Paul K. Friedhoff, 1943-2015

rd | 17. November 2015, 00:26 | 4 Kommentare

Paul K. Friedhoff (Foto © FDP)

Paul K. Friedhoff (Foto © FDP)

Kleve trauert um eine große Unternehmerpersönlichkeit, die FDP um einen streitbaren und kantigen Politiker: Paul K. Friedhoff, Gründer des Unternehmens Spectro, starb am Sonntag nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 72 Jahren. Schon während seiner beruflichen Karriere engagierte er sich auch bei den Freidemokraten, gelangte bis in den Bundestag (1990-2002, 2005-2012). 2012 legte er sein Bundestagsmandat aus gesundheitlichen Gründen nieder.

FDP-Chef Christian Lindner würdigte die Verdienste des Verstorbenen, der auch acht Jahre Mitglied des FDP-Bundesvorstands war: „Mit Paul K. Friedhoff verlieren die FDP und unser Land einen engagierten Politiker, einen vorbildlichen Unternehmer und einen verlässlichen Freund. Wir blicken mit großem Respekt auf sein stolzes Lebenswerk. Seine Verdienste und seine Persönlichkeit werden von uns nie vergessen.“ Sohn Peter Friedhoff sagt: „Er ist immer für seine Partei da gewesen.“ Daniel Rütter (FDP Kleve): „In Anerkennung und vor allem tiefer Dankbarkeit gedenken die Freien Demokraten seiner. Die FDP verliert mit PKF einen unerschütterlichen Liberalen und die Stadt Kleve eine der prägendsten Unternehmerpersönlichkeiten. Unsere Gedanken gelten seiner Familie.“

Sein größtes politisches Verdienst für Kleve dürfte seine Mitwirkung an der Gründung der Hochschule Rhein-Waal gewesen sein. Friedhoff engagierte sich damals hinter den Kulissen einer schwarz-gelben Landesregierung in NRW für den Standort Kleve – mit Erfolg.

Das Lebenswerk von Paul K. Friedhoff war aber in erster Linie das Unternehmen Spectro. 1979 gründete der studierte Ingenieur die Firma, die damals eine neue Technologie nutzte, um den Metallgehalt von Legierungen einfach zu bestimmen. Die dafür eingesetzte Spektralanalyse lieferte in Sekundenschnelle präzise Ergebnisse, machte kompliziertere Verfahren überflüssig – und stieß damit in eine Marktlücke.

Der erste Spectrometer wurde noch im Wohnhaus der Familie in Materborn zusammengebaut. Ein Start-up, würde man heute sagen. Das Unternehmen war jahrelang eine einzige Erfolgsgeschichte, die vielen Klevern Lohn und Brot sicherte. Zu den Hochzeiten beschäftigte Spectro weltweit über 500 Mitarbeiter.

Bis 1997 war Friedhoff geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens. Dann verkaufte er es an einen Finanzinvestor, heute gehört das Spectro zum amerikanischen Ametek-Konzern. Friedhoff selbst beteiligte sich von 2002bis 2006 noch einmal an einem anderen Unternehmen mit dem Namen Quantron, das ebenfalls Spectrometer herstellte. 2012 wurde Friedhoff, sichtlich gezeichnet von seinen Schlaganfällen, in der Klever Stadthalle mit dem Klever Unternehmerpreis ausgezeichnet.

Schon 1998 hatte sich Paul K. Friedhoff einen Lebenstraum erfüllt und den Huckelriederfeld-Hof, ein 75 Hektar großes Landgut in Löningen/Huckelrieden in Niedersachsen erowrben. Dort züchtete er Schweine, Gäste ließ er manchmal mit dem Hubschrauber einfliegen. Friedhoff hinterlässt Ehefrau Inge und drei Kinder. Peter Friedhoff, einer der Söhne, gehörte als Internet-Fachmann zum erweiterten Team der Unterstützer, die beim Bürgermeister-Wahlkampf von Sonja Northing erfolgreich mitwirkten.

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4 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 4. Jens

    Hat mir ganz kurzfristig und unproblematisch zu einer Diplomarbeits-Möglichkeit bei Spectro verholfen. Nachdem Willemse in Kranenburg durch den Verkauf wegfiel.

    Ausschnitt aus dem Gespräch:
    „Habe Sie ihre Zeugnisse dabei?“ „Ja.“ „Warum? Sie wollen doch ihre Diplomarbeit schreiben, da werden sie doch bis hierhin alles geschafft haben!“

     
  2. 3. Lohengräm

    Der Helmut Schmidt von Kleve. Man hätte ihm einen ähnlich langen Lebensabend gewünscht.

    Er wird allen fehlen, über alle Parteigrenzen hinweg.

     
  3. 2. Filzlaus

    PKF war ein Politiker, der mit seiner ruhigen Ausstrahlung immer die richtigen Worte an der richtigen Stelle gefunden hat und mit viel Umsicht und Cleverness (sehr) entscheidend dazu beigetragen hat, dass Kleve Hochschulstandort wurde. Er war überaus gastfreundlich und vor allem für jedermann erreichbar. Mit ihm verliert Kleve sicherlich einen der „ganz Großen“ in der politischen Szene. Daher an dieser Stelle von mir: Danke für alles.

     
  4. 1. Michael Bos

    Paul K. Friedhoff wird immer in unseren Gedanken sein. Er gab jungen Leuten die Möglichkeit mit der Firma zu wachsen.
    Auch in Brasilien werden wir Ihm Gedenken. Er möge seine Ruhe gefunden haben.
    Michael Bos – Spectro Sul Americana – Brasilien.