Detlev Jänicke, 1955-2026

Detlev Jänicke, Wirt des „Flöns & Schmöker“
Blickfang mit Geweih und Diadem

Sein Lokal sah so aus, als hätte ein Vulkanausbruch Massen von Dekorationsmaterial in den Raum geschleudert. Von oben am Tresen blickte einen ein lebensgroßer Elchkopf an, geschmückt mit einem silberen Diadem. Links und rechts daneben hingen zwei ausgemusterte Trompeten. Auf dem Türrahmen zur Herrentoilette standen, aus welchen Gründen auch immer, sechs Kaffeemühlen. Es gab ungezählte Werbeplakate und Tafeln mit mehr oder minder geistreichen Bonmots, und natürlich Bücher, überall Bücher, die seinem Lokal den Namen gaben: „Flöns & Schmöker“, so hieß die Gaststätte, die Detlev Jänicke Anfang der 2000er Jahre in der Unterstadt eröffnete, die jahrelang ein Anlaufpunkt der Klever Nachtschwärmer war und die der Wirt schweren Herzens 2008 schließen musste, nachdem seine Ärztin ihm ein Ultimatum gestellt hatte.

Blick ins „Flöns & Schmöker“: Wohlfühlinterieur

Mit Kneipe hätte er höchstens noch ein Jahr zu leben gehabt, so sagte es die Medizinerin zu ihm. Ohne Kneipe wurden es nun noch 18, die Detlef Jänicke – zurückgezogen in Kleve wohnend – lebte. Doch schon vor einem Jahr traf den Gastronomen eine Krebserkrankung, seinen 70. Geburtstag beging er im Gocher Krankenhaus. Am Freitag nun starb Detlev Jänicke in der Düsseldorfer Uniklinik an den Folgen dieser Erkrankung.

Jänicke stammte aus Düsseldorf, und als er in Kleve das unter dem Namen „Franziskaner“ bekannte Objekt an der Lohstätte übernahm und umtaufte, war es sein erklärtes Ziel, etwas mehr rheinische Lebensart an den Niederrhein zu bringen – mit der Küche mit dem Schwerpunkt rheinischer Spezialitäten, aber auch mit der Grandezza, die einem vielleicht zur zweiten Natur wird, wenn man lange in Düsseldorf gelebt hat.

Gerne servierte Detlev Jänicke zu später Stunde noch üppig beladene, gemischte Teller, mit dem was die Küche noch herzugeben imstande war. Für nahezu jede schräge Idee war er zu haben, beispielsweise veranstaltete er am 24. Juni eine Weihnachtsparty mit Plätzchen, Gänsekeule und Glühwein, um im Gegenzug im tiefsten Winter zu einer Mittsommerparty zu laden. Kellnerin Andrea allerdings, eine der Säulen des Ladens, weigerte sich, einen BH aus Kokosnussschalen zu tragen, irgendwo musste der Spaß ja auch Grenzen haben.

Wenn alles nicht so ganz ernst genommen wurde, war Detlev Jänicke in seinem Element – spätestens am Tresen sollte die Mühsal des Alltags vergessen sein. „Das ‚Flöns & Schmöker‘ war sein Herzblut, da hat er all seine Energie hineingesteckt“, sagt Birgit Marquardt, seine Schwester.

Für andere da sein, das war Detlev Jänicke wichtiger als auf sich selbst zu achten. Die Quittung kam, irgendwann stellte sein Körper sich quer, und da war er gerade einmal Anfang 50. „Er hat sehr darunter gelitten, dass er nichts mehr machen konnte“, berichtet seine Schwester.

Detlef Jänicke hinterlässt seine in den Niederlanden lebende Partnerin Emille – und viele dankbare Menschen aus Kleve, die in seinem Lokal und mit ihm unvergessliche Stunden erleben durften.

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