Die Klever K-Frage: Wer wird der neue Kämmerer?

Ende des Jahres ist Schluss: Willibrord Haas. Wer folgt?

Es ist der dritte Tagesordnungspunkt der Ratssitzung am kommenden Mittwoch, und er heißt vollständig: „Neubesetzung der Stelle der Stadtkämmerin/des Stadtkämmerers und der Ersten
Beigeordneten/ des Ersten Beigeordneten sowie gleichzeitige Bestellung zur
allgemeinen Vertreterin/ zum allgemeinen Vertreter des Bürgermeisters“, doch die Entscheidung darüber, wer der Nachfolger (oder die Nachfolgerin, haha, dazu später mehr) von Willibrord Haas wird, ist natürlich bereits am vergangenen Dienstag, als sich die CDU-Fraktion getroffen hatte, gefallen.

Die Namen, die unter anderem im Gespräch sind, waren Anfang der Woche bereits in einem grenzwertig indiskreten Artikel in der Rheinischen Post genannt worden, wer mag, kann sie hinter der Bezahlschranke verborgen aufsuchen. Wir verzichten hier darauf, immerhin geht es um eine wichtige Personalentscheidung, und zumindest der unterliegende Kandidat dürfte allein durch die Namensnennung schon ein erledigter Fall sein – in der Organisation, in der er bisher tätig ist (und auch vermutlich weiter tätig sein wird) dürften die nunmehr bekannten Abwanderungsgelüste die Autorität gründlich untergraben. Besser, er sucht sich was anderes. (Seine Bewerbung hat er übrigens im Lichte des CDU-Votums zurückgezogen.)

13 Bewerber hatten sich auf die Stellenausschreibung gemeldet. So viele waren gar nicht erwartet worden. Es gab interne Kandidaten, halbinterne Kandidaten und externe. Wer bei den Fraktionen in die engere Auswahl geriet, wurde geladen und auf Herz und Nieren geprüft. Dass dabei Namen durchsickern, lässt sich natürlich nicht ganz vermeiden, und so nimmt es auch nicht Wunder, dass zumindest einer der Kandidaten angesichts geringer Chancen seine Bewerbung zurückgezogen hat, um seinen bisherigen Arbeitsplatz nicht zu gefährden. Wie richtig diese Annahme war, zeigt die dann erfolgte Veröffentlichung.

Auf kleveblog sei an dieser Stelle verraten, dass es gleich in mehrfacher Hinsicht die K-Frage ist, vor der die Stadtverordneten am Mittwoch stehen. Nicht hingegen wird sich die Frage stellen, welches Chromosomenpaar der neue Kämmerer haben wird: XY. Wer auch immer am Ende obsiegen wird, mit größter Wahrscheinlichkeit steht jetzt schon fest, dass es wieder ein Mann sein wird. Es gab zwar auch eine Frau unter dem guten Dutzend Bewerber, aber diese Kandidatin ist dem Vernehmen nach chancenlos. Ein Manko dieser Bewerberin dürfte darin bestanden haben, dass es verwandtschaftliche Beziehungen zu einem Vertreter einer Partei gibt, die in Kleve nicht das Sagen hat.

Seit der Gründung Kleves vor 779 Jahren (Verleihung der Stadtrechte 1242) befinden sich die Geschicke der Stadt also ununterbrochen in Männerhand, von dem kurzen Interregnum Sonja Northings (2015-2020) einmal abgesehen. Noch drastischer wird das Verhältnis zulasten der Männer, wenn man auch die Spitzenpositionen in der Verwaltung – zum Beispiel Kämmerer oder früher Stadtdirektor – mit einbezieht. Diese Positionen waren ausnahmslos immer von Männern besetzt (schillernde Namen: Dr. Schroer, Dr. Pfirrmann, Heinz Verfondern).

Vor diesem Hintergrund ist ein Vorstoß der Offenen Klever zu sehen, die am Mittwoch eine neue Ausschreibung der Stelle beantragt haben, mit natürlich äußerst begrenzten Aussichten auf Erfolg. In dem Antrag heißt es: „Zum einen wird die Rathaus-Spitze zu 100% in Männerhand bleiben, zum anderen wird der Beigeordneten-Posten für mindestens acht Jahre von einer Person besetzt, die den in Kleve offenbar erforderlichen politischen ,Stallgeruch‘ besitzt. Frisches Blut und Inspiration von außen sind leider nicht gewünscht. Das alles wirkt mutlos.“

Info: Wie wird der Kämmerer gewählt? Kandidaten werden von den Fraktionen vorgeschlagen, gewählt wird derjenige mit den meisten Stimmen. Gibt es mehr als zwei Kandidaten, gibt es eine Stichwahl, falls einer der Kandidaten nicht sofort die absolute Mehrheit erringt. Eine Aussprache erfolgt nicht. Es ist derzeit davon auszugehen, dass nur ein Kandidat vorgeschlagen wird und dieser dann auch die meisten Stimmen erhält.

Deine Meinung zählt:

8 Kommentare

  1. 8

    Vielleicht sehe ich das ja falsch, aber was ist an einer Bewerbung ehrenrührig ?
    Und wenn sich X Personen um den gleiche Posten bewerben, sollte jedem klar sein, dass mindestens X-1 den Posten nich bekommen werden, wenn`s blöd läuft sogar X Leute, wenn das Entscheidungsgremium sich für keinen der Kandidaten entscheidet.
    Ehrenrührig finde ich nur, dass Mitglieder eines Gremiums ihre Verschwiegenheitspflicht nicht respektieren.
    Aber ja, mann müsste ja wissen, wir leben nun mal in Kleve.

     
  2. 7

    @Friedrich Foerster, #6: Danke für die Info und die Klarstellung, jetzt bin ich ein wenig beruhigt.

    Wo wir gerade darüber reden, auch wenn es in diesem Thread offtopic ist:
    Der in meinem Beitrag #4 als Beispiel geäußerte Verdacht bleibt bestehen: Der Vergabe- und Betriebsausschuss wäre gut beraten, sich zum Projekt „Wirbelfallschacht“ nicht auf etwaige Empfehlungen aus Verwaltungsabteilungen zu verlassen, und auch nicht nur nach Preis zu entscheiden.

    Denn: Das aus dem Bergbau stammende Verfahren „Microtunneling“ zur Verlegung von Kanalrohren wurde in Kleve (leider) noch nie angewandt. Hier sind gute Referenzen der Bewerber erforderlich, es muss Erfahrung bei den beauftragten Firmen vorhanden sein.

    Eckpunkte: 1) Liegen Erfahrungen vor beim Vortrieb von Rohrlängen >80 m und gleichzeitig von Rohrdurchmessern >1200 mm? Es reicht nicht aus, per Microtunneling mal eine kurze Straßenunterquerung mit einem dünnen Kanalrohr hergestellt zu haben. 2) Liegen beim Bewerber Erfahrungen vor mit Schmierung des Rohrstrangs durch eine Bentonit-Suspension und mit dem Einsatz von Zwischenpressstationen? Beides wird in Kleve beim unterfahren der Endmoräne erforderlich sein.

    Auch wenn Kämmerer, Beigeordneter, Stadtrat, und ich selbst es gerne sähen, wenn lokal ansässige Firmen zum Zuge kommen: Ein Learning-by-Doing ist schon einmal mit den verunglückten Spundwänden am Kaskadenfuss schiefgegangen.

    Zurück zum Thema des Threads:
    In einer Demokratie gilt doch das Primat der Politik, oder? Das heisst für mich: Die gewählten Volksverteter leiten die Beamten an und kontrollieren sie, während die Beamten beratend tätig sind und dafür sorgen, dass die Vorgaben rechtssicher umgesetzt werden. In diesem Sinne ist es für mich zweitrangig, welche Person jetzt neuer Kämmerer wird. Auch wenn die Begleitumstände der Ernennung (ich vermeide hier das Wort „Wahl“) seltsam sind.

     
  3. 6

    @ 4 Stefan Schuster:

    Wenn man sich nur den Terminplan dieses Monats ansieht,
    kann man vielleicht diesen Eindruck gewinnen.

    Dieser Eindruck täuscht aber,
    und das aus zwei Gründen:

    1.)
    Wenn man sich die Terminpläne aller zwölf Monate
    seit dem Beginn der jetzigen Ratsperiode ansieht,
    wird man feststellen, dass der Vergabe- und Betriebs-Ausschuss
    immer im Abstand von zwei oder drei Wochen tagt,
    sogar als einziger Ausschuss während der Sommer-Schulferien.

    2.)
    Wenn man genau hinsieht, dann merkt man,
    dass hinter dem Namen des Ausschusses „19.“ steht.
    Warum?
    Weil die Sitzung am 9. November 2021
    schon die 19. Sitzung dieses Ausschusses
    seit dem Beginn der jetzigen Ratsperiode ist.

    Kein anderer Ausschuss unseres Stadtrates tagt so häufig
    wie der Vergabe- und Betriebs-Ausschuss.

    Also:
    Alles im grünen Bereich!
    Es gibt keinen sachlichen Grund,
    irgendwelche finsteren Absichten zu unterstellen.

    😉

     
  4. 5

    @ 3:
    ES IST NICHT EGAL
    Für uns Klever Bürger ist es m. E. besser den einen „K“, der bodenständig, langjährig erfahren in dem Job, im Umgang mit den Bürgern fair und offen umgeht und zielgerichtet für die Sache tätig ist, als Kämmerer zu haben.
    Dem anderen „K“ als ehemaligem […] würde ich die Klever Finanzen ungerne anvertrauen.

     
  5. 4

    Mich macht der Terminplan der Ratssitzungen während des laufenden Monats stutzig. Heute der Vergabe- und Betriebsschuss, morgen die K-Wahl. Danach noch in diesem November gleich zwei weitere Male der Vergabe- und Betriebsschuss.

    Es drängt sich der Verdacht auf, dass hier von den alten Amtsträgern versucht wird, die Weichen für viele kommende Jahre zu stellen und somit den Handlungsspielraum ihrer Nachfolger einzuschränken.

    Nur ein Beispiel: Möglich wären Auftragsvergaben zur Oberstadtentwässerung an altbekannte Firmen zum Projekt Oberstadtentwässerung (11 Mio, Stichwort Wirbelfallschacht), obwohl diese Firmen keine Referenzen zur Bewältigung der dabei geplanten Anwendung neuer Technologien vorweisen können.

    Das wird spannend. Lassen wir uns überraschen, welche Geschenke die Alte Riege jetzt noch vor der Amtsübergabe verteilen darf.

     
  6. 3

    Ist das nicht furchtbar egal ob nun K oder K es wird? Egal deshalb, weil die politische Mehrheitslinie des (personellen kaputt-)Sparens bestehen bleibt. Und weil aus parteiräson – „unser (starker) Mann“ alles weiter mitgetragen wird. Problematisch wird doch eher, dass es passieren könnte, dass der eine nicht nur unterliegen wird, sondern erster Untergebener des anderen wird oder im umgekehrten Falle der andere die Arbeitsstätte des dann unterlegenen einen (mit) kontrolliert. – Klassische Heckenschützen- bzw. Stuhlbeinsägersituation. (Gab es ja schon während der Amtszeit von Frau Northing mit anderen Leitenden in der Verwaltung, wohl mit allen personellen Konsequenzen, wie man hört bzw. bei Frau Northing dann gesehen hat.) Und das dann 8 Jahre lang? Schade um Kleve. Und traurig für diejenigen in den städtischen Einrichtungen, die das im Detailalltag umsetzen müssen, gut, dass ich nicht da drin sitze…

     
  7. 2

    Richtig ist, dass diese Indeskretionen von Wissensträgern den sich bewerbenden Personen Schaden zufügen. Mindestens genau so schlimm ist der Schaden, der dem Amt und der Stadt zugefügt wird. Sollte die Person des Ersten Beigeordneten und Kämmeres nicht das Vertrauen des gesamten Rates geniessen?
    Parteiklüngel hin – Parteiklüngel her. Immerhin haben sich die politischen Vertreter verpflichten lassen, zum Wohle der Stadt zu handeln. Und da stellt sich die Frage, ob eine für acht Jahre gewählte Person unter diesen Bedingugen handlungsfähig werden kann.
    Für diese destruktive Handlungsweise kann es aus meiner Sicht keine Entschuldigung geben. Das ist einfach nur dummdreist.

     
  8. 1

    Ich bin absolut für Pressefreiheit und den Schutz von Quellen. Allerdings zeugt das Preisgeben der 3 Namen im Bericht der Rheinischen Post tatsächlich von grenzwertiger und zumindest moralisch fragwürdiger Berichterstattung. Schädigt man doch öffentlich die Bewerber und das Vertrauen in ein diskretes Bewerbungsverfahren. Dies trägt sicherlich nicht dazu bei, dass externe Bewerber/innen zukünftig vermehrt an Ausschreibungen der Stadt teilnehmen.

    Vielmehr als eine solche Veröffentlichung stört mich aber die Indiskretion, die dem Bericht vorausgeht im Bewerbungsverfahren, ganz egal, ob die Verwaltung, Ratsmitglieder oder andere Beteiligte geplaudert haben.
    Vermeiden lässt sich dies sicherlich selten komplett, aber es scheinen soviel Details bekannt zu sein, dass es bewusst „gestreut“ scheint.

    Ich bin gespannt, wie die Stelle besetzt wird.
    Der Antrag der OK, der den internen Kandidaten die notwendige „Kompetenz“ und „Mut zu Veränderung“ anspricht ist hier allerdings auch zu kurz gegriffen. Auch in der Stadt gibt es kompetente Leute und das nicht aufgrund irgendeines Parteibuches.

    Würden sich doch alle nur darauf besinnen, den Besten/die Beste zu finden…