Richtfest, eine Ferndiagnose

rd | 27. Mai 2011, 17:11 | 4 Kommentare

Wie ein Strichcode aus Mausgrau, Anthrazit, Dunkelgrau, Marineblau, Schwarz (Foto: © Dickschaedel)

War das eine Sause! Häppchen und Hendricks, Schnaps und Spreen, Hostessen und Himmelbetten, aparte Studentinnen mit bunten Plastikbändchen! Es gab Reden voller Esprit und Partizipialkonstruktionen, eine lange Polonaise (»Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse…«) und allgemeines Schulterklopfen so fest, dass damit auch die ca. 8 Millionen Spezialpfeiler in den Uferschlamm des Spoykanals hätten gerammt werden können. Grimmige Grimassen der Zuversicht lächelten laserschwertgleich einem bionischen Dorado royal der Bildung entgegen, und warum auch nicht? Hier in loser Zusammenstellung die wichtigsten Fakten zum Richtfest der Hochschule Rhein-Waal, dem schönsten Fest wo vorstellbar:

  • Pfähle: 800
  • Pfosten: nicht gezählt
  • Minister: 1
  • Lachshäppchen: 6000
  • Promille, die zur Verteilung anstanden: 700
  • Erkenntnis: 1 (»Die Hochschule wird kein Elfenbeimturm, sondern ein Katalysator für Irgendwas«, S. Schulze)
  • Gäste: 350 (darunter alle 630 Studenten)
  • Reden: ≥5, so genau weiß das keiner mehr
  • Überraschungsgast: T. Brauer, Bürgermeister
  • Opfer: ganz viele Termine (S. Schulze: »Als ich vom Richtfest gehört habe, habe ich sofort alle meine Termine umgelegt.«)
  • Kohle: Zur Finanzierung der Hochschule wurde ein 122,3-Millionen-Euro-Speckflöz erschlossen.
  • Schmalz: in verlässlichen Dosen (»Und wenn wir heute hier an den Ufern des Spoykanals stehen…«, LR Spreen)
  • Klotz: haute wie immer einen raus (»Der Kreis hält mit uns Schritt«)
  • Sonstige aufgeschnappte Zahlen: 16 Studiengänge, 70 Prozent davon in englischer Sprache, Nutzfläche 22.163 Quadratmeter, Gesamtfläche 48.000 Quadratmeter, Kapazität: 3000 Kubikmeter Studenten, Fertigstellung (geplant): August 2012 , 120 Professoren, 65 wissenschaftliche Mitarbeiter, 50 Verwaltungsangestellte, mindestens 28 Bachelor- und Master-Studiengänge, 60 Trillionen Semester, Gesamt-IQ (Professoren, Bauarbeiter, Studenten, Kreisverwaltung): > 25.000.
  • After-Party-Location: Hallenbad Kleve

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4 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 4. Dickschaedel

    die Festverkleidung – Folie wird ab heute wieder abgebaut, das Gerüst und weisse Folie schienen mir nur fürs Richtfest gewesen zu sein – in Kleve ist alles anders – ist schon son bisken wie Nigeria
    und Hein ist auch fast fertig. Frag mich nur die Theatervorstellung mit einrüsten und abrüsten so gekostet hat.

     
  2. 3. Killerplautze

    Mir ist noch zu Ohren gekommen, dass die Arbeiter von der Festgesellschaft gemieden und dezent übersehen wurden. Nur Babs Hendricks und die Ministerin haben sich mit denen unterhalten. Theo, Wolfgang, Madame Klotz und wie sie alle hiessen machten einen ganz grossen Bogen um die wahren Erbauer der Hochschule und würdigten sie keines Blickes.

    Es hätte nur noch gefehlt, den Arbeitern Gutscheine von Subway in die Hand zu drücken um sie bom Buffet fernzuhalten, aber das haben diese Brüder sich dann doch nicht getraut.

     
  3. 2. Killerplautze

    Passend zur schönen neuen Aggro-Bionix-Vision der ehemaligen und aktuellen Verdächtigen aus Politik und Unternehmerschaft ist hier schon mal ein Appetizer an dem sie sich berauschen könnten. Wenn darin nicht die beiden verflixten Buzzwörter enthalten wären…

    http://www.gelderlander.nl/voorpagina/nijmegen/8764599/Toplab-Heinz-komt-naar-Nijmegen.ece

    “Radboud Universiteit”

     
  4. 1. AllesKlever

    1.)
    Mal ne geologische Frage. Wenn da überall Uferschlamm von der Spoy ist, was war denn da früher bzw. was ist da unter dem Schlamm drunter?
    Lag die Klever Niederung früher noch tiefer als jetzt?

    2.) Warum sind es immer die studierten Germanisten die solche Deutschkonstruktionen raushauen (“Termine umgelegt”, “sachimmanent”, “da fass ich mich an den Kopf”) ?

    3.) Allein der neue RWTH-Campus (nur der Campus!) hat ein fast 10-mal grösseres Finanzvolumen als die komplette FH Kleve.