte Zeiten angeschlossen, als das Restaurant im Kaufhof eine gute Adresse für einen preiswerten Mittagstisch war. Doch das Angebot wurde schwächer und schwächer, bis schließlich das Restaurant ganz geschlossen wurde und nur noch ein Kaffeevollautomat übrig blieb.

Das neue Restaurant-Konzept hingegen könnte, wenn es zudem noch mit Lebensmitteln gekoppelt werden würde, eine Schicht von in der Stadt arbeitenden Menschen ansprechen, die bisher unversorgt bleiben (wenn sie nicht eines der Bäckerei-Cafés aufsuchen).

Für das traditionsreiche Kaufhaus im Herzen der Stadt ist die Nachricht auf jeden Fall eine überraschende Wendung der Lage. Noch im vergangenen Jahr hatte die Belegschaft angesichts von Schließungsplänen um den Fortbestand des Hauses gezittert. Sogar die damalige Bürgermeisterin Sonja Northing machte sich beim Konzern für den Erhalt der Filiale stark – mit Erfolg. „Wir bleiben. Das ist ein ganz großes Glück“, sagte Northing damals. Und nun scheint es so, dass das Glück noch eins draufsetzt.

Geleitet wird die Klever Filiale von Annette Kraska, die 2018 als Nachfolgerin von Astrid Vogell nach Kleve kann, die wiederum auf Johannes Hülsmann folgte, der nach Rostock gewechselt war. Davor war Herbert Wetzels ca. ein Vierteljahrhundert als Kaufhof-Chef die graue Eminenz des Klever Handels, der als Konjunkturorakel immer angerufen wurde, wenn die Lokalredaktionen etwas zum Verlauf der Schlussverkäufe wissen wollten. (Wetzels’ erste Nachfolgerin, Natalie Pallapies, blieb in Kleve nur eine Episode.) Wichtigster Mitarbeiter war bis zu seiner Pensionierung der stets stilsichere Leiter der Herrenmodeabteilung, Eduard Roos.

Der Artikel von damals: Aufatmen in Kleve: Der Kaufhof bleibt! Bürgermeisterin Northing: „Das ist ein ganz großes Glück!“ (kleveblog, 19. Juni 2020)

Zur Schließung des Kaufhof-Restaurants 2010: Das Kaufhof-Restaurant – eine sentimentale Reise (kleveblog, 15. Januar 2010)

Zum Abschied von Herbert Wetzels: Adieu, Herbert Wetzels! Der leise Abschied des Grandseigneurs der Großen Straße (kleveblog, 26. Juni 2013).

Baustelle des Klever Kaufhofs, Anfang der 50er Jahre (Foto: Stadtarchiv Kleve)
Blick von der Marktstraße auf den gerade fertiggestellten Kaufhof (Foto: Stadtarchiv)

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12 Kommentare

  1. 12

    Aktuell aus dem Handelsblatt: „Klar ist mittlerweile, dass es nicht das eine Warenhausmodell gibt, das für alle Standorte passt. Die internen Galeria-Pläne clustern den Bestand von 130 Warenhäusern in drei Gruppen. Für jede dieser Gruppen soll ein Haus als Modell entwickelt werden: Der Kaufhof Kleve für die Kleinstädte, der Kaufhof in Kassel für die Mittelzentren und der Kaufhof an der Frankfurter Hauptwache für die Großstädte.“

     
  2. 11

    Zur Verteidigung von Frau von der Leyen..

    Die Bundeswehr ist seit 30 Jahren eine resterampe und nur dazu geeignet “Den Feind” solange zum lachen zu bringen bis eine echte Armee kommt

     
  3. 10

    Ein Staat der es z.B. schafft 500 000 000 an “Experten ” zu verknallen für eine Dame die es in ihrer Unfähigkeit schafft meine ehemalige hocheffiziente BW zu einer Resterampe zu degradieren sollte auch reichlich Kohle haben um dem Kaufhof in Kleve, mit ihrem Top Personal, wie auch immer eine gute Zukunft zu gestalten. 👍🏽😎

     
  4. 9

    @7

    ach, und dafür eine gut laufende Filiale eventuell kaputt machen?

    Das kann sich Galeria Kaufhof nicht leisten, die Leben ja jetzt schon nur noch weil der Staat mal wieder völlig banane 500 Millionen € reingebuttert hat. Da könnte man auch jedem Mitarbeiter da eine Lebenslange Rente zahlen., wäre sogar noch billiger als das Marode konstrukt Jahr für Jahr zu bezuschussen…

    Wetten wir in 2-3 Jahren kommt die nächste Insolvenz?

     
  5. 8

    @ 6: Das Bild zu beginn des Artikels dürfte aus dem letzten Sommer stammen und ist doch somit ausreichend aktuell um über die Umgestaltung des Kaufhofs zu berichten.

     
  6. 7

    @5 Husky
    Kein normal denkender Kaufmann/Kauffrau würde in eine Filiale die sowieso schon auf der Kippe steht nochmals Geld stecken. Betriebswirtschaftlich ist das ein Unding,
    Jeder Investor erwartet ein Benefit für sein Geld, neudeutsch : „Return on Investment“.
    Ob ein neues Konzept funktioniert wird man sicher nicht dort ausprobieren wo das Pferd unter dem neuen Sattel schon Scheintod ist,
    Die Verkaufsfläche durch Gastronomie wieder runterzufahren ist zumindest vor dem Hintergrund des Flächenüberschuss im Handel nicht die schlechteste

     
  7. 6

    Wieso nehmen sie zum aktuellen Thema kein aktuelles Bild????
    Aber die Aufgabe der Presse ist eben auch die Scheinwelt weiter aufrecht zu erhalten.

     
  8. 5

    Ich trete gerne mal auf die Euphoriebremse. Diese Tests macht man gerne in Filialen die eh auf der Kippe stehen, wenn der Umbau nichts bringt ist das kein größerer Verlust diese dicht zu machen. Wenn man das mit einem machen würde der super läuft und das Konzept nicht akzeptiert wird ist das deutlich fataler…

     
  9. 4

    Eine Modernisierung der Fassade trägt bestimmt auch dazu bei, das dieses angestaubte Image in ein modernes gewandelt wird.

     
  10. 2

    “…auch die Rückkehr der Gastronomie”

    Hip hip hoera, was ist schon ein Kaufhaus ohne Bistro oder Restaurant. Es wird zwar nicht mehr so schön 70er (oder 80er) wie früher, aber vielleicht anders schön(er).

    Endlich mal gute Nachrichten für die Klever Innenstadt.

     
  11. 1

    Yepp, dass “funzt”.Endlich wieder ein Restaurant. Wenn ich überlege, wie oft ich damals mit Kumpels im Klever Kaufhof gesessen und wenn auch nur aus lauter langweile, bei einem Kaffee oder Schnitzel mit Pommes, die Rolltreppe angestarrt habe:-) Das waren schöne Zeiten. Heute, würde ich mich wieder dort hinsetzen, auf jeden Fall, denn die Bäckereien habe ich satt.
    Wenn man z.B. in Düsseldorf zum Kaufhof geht, hat man nicht diese angestaubte Atmosphäre-für Kleve mit Sicherheit ein Gewinn. Jetzt fehlt nur noch ein Apple Store:-)Komm Mom, mach es möglich…der Minoritenparkplatz hat noch Platz !