Erster Corona-Todesfall im Stadtrat: SPD trauert um Heinz Boskamp

rd | 12. Dezember 2020, 14:44 | 12 Kommentare
Heinz Boskamp wurde 73 Jahre alt

Manchmal sagt man das so dahin: Muss erst jemand sterben?

Die Diskussion darüber, ob die Sitzung des Klever Stadtrats am 16. Dezember wegen der dramatischen Ausbreitung der Corona-Pandemie abgesagt werden soll, wird von einem Todesfall überschattet: Heinz Boskamp, Mitglied der SPD-Fraktion, starb am Samstagmorgen im Alter von 73 Jahren an den Folgen einer Corona-Infektion.

In dieser Woche war bekannt geworden, dass es trotz aller Sicherheitsvorkehrungen in der Ratsfraktion der Klever Sozialdemokraten einen Corona-Ausbruch gegeben hatte. Die SPD-Vertreter sagten daraufhin ihre Teilnahme in Ausschusssitzungen ab und begaben sich in häusliche Quarantäne. Wie jetzt bekannt wurde, gehörte Heinz Boskamp zu den Parteimitgliedern, die sich das Virus zugezogen hatten. Der Verlauf der Erkrankung hatte sich am Wochenende rapide verschlechtert. Boskamp starb zu Hause.

In einem Nachruf auf der Website der SPD Kleve heißt es: „Heinz Boskamp hat sich lange Jahre als Mitglied des Rates der Stadt Kleve, Mitglied im SPD-Unterbezirks- und Ortsvereinsvorstandes wie auch als Vorsitzender der AG60Plus auf verschiedene Parteiebenen um sozialdemokratische Politik verdient gemacht. Er hat sich immer für eine sozial-gerechte Gesellschaft, in der die unterschiedlich orientierten Generationen fair zusammenleben und ihren entsprechenden Anteil haben, eingesetzt. Der Ortsverein und die Ratsfraktion der Klever SPD werden Heinz stets ein ehrendes Gedenken bewahren. Seiner Frau Maria und den Angehörigen gilt unser tiefes Mitgefühl.“

Im Zuge der Ausbreitung des Virus in ihren Reihen sowie der damit einhergehenden Isolierungen hatte die SPD den Antrag gestellt, die kommende Ratssitzung auszusetzen. Gestern hatte sich Daniel Rütter von der FDP sich diesem Vorschlag angeschlossen, in einem Brief an Bürgermeister Gebing sagte er, die Infektionszahlen scheinen völlig außer Kontrolle geraten zu sein.

Wolfgang Gebing allerdings beharrt darauf, die letzte Sitzung in diesem Jahr turnusgemäß durchzuführen und führte zur Begründung wichtige Entscheidungen an, die von dem Gremium zu fällen seien. Es gehe beispielsweise um wichtige Beschlüsse in Grundstücks- und Bauangelegenheiten.

Heinz Boskamp verstarb an den Folgen einer Corona-Infektion

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12 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 12. Martin Fingerhut persönlich

    Aus ganzen Herzen und mit Verstand sozial und demokratisch, ohne ParteiScheuKlappen
    hat Herr Boskamp sich bedächtig und beharrlich eingesetzt,
    damit in Kleve vieles besser werde.
    besonders für Senioren und Menschen mit Handicap.
    Auch viele kleine Schritte addieren sich zu wichtigem Fortschritt.

    Heinz Boskamp hat sich ringsUm informiert.
    Das Laut-Sprechertum überlies er anderen,
    seine Sache war das ruhige, sachliche Gespräch.
    Am Ende einer Diskussion brauchen nicht alle einer einzigen Ansicht zu sein.
    Völlig normal, wenn andere die Fakten anders gewichten und deshalb zu anderen Ergebnissen kommen.
    Wichtig ist, daß jeder sich sicher ist :
    Auch der andere hat alle Argumente wahrgenommen und ernsthaft geprüft.
    SO habe ich Herrn Boskamp erlebt.
    SOLCHE Menschen braucht jeder StadtRat um nicht StattRat zu bleiben.
    MEHR Menschen von diesem Schlag.
    StattDessen fehlt nun einer.
    Ich werde ihn vermissen.

    Heinz Boskamp wird mir
    – bestimmt nicht allein mir –
    noch lange in positiver Erinnerung bleiben.

    Seiner Familie wünsche ich die Stärke, den Verlust zu verkraften.

     
  2. 11. Werner

    @8. Ich denke es geht da weniger um Wählerstimmen sondern mehr um Engstirnigkeit und wenig Mut zur Digitalisierung. Man hatte seit März Zeit digitale Lösungen für sämtliche Vorgänge im und um des Rathauses zu erarbeiten. Sowohl als die Parteien, als auch die Verwaltung. Das hätte Heinz Boskamp das Leben gerettet. Die Antwort waren dann aber irgendwelche halbherzig ausgeführten Hygienekonzepte und teils monatelange Wartelisten für Bürger im Bürgerbüro.

     
  3. 10. Bruno Janßen

    @6 Unknown: Dem kann ich mich nur anschließen! Diese Kommentare sind einfach völlig pietätlos!

     
  4. 9. jean-baptiste

    @6. Unknown
    Ich kann Ihre Entrüstung verstehen, aber wenigstens 1 Post, #27., hat sich diesem traurigen Ereignis zugewandt.
    https://www.kleveblog.de/ringen-um-die-klever-ratssitzung-jetzt-auch-fdp-dagegen-infektionszahlen-scheinen-voellig-ausser-kontrolle/
    Die Daumenlage zu diesem Post spiegelt allerdings die traurige “Feinfühligkeit” des KleBlog- Publikums wieder.

     
  5. 8. Speedastir

    @6: Auf den ersten Blick mag das pietätlos wirken, aber letztendlich zeigt es doch genau das Problem. Überall verrecken die Leute an diesem Virus (und ja, als jemand der auf einer bei einem Maximalversorger auf einer Intensivstation arbeitet, sage ich ganz bewusst verrecken). Das es so kommen wird, ist allen Vernunftbegabten seit dem Frühjahr klar. Trotzdem haben die Parteien und die Verwaltung (in Kleve und sonstwo) bei Partei-Versammlungen, Rats-Sitzungen, Demos etc. so gerade eben die Mindestregeln erfüllt (und oft nichtmal das -> schaut euch mal die Bilder von der #noafd-Demo an), obwohl ja nun ein Großteil der Beteiligten offensichtlich zur Risikogruppe gehört. Jetzt ist es in Kleve das erste Mal öffentlichtkeitswirksam schief gegangen und alle sind pseudo-bestürzt. Ändern wird sich wenig bis nichts, weil mittlerweile ALLE “Alt”-Parteien Angst haben bei der nächsten Wahl Stimmen von Querdenkern, (meist im Verhältnis zur tatsächlichen Arbeit viel zu reichen) Selbstständigen und sonstigen Idioten zu verlieren.

     
  6. 7. Guenther Hoffmann

    6.) ☝🏽..keine Sorge,es werden noch viele sterben für die nicht gepostet wird, für die sich keine Sau interessiert,die vereinsamt leben, ziellos durch die Gegend laufen und nicht wissen was da für eine Riesen 💩 abläuft. Wer die Augen auf macht sieht sie i.d. Straßen und sie werden wahrscheinlich die Kolateralschäden einer irren Politik sein die sich selbst im Weg steht. In Statistiken werden sie als Corvit 19 Opfer auftauchen und somit für eine dankbare unfähige Politik noch was Gutes tun.🤮

     
  7. 6. Unknown

    Hier steht eine Meldung über einen Verstorbenen und sie alle posten diese Nachrichten. Sie widern mich an. Sie Alle!

     
  8. 5. Günter van Meegen

    Nach § 11 des Infektionsschutz- und Befugnisgesetzes vom 14. April 2020 (GV. NRW.) kann auch der Hauptausschuss in Angelegenheiten entscheiden die der Beschlussfassung des Rates unterliegen.
    Es gibt auch die Möglichkeit bei Entscheidungen die nicht aufgeschoben werden können, der Rat nicht tagen kann die allgemeinen Vertreter*innn mit einem Ratsmitglied entscheiden können. -Dringlichkeitsentscheidung – Die Entscheidung wird dann vom Rat in der nächsten Sitzung abgesegnet. § 60 GO NRW – Eil- und Dringlichkeitsentscheidungen. Ein ganz normaler Vorgang, der auch in Bedburg-Hau schon oft angewendet wurde.

     
  9. 4. Tembaco

    @1
    Und wenn im St. Antonius ein Pfleger stirbt, bleibt der Rest der Kollegen zu Hause 😃.
    @ RD
    Gibt es eigentlich auch eine Statistik über Berufsgruppen, die leider an Corona gestorben sind?

     
  10. 3. ulrich

    Der BM sollte sich einmal beraten lassen und dann abwägen. Für alle notwendigen Entscheidungen sieh die Gemeindeordnung Dringlichkeitsentscheidungen vor. Das kann auf für eine solche Situation aktiviert werden; mit ein wenig Mut und ganz ganz sicher ohne rechtliche Bedenken.

     
  11. 2. rainer

    “wichtige Beschlüsse in Grundstücks- und Bauangelegenheiten”. Gebing, so wird dat nix, wenn immer mehr Leute sterben, gibbet auch niemanden mehr den Grundstücks- und Bauangelegenheiten interessieren. Ich persönlich würde mir, wenn ich jung wär, keinen jahrzehntelang laufenden Kredit an die Backe holen, um mir irgendwo in der Provinz ein Haus zu bauen, möglicherweise unter Zwangsgestaltungssatzung. Krüppelwalm und Ziegelstein

     
  12. 1. Niederrheinerin

    Damit müsste sich die Präsenzsitzung erledigt haben.