Mare rhenum: Fließende Übergänge

Eine Studie in Trübsinn: Vater Rheins große Diffusion, fließende Übergänge in grauem Braun oder braunen Grau – sehen wir noch einen Flusslauf oder schon ein Meer? Wo hört das Wasser auf, wo fängt der Himmel an?
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9 Kommentare

  1. Diese elementaren Fragen regen zu tiefschürfenden Betrachtungen, die da lauten: Der Strom in dieser Farbenvielfalt von diversen Grauwerten und einigen Schlieren in Braun ist eine Urgewalt. Das kleine Binnenschiff gleicht einem Borkenschiffchen aus der fernen eigen Vergangenheit kindlicher Schöpfung. Die Baumreihe hinter dem Schiff steht im kühlen Wasser. Wie fühlt sich das an, wenn die Wurzeln vollständig im Wasser sind? Vermutlich bedarf es einer gewissen Ausdauer und Genügsamkeit um als Baum oder Buschwerk Hochwasser zu überstehen. Gerade bei Büschen bleibt bei Hochwasser viel hängen: Fetzen von Plastikfolie, Plastikflaschen und -kanister, Stücke von Nylontauen oder Netzen, Styropor und Holz von Bäumen und Büschen, die dem Fluss nicht mehr standhalten konnten. Bei Zurückweichen des Wassers flammt die fast verschüttete Entdeckerfreude auf. Baumaterial für das eigene Boot! Stopp! Erwachsenbrille aufsetzen! GottoGott dieser ganze Müll! Diese Umweltverschmutzung!!!
    Aber da kann man doch so viel draus machen! Spricht das alter Ego in kindlicher Vernunft und Freude.

     
  2. Hochwasserfront in Emmerich 02 Februar. 2021
    Aktuell ist es an der Hochwasserfront in Emnerich am Dienstagabend bei einem Wasserstand von 700 cm noch alles entspannt.
    Allerdings rollt gerade von Mainz über Koblenz aus kommend eine neue Hochwasserwelle den Rhein hinunter. Heute alleine, kamen in Bonn noch einmal 48 cm vom Montag 01. Februar auf den Dienstag 02.Februar hinzu, auf einen aktuellen Pegelstand von 786 cm am Dienstagabend um 18.00 Uhr.
    Rheinpegel Koblenz / Rhein Warnstufe 1 >2-jähriges Hochwasser liegt der Wasserstand aktuell bei 695 cm Tendenz steigend ⬆️
    Köln / Rhein Warnstufe 2 > 825 cm + 2cm Tendenz steigend ⬆️ bei 1070cm wird Warnstufe 3 ausgelöst. Hier wird vermutlich im Laufe des Mittwochs die Schifffahrt im Bereich Köln auf dem Rhein eingestellt weil die Binnenschiffe dann an die Brücken stoßen könnten.
    Düsseldorf / Rhein Warnstufe 1 > 774cm + 4cm Tendenz steigend ⬆️ bei 910cm wird Warnstufe 2 ausgelöst.
    Duisburg / Ruhrhafen Warnstufe 1 > 907cm + 4cm Tendenz steigend ⬆️ bei 1047cm wird Warnstufe 2 ausgelöst.
    Wesel / Rhein Warnstufe 0 kein Hochwasser 866cm + 7cm in der letzten Stunde Tendenz steigend ⬆️ bei 880cm wird Warnstufe 1 ausgelöst.
    Rees / Rhein Warnstufe 0 kein Hochwasser 790cm in der letzten Stunde +2cm Tendenz steigend ⬆️ bei 830cm wird Warnstufe 1 ausgelöst.
    Emmerich / Rhein Warnstufe 0 kein Hochwasser 700cm in der letzten Stunde +2cm Tendenz steigend ⬆️ bei 770cm wird Warnstufe 1 ausgelöst.

    Quellenangabe Daten
    “Meine Pegel” https://www.hochwasserzentralen.info/meinepegel/
    bzw.
    Hochwasserstandsmeldedienst

     
  3. Grauer Rhein

    Der Himmel schweigt, betrübt ruht still das schwache Land…
    Die Welt steht still…Trauer herrscht in Rheines Reich!
    Ein einsam Schiff nur treibt verloren, wie ein karger Ast,
    Gebrochen, fallend von des Wassers Lebensbaum…

    Die Wolken weinen unsichtbar, das Sonnenlicht ist ganz entschwunden.
    Die Arbeit ruht, der Menschen Hände sind gebunden.
    Der nassen Kälte Fessel daempft des Lebensatems Raum
    Wie Pappeln traurig durch schwachen Lebens schwere Last!

    Des Himmels Grenze schwindet, wird wie Tränen weich…
    Gelähmt ist ganz der Menschen schaffend Hand.
    Du alter Rhein, versiegt und traeumend, grau
    Du Trauerlied des Winters, ohn’ Hoffnung, ohne frischen Tau!

    Berlin, den 4.2.2020

     
  4. @Wolfgang Look Schönes Gedicht.

    Ehrlich gesagt warte ich auf den blauen Rhein. Die dichten Wolken (heute mal nicht ganz so dicht) in der letzten Zeit haben den grauen Rhein zum Vorschein kommen lassen. Ein klarer blauer Himmel lockt dagegen den blauen Rhein hervor, der gleich viel lebendiger erscheint.

     
  5. @Schwarzer Kater. Man könnte auch sagen, dass dies daher rührt, dass man aus einer Not eine Tugend macht. Aber es ist nicht eindeutig so, dass nur die Sonne schön ist und die Wärme, wie viele denken, wenn sie ans Mittelmeer fahren. Die Zuordnung von Schönheit und Wohlergehen ist uneindeutig. Auch der Nebel, der Regen, der kalte Winter, die Nacht haben viele positive Seiten. Insb. unter künstlerischem Aspekt können sie interessante und reichhaltiger sein,weil sie geheimnisvoll sind, mystisch, ungewöhnlich udn auf das eigentliche Verweisen

     
  6. @5. Wolfgang Look So geht es mir mit verlassen Gebäuden. Sie sind im eigentlichen Sinne oft nicht schön, gerade aufgegebene Industriekomplexe sind oft alles andere als schön, aber es fasziniert mich. Selbst ein Plattenbau (gesehen in einer Stadt im Ostharz) in trister Umgebung wo den übriggebliebenen Schildern zufolge mal eine Behörde untergebracht war hatte durch den sichtbaren Verfall eine Anziehungskraft, die ich mir am ehesten dadurch erklären kann, dass die Phantasie geweckt wird. Dabei war an diesem Plattenbau gar nichts besonderes vom Verfall abgesehen: geborstene Fensterscheiben, wucherndes Unkraut, teilweise zurückgelassene oder vergessene Gegenstände, spärliche Hinweise auf die frühere Nutzung des Gebäudes, gealterte und teils kaputte Fassadenverkleidung. Das Gebäude ist inzwischen sicher längst abgerissen worden, aber so nichtssagend und trist es war, ist es mir bis heute in Erinnerung geblieben, wahrscheinlich weil ich das Gebäude habe „sterben“ sehen und das ist etwas sehr „persönliches“ und hat diesen Gegenstand, diesen Plattenbau für mich in diesem Zustand zu etwas besonderem werden lassen.

    PS: Der weiße Rhein gefällt mir auch ganz gut und das Hochwasser sowieso.

     
  7. Apropos verlassene Gebäude: Erinnert mich daran, als ich in den 1990er Jahren auf Rügen das Prora-Gelände besichtigt habe, darauf dieser unglaublich lange Gebäudekomplex, der damals leer stand. In den Gebäuden war es feucht und kalt (es war Februar). Gruselig, das Ganze.

    http://www.sandraschubert.com/prora

     
  8. Vergleichsweise wenig Unrat hat das Hochwasser hinterlassen. Was ich bisher an angeschwemmtem Material gesehen habe, hätte knapp für ein Ein-Mann-Floss gereicht. Zurückgeblieben sind vor allem Eisplatten und Klumpen in den Sträuchern und Büschen in etwa 1 m Höhe (auf Salmorth). Beschert hat dieses Hochwasser Mühe, das THW als Fährbetrieb bei Eiseskälte kann davon ein Lied singen, Unannehmlichkeiten, die Schenkenschänzer können das bestätigen, und mechanische Belastungen für Baum, Busch und Strauch durch Wassermassen und Eis. Noch etwas hat das Hochwasser mit Hilfe von Frost hervorgebracht: Menschen entzückt von einem filigranen Eisgebilde zum nächsten huschend oft mit Smartphone oder Kamera in der Hand ein Wunder nach dem nächsten betrachtend.

     
  9. @8. Griesgram “wenig Unrat hat das Hochwasser hinterlassen”
    Vielleicht ist das aber auch nur eine Funktion der Physik.
    Angeschwemmtes, das sich sonst zuhauf am Ufer gesammelt hat, wird vermutlich jetzt mit der Eisbildung zu Gebilden mit mehr Trägheitsmoment zusammengepappt haben und sich jetzt weiter stromabwärts, wenn nicht im Meer wiederfinden lassen.
    Verhält sich wie das Geld an der Börse, ist nicht weg, ist nur woanders.
    Denn bei den Wassermassen ist wohl eher von mehr, als von weniger mitgerissenem Krempel auszugehen.

     

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