Heute morgen um 1:31 Uhr hatten „wir“ es amtlich: Der deutsche Fußball, „unser Sport“, ist international nur noch so konkurrenzfähig wie die Verbrennerautos von Volkswagen, der in den Nachthimmel geschossene Elfmeter von Jonathan Tah hat die Flugkraft, die das deutsche Start-up Lilium (Flugtaxis) nie zu entwickeln imstande war, und jetzt ist nicht nur das Unternehmen insolvent, sondern auch der deutsche Fußball insgesamt, was allerdings von Bundeskanzler (und Privatflieger) Friedrich Merz vollkommen vorbeigegangen ist, der den Verlierern auf der von Rechtsradikalen gekaperten Plattform X hinterhertextete: „Was für ein Spiel, @DFB-Team!Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“
Dabei spielte die Mannschaft doch so, als sei auch die Nr. 47 mit auf dem Feld gewesen, der Spieler mit dem Trikot, das er von Friedrich Merz persönlich überreicht bekam. „Jetzt ist der Sauerländer völlig durchgedreht!“ kommentierte Georg Kreß, ehemaliger Trainer des 1. FC Kleve, auf Whatsapp. Was aber muss geschehen?
Hören wir auf die 83 Millionen Nationaltrainer, muss erst einmal festgehalten werden: Viel zu viele Totalausfälle unter den Spielern der deutschen Mannschaft. Viele sind auch zu wenig gelaufen. Sie fielen auch zu schnell um. Das Experiment Manuel Neuer hätte man sich sparen können. Auch kleidet sich Julian Nagelsmann sehr unvorteilhaft, so kann man vielleicht eine Tresenauswahl auf Malle betreuen, aber doch keine Nationalelf!
Die Kleidung unterstrich zudem seine leicht untersetzte Figur, das war auch nicht vorteilhaft. Kein Vergleich jedenfalls mit Franz Beckenbauer in seinem blauen Kommunionanzug (Weltmeister 1990) oder Helmut Schön mit Schlägermütze und in hellblauem Adidastrainer (damit würde man heute ins Berghain kommen, Weltmeister 1974) oder Sepp Herberger im Trenchcoat (Weltmeister 1954, das atmete den unbarmherzigen Nachkriegsfrugalismus).
Zurück aufs Feld, denn entscheidend ist aufm Platz: Kimmich ist kein Rechtsverteidiger. Musiala ist nur bei Bayern gut. Pavlovic verliert jeden Zweikampf. Nagelsmann läuft an der Seitenlinie mehr als Wirtz. Undav ist nur als Joler gut. Brown ist der einzige der kämpft (der im schönen Amberg geborene 23-Jährige überzeugt zudem durch seinen dezenten Schnurrbart, fast ein Menjoubärtchen, sollte auf jeden Fall in diese Richtung weiterentwickelt werden), und Havertz glänzt nur bei Chelsea. Im Grunde fast eine Lost Generation.
Rein taktisch ist anzumerken, was Christian Streich vor dem Spiel gesagt hatte: „Der ischt mitgegangen… Du verschiebst die Abseitslinie, aber nur wenn Joshua Kimmich breiter steht, und nicht innen steht, wir müssen über diese ersten zwei Spieler raus, wir müssen hier den dritte[n] rauslocken, Brown steht hier, Klinsi [?] hat gesagt Tiefenläufe, und jetzt da verschieben und der Ball ist hier, die gehen rein, können wir verlagern, jetzt Brown wieder tief rein.“ Fußball kann so einfach sein. Man muss halt die Stoßstürmer richtig einsetzen und die Unterschiedsspieler in den Kader berufen.
War das Tor von Tah in der 104. Minute regulär? Auch so eine Frage. Anton hatte den paraguayischen Keeper Gill umgerempelt. Experten meinen, der durch den Videoassistenten veranlasste Foulpfiff sei OK gewesen, allerdings habe es sich um ein soft foul gehandelt. Die Regeln geben es aber her, einen solchen Kontakt zu ahnden.
Sicher ist: Der Deutsche Fußball-Bund steht vor schwierigen Entscheidungen, auch modisch. Wohin übrigens mit den acht Millionen Adlertrikots, denen nun natürlich das Verliererimage anhaftet wie Mottengeruch? Darf man Jürgen Klopp für sein impertinentes „Noch“ noch belohnen? Der deutsche Fußball steht am Scheideweg.

