Es muss um das Jahr 1380 gewesen sein, als Graf Adolf I. von Kleve die Sanierung der Spyckstraße in Auftrag gab. In einem Dokument, das im Stadtarchiv neben den Ausschreibungsunterlagen zum Neubau des Rathauses wie ein Schatz gehütet wird, heißt es: „Bouwet disen weg. Die fuorwërke solent guot voran komen! Die boume solent rûm ze leben haben! Wer zu fuoze ûf reise ist, möhte sich behagelîch fühlen. Verrichtet die nôtwendic werken sîde, dochâ ohn eilîcheit.“
Den Auftrag erhielt die fürstliche Bauhütte Loock, ein Unternehmen, das damals auf Wege und Wassergräben spezialisiert war, wovon die heutige Bezeichnung „Erd- und Tiefbau“ noch Zeugnis ablegt. Markenzeichen des Unternehmens waren Spitzhacken mit rotem Schaft. Die Arbeiter, teilweise auch niedrig entlohnte Sklaven (Gewerkschaften gab es noch nicht), machten sich sofort auf den Weg, wurden aber von einer Pestepidemie und dann von noch einer aufgehalten. Die Krankheit dezimierte auch die Belegschaft.
In den folgenden Jahrhunderten wurde dann viel um ein scheinbar unbedeutende Floskel aus dem fürstlichen Edikt gerungen: „sîde, dochâ ohn eilîcheit“ – zügig, jedoch ohne Hast sollten die Arbeiten vonstatten gehen. Was das genau bedeutet, ist bis heute umstritten. Loock jedenfalls baute in der Zwischenzeit auch den Kölner Dom und den Tunnel unter dem Ärmelkanal.
Derweil verzögerten sich die Planungen für die Spyckstraße immer wieder, auch weil beispielsweise 1817 Karl Drais seine Laufmaschine („Draisine“) erfand, ein zweirädriges Gefährt ohne Pedale, das durch Abstoßen mit den Füßen angetrieben wurde. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit waren Fahrradspuren noch kein Thema. Es musste umgeplant werden, das warf die Bauarbeiten um Jahrhunderte zurück.
Der Baufortschritt litt zudem unter zwei Weltkriegen, und im Zuge der Währungsreform mussten die Verträge nochmals neu abgefasst werden (ursprünglich sollte die Bezahlung in Reichstalern und Adelstiteln erfolgen). Mit der D-Mark kam auch die Demokratisierung, mit dem Euro war dann endlich soviel Rechtssicherheit da, dass Loock erstmals nach Jahrhunderten wieder einzelne Arbeiter zur Baustelle schickte.
Sie arbeiteten sîde, dochâ ohn eilîcheit – und, siehe da, seit kurzem präsentiert sich die Spyckstraße wie die modernste aller Klever Anwohnerstraßen. Von der Hafenstraße kommend, dürfen Radfahrer rechts in die Straße abbiegen und finden dafür eine geräumige Spur vor; die Parkflächen sind den heutigen Fahrkenntnissen und Fahrzeuggrößen angepasst; allerorten künden blitzeblaue Verkehrszeichen von den Freuden des unentgeltlichen Parkens; die Baumscheiben sind so groß bemessen, dass die Bäume am liebsten vor Freude hüpfen würden, und allüberall wartet feinster Loockasphalt darauf, dass der Fugensand verweht wird und seinen dunklen Glanz freigibt.
Eigentlich wollte Adolf I. zur Eröffnung kommen, doch er verstarb 1394, ohne je einen Fuß in die Spyckstraße gesetzt zu haben. So wird Bürgermeister Markus Dahmen die ehrenvolle Aufgabe zukommen, das Jahrhundertwerk einzuweihen.


@16. mal so gefragt: Berechtigte Fragen, auf die es keine Antwort geben wird.
Kosten: Die Kostenplanungen und -berechnungen werden bei der Stadt Kleve in der Regel mit Kostenpuffern dargestellt und enthalten zweistellige Margen zur Risikoabwendung. Deshalb gibt es auch keine Kostensteigerungen.
Termine: Bis auf die Landesgartenschau (Termin April 2029) habe ich bei der Stadt Kleve noch nie verbindliche Termine genannt bekommen. Es sind immer recht unverbindliche Bezeichnungen (Im Sommer, im nächsten Schuljahr, im Jahr xy). Dies lässt genug Spielraum, um dem technisch unbedarften Laien zu suggerieren, es sei alles normal. Selbst Fragen noch dem Baufortschritt werden recht oberflächlich beantwortet: „Wir sind im Plan“.
Z.B. fällt mir auf, dass es für das neue KAG keinen konkreten Fertigstellungstermin gibt. Planung und Bau finden bereits seit über 10 Jahren statt. Zum Vergleich: Die Hochschule ist in 24 Monaten geplant und in Betrieb gegangen. Und wenn man weiß, welche Kosten eine solche Baustelle jeden Tag verursacht, stellt man fest: Hier wird richtig viel Geld verbrannt.
Bei aller Freude darüber das es eine Baustelle weniger in Kleve gibt drängen sich mir zwei Fragen auf.
Weiß irgendjemand noch welche Kosten und welche Bauzeit ursprünglich geplant waren? Weiß jemand ob die Kosten- und Zeitplanung eingehalten wurden?
Toll und vielen Dank an die Firma Loock! So können wir mit unserer Männergruppe wieder nach dem Besuch bei unserem Lieblingsgriechen an der Gruft gefahrlos zum Willi laufen.
Nein nein, so ist es nicht. Sie sind nicht zu dämlich, sie werden für dämlich gehalten…
@12.
Vielleicht ein Hinweis für die Leute aus der Oberstadt, die dort parken möchten?
😉
Wieso stehen da alle paar Meter die Parkschilder? Sind die Leute in der Unterstadt zu dämlich zum Autoparken?
@8 Die Spyckstraße war nicht verlottert, sie war alt und gewachsen. Sie hatte einfach nicht den heutigen Charme des Sterilen. Aber jeder empfindet das anders, und das ist gut so. Aber abgesehen davon: es wäre zu schön um wahr zu sein, wenn diese Art von Sanierung das Drogenproblem gelöst hätte…meiner Meinung nach ist es eher eine Frage der Vermietung…
Hat man zuviele Parkplatzschilder übrig gehabt?
@6 Und wenn es Loock hier nicht gäbe? Könnten die restlichen Firmen das auffangen? Oder müssten die Bagger dann von weiter her kommen?
@3 „Diese Straße hat ihren Charme verloren.“ Sie meinen den Charme des Verlotterten, der zuletzt auch der Drogenszene gefiel?
Es gibt Erkenntnisse, wonach sanierte Stadtgebiete sicherer sind.
Der Herrgott schuf in seinem Zorn, Nütterden und Materborn….😉😜😳🥳
Was für eine erschütternde Lobhudelei auf die Firma mit den (viel zu vielen) roten Baggern!
Die Unterstadt gewinnt langsam. Es soll ja Materborner geben, für die das Gebiet rund um die Spyckstraße trotz Herderstraße u. a. gar nicht geht. Für sie ist der Besuch der unteren City auch noch immer eine Fahrt in eine andere Stadt.
Dann muss man jetzt die Adolfsschlucht im Tiergartenwald in Spyckschlucht umbenennen, um das Ereignis zu würdigen und zu verewigen
Graf Adolf wäre entsetzt. Was ist aus dieser Straße geworden, man hat ihr den Charakter genommen.
An einigen Stellen Bürgersteige breit wie Fußballfelder, dafür im hinteren Teil so schmal, dass man bei entgegen kommenden Fußgängern auf die Straße ausweichen muss. Dafür sind die Pflanzbeete zum Ausgleich breiter als die Bürgersteige und schreien nach Pflege und Entmüllung ( aufgrund fehlender Müllbehälter). PKW dürfen nur noch in perfekt ausgemessenen Rechtecken abgestellt werden und das bitteschön nur noch mit käuflich erworbenen Anwohner-Parkausweisen. Diese Straße hat ihren Charme verloren. Sie ist eine von vielen Reißbrettstraßen dieser Stadt geworden. Da hat die Stadt Kleve wieder einmal ganze Arbeit geleistet…
Wievielte haben Sie auf???
Bingo ! Der großzügige Platz für Autos ,völlig am Mainstream vorbei,🤫 belohnt die Klever Liebe zum Auto. So geht 🤜🏼 Klima 🥴 Protest 😎 Für mich als GOGGO Fahrer ist das sehr lieb 😍 von Dir.. Kleve 👋🏼. 🙄