Brüningstraße: Frau ersticht Partner nach „Differenzen im häuslichen Bereich“

(Aktualisiert) Tödlicher Streit in einer Unterkunft für Leiharbeiter an der Brüningstraße! Am Samstagabend eskalierte ein Streit zwischen einem Paar derart, dass die Frau zu einem Messer griff und auf ihren Partner einstach. Die Verletzungen waren so schwerwiegend, dass der 37 Jahre alte trotz einer einer Notoperation im benachbarten Klever Krankenhaus verstarb. Das Polizeipräsidium Krefeld hat eine Mordkommission eingerichtet.

Das Paar wohnt in Kleve und arbeitete in Holland in der Fleischverarbeitung als Leiharbeiter. Zum Streit kam es am Samstag gegen 17 Uhr. Die Stichverletzungen des Opfers waren im Bereich des Oberkörpers.

Die Beschuldigte wurde festgenommen. Sie wurde am heutigen Sonntagmittag (13. Dezember 2020) auf Antrag der Staatsanwaltschaft Kleve dem Haftrichter vorgeführt. Das Amtsgericht Kleve hat Haftbefehl wegen Totschlags erlassen. Sie befindet sich in Untersuchungshaft. Nach derzeitigem Stand dürften Differenzen im häuslichen Bereich eine Rolle spielen. Die Ermittlungen dauern an.

Schon jetzt aber lässt sich sagen, dass es sich nicht um die erste Gewalttat handelt, die sich in einer Unterkunft für Leiharbeiter ereignet hat, und dass sich möglicherweise die menschenunwürdige, aber viel zu lange tolerierte Art der Unterbringung zumindest begünstigend auf die Entstehung solcher Konflikte auswirkt. Erst Ende November hatte es in Emmerich einen weiteren Fall mit einem tödlichen Ausgang gegeben: In einer Unterkunft am Geistmarkt wurde ein 45 Jahre alter Mann mit einer Stichverletzung am Bein im Hausflur aufgefunden. Er verstarb im Krankenhaus. Zwei Tage zuvor war ein 22 Jahre alter Bewohner in derselben Unterkunft von drei Männern mit einem Messer bedroht und geschlagen worden.

Anfang des vergangenen Jahres hatte in einer Unterkunft in Kranenburg ein 40 Jahre alter Mann einen Mitbewohner (39) mit einem Messer angegriffen und lebensgefährlich verletzt. Der Täter wurde zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt.

Die unwürdigen Zustände bei der Unterbringung der zumeist in den Niederlanden tätigen Menschen sind spätestens seit dem vergangenen Kommunalwahlkampf auch ein Thema in der Politik, insbesondere weil sich durch die beengten Verhältnisse auch das Coronavirus leicht ausbreiten konnte. Das Land NRW hatte daraufhin die rechtlichen Möglichkeiten geschaffen, dass Sammelunterkünfte auch als Beherbungsbetrieb eingeordnet werden können, für die ungleich strengere Richtlinien gelten. Geschehen ist in dieser Richtung aber noch nichts.

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9 Kommentare

  1. 9

    An kleveblog,
    interessanter Artikel der Kollegen von den Niederrhein-Nachrichten zur Verhandlung un dem ersten Verhandlungstag, erschildert ausführlich des hier in Kleve, Zitat geparkten „Menschenmaterial“ der Leiharbeiterfirmen die hier und in den Niederlanden tätig sind!

    ………Irgendwann gelangen Gabriel und Frau Z. nach Deutschland. Sie haben sich bei einer Leiharbeitsfirma verdingt. Vielleicht muss die Geschichte einer Entwurzelung beschrieben werden. Frau Z. erzählt aus einem Leben, in dem Arbeitsverhältnisse von kurzer Dauer sind. Eine niederländische Firma ‚parkt‘ ihr Menschenmaterial in deutschen Wohnungen. Nicht nur Z.s Beziehung zu Gabriel – auch die Arbeitsverhältnisse folgen einem steten On-Off-Rhythmus. „Erzählen Sie von den Arbeitsverhältnissen, die länger als drei Monate gedauert haben“, bittet der Vorsitzende in der Befragung zur Person. Frau Z. überlegt. Sie findet nichts………..

    https://www.niederrhein-nachrichten.de/2021/09/14/ein-stich-ins-herz/?fbclid=IwAR2wmt5NQ8_eqiCV5z4JgfhH31hp-R9ZyAjZ9Spd09MzmFzp3icVA_VDVis

     
  2. 5

    @3 Winston Smith Es gibt viele Faktoren, die eine solche Tat begünstigen können. Aber nicht jede Person würde unter denselben Bedingungen in der gleichen Situation gleich handeln, die allerwenigsten sogar. Deshalb halte ich Ihren Hinweis für wichtig, bevor hier noch zu viel „entschuldigt“ wird.

    @4 rd „vollkommen naheliegend, wenn man sich nicht aus dem Weg gehen kann“ – dass man den anderen dann umbringt? Nee, so naheliegend ist das nicht. Da wären gerade dieses Jahr mehr Menschen auf diese Weise umgekommen.

     
  3. 4

    @Winston Smith Nein, nur wahrscheinlich begünstigend, und das ist doch vollkommen naheliegend, wenn man sich nicht aus dem Weg gehen kann. Grüße in den Hobbykeller!

     
  4. 3

    Wie weltfremd und abgehoben muss man sein, um die Schuld für diese Tat den beengten „menschenunwürdigen“ Wohnbedingungen zuzuschieben.
    Unter beengten Wohnbedingungen leiden aufgrund der steigenden Mieten immer mehr Mieter und der moderne Wohnungsbau findet immer mehr Möglichkeiten, um Menschen auf immer kleineren Wohnflächen unterzubringen, ohne dass die Bewohner deswegen ihre Mitbewohner erstechen.

    Ebenso zeugt es von einem Tunnelblick, wenn die schleppenden Instandhaltung des Gebäudes für das aggressive Verhalten einzelner Bewohner verantwortlich gemacht wird. Es ist ein Schüren von Vorurteilen.
    Für diese These gibt es keine belastbaren Untersuchungsergebnisse.
    Todesfälle aufgrund Gewalttäter kommen ebenso in neuen Häusern vor.

     
  5. 2

    Der Tatverdächtigen wünsche ich auch einen guten Anwalt. Bei der milden Strafe bin ich mir nicht sicher. Es ist ein Mensch getötet worden und die Umstände dieser Tat sind noch nicht bekannt. Ebenso wie die Verdächtige zu ihrer Tat steht. War es eine Affekttat von einer bisher friedfertigen Person, die die Person selbst vollkommen überrascht hat? Wenn es so wäre, ist die Tat für die Tatverdächtige selbst schwer zu ertragen und eine milde Strafe wäre wünschenswert. Aber es kann auch ganz anders gewesen sein. Harte Lebensbedingungen wie im Text oben beschrieben tragen sicherlich zur Eskalation bei.

     
  6. 1

    eingepferchte Menschen fern von Heimat und Muttersprache, in restgenutzten Schrottimmos. Ich wünsche der Verdächtigen einen guten Anwalt und ein mildes Urteil