Flughafen Niederrhein (Weeze) braucht Geld (mal wieder), diesmal 2 Millionen Euro

rd | 12. November 2019, 11:59 | 15 Kommentare
Weniger Flüge, weniger Passagiere: Blick ins Terminal des Flughafens Weeze (Fotos © Udo Kleinendonk)

Der Flughafen Niederrhein braucht Geld: Nachrichten wie diese, die früher so regelmäßig kamen wie Knöllchen für Falschparker am Grünen Heideberg, wollte Landrat Wolfgang Spreen eigentlich verhindern, als 2016 eine Vereinbarung erreichte, die auf Wikipedia als „endgültige Lösung der Altschuldenproblematik“ bezeichnet wird. Danach verzichtete der Kreis Kleve auf die Rückzahlung eines Kredits in Höhe von 26,5 Millionen Euro. Stattdessen erhielten die Gemeinde Weeze und der Kreis Kleve dafür 25 Prozent der Anteile an dem Flughafen. 3,5 Millionen Euro an aufgelaufenen Zinsen zahlte der Flughafen sofort, für weitere 4 Millionen Euro gab es einen neuen Kredit. Überschlagsmäßig ließe sich daraus folgern, dass der Flughafen also mit einem Wert von 100 Millionen Euro veranschlagt wird (25 % für 26,5 Millionen Euro).

Immerhin drei Jahre hielt die Ruhe. Doch jetzt ist das Prestigeprojekt des Kreises erneut in Turbulenzen, wie der WDR berichtet. Im ersten Halbjahr ging die Zahl der Fluggäste dem Beitrag zufolge um 30 Prozent zurück, was erneut ein Loch in die Kasse des Unternehmens riss. Deshalb wurde die Gesellschaft wieder einmal beim Kreis Kleve mit der Bitte um eine Unterstützung vorstellig. Der geforderte Zuschuss soll sich auf rund zwei Millionen Euro belaufen.

Als Sündenbock gilt für den Flughafen die Luftverkehrssteuer. Darüber lässt sich streiten. Tatsache ist auf jeden Fall, dass Ryanair die Zahl der Verbindungen ab Weeze zurückgefahren hat – die Airline, der der Flughafen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist. Tatsache ist auch, dass die Rahmenbedingungen vorerst nicht besser werden, zumal neuerdings das Wort „Flugscham“ salonfähig geworden ist. Bei den Planungen für Weeze war großzügig damit kalkuliert worden, dass immer mehr Menschen immer häufiger fliegen (was aber damals durchaus im Zeitgeist lag und, global gesehen, vermutlich auch jetzt noch zutrifft). Und unabhängig von der ökologischen Dimension gibt es auch noch das Problem der Konkurrenz in der Nachbarschaft – für Niederländer, die früher einen Großteil des Passagieraufkommens ausmachten, ist der 68 Kilometer von Weeze entfernte Flughafen Eindhoven eine bequeme Alternative.

Ein vom WDR befragter Wissenschaftler äußerte sich skeptisch zu den Zukunftschancen des Airports. „ Das ist eine katastrophale Situation, irgendwann wird die Luft eng. Der Flughafen kostet jeden Tag Geld. Ich sehe langfristig keine Perspektiven“, zitiert der Sender den Verkehrsgeographen Rudolf Juchelka von der Universität Duisburg-Essen.

Der Kreis Kleve hält – eigener Auskunft zufolge – aktuell 10,7059 Prozent der Anteile an der Flughafen Niederrhein GmbH.

Einen Kommentar schreiben





15 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 15. Messerjocke

    @13, InterSandMan, dies konnte man aber umgehen. Einfach an der Schranke den Rufknopf drücken und der freundlich antwortenden Stimme mitteilen, dass man einen Termin mit Herrn van Bebber hat. Dies hat zumindest bei mir vor ein, zwei Jahren noch für ein viertägiges Parken in erster Reihe gereicht. Vermutlich hat sich aber das Parkgebührensystem seitdem verändert?

     
  2. 14. Benno

    @ 12 K.Brückenbauer: Danke für den Hinweis. Würden Sie mir schon mal ein Ticket buchen? Eine kurze Frage noch vorweg: welche Qualifikationen muss ich mitbringen? Einer der von nix Ahnung hat, aber oben groß mitspielen will, der die Nase so hochträgt , dass er gar nicht mehr weiß, wo er hintritt (ich kann alles, ich weiß alles, ich habe alles, ich bin ober-ober-cool); der meint, ohne Ihn geht die ganze Welt zugrunde?

    Sollte das der Zugang zu der Bootsfahrt, müsste ich die Ticketbuchung wieder zurückziehen… Trotzdem danke.

    😉

    Benno

     
  3. 13. InterSandMan

    Zur Richtigstellung: Die Parkgebühren am FHN kosten schon länger satte 3 € – dafür kann man dort kurz parken und Fluggäste abholen oder bringen. Eine Umfahrung der Schranke mit dem Ziel Terminal ist NICHT möglich – auch nicht für ortskundige Fahrer. Den FHN kenne ich sehr gut – habe dort eine Immobilie gemietet. Es ist im übrigen nicht nur Herr van Bebber der dort gutes Geld mit nach Hause nimmt und einen schönen Dienstwagen fährt. Auch viele seine Untergebenen fristen seit vielen Jahren ein Dasein mit ausgezeichnetem Auskommen während die die die Arbeit am FHN machen (Arbeiter, Handwerker, Dienstleister) durch die Bank unterbezahlt sind.

     
  4. 12. K. Brückenbauer

    @5 Benno,

    Das ist doch nun wirklich nichts besonderes!

     Das läuft hier alles unter Gentelmans. Sie sollte mal bei der „Kalkarer Who is Who Bootsfahrt“ mitfahren. Aber als Frau wird das nix. ;-(

    Nächstes Jahr wieder,  dieses Jahr war schon. Ich gebe bescheid. Oder einfach den Chef fragen.

     
  5. 11. Escorial grün

    @RA: Nach 12 Monaten hat Herr O’Leary überwiesen, nach Gerichtsurteil. Mit einigen Freunden, die noch auf ihr Geld warten, sind wir von Bergamo aus mit einem Leihwagen nach Weeze gefahren (den Euro für die Schranke habe ich nicht zurück bekommen).

     
  6. 10. RA

    @4: Haben Sie denn Ihr Geld bekommen? Wir haben derzeit den zuständigen Gerichtsvollzieher mit der Pfändung der Bordkasse eines der Flieger beauftragt, um die ausstehenden 400,00 € (!) beizutreiben……..

     
  7. 9. Messerjocke

    Gefühlt schon immer ein Streich übermütiger Jungs, die unbedingt einen Roadster für 177.000€ fahren wollten, mit Papas Platin-Kreditkarte einfach einen bestellten und – um nicht schon bei der Zahlung der jährlichen Versicherungsrate scheitern zu müssen – Oma und Opa für angebliche Ferien im Amelandlager anpumpten…

     
  8. 8. Thomas Velten

    @ rd
    Bemerkenswert der Schlusssatz im heutigen Kommentar der RP zum Flughafen:
    „Noch wich­ti­ger ist, dass Flü­ge durch Zug-An­ge­bo­te er­setzt wer­den: Die NRW-Po­li­tik muss durch­set­zen, dass zig Mil­li­ar­den Eu­ro für bes­se­re Hoch­ge­schwin­dig­keits­stre­cken Rich­tung Mün­chen, Ber­lin, Ham­burg, Pa­ris oder Bar­ce­lo­na in­ves­tiert wer­den, um die meis­ten Flü­ge in Eu­ro­pa un­nö­tig zu ma­chen. Das wür­de mehr brin­gen als Staats­hil­fe für Weeze und wür­de der Um­welt nüt­zen.“
    Sehr gut!

     
  9. 7. Andre Gerritzen

    @rd
    Parkgebühren? Wohl mehr Wegelagerei!
    Selbst wenn man nur jemanden Wegbringen oder Abholen will, muss man 2€ zahlen um überhaupt in die Nähe des Flughafen zu kommen. 1km vor dem Terminal steht eine Schranke mit Geldeinwurf und ohne Bares heißt es 1km sein Gepäck über Strassen ohne Gehweg schleppen.

    Wenn man Ortskundig ist kann man diese Schranke umfahren, aber wer kennt sich da schon so gut aus um diesen Weg zu kennen.

     
  10. 6. rd

    Das Thema hat es sogar bis auf die Titelseite der RP geschafft, nach all den Jahren euphoriegeleiteter Berichterstattung geradezu ein Wunder. Im Leitartikel wird allerdings ahnungsloserweise eine bessere Anbindung an Bus und Bahn gefordert – das wollte der Flughafen nie, weil damit die einzige bedeutsame Einnahmequelle, die Parkgebühren, wegfallen würden.

     
  11. 5. Benno

    Sollte es so sein, wie unter Post 2 beschrieben wurde, finde ich es eine Unverschämtheit, dass nach Steuergeldern (https://rp-online.de/wirtschaft/flughafen-weeze-fordert-staatshilfe-von-knapp-zwei-millionen-euro_aid-47140347) für den schon immer klammen Flughafen gefragt wird.

    Dicke Autos fahren und nichts auf die kette bekommen. Ich sag nur – Schuster (Tischler), bleib bei Deinen Leisten. Oder anders gesagt: aus einem Esel wird nie ein Rennpferd

    Benno

     
  12. 4. Escorial grün

    Fand es letztens ganz witzig, dass ich einen Prozess gegen einen Herrn O’ Leary gewonnen habe. Ich boykottiere diese Fluggesellschaft, fahre dann halt für meinen Jahresurlaub andere Großflughäfen an. Schade für die Mitarbeiter des Flughafens, aber es wird doch nicht mehr lange gut gehen oder?

     
  13. 3. rd

    Etwas mehr Hintergrund: https://www.aerotelegraph.com/flughafen-weeze-in-akuter-geldnot

     
  14. 2. K. Brückenbauer

    Zu dem aktuellem Text in der NRZ vom 12.11.2019:  „Wirtschaftliche turbolenzen, Flughafen Weeze bittet um Geld“

    Herrlich den Artikel zu Lesen. Mein Nachbar van Bebber scheint gerade von Audi A6 auf einen fetten Mercedes umgestiegen zu sein. Was für eine Welt hier am Niederrhein.
    Wenn der morgens an mir vorbei braust, dann haben die Handwerker auf den Baustellen wahrscheinlich gerade Frühstückspause.
    Aber was soll es, jeder wie er kann. Kennt er ja noch aus seiner Zeit, als er als Tischler seine Kohle verdient hat. Bestimmt erinnert er sich in diesen Tagen an die Zeit:

    DICKE BRETTER BOHREN.

    ****

     
  15. 1. Joseph Johann

    Zu dem Flughafen Weeze ist schon umfänglich geschrieben worden.
    Die Unfähigkeit der Unternehmensleitung, Kooperationen zu schließen, kostet Geld. Wenn das fehlt, muss das Vorhaben aufgegeben werden.
    Am 11.07.2003 gab es am Flughafen eine Veranstaltung mit Politikern aller Farben. Im Wesentlichen wurde über die Erhaltung und den Fortschritt des Flughafens debattiert. Nach der Aussage eines GRÜNEN Landtagsabgeordneten, man halte von dem Flughafen nichts, er sei auch nur regional anerkannt und koste nur Geld, habe ich die Veranstaltung verlassen. Es war insgesamt frustrierend. Was haben wir heute? Der obige Bericht sagt alles.