Bahnlinie Kleve-Krefeld: Die Modernisierung, auf die eine ganze Generation von Bahnfahrern gewartet hat

Unverspäteter Aufbruch in eine bessere Zukunft? RE 10 am Klever Bahnhof

In den sozialen Netzwerken rühmen sich die Abgeordneten Stefan Rouenhoff (Bundestag, CDU) und Stephan Haupt (Landtag, FDP) seit einigen Tagen mit der Ankündigung von Bauarbeiten, und in der Tat sind diese Meldungen der Beweis, dass die beiden Politiker ihren Wahlversprechen auch Taten haben folgen lassen. Rouenhoff und Haupt hatten in den vergangenen Jahren nach endlosen Klagen von Pendlern viel Energie darauf verwandt, dass die Bahn endlich die Modernisierung der Linie Kleve-Krefeld in Angriff nimmt. Jetzt beginnen die Bauarbeiten, auf die eine ganze Generation von Bahnfahrern gewartet hat.

Der auf der Linie verkehrende Regionalexpress 10 war in den vergangenen Jahren zu einer Lachnummer verkommen, wobei, dies sei der Fairness halber gesagt, ein Gutteil der Ärgernisse zu Lasten der Deutschen Bahn gingen, deren Personal in schöner Regelmäßigkeit beispielsweise Verspätungen verursachte, weil ein Stellwerk nach spätabendlichen Fußballspielen in der Champions League unbesetzt blieb. Es gab noch viele andere Gründe für Verspätungen, zum Beispiel nicht einfahrende Trittbretter an den Türen, die von den Lokführern mit roher Gewalt in die Ruheposition zurückgeprügelt werden mussten.

Stellwerk Weeze: Architektonisch interessant, technisch Schrott

Pendler, die auf das Auto verzichten wollten, um beispielsweise einen Arbeitgeber in Düsseldorf aufzusuchen, waren auf langmütige Chefs angewiesen, da Verspätungen alltäglich geworden zu sein schienen. Schon fünf Kilometer nach der Abfahrt in Kleve musste der gerade gestartete Zug oftmals minutenlang den (dann eben auch schon verspäteten) Gegenzug abwarten, bevor die Fahrt fortgesetzt werden konnte. Ein ganz normaler NordWestBahnMorgen konnte zehn Verspätungen in zwei Stunden anhäufen.

Vertraute Anzeigen: Mitunter waren die Züge so verspätet, dass sie von pünktlicheren Zügen überholt wurden und sich dann im Nichts auflösten

Die Umbauten beheben zwar nicht das grundsätzliche Problem der Eingleisigkeit, aber moderne Technik soll dazu führen, dass die Taktung erhöht werden kann. Die Bahn teilte heute mit, dass die digitale Modernisierung der Strecke Kleve-Kempen mit Kabeltiefbauarbeiten begonnen hat.

Im Rahmen des Modernisierungsprojektes sollen innerhalb kürzester Zeit die Stellwerke in Kleve, Bedburg-Hau, Goch, Weeze, Kevelaer, Geldern, Vernum, Nieukerk, Aldekerk und Kempen durch moderne elektronische Stellwerkstechnik ersetzt werden. Die Bedienung erfolgt ab Herbst 2022 aus den sechs Stellwerken in Kleve, Bedburg-Hau, Goch, Kevelaer, Nieukerk und Kempen, die entsprechend digital aufgerüstet werden.

Die moderne Signal- und Stellwerkstechnik macht das Schienennetz zuverlässiger. Sie ermöglicht eine bessere Disposition der Züge und mehr Fahrmöglichkeiten in den Bahnhöfen im Regel- und Baustellenbetrieb sowie weniger Instandhaltungsaufwand.

Dafür sind auf rund 20 Kilometern Kabeltiefbauarbeiten erforderlich. Rund 170 Signale und 30 Weichen werden neu errichtet bzw. an die moderne Technik angepasst. Dieses gilt auch für 76 Bahnübergänge.

Technik aus dem Museum – in Bedburg-Hau seit ca. 100 Jahren im Einsatz

Für die Bahnfahrer aber bedeutet dies, dass sie zunächst noch ein tiefes Tal der Tränen durchschreiten müssen: Aufgrund der umfangreichen Arbeiten wird es vom 22. Mai bis zum 02. Juli 2021 nächtliche Sperrungen geben, ab dem 16. August bis zum 4. Dezember 2021 folgen Vollsperrungen zwischen Kleve und Geldern. Weitere Sperrungen zwischen Geldern und Kempen befinden sich aktuell noch in der Abstimmung.

Für die Zugverbindungen der NordWestBahn der Linie RE 10 (Niers-Express) ergeben sich folgende Änderungen: Vom 22. Mai (abends) bis 02. Juli wird nachts der Streckenabschnitt zwischen Krefeld und Kleve durch einen Schienenersatzverkehr mit Bussen bedient.

Zurzeit in Abstimmung und Planung ist das Ersatzkonzept für die Streckensperrung zwischen Geldern und Kleve von Mitte August bis Dezember. Um die Mobilität der Fahrgäste während der umfangreichen Streckensperrung von Mitte August bis Dezember sicherzustellen, wird derzeit seitens der NordWestBahn in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) ein Ersatzbuskonzept erarbeitet. Die Fahrgäste werden rechtzeitig im Vorfeld über Einzelheiten informiert.

Der VRR begrüßt den Start der Baumaßnahme, die auch maßgeblich durch das finanzielle Engagement des Verkehrsverbunds im Vorfeld angestoßen wurde.

Der VRR hatte vier Millionen Euro vorab zur Prüfung und Umsetzung dieser infrastrukturellen Verbesserungen bereitgestellt. Somit konnten notwendige Leistungsphasen für die „Fördermaßnahme DSTW Kleve 2. Baustufe Kempen – Kleve“ frühzeitig umgesetzt werden. Dieser Finanzierung ist es auch zu verdanken, dass die Maßnahme in die Bundesförderung (Schnellläuferprogramm) zur Umsetzung aufgenommen wurde.

Der VRR geht davon aus, dass die Modernisierung und Erneuerung der Leit- und Sicherungstechnik zu einer wesentlichen Verbesserung der aktuellen betrieblichen Verhältnisse auf der Strecke beitragen.

Hintergrund: Der Bund stellt 500 Millionen Euro für moderne Stellwerkstechnik aus dem Konjunkturprogramm zur Bekämpfung der Folgen der Corona-Pandemie bereit. Innerhalb kürzester Zeit wird in insgesamt sieben Projekten die vorhandene Stellwerks- und Bahnübergangssicherungstechnik durch digitale Stellwerkselemente modernisiert. Mit smarten, digitalen Stellwerken und dem europaweit einheitlichen Zugbeeinflussungssystem European Train Control System (ETCS) können auf selber Strecke mehr Züge eingesetzt werden.

Deine Meinung zählt:

11 Kommentare

  1. 11

    Vom 16. August bis 03. Dezember SEV zwischen Kleve und Geldern, wahlweise mit vielen Zwischenhalten oder als “Schnellbus” mit nur einem Hält in Goch.

    Heute morgen im RE10 die Bandansage: “Willkommen in der Nordwestbahn. Wir wünschen Ihnen eine ang…” – Band bricht ab. Man traut sich offenbar nicht mehr, es auszusprechen.

    Benno, was machen die Tagespendler zwischen Aug und Dez?

     
  2. 10

    Mmuuuh, heute läuft wieder die Game-Show mit dem Güterzug, bei der es u.a. zwei Bahncard 100 1. Klasse, 2 E-Bikes, 1 Waschmaschine und so zu gewinnen gibt, mmuuuhGüterGehörenAufDieBahn(OderInMeinenBesitz):
    https://wirsindgueter.de/cargomontag?pk_campaign=UIM%20Cinematic
    Apropos, ich unterstütze die Campagne der Cargo-Bahn natürlich, mmuuuhAlsNr10418!

    Postmmuuuhtum:
    Liebe Deutsche Bahn, wie funktioniert eigentlich Schienenersatzverkehr 1. Klasse, mmuuuhAutoPullmann?

     
  3. 9

    @ 8 (Nasenbär)
    Nasenbär, offensichtlich soll doch gerade möglichst viel nachts und möglicherweise auch an Wochenenden gearbeitet werden. Denn in der von RD zitierten Pressemeldung der Deutschen Bahn steht doch das hier:

    “Aufgrund der umfangreichen Arbeiten wird es vom 22. Mai bis zum 02. Juli 2021 nächtliche Sperrungen geben, ab dem 16. August bis zum 4. Dezember 2021 folgen Vollsperrungen zwischen Kleve und Geldern.”

    Ich lese das so, dass während der nur kurz dunklen und hoffentlich angenehmen Sommernächten vom 22.05. bis zum 02.07. immer nachts so ab 20 Uhr bis morgens früh geschafft werden soll und dass es ab dem 16.08.21 (immer wieder zu kurzfristigen) StreckensperrungeN (also mehreren, erfahrungsgemäß sogar an den WE) kommen soll.
    Es wird wohl – wie auch schon in der Vergangenheit – zwischendurch also immer mal wieder Phasen geben, während der ganz normal NordWestBahn gefahren werden kann!?

     
  4. 8

    Gut, dass was gemacht wird. Hart, dass mehrere Monate nur lahmer Busersatzverkehr läuft, man könnte ja die Arbeiten auch mal nachts und am Wochenende machen lassen, dann könnten wenigstens einige Züge fahren. Insgesamt aber bleibt es dabei, dass die Strecke erst dann wirklich leistungsfähig wird, wenn sie zweigleisig und elektrifiziert sein wird, was vermutlich nie kommt. Hat mal jemand den Herrn, der gerne Ministerpräsident werden will und jetzt Verkehrsminister von NRW ist, gefragt, was er denn bisher so für den Nahverkehr am Niederrhein getan hat, so als Leistungsnachweis für das höhere Amt?

     
  5. 7

    @5 Niederrheinstier Vielleicht bringen Sie schon mal eine Fiets in Bahnhofsnähe. Dann wird es nicht ganz so voll im Schienenersatzbus 😉🚴 🐂 🚌

     
  6. 6

    Hier geht es zu der Quelle für den Bericht:
    https://www.deutschebahn.com/pr-duesseldorf-de/aktuell/presseinformationen/Digitale-Modernisierung-der-Strecke-Kleve-Kempen-hat-begonnen–6176070

    Schon interessant, dass zukünftig noch immerhin sechs Stellwerke übrig bleiben sollen. Ob damit die ebenfalls mal überlegte (und anderswo mehrfach auf vergleichbaren Strecken realisierte) Zentralsteuerung von Kleve bis Kempen, zumindest aber Geldern obsolet geworden, da möglicherweise ebenfalls zu störanfällig vom Tisch ist?
    Oder liegt es daran, dass die fünf zusätzlichen Posten nicht aufgegeben werden können, weil an den betreffenden Stationen sehr bahnhofsnahe, große und nur sehr mühsam zu automatisierende Bahnübergänge sind?

    Egal, denn die Ankündigung von sechs verbleibenden Stellwerken könnte durchaus auch auf die Vorbereitung erheblicher Veränderungen im Betrieb der Bahnstrecke nach 2025 hindeuten. Denn für diesen Zeitraum ist noch eine viel größere Überraschung bzw. ebenfalls lang ersehnte technische Lösung in der Mache.
    Aber dazu erst später mal mehr.

    Ich bin aber gespannt, wenn es denn so kommt, ob sich diese inzwischen sehr wahrscheinlichen, auf jeden Fall aber sehr nachhaltigen Veränderungen dann auch die Abgeordneten Rouenhoff und Haupt auf ihre Fahnen schreiben werden. Oder erfolgt die jetzt startende Modernisierung vielleicht auch deshalb, um nach 2025 all zu krassen Gegensätzen samt möglicher, weittragender Blamagen zuvorzukommen?

     
  7. 5

    @4 (Chewgum)
    Mmuuuh, Chewgum, der Sommer ist doch im Anmarsch, mmuuuhAuchWennEsAbUndZuMalSchauernTunMuss. Und im Sommer geht auch galoppieren oder fietsen,
    mmuuuhE-BikesBitteImmerSchönRechtsHalten,DamitIchLinksMitMeinemRennradÜberholenKann!

     
  8. 4

    @Niederrheinstier So lange wir nicht aus dem Gröbsten raus sind, halte ich Schienenersatzverkehr für nicht zielführend.

     
  9. 3

    @2 (Chewgum)
    Mmuuuh, aber wenn der SPNV nicht nur wegen der aktuellen Untersuchung über die gar nicht so hohe Ansteckungsgefahr, sondern vor allem wegen der Eindämmung der CORONA-Pandemie (und vielleicht sogar mal dem Klimawandel angemessen adäquat verschärfter Gesetze) wieder richtig genutzt werden wird, wären die Ersatzbusse doch noch viel störender, mmuuuhAlsoWennNichtJetztWannDann!

     
  10. 2

    Besser wäre es, erst nächstes Jahr mit den Streckenarbeiten etc. zu beginnen. Oder will man die Leute während der Corona-Pandemie in Schienenersatzbusse zwingen?

    Das ist nicht zu Ende gedacht. Auf ein halbes Jahr kommt es jetzt auch nicht mehr an.

     
  11. 1

    Mmuuuh, aber das große Wetterschutzdach auf dem Foto vom Klever Bahnhof ist leider trotzdem nicht mehr da, mmuuuhDaStehenJetztNurNochZweiOlleGlashütten. Nicht gerade fahrgastfreundlich, mmuuuhHatschi!