11 Familien neu in Materborn, ein Problem?

Der Plan der Klever Stadtverwaltung, aus der ehemaligen Hauptschule in Materborn, zwischenzeitlich auch Schlafstatt für wohnungssuchende Studenten, eine Unterkunft für Asylbewerber zu machen, sorgt in Materborn für Unruhe – eine Entgegnung von Ratsmitglied Michael Bay (Grüne):

11 Familien sorgen für Unruhe in Materborn? Es ist immer das Gleiche: Da ziehen neue Leute in die Nachbarschaft und gleich wird darum ein Wirbel veranstaltet. Warum?

Nun, weil die Steigerung der Kriminalitätsrate befürchtet wird. Weil das Dorf Materborn zum Angstraum für unsere Frauen und Kinder wird. Weil, weil, weil…

Ach ja, Stadt und Rat sind angeblich auch noch schuldig und handeln unverantwortlich, weil sie die Bürger/innen nicht vor diesen Menschen gewarnt und an einem runden Tisch über die Eigenheiten dieser Menschen aufgeklärt haben. Kommt Ihnen das nicht irgendwie bekannt vor?

Da werden Menschen zu gefährlichen Unwesen gemacht. Man weiß zwar nicht ganz genau, was nun das Gefährliche sein soll, aber dass sie das friedliche Zusammenleben stören, das sei schon einmal klar.

Aber warum?

Na, weil sie nicht Deutsch sind. Weil sie verfolgt werden und (nicht nur) in ihren Heimatländern um ihr Leben fürchten müssen. Das macht sie gefährlich und bedrohlich?

Vielleicht auch, weil sie noch nicht so gut Deutsch sprechen wie der deutsche Tourist Türkisch, Portugiesisch, Spanisch, Arabisch, usw. in den All-Inclusive-Kasernen, in denen er sich seine Wünsche von den netten Eingeborenen auf dem Silbertablett hinterher tragen lässt?

Aber kehren wir in die Realität zurück:

In Materborn werden 11 Familien, insgesamt 43 Menschen in der alten Hauptschule eine Wohnstatt finden. Und deshalb wird ein Gewese gemacht, als entstünde dort eine chemische Fabrik oder ein Zwischenlager für Atommüll.

So als bräuchten diese Erwachsenen und diese Kinder nicht den gleichen Schutz und die gleiche freundschaftliche Unterstützung wie wir Alle. So als trügen sie nicht zur Vielfalt bei, die wir schon in Kleve haben.

Materborn ist mit einer Fläche von 1885 Hektar der größte Ortsteil der Stadt Kleve. Mit 10.670 Einwohnern ist Materborn, nach Kleve, der bevölkerungsreichste Ortsteil. Und dieser Ortsteil wächst nun um 0,4 Prozent.
Und das ist gefährlich, bedrohlich und macht Angst?

Geht’s noch? Können wir den Menschen nicht Besseres bieten? Raum, die neuen Nachbarn willkommen zu heißen, den gibt es genug. Anstatt sich zu überlegen und zu echauffieren, wie man diese Menschen so schnell wie möglich loswerden kann, sollten wir sie in unserer reichen Gemeinschaft herzlich willkommen heißen und Ihnen erklären, wie das Zusammenleben und Gastfreundschaft hier so funktionieren. Welche Vereine es hier gibt. Und dass sie gern in der freiwilligen Feuerwehr mitmachen können.

Schulen haben wir auch. Wir können den neuen Nachbarn also sehr viel mehr bieten als dieses unsäglich dumme Gemisch von Misstrauen, Unterstellungen und Ablehnung. Wir könnten Ihnen zeigen, dass Niederrheiner freundliche, zuvorkommende und hilfsbereite Menschen sind.

So einfach ist das.

Veröffentlicht am
Kategorisiert in Alles

Deine Meinung zählt:

62 Kommentare

  1. 52

    In diesem Land besteht und bestand immer die Gefahr, in Krisenzeiten und in schlechteren Zeiten sogenannte „Schuldige“ zu suchen und dann auch zu finden. Fr

     
  2. 51

    @ 44. Fisch
    Ich stimme zu, dass gegenseitiger Respekt das Wichtigste ist und bestimmte Dinge wie „Gesundheit“ sagen eigentlich nebens

     
  3. 49

    Man sollte die Randgruppen nicht gegeneinander ausspielen. Jugendarbeitslosigkeit und Jugendobdachlosigkeit entstehen durch Vers

     
  4. 47

    Macht man eigentlich wegen obdachloser Jugendlicher im Alter 18-25 auch so ein Fass auf?
    (Davon gibt es in Kleve mehr als elf)

     
  5. 40

    @ Bewohner des vereinigten Wirtschaftsgebiet

    Ich stimme zu und schalte deshalb komplett und f

     
  6. 31

    Das Asylrecht und der Umgang mit Asylsuchenden ist auch vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte zu sehen.

    Trotzdem sollte man auch das Unbehagen und die Vorbehalte mancher Anwohner nicht vom Tisch wischen oder verurteilen, so lange sich das nicht handlungsleitend gegen Asylsuchende richtet. Allgemein: Im schlimmsten Fall f

     
  7. 29

    @ 27

    Ganz so ist es nicht. Jeder Redakteur ist auch -mal weniger, mal mehr- subjektiv in seiner Arbeitsweise. Wenn man beispielsweise Positives

     
  8. 28

    Diese ganze Fremdenphobie wundert mich nicht wirklich. In manchen Teilen von Kellen beispielsweise ist man selbst nach 40 Jahren vorort immer noch bei Manchen ein fremder Zugezogener…;) Von der Situation in einigen D

     
  9. 27

    Art. 5GG „Eine Zensur findet nicht statt“ Ich darf mal lachen. Was f

     
  10. 25

    @Bernd Derksen

    Eine gute Idee, eine Einladungsrunde einer Veranstaltung voraus zu stellen.
    Die Entt

     
  11. 22

    @luckyluke Im Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) sind seit 1993 die sozialen Leistungen an Asylbewerber geregelt. Im ersten Jahr ihres Aufenthalts (seit dem 6. September 2013: in den ersten 9 Monaten ihres Aufenthalts) gilt f

     
  12. 21

    Ich habe mit meinem Kommentar das Asylrecht nicht in den zweifel gezogen und finde es bedenklich das meine sachliche Meinung die nicht diskriminierend war nicht ver

     
  13. 18

    Denke da schwirrt vorallem viel Unsicherheit mit.

    Die Stadt ist hier aber auf dem richtigen Weg. Die Menschen m

     
  14. 13

    In den 60er Jahren konnte man am Niederrhein schon als fremd gelten, wenn man in einem Dorf an der holl

     
  15. 11

    Es ist normal Vorbehalte gegen ungewohnte Situationen zu haben. Es ist aber eine absolute Sauerei, Menschen die aufgrund einer vor

     
  16. 1

    Es sollten alle willkommen sein, die in ihrer Heimat verfolgt werden und um Leben und Gesundheit f